Von Matthias Bosenick (27.02.2025)
Viele Grüße aus Itoolien! In Cervia an der Adria, zwischen Ravenna und Rimini, sitzen drei Musiker, die unter dem Bandnamen Onioroshi – die japanische Bezeichnung für eine teuflische Gemüsereibe aus Bambus – extremst progressive Rockmusik machen, mit allerlei Spielereien in Wiederholung, Fuzz, Epik, Psychedelik und Melancholie. Drei Tracks in fast einer Stunde bastelt die Band auf dem zweiten Album „Shrine“ zusammen, maximalst komplex und mit einer mal mehr, mal weniger deutlichen Nähe zu Tool. Nur weit dreckiger und mehr in Richtung Post Rock, Shoegaze oder Noise Rock.
Kategoriearchiv: Album
Sounds Of New Soma – The Story Of Sam Buckett – Tonzonen Records 2025
Von Matthias Bosenick (25.02.2025)
Schon merkwürdig, dass sich das Krefelder Duo Sounds Of New Soma so deutlich im Krautrock verortet, denn dessen neues Album „The Story Of Sam Buckett“ lässt sich nicht so einfach in lediglich diese Schublade sperren. Vornehmlich – dem Thema geschuldet – Space Rock findet sich hier, akustischer wie elektronischer, zumeist gemischter, viel Ambient, dazu Fusion Jazz, Synthpop, Prog Rock, Radiopop, die Quelle der Inspiration scheint unerschöpflich. Thema, das: Sam Buckett war ein vergessener US-Wissenschaftler, der bereits 1920 an bemannter Raumfahrt herumtüftelte und erfolgreich verschwand, behauptet die Band. Kicher!
Fifth Daughter – Stellar Season – Fruits de Mer Records 2025
Von Matthias Bosenick (24.02.2025)
Man muss bis zum letzten Song warten, um auf „Stellar Season“ tatsächlich etwas zu bekommen, das dem Etikett Prog Rock einigermaßen nahe kommt – der Rest dieses Debüts des aus zwei Männern aus Brighton bestehenden Duos Fifth Daughter verliert sich angenehm eskapistisch zwischen Folklore, Ambient, Yacht Rock, Psychedelic und entrücktem Hippietum. Nicholas Whittaker und James Howarth fanden während der Corona-Lockdowns zusammen, um in der Isolation Isolationsmusik zu generieren, mit exotischen Instrumenten, die die übliche Rockgerätschaft vertiefen.
Mantar – Post Apocalyptic Depression – Metal Blade Records 2025
Von Guido Dörheide (22.02.2025)
Post-Akopalütze, wie geiel! Depression ist weniger geiel, aber das neue Album von Mantar ist es auf jeden Fall. Ich hoffe, die Lesenden verzeihen mir diesen ungestüm-pubertären Einstieg in die Rezension. Mantar aus Bremen bei Hamburg haben nichts mit dem gleichnamigen Film des großen Schweigers (hmm, wieso tat er das eigentlich nie, sondern brabbelte immer irgendwie narsarl herum, zum Teufel?) zu tun, sondern heißt auf türkisch „Pilz“, was seinen Ursprung in der türkischen Herkunft des Schlagzeugers Erinç Sakarya hat. Und da wären wir auch schon bei den Gemeinsamkeiten mit anderen Metal-Bands, die ähnlich groß sind wie Mantar: Mantar (türkisch für „Pilz“) bestehen nämlich nur aus Hanno Klänhardt am Gesang und an der Gitarre und Erinç Sakarya am Schlagzeug und sonst aus niemandem.
WeiterlesenHorsegirl – Phonetics On And On – Matador 2025
Von Guido Dörheide (21.02.2025)
Horsegirl aus Chicago, IL, haben 2022 mit „Versions Of Modern Performance“ ein großartiges Debüt hingelegt und, um die Spannung gleich im Vorhinein wegzuspoilern, heuer hauen sie mit „Phonetics On And On“ ein ebenso begeisterndes Zweitlingswerk raus.
