Phillip Boa And The Voodooclub – Bleach House – Cargo Records 2014

 

Von Matthias Bosenick (11.09.2014)

Bevor es an die wie eh und je ausgesprochen gute Musik geht, stellt sich eine andere Frage, die in Bezug auf Boa leider ebenfalls mit dem Attribut „wie eh und je“ verknüpft ist: Welche Vorstellungen hat der Dortmunder vom Format Musikalbum? Wenn der Fan die Deluxe-Version des neuen Albums kauft, bekommt er eine Bonus-CD mit acht weiteren Stücken und eine Live-DVD dazu – das Haupt-Album hat aber drei Lieder weniger als die Digipak-Einzel-CD. Man kann natürlich wohlwollend feststellen, dass der Künstler recht freigiebig mit seinem Ideenreichtum umgeht, andererseits wirkt die Auswahl seiner Stücke auf den Alben dadurch beliebig. Unabhängig davon schreibt Boa einfach tolle Songs, zwischen Hymne und Rockbrett, was „Bleach House“ verlustfrei in die nicht abreißende Reihe der seit 2000 wieder guten Boa-Alben einfügt. Ein Wermutstropfen: Obwohl sie als Autorin im Booklet noch vereinzelt auftaucht, ist Pia Lund nicht mehr dabei.

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Mope – Mope – Taxi Driver Records 2014

Von Matthias Bosenick (05.09.2014)

So sonnig ist es in Italien: Das Genueser Quartett Mope macht schleppenden Doom Metal mit Saxophon, zu dem es sich prima im feuchten Keller verweilen lässt, damit auch ja keine gute Laune aufkommt. Dieser Plan geht aber schief: Das Album ist so gut, dass man sich darüber nur freuen kann. Da nimmt man dann auch gerne in Kauf, dass es mit der musikalischen Eigenständigkeit abgesehen vom Saxophon nicht ganz so weit her ist.

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Jimmy’s Hall – Ken Loach – GB/F/IRL 2014

Von Matthias Bosenick (21.08.2014)

Erschreckend zeitgemäß ist die Geschichte von dem Iren Jimmy Gralton aus dem Jahr 1932, die uns Ken Loach mit seinem offenbar letzten Film erzählt. Das tut er nach alter Schule: ohne schnelle Schnitte, aber mit kunstvoll komponierten Bildern, schönen Farben, schlüssigen Zeitsprüngen, pointierten Dialogen, politischer Botschaft und der wohl schönsten Sexszene ohne Sex, die es im Kino gibt.

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Lucy – Luc Besson – F 2014

Von Matthias Bosenick (16.08.2014)

Was für ein Blödsinn, und das von Luc Besson. Die Story ist hanebüchen, durchsetzt von den typischen Logiklöchern, die in Hollywood mittlerweile Voraussetzung sind, die Hauptfigur lässt den Betrachter kalt, die Elemente sind Versatzstücke aus anderen Filmen, die Action ist flach, der Inhalt nicht minder. Wenn man es recht bedenkt, hat Besson in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr bestätigt, wofür man ihn bis dahin zum Meisterregisseur heiligsprach. Schade!

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Deine Lakaien – Crystal Palace – Chrom Records/Soulfood 2014

Von Matthias Bosenick (11.08.2014)

Och, nö! Da lassen sich Ernst Horn und Alexander Veljanov satte vier Jahre Zeit für ihr zehntes Album als Deine Lakaien, und dann langweilen sie damit doch nur. Wieder, wie man inzwischen meint. Oder ist es nur der Hörer, der musikalisch weitergewandert ist und den larmoyanten Mollton einfach mal satt hat? Es erstaunt auch, dass das musikalische Produkt zweier dergestalt Versierter so banal erscheint. Nach all der Kollegenschelte sollte das Duo jedenfalls keine Steine in seinen Crystal Palace mitnehmen.

