Von Matthias Bosenick (28.08.2026)
Selbstbetitelt, aber nicht das Debüt von Coal & Crayon, deren neues Album „Coal & Crayon“ den selben Titel trägt, wie die Band heißt. Wommama ernstbleim: Unter Progressive Post-Metal firmiert das Quintett aus Bergen auf Rügen, was sich hier anhört wie Alternative Rock bis Metal mit Anwandlungen zwischen Verschachtelt und Harmonisch, und das – Gott sei’s gedankt – unter Unterlassung des Tappens in die Popfalle. Es tut der Musik sogar gut, dass sie nicht wirklich vorrangig richtig heavy ist – gut ist sie allemal.
Wenn schon Metal, dann sind Coal & Crayon hier vielleicht so wie die milderen Opeth oder deren Nachbarn Oak, also nicht auf Riffs und Gebretter aus, eher auf Licks und Stimmungen, und selbst die eingewebten Riffs haben etwas Weiches, also nicht im sphärisch-wattigen Sinne, sondern etwas weniger im Vordergrund. Um dem Rest der Band nicht die Schau zu stehlen, denn Bass und Schlagzeug tragen ihren Teil zum Sound bei, nicht zu unterschätzen. Alle zusammen agieren durch mehrschichtige, schachtelige Songs, mit Struktur-, Härte- und Taktwechseln, irgendwoher muss das Etikett „progressiv“ ja kommen, aber eben nicht auf Dampf aus, auch wenn die Stimme mal growlt. Wenn der Gesang hier zwischen den diversen rockenden Wellen mal klar wird, vermeidet er den Schritt zum Pop, zum Kitsch, und das ist gut so. Hier ist nichts falsch, alles fügt sich. Überdies in zwei Hälften Geteilt: die etwas rauhere „Coal“ und die leicht mildere „Crayon“, aber eigentlich ergibt alles doch sehr einen Fluss.
Nicht selten meint man, irgendetwas aus seiner eigenen Sammlung wiederzuerkennen. Die beiden O-Bands sind ja bereits genannt, dann klingen auch mal Tool an, wenn die Melodien eine Schräglage bekommen und das Schlagzeug zum Bruchrechnen ansetzt. Life Of Agony vielleicht, was das Melancholische betrifft. Die Akustikgitarre lässt an irgendwas aus dem Alternative Rock denken, aber nicht so richtig greifbar. Und manchmal ahnt man, der nächste Schritt, der nächste Wechsel, der sich andeutet, würde in Richtung NuMetal verweisen, aber dann bleiben Coal & Crayon ganz bei sich und kippen in etwas, auf das die Kids nie gekommen wären.
Eine lange und wechselvolle Geschichte liegt hinter den Rügenern. Bereits vor 21 Jahren gründeten viele der jetzt noch aktiven Musiker die Thrash-Metal-Band Message In Blood, einige spielten später parallel auch bei COR. 2013 erfolgte die Umwidmung zu Coal & Crayon, es erschien mit „World Asleep“ direkt das Debütalbum und nach wenigen weiteren Kleinformaten kam es vier, sechs Jahre später zur Auflösung. Nur temporär, 2024 erschien das Reunionalbum „Beneath The Moral Void“ mit Chris Bass von Heaven Shall Burn am Schlagzeug, da jener Posten bei Coal & Crayon der bewegteste ist. Neu in der Band sind jetzt Mathias Ruck am Schlagzeug und – seit 2021 – Steffen Wolter am Bass, geblieben sind John Killies am Mikro sowie die beiden Gitarristen Norman Gäthke und Robert Lefold.
