La grande Bellezza – Paolo Sorrentino – I/F 2013

Von Matthias Bosenick (27.07.2013)

Dieser Film ersetzt rund zehn Tage Italienurlaub, ist auch beinahe so lang, kommt einem aber deutlich kürzer vor. Regisseur Paolo Sorrentino als 43-Jähriger zählt ja beinahe noch zu den jungen Regisseuren, „La grande Bellezza“ ist auch erst sein dritter Film, der hierzulande überhaupt Beachtung findet. Also freut es umso mehr, einen Quasi-Newcomer dabei zu beobachten, wie er seinen preisenswerten Stil ausbaut und einmal mehr einen Film klassischer europäischer Machart dreht, bei dem Ästhetik, Aussage, Inhalt und Schauspieler stimmen. Da erscheinen 147 Minuten glatt kurzweilig. Der Film hätte auch länger dauern können, ganz wie ein zehntägiger Italienurlaub.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Reduced! – Constrictor 2013; Deine Lakaien – Acoustic II – Chrom 2013

Von Matthias Bosenick (14.07.2013)

Zwei deutsche vornehmlich dem Gothic zugeordnete Indie-Bands veröffentlichen gleichzeitig ihre Variante eines Unplugged-Albums. Phillip Boa And The Voodooclub sind „mehr oder weniger akustisch“, indem sie ihre Songs zwar verstärkt, aber sanfter instrumentiert darbieten, und Deine Lakaien setzen ihr 1995er-Projekt „Acoustic“ fort, indem sie wie weiland ihre eigentlich elektronischen Synthie-Songs auf einem präparierten Klavier nachspielen und ihnen überraschenderweise mehr Qualität verleihen als zuletzt auf den Studioalben. Beide Alben eint, dass sie live aufgenommen wurden und nicht regulär im Handel erhältlich sind.

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Fliegende Liebende (Los amantes pasajeros) – Pedro Almodóvar – E 2013

Von Matthias Bosenick (05.07.2013)

Was heißt eigentlich „Enfant terrible“ auf Spanisch? Als ein solches ist Pedro Almodóvar zwar bekannt, aber das heißt nicht zwangsläufig, dass er sich auf diesem Ruf ausruhen muss. Leider tut er das in „Fliegende Liebende“, der eigentlich „Fliegende Schwanzlutschende“ heißen müsste: Von Liebe keine Spur. Für das Verständnis des Films ist es anscheinend nicht unerheblich, des Meisters Intentionen zu kennen, und alljenen, denen die Vorabinformationen fehlen, kredenzt Almodóvar leider keinen Film, der trotzdem bestens funktioniert. Indes, auch mit den Infos funktioniert der Film nicht.

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Oliver Kalkofe – Kalkofes Mattscheibe Rekalked – Turbine Classics 2013

Von Matthias Bosenick (30.06.2013)

Ohne Oliver Kalkofe hätte der Rezensent als Nichtfernsehender fast gar keinen Einblick mehr in das, was einem die 532 empfangbaren TV-Sender so vorsetzen. Ohne Oliver Kalkofe wäre das, was einem die 532 empfangbaren TV-Sender so vorsetzen, allerdings auch nicht ertragbar. Okay, auch mit ihm quält man sich oft fremdschämend im Sessel. Nach einigen Jahren Pause gibt es jetzt neues Futter vom Fernsehkritiker mit Hang zur Selbstverhohnepiepelung auf DVD. Was Kalkofe heute so macht, macht er ganz gut; er hätte aber sicherlich eine deutlich größere Auswahl an Scheiß abdecken können. Und: Die DVD-Box ist eine Mogelpackung; sie enthält lediglich „Die komplette erste Hälfte“ der ersten Staffel auf Tele5 sowie einen Platzhalter im Pappschuber für die zweite DVD-Box.

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Dead Can Dance – Live auf der Freilichtbühne im Stadtpark Hamburg am 19. Juni 2013

Von Matthias Bosenick (21.06.2013)

Haben wir alles? Decke, Weißwein, Becher, Teller und Besteck; eine Stange Weißbrot, Grissini, Sour Cream, Arla Buko mit Bärlauch-Pesto, Pesto Rosso, Antipasti aller Art, eine Tüte Mandeln, ein Pfund Erdbeeren. Ja, wir haben alles. Alles, was man braucht, um an einem heißen Hamburger Sommertag im Park zu Livemusik chillen zu können. Okay, also gehen wir los, in den Stadtpark, am schlauchartigen Eingang zur Freilichtbühne gibt es zwei schmale Grünstreifen, auf denen sich sommers alljene niederlassen, die nicht den Eintritt zur Freilichtbühne entrichten, aber trotzdem die Musik erleben wollen. Heute spielen Dead Can Dance, die Sonne glüht, Hamburg schmilzt, wir haben Picknickhunger. Auf dem Grünstreifen vor dem Eingang finden wir mit Leichtigkeit Platz, laut Inga so kurz vor Beginn der Veranstaltung eigentlich recht ungewöhnlich. Wir errichten unseren Picknickplatz zwischen zwei locker voneinander entfernten Gruppen und lassen den Strom der Ticketbesitzer an uns vorbei ziehen. Als wir die Weinflasche aus der Tasche holen, fällt uns auf, was wir vergessen haben: Den Korkendreher. Was tun? Per Mobiltelefon im Internet gucken, was man dann macht? Den Kugelschreiber nehmen, wie früher, und den Korken in die Flasche drücken? Oder unsere Nachbarn fragen: die beiden abgehalfterten Altpunks links oder das Paar mit dem Axl-Rose-artigen Tier als männlichem Part rechts? Wir entscheiden uns für den Axl-Typen. Mal sehen, was passiert.

