Fly Cat Fly – Freaks – Fly Cat Fly 2024

Von Matthias Bosenick (16.06.2024)

Schon jetzt eines der Top-Alben des Jahres: „Freaks“, lang erwartet von Fly Cat Fly aus Braunschweig, sowieso und weil man einige der neuen Songs schon live ins Herz schließen durfte. Und „Freaks“ hält alle Versprechen. Indierock mit Strukturen jenseits des Gewöhnlichen, melancholisch, kraftvoll, energetisch und nicht selten sogar mit gebremster Aggression. Der zweistimmige Gesang, die hypnotische Vermengung von Gitarre und Bass, die dynamischen Drums, man kann nur niederknien. Und muss aufs Vinyl noch bis September warten!

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Theatre Of Hate – Westwolrd 24 – Kirk Brandon 2024

Von Matthias Bosenick (13.06.2024)

Was ist das eigentlich für eine merkwürdige Mode, insbesondere von Indie-Bands, die man eigentlich unter den coolen einsortiert, dass man jetzt – nach Touren mit komplett aufgeführten Hit-Alben – seine alte Musik nochmal neu eingespielt veröffentlicht? The Cassandra Complex, The Wedding Present, jetzt Theatre Of Hate – die Post-Punk-Helden mit dem Saxophon, 1981 aus den unlängst reaktivierten The Pack hervorgegangen und kurz darauf zu Spear Of Destiny geworden, widmen sich heuer in neuer Besetzung ihrem Debütalbum „Westworld“, jenes mit den Clubhits „Do You Believe In The Westworld“ und – zumindest ab den Neuauflagen – „Propaganda“. Das Album war 1983 schon geil, und nun – 2024 ist es das immer noch. Kirk Brandon ist erschreckend gut bei Stimme, seine Mitmusiker haben mehr Wumms als damals und die Songs sind nach wie vor geil. Nun, in dem Sound gab’s zuletzt auch schon wieder neue Studioalben, und eigentlich hätte das auch ausgereicht. Aber fett ist es, das „Westworld 24“.

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Halma – Driving By Numbers – Kapitän Platte 2024

Von Matthias Bosenick (12.06.2024)

Manche Sensationen brauchen eine Weile, bis sie zu allen durchdringen: Bei Halma handelt es sich um ein in Hamburg angesiedeltes Quartett, das bereits seit 24 Jahren existiert, anfangs sogar quasi als Nebenprojekt von Fink, und nun mit „Driving By Numbers“ sein achtes Album herausbringt. Darauf enthalten sind vier überlange Tracks – ohne Gesang, gemächlich verschleppt, mit sanften Feedbacks, auch mal jazzigem Besenschlagzeug, angeschrägt gebettet, still groovend, im Indie- oder Noiserock irgendwo zwischen Sqürl, Yo La Tengo und „Laughing Stock“ von Talk Talk zu verorten.

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Sqürl – Music For Man Ray – Sacred Bones Records 2024

Von Matthias Bosenick (11.06.2024)

Ein Regisseur macht Musik für anderer Leute Filme. Hier: Jim Jarmusch als Teil des lang schon zum Duo geschrumpften, als Bad Rabbit gestarteten Impro-Drone-Noise-Projektes Sqürl vertont vier restaurierte und um die 100 Jahre alte experimentelle Stummfilme des Surrealisten Man Ray. Das Gute bei Sqürl-Musik ist, dass sie auch ohne reale Bilder funktioniert – die Filme muss man nicht kennen, um von sich aus das Kopfkino eingeschaltet zu bekommen. Verrückt, wie solch weitgehend strukturbefreite Musik so einnehmend sein kann. Und so ganz auf Struktur verzichten wollen Jarmusch und Carter Logan ja auch nicht.

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Paul Weller – 66 – Polydor 2024

Von Matthias Bosenick (10.06.2024)

Ein schönes vorgezogenes Geburtstagsgeschenkt macht der Künstler sich selbst (und pünktlich auch dem Rezensenten): Bei „66“ handelt es sich um das Alter, das Paul Weller nun hat, und das nimmt er zum Anlass, mal wieder ein neues Album zu veröffentlichen. Es ist, wie alle vorherigen (jüngere Sammler können einem leidtun), natürlich toll geworden, auch wenn Weller hier introvertierter klingt als zuvor. Der Modfather™ kann viel in Sachen Rockmusik und Poptauglichkeit und bringt auch viel unter, obschon die Zeit der Experimente vorüber zu sein scheint. Schade, dass er zwei der besten Songs auf der limitierten Deluxe-Ausgabe als Bonus versteckte, aber wenn man die hat, gibt’s ja keinen Grund, das schade zu finden.

