The Hand Of God (È stata la mano di Dio) – Paolo Sorrentino – Netflix/I 2021

Von Matthias Bosenick (20.12.2021)

Viele üppige Bilder und skurrile Situationen aus „The Hand Of God“ bleiben in nachhaltiger Erinnerung, und doch scheint der Stern von Regisseur Paolo Sorrentino im Sinken begriffen zu sein. Rund um das irreguläre Tor Diego Maradonas strickt er in dieser an seine eigene Biografie angelehnten Mär seine Legende vom im verarmten Neapel aufgewachsenen Teenager in einer bekloppten Familie, laut der „Die Hand Gottes“ höchstselbst ihn vom Tode bewahrte – anders als seine Eltern. Zwar ist man es von Sorrentino gewohnt, dass in seinen Filmen scheinbare oder tatsächliche Willkürlichkeiten ihren festen Platz haben, aber in diesem Film sind sie teilweise etwas unschlüssig aneinandergereiht. Und wenn das wirklich alles autobiografisch ist, weiß man am Ende zu viele Details über seine Sexualität, die man gar nicht wissen will. Einmal mehr gilt: Je älter der Mann, desto frivoler die Kunst.

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Love, Death And Robots (Staffel 2) – Blur Studios – Netflix 2021

Von Matthias Bosenick (26.05.2021)

Selten genug, dass die Fortsetzung besser ist als der Auftakt, aber bei der Serie „Love, Death And Robots“ trifft das zu: Die Episoden sind geschlossener, mehr auf den Punkt, atmosphärischer, tragen mehr Handlung und mehr Emotion. Das Maß an Gewalt und an Porno ist jeweils zurückgenommen, die Figuren und deren existentielle Situationen stehen im Mittelpunkt dieser acht unterschiedlich animierten SciFi-Storys. Hier gibt es keinen Ausfall, wohingegen unter den 18 Kurzfilmen der ersten Staffel einige verzichtbar waren. Das allein kann man schon feiern, und dann möchte man in der Atmosphäre der Geschichten bereitwillig mehrmals abtauchen.

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Wer hat Sara ermordet? (¿Quién mató a Sara?) – Bernardo de la Rosa & David Ruiz – MEX/Netflix 2021

Von Matthias Bosenick (05.04.2021)

Wenn man als Drehbuchautor eine Geschichte nur dann so voranbringen kann, wie man es möchte, indem man Logiklöcher umschifft, hat man dafür zwei Möglichkeiten: verdrehte Erklärungen konstruieren oder blind drüberwegerzählen. Für die Netflix-Serie „Wer hat Sara ermordet?“ entschieden sich die Produzenten für zweitere Option. Mit der Erzählweise, zwischen den Zeitebenen und den Figuren im Zickzack zu springen, erzeugen sie einen fesselnden Sog, obgleich man sich unablässig fragt, warum man trotz der Löcher im Drehbuch überhaupt dranbleibt. Und dann bringen sie die Antwort auf die Titelfrage noch nicht mal am Ende der ersten Staffel, sondern setzen im Mai – immerhin schon! – die Story mit einer zweiten Staffel fort.

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Pokémon: Mewtwo Strikes Back: Evolution (ミュウツーの逆襲 EVOLUTION) – Motonori Sakakibara & Tetsuo Yajima – J 2019/Netflix 2020

Von Matthias Bosenick (02.03.2020)

Allein der sperrige Titel! Lässt man sich vom Trailer dazu verführen, „Pokémon: Mewtwo Strikes Back: Evolution“ auf Netflix zu gucken, versucht man anfangs noch, die gelungene CGI-Animation der beliebten Taschenmonster zu genießen, die man nicht nur aus dem immer noch populären Handyspiel Pokémon Go kennt. Schnell gehen einem jedoch die Nichthandlung, das Gekreische und die sinnfreien Dialoge auf den Keks. Da kann Pikachu noch so süß gucken: Der Mischfilm „Pokémon Detective Pikachu“ war gelungen, dieses Remake eines 22 Jahre alten Animationsfilms ist Zeitverschwendung.

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What Did Jack Do? – David Lynch – Netflix 2020

Von Matthias Bosenick (06.02.2020)

Seit 2006 produzierte der verschrobene Regisseur David Lynch nichts mehr fürs Kino („Inland Empire“), seit 2017 nichts fürs Fernsehen („Twin Peaks“, Staffel 3), und dann stellt der Mann im Januar 2020 ganz plötzlich einen Kurzfilm bei Netflix ein, den er bereits 2016 fertigstellte. Mit ebenjenem „Hä?“ wie auf diese Umstände reagiert man auch auf den Film selbst: Der Regisseur befragt sein äffisches Alter Ego nach einem Mord, woraus sich eher unzusammenhängende Dialoge ergeben. Schönes Schwarzweiß, viel Zigarettenrauch, ein guter Witz – ansonsten nur Fragezeichen. Es ist, als sähe man ihm dabei zu, wie er gedankenverloren auf seiner Schreibtischunterlage herumkritzelte.