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Manic Street Preachers – Futurology – Smi Col/Sony 2014

Von Matthias Bosenick (10.08.2014)

Es gibt nicht viele Bands, die ihre Spektakularität nicht halten können, aber trotzdem interessant bleiben. Die Manic Street Preachers machen seit dem Jahrtausendwechsel Musik, die niemanden mehr so recht interessiert, die auch niemanden mehr so recht aufrüttelt, die aber diejenigen zufriedenstellt, die der Band trotzdem folgen. „Futurology“, das Schwesteralbum zu „Rewind The Film“ aus dem Vorjahr, ist rockiger als jenes ausgelegt, und es ist sicherlich auch so aufgestellt, knallt aber lange nicht so wie etwa die von jugendlicher Kraft getriebenen „Gold Against The Soul“ oder „The Holy Bible“ aus den frühen 90ern. Und dennoch, man freut sich, wie sehr die neuen Songs ins Ohr gehen und wie gerne sie sich ins Gedächtnis einnisten. Gut gemacht.

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Tatati Tahiti – Mi-Lom mianoho – Tatati Tahiti 2014

Von Matthias Bosenick (28.07.2014)

Ein irres Zeug! Comlan Edoh veröffentlicht unter seinem Alias Tatati Tahiti ein neues Album und fordert damit jeden westlich (eigentlich: nördlich) orientierten World-Music-Hörer heraus, der auf modernen Afro-Beat steht. Denn was Edoh macht, ist fast nur noch Beat, Melodie kommt fast ausschließlich über die Stimme. Das Album klingt wie ein Fieberwahn und versucht erst gar nicht, europäisches Musikverständnis gewinnbringend zu bedienen. Wer sich darauf einlassen kann, bekommt mindestens gute Laune.

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The Wirepushers – Electric Puppetry – United Producers Records 2014

Von Matthias Bosenick (21.07.2014)

Rock’n’Roll! Weil Metal allein nicht glücklich macht, ist Deutschlands gefragtester Metal-Produzent und -Studiogitarrist Sascha Paeth nebenbei seit ein paar Jahren mit The Wirepushers aktiv. Jetzt liegt das Debütalbum vor, und das ist rauh, unzeitgemäß und mit dem nötigen Pfund Humor ausgestattet, und überall da, wo der durchblitzt, ist das Album auch am besten. Ein schöner Auftakt.

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Die Karte meiner Träume (The Young And Prodigious T.S. Spivet) – Jean-Pierre Jeunet – F/CDN 2013

Von Matthias Bosenick (17.07.2014)

Jean-Pierre Jeunet macht also einen Kinderfilm in 3D. Vielleicht liegt es genau an diesen beiden Faktoren, aber so richtig mitreißend ist „Die Karte meiner Träume“ nicht geworden. Der Film trägt die visuell überbordende Handschrift Jeunets und birgt so manche fantastische Idee, aber reichen die Charaktere nicht, um sich ausreichend mit ihnen zu identifizieren. Zudem erfährt die reichlich vor sich hin pläzschernde Geschichte in ihrer Mitte einen wenig plausiblen Bruch. Das Ansehen lohnt sich aber, denn die Bilder sind schön.

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Micha-El Goehre – Monster, Monster – Verlag Andreas Reiffer 2014

Von Matthias Bosenick (14.07.2014)

Fast wäre „Monster, Monster“ das Goehre’sche „Chinese Democracy“ geworden: Diverse Male verschob sich der Veröffentlichungstermin, aber bei weitem nicht so lang und oft wie bei W. Axl Rose – und mit positivem Ausgang. Das kleine Büchlein fügt sich als Lexikon gnadenlos in die Reihe „Edition Wissenswertes“ des Verlags Andreas Reiffer ein, denn Goehre schafft einen handlichen Überblick über gängige Monsterfiguren aus Literatur, Mythen, Film und Comic und garniert seine Darlegungen mit der ihm üblichen Respektlosigkeit der Sache an sich und dem Rest der Dinge gegenüber. So ist dies zwar einerseits ein Nachschlagewerk, wenn auch lückenhaft (vermutlich aus purer Lebensfreude) und eher subjektiv, als dass es ein verlässliches Kompendium darstellt, aber andererseits ein Schlag in alle auch nur halbwegs in der Nähe stehenden Gesichter, der dergestalt schallt, dass das Lachen des Lesers dem in nichts nachsteht.

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