Drazek Fuscaldo – Fata Morgana – Odd Doo 2026

Von Matthias Bosenick (08.09.2026)

Neues aus der Krachmacherstraße: Aus den jüngsten Sessions von Drazek Fuscaldo mit Schlagzeuger Jörg A. Schneider, Trompeter Thymme Jones und Bassist Tatsu Aoki geht so viel Material hervor, dass das Chicagoer Duo es im Zwei-Wochen-Rhythmus auf diverse Labels verteilt herausbringt. Und von wegen Krach: „Fata Morgana“ ist das exakte Gegenteil, eine Chill-Out-Jazz-Session, die losgelöst die Freiheit im Traumland zelebriert.

Ein Drone liegt unter allem. Irgendein sanfter Brummton begleitet den ersten Track „Water Breathing“, so weit im Hintergrund, dass man schon lauter drehen muss. Was sich ohnehin empfiehlt: Dieses zarte zerbrechliche Album bedarf eines aufgedrehten Konsumiertwerdens. Als Ergänzung zum halligen Drone bearbeitet Schneider vorwiegend die Metallteile seines Drumkits, mit gelegentlichen Ausflügen zu den Snares oder Toms, beides so sanft wie der Drone. Eine Gitarre harmoniert dazu nebulös, als wäre sie einem Achtziger-Poprocksong entlaufen und suche schüchtern neuen Anschluss. Was an Piano vorhanden ist, ordnet sich nahezu unhörbar unter. Es dauert mehr als die Hälfte des 20 Minuten langen Tracks, bis sich die Trompete mit einer unbestimmten Melodie in den Hallraum gesellt. Man spürt, wie sich die Intensität allmählich steigert.

„An Afternoon“ beginnt mit dem Piano, sogar unerwartet hart angeschlagen, aber weiterhin im Hall und minimalistisch. Während sich das Schlagzeug bereitklickt, setzt plötzlich Gesang ein und das Stück verhält sich, als wäre es ein spätnächtlicher, dunkler, trauriger Barsong. Der Gesang erfordert Struktur, also bekommt das freie Musizieren hier eine konkretere Form. Was warm und einfühlsam beginnt, bekommt einen Stimmungswandel: Das Klavier und das Schlagzeug werden nervös, und sobald sich die Gitarre dissonant dazuschrammelt, weckt diese Erinnerungen an „Laughing Stock“ von Talk Talk. Die gestopfte Trompete verleiht dem Ganzen mehr Wärme.

Zuletzt klickert sich das Schlagzeug unablässig durch „Remain“, gelegentlich versetzt Schneider einer Snare einen Schlag. Dazu klimpert die Gitarre selbstversunken, nein, das ist eine Shamisen, eine dreisaitige gezupfte Halslaute, die Aoki da einsetzt. Später sorgt abermals die Trompete für hallige Wärme. Und – eine Mundharmonika? Damit man auch das Ende des Albums nicht verpasst, dreht das Quintett zuletzt richtig auf.

Die Besetzung ist bereits bekannt, vertraut, erprobt: Przemysław K. Drążek mit E-Gitarren, Trompete, Flügelhorn, Mandoline und Percussion, Brent Fuscaldo mit Bass, Gesang, E-Gitarre und Sequenzer, Jörg A. Schneider am Schlagzeug, Tatsu Aoki (青木 達幸) mit Bass und Shamisen sowie Thymme Jones mit Piano, Trompete, Percussion und Horn. Da ist noch mehr zu kommen! Bedauerlicherweise aufgrund der schieren Menge alles lediglich digital.