Blut aus Nord – Disharmonium – Nahab – Debemur Morti Productions 2023

Von Guido Dörheide (12.10.2023)

„The oldest and strongest emotion of mankind is fear, and the oldest and strongest kind of fear is fear of the unknown“. Sagt H.P. Lovecraft, und der weiß bekanntlich, wovon er spricht. Die französische Post-Black-Metal-Band Blut aus Nord tut, was sie kann, um Lovecrafts Worten Gewicht zu verleihen. Und diese Band kann viel. Zuvorderallererst mal schöne Albencover gestalten. „Das sieht aus wie die Horrorfilme, die ich immer ansehe“, sagte die Liebste gerade noch per Sprachnachricht, und Recht hat sie. Bereits mit dem Coverartwork sorgen Blut aus Nord für eine ganz bestimmte Stimmung, und dem setzen sie durch die Musik noch eine Krone auf (oder machen einen Knopf dran, wie mein Chef immer sagt). Ich will mich deshalb auch gar nicht groß über die lovecraftschen Themen, die Blut aus Nord immer wieder thematisieren, auslassen – denn davon verstehe ich zu wenig – sondern lieber von den düsteren Stimmungen schwärmen, die diese Band heraufzubeschwören in der Lage ist.

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Sigur Rós – Átta – Krúnk 2023

Von Matthias Bosenick (12.10.2023)

„Ata, Ata, Ata / In die Kneipe geht der Vatter“, zitierten einst Studio Braun einen Fünfziger-Jahre-Beischlafverweigerungswitz, und der hat rein gar nichts mit „Átta“ zu tun, dem nach zehn Jahren Pause nunmehr achten („Átta“, Isländisch für acht, juhihu!) Album der isländischen Eskapismus-Postrocker Sigur Rós. „Juhihu“, kopfsingt Jónsi in beatlosen Watteräumen, und man stellt fest, dass man dem inzwischen reichlich entwachsen ist, was einem noch vor 20 Jahren so musikalisch die Seele streichelte. Hohe Töne machen glücklich, heißt es, das mag für einige Leute zutreffen, anderen hingegen gehen sie vielmehr auf die Nerven, und selbst als jahrzehntelanger Fan stellt man fest, dass man längst zur zweiten Kategorie gehört.

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Baroness – STONE – Abraxan Hymns 2023

Von Guido Dörheide (11.10.2023)

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie fortwährend Begriffe miteinander verwechseln, die Dinge beschreiben, die vollkommen verschieden voneinander aussehen? Oldenburg und Osnabrück, Weihnacht und Wehrmacht, Mastodon und Baroness? Nun, seien Sie völlig unbesorgt – sowas ist völlig normal und absolut kein Anzeichen einer Störung nach ICD 11. Was letztere beide betrifft, haben sie immerhin gemeinsam, dass es sich sowohl bei Mastodon als auch bei Baroness um Progressive-Metal-Bands handelt, die in Georgia beheimatet sind (Erstere in Atlanta, Zweitere in Savannah) und die Teile ihrer Wurzeln im Sludge haben und die bei mir wohl genau deshalb ähnliche Gefühle beim Hören ihrer Alben hervorrufen.

Sowohl bei Mastodon als auch bei Baroness fiebere ich jeder neuen Veröffentlichung immer schon Monate im Voraus gespannt entgegen – wohl wissend, dass eine Enttäuschung ausgeschlossen sein wird. Und so übererfüllt auch „STONE“, das neue Album von Baroness, meine Erwartungen um ein Vielfaches.

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Heatmiser – The Music Of Heatmiser – Third Man Records 2023

Von Guido Dörheide (10.10.2023)

Wir alle kennen dieses Meme (mir ist gerade so, als hätte ich erst unlängst einen Beitrag ganz ähnlich begonnen) – also dieses Meme mit der Katze und dem Text „Die Katze ging gerade rüber zu dem HomePod mini auf meinem Schreibtisch und miaute es an, und Siri sagte ‚Natürlich ist hier etwas Musik für Dich‘ und die Katze hockte sich auf die Fensterbank, Garbage und Elliott Smith hörend. Ich möchte nur wissen, wie lange das schon so lief.“

Bevor ich dieses Meme zum ersten Mal sah, hatte ich mich noch nie mit Elliott Smith beschäftigt, aber seitdem finde ich seine Musik großartig. Smith, der ungefähr genau vor 20 Jahren, am 21. Oktober 2003, unter nicht komplett geklärten Umständen, höchstwahrscheinlich aber durch Suizid, starb, spielte vor seiner Solokarriere in der Band Heatmiser aus Portland, Oregon. Sein Solowerk war hauptsächlich von melancholischem Indie-Folk geprägt, Heatmiser hingegen spielten leicht vom Hardcore beeinflussten Indie-Rock. In der Visions wurde die Musik der Band Mitte der 90er als „eine Symbiose aus den Beatles und Sebadoh“ bezeichnet – sehr schön, dass Sebadoh neben den Beatles als Referenz herangezogen wurden, und sehr schön, dass Sebadoh überhaupt als Referenz herangezogen wurden, hatte ich doch schon befürchtet, die Band wäre inzwischen zu Unrecht vergessen.

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Roger Waters – The Dark Side Of The Moon Redux – SGB/Cooking Vinyl 2023

Von Guido Dörheide (08.10.2023)

Wir alle kennen diese Memes – Roger waters while Robert plants. Und Tom waits. In the collosseum von mir aus, Hauptsache nicht in Hörweite dieses Machwerks; ehrlich gesagt wünsche ich es niemandem, nicht mal meinem Spezial-Spezi Hermann, das hier am Stück anhören zu müssen.