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Thom Yorke – Anima – XL Recordings 2019

Von Matthias Bosenick (30.08.2019)

Wenn der Soundtrack deutlich länger ist als der Film dazu, hat Thom Yorke etwas geschafft, was ihm mit „Suspiria“, der Veröffentlichung davor nicht gelang, obwohl es sich dabei sogar um ein Doppel-Album handelte. Das liegt aber auch daran, dass „Anima“ nur eine Viertelstunde lang ist, und es ist auch gut so, dass das auf das Album nicht zutrifft: Yorke extrahiert den Electro-Anteil aus seiner Rockband Radiohead und erzeugt daraus, ergänzt durch ein Orchester, eine intelligente, warme, künstliche und künstlerische Musik. Der Netflix-Film dazu von Paul Thomas Anderson ist auch ganz reizvoll.

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Stranger Things 3 – The Duffer Brothers – Netflix 2019

Von Matthias Bosenick (15.07.2019)

Was tut man, wenn eine Geschichte eigentlich längst auserzählt ist, aber überraschenderweise so viele Anhänger fand, dass man sich von Marktes Seite dazu getrieben sieht, sie fortzusetzen? Man baut äußere Umstände wie das Erwachsenwerden der Jungschauspieler in die Story ein, zitiert die rahmengebenden Achtziger wie nix, dreht an der Action- und Gewaltschraube und vergisst, worum es vor drei Jahren mal ging. In Staffel 3 der Netflix-Serie „Stranger Things“ findet man sich als Fan der ersten Stunde kaum noch zurecht. Zwar ist die Geschichte – nachdem man die unsäglichen ersten Episoden überstanden hat – spannend, aber nicht im Sinne der Serie, sondern lediglich aus sich selbst heraus. Ein, zwei Staffeln sollen noch folgen, heißt es. So geht das im Kapitalismus, der ist stärker als die Kunst. Zum Beispiel die Kunst, aufzuhören.

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Akte X: Staffel 11 – Chris Carter – FOX TV 2018

Von Matthias Bosenick (08.01.2019)

Überraschend unscheiße, die elfte (und erneut finale) Staffel von Akte X. Zwar merkt man den Hauptdarstellern an, dass sie nicht mehr so richtig Bock haben, erneut Scully und Mulder zu spielen, und zwar verbiegen die Autoren die Serienrealität zugunsten neuer unvorhergesehener Wendungen, und zwar überwiegt hier die Action über der Charaktertiefe, aber sind die Episoden überwiegend fesselnd und weitestgehend frei von Albernheiten erzählt. Inklusive der Metabegründung, warum die Serie heute nicht mehr funktioniert, weshalb man hoffen sollte, dass sie jetzt endgültig ad acta gelegt wird. „The Lone Gunmen“ auf DVD wäre jetzt noch ein schöner Nachklapp.

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Auslöschung (Annihilation) – Alex Garland – USA 2018

Von Matthias Bosenick (27.12.2018)

„2001: A Space Odyssey“ im Wald von „Blair Witch Project“: Wie eine unbestimmte außerirdische Macht da an irgendeinem Strand die Evolution manipuliert, lehrt eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen das Fürchten. Alex Garland erzählt diese bisweilen etwas konstruiert wirkende Dezimierungsgeschichte entspannt und ergreifend, schmückt sie mit ansehnlichen Bildern und vermeidet Kleistermucke. Hübscher Film, der sich sicherlich auch auf der Leinwand gut gemacht hätte, besonders der Flug in den Monolithen, ähm: der Blick in den Klon sowie die dezidiert gesetzten Sequenzen mit mutierten Angreifern im Regenbogenwald des Grauens.

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Die Brücke IV (Broen/Bron IIII) – Edel:Motion 2018

Von Matthias Bosenick (13.12.2018)

So findet nun leider diese formidable Thrillerserie ein Ende, die Vorlage für Remakes rund um den Globus war: In der vierten und finalen Staffel der Dänisch-Schwedischen Koproduktion treffen die autistische Saga Norén aus Malmö und der Junkie Henrik Sabroe aus Kopenhagen zum zweiten Mal aufeinander, um beide Länder betreffende Morde aufzuklären. Schöne Bilder, vielschichtige Figuren, Düsternis und Einblicke ins Leben der nordischen Nachbarn machen diese Serie so reizvoll. Ihr Ende bedauert man daher und sieht gnädig über die Schwächen in diesem der Serie angemessenen Finale hinweg.

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