Craig Thompson – Weltraumkrümel (Space Dumplins) – Faber & Faber/Reprodukt 2015

Von Matthias Bosenick (09.01.2016)

Nach „Blankets“ und „Habibi“ legt der nun vierzigjährige Zeichner und Autor Craig Thompson mit „Space Dumplins“ seine erste Science-Fiction-Graphic-Novel vor. Seinem wundervollen und wiedererkennbaren Zeichenstil bleibt der US-Amerikaner treu. Der Rest ist anders: Die Bilder sind koloriert, die Panels nicht mehr so frameübergreifend opulent ausgestattet und die Handlung ist eher dünn und gewöhnlich, was vermutlich daran liegt, dass er dieses Mal auch Kinder und Jugendliche in die Zielgruppe einschließt. Trotzdem liest man es gern, schließlich schickt einen Thompson mit fast jedem Bild auf eine Entdeckungsreise. Und er vermittelt, wie immer, Werte, sowohl nebenbei als auch mit dem erhobenen Zaunpfahl.

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The Revenant – Alejandro Gonzáles Iñárritu – USA 2015

Von Matthias Bosenick (07.01.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Drei eigene gute Ideen, ein unerbittlich leidender Leonardo di Caprio in ästhetisch eingefangener Landschaft zu hervorrangendem Score und ein allerorts zusammengeklautes Script sind die Quintessenz von 157 Minuten „The Revenant“ von Alejandro Gonzáles Iñárritu. Der einzige Spoiler ist dabei, dass es keinen Spoiler gibt: Da man alles schon unzählige Male gesehen hat, sind einem die Etappen jeweils schon vorher klar. Bei fortschreitender Spieldauer des Films sinkt man umso gelangweilter in den Kinositz. Hier wären kürzer und mutiger besser gewesen – und ein anderer Hauptdarsteller.

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Front Line Assembly – Kampfbereit – MDV Visual 2015

Von Matthias Bosenick (04.01.2016)

So ganz still und nebenbei erscheint auf einem Minilabel ein nicht ganz so stilles Livedokument der 2011er-Tour der kanadischen EBM-Helden Front Line Assembly. Der 75-minütige Mitschnitt stammt vom Kinetik Festival in Montreal (und die Bilder dazu von der dazugehörigen Nordamerika-Tour). Das dazugehörige Album „Improved Electronic Device“ sah den vermehrten Einsatz von E-Gitarren vor, wie seinerzeit auf „Millennium“, dem Album, das FLA 1994 auch in Industrial-Kreisen bekannt machte, und die Gitarren donnern folgerichtig auch in diesem Set ganz gehörig. So sehr, dass die elektronischen Elemente etwas untergehen. Sieht man davon ab, ist „Kampfbereit“ ein mehr als nur ordentlicher Film, den es sich aufgrund seiner geschickten Schnitte auch zu gucken lohnt.

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Goodiepal – Live im Jazzhouse in Kopenhagen am 16. Dezember 2015

Von Matthias Bosenick (22.12.2015)

Unklar ist: Bedient Goodiepal mit seiner „Virtuosen Computer-Lounge“ die Intellektuellen oder führt er sie vor? Spätestens, wenn er das Publikum dazu bringt, mit über die Ohrmuscheln gestülpten Gläsern einem infernalischen White Noise zu lauschen, möchte man an letzteres glauben. Zum anscheinend dritten Mal in Folge gastierte der umstrittene 41-jährige Künstler zum Jahresende im Kopenhagener Jazzhouse. Ohne Erläuterer unter den Gästen fiele es dem Nichtdänischsprechenden schwer, den Überbau des Abends zu erahnen, sowie in der Folge, in diesem Konzert durchgehend überhaupt Musik auszumachen. Das Wichtigste ist indes, dass man dem Querkopf einmal die Hand schüttelte und sich somit seiner Existenz gewiss sein kann.

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Devin Townsend Project – Ziltoid Live At The Royal Albert Hall – InsideOut/Century Media 2015

Von Matthias Bosenick (15.12.2015)

Die letzten zehn Minuten dieses 2:47-Stunden-Konzertes rechtfertigen den Erwerb. Sie zeigen, dass Metaler, Hippies und Punks einfach die besseren Menschen auf dieser Welt sind. Popstar Devin Townsend holt nicht nur seine gesamte Crew, sondern auch seinen kleinen Sohn auf die Bühne, und alle intonieren „Universal Flame“, strahlen, hüpfen, singen, schwenken Ziltoid-Figuren und haben die beste Zeit ihres Lebens. Da gehen Herzen auf. Und man vergisst, wie sehr die kaffeesüchtige Weltraumfigur Ziltoid vorher zu nerven in der Lage war. Eigens für dieses Konzert in der Royal Albert Hall führte Devin Townsend mit seinem Project das jüngste Album „Dark Matters“ komplett auf und ergänzte es um ein online gewähltes Best-Of-Programm. Wer viele Livealben von Devin hat, braucht dieses nicht wirklich zwingend auch noch, denkt man – aber nur bis kurz vor Ablauf.