WeiterlesenPornographie Exclusive – Pornographie Exclusive – Antibody 2025
Von Matthias Bosenick (20.02.2025)
Hört man nicht, dass „Pornographie Exclusive“ das Debüt-Album des gleichnamigen Brüsseler Duos ist, das klingt viel zu reif dafür. Um Debütanten handelt es sich nämlich bei Séverine Cayron und Jérôme Vanderwattyne nicht, sie sind nämlich bereits in Musik, Schauspielerei und Regie versiert. Gute Voraussetzungen offenbar, um auch in Kombination musikalisch zu überzeugen: In einem sehr weit gefächerten Feld aus Synthiepop, EBM, Techno, Downbeat und Experiment ist dieses Debüt angesiedelt, der Soundtrack zu ihrer eigenen 2024er Kurzfilmsammlung „One-Way Ticket To The Other Side“. Wunderschöne Musik außerhalb von Schubladen.
Bicycle Deck – Telepathic Table Games – Srogi Mroczek 2025
Von Matthias Bosenick (18.02.2025)
Kaum angekündigt, liegt das zweite Album des Projektes Bicycle Deck auch schon vor: Starteten Srogi Mroczek und E. Appleton im November noch im Downbeat und im Ambient, verdoppeln sie auf „Telepathic Table Games“ die Spielzeit auf fast eine Stunde, verschieben die Gemütslage ins Dunkle, lassen dezent mehr Rhythmik zu und experimentieren weiterhin ordentlich mit ihren Synthies herum. Von Synthiepop kann gelegentlich die Rede sein, wenn auch lediglich in einer abstrahierten Form. Aufmerksamkeit gebührt dem Duo zusätzlich für das kuriose Konzept hinter dem Album.
Grave Digger – Bone Collector – Rock Of Angels Records 2025
Von Guido Dörheide (13.02.2025)
Grave Digger sind zurück, und mit ihrem aktuellen Album „Bone Collector“ nähern sie sich wieder mehr ihren Wurzel an, als sie das auf ihren letzten Werken taten. Nach viel schottischer Mythologie, die auf dem vorletzten Werk „Fields Of Blood“ nochmal auftauchte. Zu eigentlich großartiger Musik wurden da außerdem Dinge gesungen wie „We are Lions of the Sea, we are fighting to be free!“ Das erinnert mich an eine Folge der großartigen Serie „Futurama“, in der eine Gruppe mechanischer Seemannsfiguren „We’re whalers from the moon, we carry a harpoon“ sangen, in einem Vergnügungspark, dessen Gründer davon überzeugt war, dass es auf dem Mond Walfang gäbe, obwohl doch hinlänglich bekannt sein sollte, dass es dort keinen Walfang gibt, sondern auf seiner dunklen Seite Helium-3 hergestellt wird.
WeiterlesenClouds – Desprins – Loud Rage Music 2025
Von Matthias Bosenick (13.02.2025)
Die Ankündigung ist spannender als die Musik, leider: Clouds startete 2013 als einmalig gemeintes Solo-Doom-Metal-Projekt mit Gästen, das sich schnell zu einem Sammelbecken der Szenestars entwickelte und das heuer mit „Desprins“ sein sechstes Studioalbum präsentiert, nunmehr als rein rumänische Band. Heißt: Growls und tiefe Gitarrenriffs – zu Kitsch-Keyboards und Pathos-Flöten. Trotz für Ungeübte unbequem anzuhörender Stimme ist die epische Mucke reichlich gefällig. Da war bei der Konstellation weitaus mehr Kompromisslosigkeit zu erhoffen gewesen.
Liegengeblieben!
Von Chrisz Meier (12.02.2025)
Hallo. Ich bin Chrisz Meier und arbeite bei einem Bürgerradio in Südwest-Niedersachsen. Der Sender bekommt ständig Promo-CDs zugeschickt, die niemand verlangt hat und um die sich niemand kümmert. Diese CDs landen dann mitsamt ihrem Beipackzettel der Plattenfirma, auf der die jeweilige Band stets als die Neuerfinder der Musik gepriesen wird, in einer schmucklosen Ablage, beschriftet mit „Zum Mitnehmen“. Einige der bei dem Sender ehrenamtlich Tätigen, Betreiber ihrer eigenen Radioshows, bedienen sich daraus, vieles bleibt aber dennoch liegen. Diese Liegengebliebenen durchforste ich in unregelmäßigen Abständen, immer auf der Suche nach unentdeckten Perlen – nicht zuletzt deswegen, weil ich, selbst Teil einer Band, der keinerlei Beachtung entgegengebracht wird, es ungerecht finde, diese mit viel Herzblut und Zeit hergestellte Musik einfach zu ignorieren.
Also werde ich an dieser Stelle hin und wieder ein paar dieser Liegengebliebenen vorstellen.
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