Eigentlich dürfte man „The Dark Side Of The Moon Redux“ nicht mal ignorieren, aber als katalytischer Konverter zur Überwindung meiner mich seit einigen Wochen heimsuchenden Schreibblockade nehme ich es gerne. Also okay, Sparringspartner, jetzt gibt es auf die Fresse!

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The Chemical Brothers – For That Beautiful Feeling – Virgin 2023

Von Matthias Bosenick (04.10.2023)

Ja, wir Neunziger-Kids halten an unseren alten Helden fest, wir bleiben den einstigen Sounderneuerern treu. Zumindest, so lang sie sich nicht selbst an den Kommerz oder an sonstwen verraten. The Chemical Brothers sind dafür bis heute zu unangepasst, daher bleiben sie auf dem Aufmerksamkeitsradar, sobald sie etwas Neues herausbringen, und das vollbringen die Brüder Ed Simons und Tom Rowlands seit fast 30 Jahren zuverlässig. Auch wenn es längst keine Knallerhits aus der fetten Bigbeat-Schmiede mehr gibt, sondern eher DJ-Sets aus miteinander verbundenen Dancetracks mit dezidierten Gastsängern und den typischen Hupen und Sirenen. „For That Beautiful Feeling“ hätten die ChemBros indes ihre Samplevielfalt und die Gastbeiträge etwas erweitern dürfen, ansonsten ordentlich, Jungs!

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Automat – Heat – Compost 2023

Von Matthias Bosenick (29.09.2023)

Was macht man in der Hitze für Musik an? Chillige, trippige, dubbige am besten. Also „Heat“ von Automat, der Indie-Supergruppe minus Jochen Färber, der nicht mehr mitspielt. Dafür gibt’s einen Stapel anderer Gäste, die in Wort und Ton das Ihrige zu dieser organisch-elektronischen Reggae-Dub-Downbeat-Kopfnick-Chillplatte beitragen. Bassist Zeitblom, Schlagzeuger Achim Färber und Keyboarder Max Loderbauer fläzen sich am Jamaikanischen Strand, den sie eigens in einem Berliner Club aufhäuften, und knabbern an einem Toast aus London. Hier haben sogar die bunten Getränke ein Echo. Und die Musik ist so warm wie der Titel des Albums, das es physisch überdies ausschließlich als Doppel-LP gibt.

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Thierry Arnal – The Occult Sources (Original SoundTrack) – Atypeek Music 2023

Von Matthias Bosenick (28.09.2023)

Bei „The Occult Sources“ muss es sich um einen enorm bedrückenden Horrorfilm handeln, nimmt man den Soundtrack von Thierry Arnal aus Lyon als Hinweis (ist es aber nicht, es ist offenbar Kunst). Seine 20 verlangsamten Tracks in einer Stunde Spielzeit hält er minimalistisch, kreuzt kaum mehr als zwei, drei Geräuschquellen pro Track, verliert sich abwechselnd in Drones, Pulsieren, demolierten Melodiefragmenten, pluckerndem Industrial und Noise und vollbringt all dies auf eine Weise, die einen sehr leichten Zugang zu diesem Abgrund ermöglicht. So viel Dunkelheit! Und dabei auch noch so schön. Entspannungsmusik für gutgelaunte Überdrüssige.

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Collapse Under The Empire – Recurring – Finaltune Records/Broken Silence 2023

Von Matthias Bosenick (27.09.2023)

Die jüngeren Alben und Singles des Hamburger Electro-Postrock-Duos Collapse Under The Empire waren sich so sehr ähnlich, dass man nach anfänglicher Euphorie über den neuen Sound zu der Erkenntnis kam, dass sich eben dieser Sound alsbald abnutzte, und man das Projekt aus den Augen verlor. Daher ist das instrumentale Konzeptalbum „Recurring“ also nicht ein erstes neues Album nach einer Lücke, sondern die lediglich unbegleitete Fortsetzung des eingeschlagenen Weges. Die Musik ist grundsätzlich schön, aber einfach gehalten: Achteltakte, schlichte Gebrauchsmelodien, pompöse Effekte, vertraute Akkorde. Das anfänglich bei der Band noch tiefer verwurzelte Dunkle dringt erst spät und nur spärlich ins Album ein, bis dahin kann man es sich in der Wattemusik gemütlich machen. Das funktioniert tadellos, etwas mehr Kantigkeit wäre jedoch wünschenswert.

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Manu Louis – Club Copy – Igloo Records 2023

Von Matthias Bosenick (25.09.2023)

„Club Copy“, das neue Mini-Album des in Berlin arbeitenden Belgiers Manu Louis (nicht Lovis), mag Popzitat sein, ganz wie es das Cover und die CD signalisieren, jedoch anders ausgerichtet: Nicht die Beatles oder Velvet Underground stehen Pate für seine Musik, sondern aktuelle Club- und Radioströmungen, und wer sich damit gar nicht auskennt, bekommt immerhin ein hübsches Electro-Werk kredenzt, angenehm im Downbeat angesiedelt, trocken produziert und mit Catchyness angereichert. Nur den Vocoder dürfte der Herr Louis gern ausgeschaltet lassen, die Songs ohne sind die besseren auf dem Album.

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