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Beth Gibbons – Lives Outgrown – Domino 2024

Von Matthias Bosenick (05.06.2024)

Wenn etwas so Schönes erscheint wie ein neues Album von Beth Gibbons, dann ist es vollkommen egal, dass die Sängerin sich ansonsten rar macht – so lang das, was dann kommt, eben so schön ist wie „Lives Outgrown“. Die Stimme des Trip Hop agiert hier musikalisch komplett anders als mit ihrer Stammband Portishead aus Portishead bei Bristol, denn die Musik auf „Lives Outgrown“ ist analog, akustisch, handgespielt. Schon wieder übrigens ist an einem Beth-Gibbons-Album jemand von Talk Talk beteiligt: War es vor 22 Jahren auf „Out Of Season“ noch Bassist Paul Webb alias Rustin Man, ist es hier – auf dem Nachfolger, wohlgemerkt – Schlagzeuger Lee Harris. Was Wunder, dass man eine Verwandtschaft zu „Laughing Stock“ durchaus wahrnehmen kann. Das Album kommt – Stand heute – in die Jahresbestenliste, neben Solbrud und Fly Cat Fly.

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Meanwhile Project Ltd – Sir Mandrill – Kapitän Platte 2024

Von Matthias Bosenick (04.06.2024)

Welche Musik machen Meanwhile Project Ltd eigentlich nicht? Also, nicht nur pro Album, sondern gleich pro Song? „Sir Mandrill“ ist das vierte Album des Kölner Duos, das sich hier von einer Handvoll Gästen unterstützen ließ, um diese Mischung aus Power-Pop-Balladen, verschachteltem Indierock und harmonischem Folk umzusetzen. Wie sie alle ihre schier grenzenlose Stilvielfalt behutsam und ohne Posen in einen sinnhaften Fluss lenken, beachtlich! Hinhörmusik, die gelegentlich zum Mittanzen auffordert.

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Thou – Umbilical – Sacred Bones Records 2024

Von Guido Dörheide (03.06.2024)

Was ist besser als Doom Metal? Doom Metal ohne Klargesang natürlich. Wenn man dann noch, wie Thou, aus Baton Rouge, Louisiana stammt, mischt man noch ein wenig Hardcore Punk und Stoner Rock mit rein und macht dann keinen Doom-, sondern Sludge Metal (auch bekannt als „New Orleans, Louisiana-Sound“, erfunden von EyeHateGod und den Melvins, die jedoch nicht aus Louisiana, sondern aus Seattle, Washington stammen, womit wir unseren Unnützes-Wissen-Exkurs auch schon wieder beenden wollen). Und noch besser als Sludge Metal ist noch mehr Sludge Metal, und auch das kriegen Thou überzeugend hin: Nach meiner vorläufigen Zählung hat die Band seit 2007 minnichstens sechs Fullsize-Alben, drei Compilations, knapp zwei Hände voller EPs und zahllose Split-Alben veröffentlicht. Heuer warfen sie beispielsweise neben dem aktuellen Studio-Album noch die von Matthias bereits auf diesen Seiten gewürdigte Doppelvinylversion der 2020er Nirvana-Cover-Compilation „Blessings Of The Highest Order“ auf den Markt. Um die soll es hier allerdings nicht gehen, sondern um das besagte aktuelle Studio-Album. „Umbilical“ heißt es, was auf deutsch „Nabelschnur“ bedeutet. Also das, was sich Vokalist Bryan Funck offensichtlich beim Singen mehrfach um den Hals gewickelt hat.

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Yrlng – Rbia Harsha Cinta – Antibody 2024

Von Matthias Bosenick (03.06.2024)

Schade, dass es Monno nicht mehr gibt, aber gut zu wissen, dass die Einzelteile noch aktiv sind: Der von Berlin aus arbeitende Schweizer Gilles Aubry beispielsweise legt sich mit Yrlng (oder auch YRLNG) ein neues Alias zu, unter dem er den Soundtrack zu seiner düsteren experimentellen Dokumentation über Algen und Meeresverschmutzung vor Marokko erstellte. Anders als Monno ist Yrlng im elektronischen Fach anzusiedeln, der Lärmfaktor wiederum bleibt erhalten: Rhythm And Noise, Industrial, Ambient-Soundscapes, Experimente und Improvisationen bestimmen „Rbia Harsha Cinta“. Das Album fällt dabei streckenweise milder aus, als es die Beschreibung vermuten lässt; sperrig ist es dennoch, und so ist es auch gut.

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Monovoth – Pleroma Mortem Est – Monovoth 2024

Von Matthias Bosenick (30.05.2024)

Wie man mit so wenigen Tönen und so langsam gespielt so schöne Melodien und Harmonien hinbekommt! Okay, sehr alptraumhaft, aber schön. Schließlich ist Monovoth ein Doom-Projekt, und zwar von Lucas Wyssbrod aus Buenos Aires. Und außerdem befasst er sich auf seinem zweiten Album „Pleroma Mortem Est“ – also „Am allermeisten ist der Tod“, sagt Google – eben mit dem Ende des Lebens, der Unausweichlichkeit und der Bedeutung, die diese für das Leben davor hat. Und das ganz ohne Worte. Deshalb auch löst eine Dunkelheit alsbald auch die Schönheit ab, der Abgrund ist leer und schwarz – und verlockend, letztlich erlösend.

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