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Erasure – Always: The Very Best Of – Mute/BMG 2015

Von Matthias Bosenick (12.12.2015)

30 Jahre Erasure also (und nicht etwa das Weihnachtsgeschäft). 1992 erschien „Pop! The First 20 Hits“, 2003 „Hits! The Very Best Of Erasure“, 2009 „Total Pop! The First 40 Hits“, 2012 „Erasure Essential“ und nun „Always: The Very Best Of Erasure“. Der Fan und Sammler, den es auch 2015 tatsächlich noch gibt, kann nur ächzen: Was soll er damit? Mit der normalen 20-Song-Version erstmal gar nichts, da ist nur ein neuer Mix von „Sometimes“ drauf, der sich nicht sonderlich vom Original unterscheidet. Die Deluxe-Version hingegen bietet zwei Bonus-CDs mit Maxi-Versionen und Remixen, hauptsächlich historisch und selten – und ist damit definitiv ein Kaufanreiz. Bei der Auswahl der Tracks für die Hauptcompilation hingegen offenbaren Erasure selbst, was auch der hartgesottene Fan denkt: Seit 20 Jahren kam von dem Synthie-Pop-Duo kaum noch etwas Nachhaltiges heraus. Trotzdem gibt man gerne ein bisschen Respekt.

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Das brandneue Testament (Le tout nouveau testament) – Jaco van Dormael – B/F/L 2015

Von Matthias Bosenick (08.12.2015)

„Das brandneue Testament“ ist voller hochgradig guter Sequenzen, die Regisseur Jaco van Dormael leider ohne einen schlüssigen Zusammenhalt aneinanderreiht. Die Inhalte sind großartig, doch die Ausrichtung ist beliebig. Vom Punkrock zur Schmalzschnulze, aber beides nicht konsequent. In diesem Film lebt Gott als ein Despot in Brüssel und terrorisiert seine Familie (also Frau und Tochter, der Sohn ist ja schon weg). Die Tochter Ea flieht vor ihm und sammelt sechs Apostel um sich – da schwenkt der Film vom lustiglich fluchenden Gott zum rührseligen Tränenzieher. Beides passt nicht zusammen.

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Between Dog And Wolf: The New Model Army Story – Matt Reid – Cadiz Film/Hustler Street Films 2015

Von Matthias Bosenick (07.12.2015)

Man mag sich kaum vorstellen können, dass es eine ausreichende Betrachterschaft für eine Dokumentation über New Model Army gibt. Doch sagt es der vorliegende Film selbst: Zwar hat die Band aus Bradford in England keine richtigen Hits, aber dafür eine getreue Gefolgschaft, auch in mehr als 30 Jahren. Dann sieht man sich diesen Film an und sich danach darin bestätigt, dass es gut ist, Fan dieser Band zu sein. Die Musiker sind unangepasst, kreativ, musikalisch ausdrucksstark und charakterlich sympathisch. Sie haben keine Allüren und erfüllen keine Rockstarklischees. Gottlob. Dafür trugen ihre Fans in den Achtzigern Holzclogs und entwickelten einen eigenen Tanzstil. Weiß das wer? Und es gibt in diesem Film noch so viel mehr zu entdecken.

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Hardy Crueger – Der andere Krieg: Die Odyssee des Victor Rosenfels – Edition Narrenflug 2015

Von Matthias Bosenick (05.12.2015) / Auch veröfentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Noch so ein Braunschweiger Vielschreiber: Hardy Crueger veröffentlicht mit „Der andere Krieg“ sein mindestens drittes Buch in diesem Jahr. Mit dem vorliegenden macht er es seinem Leser nicht ganz einfach: Einerseits behandelt er Themen, die dem halbwegs gebildeten Leser längst mehr als vertraut sind, andererseits setzt er zu viel Hintergrundwissen voraus, um für Jugendliche leicht nachvollziehbar zu sein. Die Geschichte an sich entwickelt indes einen starken Sog: Crueger lässt einen vom Schicksal gepeinigten Heranwachsenden namens Victor Rosenfels in den Dreißigerjahren wie eine Art Hiob auf Odysse durch Deutschland und die USA mäandern. Trotz aller bekannter Umstände erzählt Crueger die Geschichte so komprimiert, dass man das Buch wie im Zwang verschlingt, bei jedem Umblättern gebannt denkend: Was passiert denn jetzt noch?

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Dead Guitars – Shelter – Sireena Records 2015

Von Matthias Bosenick (30.11.2015)

Das ist eine Überraschung, dieses Album: Sollte man die Band Dead Guitars überhaupt jemals wahrgenommen haben, dann vermutlich eher im Vorbeilesen oder so. Waverocker aus Deutschland, eine noch junge Band zudem, wer braucht das, der seine Sammlung mit The Mission, den Sisters Of Mercy, den Fields Of The Nephilim, The Cure, Killing Joke, Joy Division und weiß der Geier wem noch so alles gut gepflegt und bestückt hat. Denkt man. Und bekommt dann dieses angenehme Stück Musik dargereicht, das mit fast jedem Song positiv überrascht. Einziges Manko: Das Album ist so vielfältig, dass man der Band keine rechte Individualität und Wiedererkennbarkeit attestieren kann. Schlechter macht dies „Shelter“ aber nicht.

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