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The Eden House – Half Life – Jungle Records 2013

Von Matthias Bosenick (16.06.2013)

Trip-Goth nannten The Eden House die Musik ihres Debüts „Smoke And Mirrors“ vor vier Jahren. Damals waren die musikalischen Einflüsse der Bands, aus denen sich die Musiker rekrutierten, auch noch deutlicher zu hören, allen voran Fields Of The Nephilim. Das ist beim Nachfolger reduzierter, selbst von Goth kann kaum noch die Rede sein. Was nicht schlimm ist, Gothic war ja in seiner Urform nie das, was die heutigen Protagonisten darunter veröffentlichen. Auch Post Rock oder Shoegaze passt nicht, Ambient Rock oder Dream Pop schon eher; es fehlen ein wenig die Widerhaken. Geblieben ist das erbauliche Konzept, ausschließlich Frauen singen zu lassen, dazugekommen sind Gastmusiker unter anderem von The Mission und Roxy Music.

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Daft Punk – Random Access Memories – Columbia 2013

Von Matthias Bosenick (15.06.2013)

Das ganze Album ist eine einzige positive Überraschung. Aus vielen Gründen: Nach dem eher belanglosen „Tron Legacy“-Soundtrack ist es mal wieder richtig gut, es ist hörbar handgespielt und deutlich chilliger, als man es von dem Frenchhouse- und Dance-Duo erwartet hätte.

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Vehlmann & Yoann – Spirou + Fantsaio 51: In den Fängen der Viper (Dans le griffe de la Vipère) – Carlsen 2013

Von Matthias Bosenick (31.05.2013)

Die öffentliche Meinung ist seltsam. Nach sieben Jahren Pause übernahmen Morvan & Munuera die stillgelegte Serie „Spirou & Fantasio“ 2005 für vier Episoden, die offenbar niemand mochte. Bis auf den Rezensenten. Jedenfalls schasste man das Duo wieder und setzte dafür Vehlmann & Yoann ein, die bereits 2006 den One-Shot „Die steinernen Riesen“ gestalteten. Das Album war großartig, doch leider kann das Duo die Qualität auch im mittlerweile dritten neuen Serien-Band nicht halten.

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No (¡No!) – Pablo Larraín – Chile/USA 2012

Von Matthias Bosenick (16.05.2013)

Das Thema ist gut und wichtig und sicherlich nicht zufällig heute gewählt (wenngleich unglücklicherweise wahrscheinlich jederzeit die richtige Zeit dafür ist): Die Geschichte von dem Werbefilmerteam, das in den 80er Jahren mit 27 fünfzehnminütigen Werbefilmen die Bevölkerung davon überzeugen soll, gegen Diktator Augusto Pinochet – also mit „No“ – zu stimmen, und damit auch Erfolg hat. Wünscht man sich jederzeit möglich, auch heute. Friedliche Revolution mit Erfolg, das verhasste System gekippt. Der Film wäre allerdings wirkungsvoller, wenn er nicht so zäh wäre und sich nicht stilistisch so pseudo-experimentell auf 80er getrimmt ausgenommen hätte.

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Der Tag wird kommen (Le grand soir) – Benoît Delépine & Gustave Kervern – F 2011

Von Matthias Bosenick (12.05.2013)

Der Film kommt spät nach Deutschland, aber überhaupt, und das ist gut so, denn es wäre sonst ein immenses Versäumnis. So kompromisslose Filme im Stile der Indie-Filmer der 90er sind selten geworden, auch das einst innovativere, eigenständigere Kino aus Europa konzentriert sich seit langem leider auf massenkompatible Wiederholung derselben Themen. Mit ihrem dritten Film „Louise-Michel“ überraschten Benoît Delépine und Gustave Kervern 2007, Nachfolger „Mammuth“ (Hauptdarsteller Gérard Depardieu hat in „Der Tag wird kommen“ eine winzige witzige Nebenrolle) schielte hingegen auf den Markt, der neue „Der Tag wird kommen“ nun nimmt den Gestus von „Louise-Michel“ wieder auf. Der Film besticht mit einer ungewöhnlichen Handlung, noch viel mehr aber damit, wie er diese Handlung erzählt.

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