The Mission – Different Colours – Oblivion/SPV 2014

Von Matthias Bosenick (30.06.2014)

Das ist ein interessantes Projekt: Als zweite Veröffentlichung in der zweiten Reunion bringen The Mission eine Doppel-Single heraus, auf der jedes Mitglied der aktuellen Besetzung je einen selbstkomponierten und -gesungenen Song präsentiert. Musikalisch ergibt das eine Bandbreite, die tatsächlich breiter ist als die des jüngsten Albums „The Brightest Light“. Ein Manko ist, dass die Single-Versionen überwiegend kürzer sind als die in der Download-Version der EP, dass der fünfte Song des Download-Bundles fehlt – und dass der Single kein Download-Code für die fünf Tracks beiliegt. Dafür sind die mehr als 15 Euro für eine Doppel-Single einfach viel zu viel.

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Eno • Hyde – Someday World – Warp/Rough Trade 2014

Von Matthias Bosenick (21.06.2014)

Dieses Album hätte vermutlich weit weniger Aufmerksamkeit erhalten, stünden nicht drei Buchstaben in einer bestimmten Kombination auf dem Cover: E, N und O. Von Bryan Eno erwartet man Qualitätsmusik, egal, in welchem Genre. Also scheut man sich auch, ein Eno-Werk schlecht zu finden, oder auch nur egal. Dabei wäre einem „Someday World“ dies eigentlich, wäre da nicht die andere Buchstabenkette: Underworld-Stimme Karl Hyde singt nämlich. Das zwar in gewohnt einnehmender Art, aber zu teilweise erschreckend banaler Popmusik mit cheesigen Sounds.

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Jacques Palminger & 440 Hz Trio feat. Lydia – Live beim Festival Theaterformen, Gartenhaus Haeckel, Braunschweig, am 18. Juni 2014


Von Matthias Bosenick (19.06.2014)

Den subtilen Telefonterroristen ließ Jacques Palminger längst hinter sich. Als Musiker tat er sich hernach zumeist in Sachen Dub hervor, da kam 2012 die Information recht überraschend, dass er mit dem 440 Hz Trio ein Jazz-Album veröffentlichte. Bei dem Werk „Jzz & Lyrk“ bediente er sich auch für seinen Auftritt beim Festival Theaterformen. Eine zufriedenstellende Mischung: Zu dem launigen Mitwippjazz konnte man launig mitwippen, und die Leute, die wegen Palmingers gesprochenen Beiträge in den lauschigen Theaterpark kamen, hatten genügend Gelegenheit, sich vor Lachen zu krümmen. Das war Spaß mit Anspruch.

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Automat – Live beim Festival Theaterformen, Gartenhaus Haeckel, Braunschweig, am 15. Juni 2014

Von Matthias Bosenick (16.06.2014)

Dieser Artikel ist auch auf Stefanie Krauses Blog Kult-Tour Braunschweig veröffentlicht.

Endlich wieder Festival Theaterformen! Zwar sieht sich der Rezensent keine der Theateraufführungen an, freut sich aber über das kostenlose Livemusikbegleitprogramm. Das ist wie jedes Mal von erlesener Qualität, grob im Indie angesiedelt, aber nicht im Hipster-Alternative, sondern von gutem Geschmack, auch wenn man den nicht bis ins Detail teilt. So verpflichteten die Organisatoren dieses Mal unter anderem Automat, das Projekt von Jochen Arbeit, bekannt von Die Haut und Einstürzende Neubauten, Achim Färber, der schon bei Project Pitchfork, Phillip Boas Voodooclub und den Krupps mitmischte, sowie Georg Zeitblom von Sovetskoe Foto. Die drei machen nicht, was man bei der Bandaufzählung erwarten würde: sondern Dub. Die Meute tanzt.

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Casualties Of Cool – Casualties Of Cool – HDR 2014

Von Matthias Bosenick (11.06.2014)

Was ist das, Ambient-Country? Es ist schon erstaunlich, was Devin Townsend den Metalheads alles unterjubelt. Und was sie alles durchgehen lassen, wenn nur Devin draufsteht. In diesem Falle ist es eine Kooperation mit Ché Aimee Dorval, der Sängerin, die auch schon auf „Ki“ zu hören war. „Casualties Of Cool“ stellt nun auch so etwas wie den Link zwischen „Ki“ und „Ghost“ dar, mit Anflügen von beiden Richtungen: Country und Western. Das Ergebnis klingt erstaunlich zwingend nach einer logischen Fortsetzung von dem, was man von Devin kennt, und somit vertrauter als befürchtet. Die limitierte Auflage hat eine Bonus-CD mit Stücken, die auf dem verworfenen „Ghost 2“ hätten landen sollen.

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Collapse Under The Empire – Sacrifice & Isolation – Finaltune Records 2014

Von Matthias Bosenick (01.06.2014)

Umtriebig sind die beiden Hamburger Martin Grimm und Chris Burda, gefühlt ständig kommt etwas Neues heraus. „Sacrifice & Isolation“ stellt die Fortsetzung des Albums „Shoulders & Giants“ von vor drei Jahren dar (dazwischen gab es ein anderes Album und eine EP), was ein hübsches Konzept sein mag, aber nicht ernsthaft ins Gewicht fällt, arbeitet das Duo bei seinem Elektro-Postrock doch komplett ohne Texte; lediglich am Cover erkennt konkret man die Analogie. Heraus kommt ein trippig-rockiges Album, das nach Soundtrack klingt und insgesamt angenehme Stimmungen erzeugt, auf Distanz aber bisweilen zu stark am Pathos schabt. Nichts desto trotz sind Collapse Under The Empire eine in ihrer Einfachheit vergleichbar innovative Band.

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Micha-El Goehre – Höllenglöcken – Satyr-Verlag 2014

Von Matthias Bosenick (29.05.2014)

„Höllenglöcken“ ist das Mittelstück in der „Jungsmusik“-Trilogie, die Goehre im kommenden Jahr mit „Straßenköter“ abschließen will. Im Zentrum steht Metal-Fan Torben, der – anders als die meisten anderen Menschen der Welt – doch recht viel recht richtig macht, mit gelegentlichen dramaturgisch motivierten Ausfällen. Diese Geschichte eines Heranwachsenden auf dem Weg ins Eheglück wäre womöglich recht beliebig, hätte sie Goehre, selbst aus der Szene stammend und in ihr aktiv, nicht im Metal angesiedelt. So orientieren sich die Geschehnisse zwar am gesellschaftlich Normalen, weichen aber in politischen und kulturellen Bereichen in Richtungen ab, die dem Randgruppenangehörigen nahe stehen, die dessen Realität besser auffangen als jede andere Liebesgeschichte und die dadurch auch noch von Leuten nachempfunden werden können, die einer anderen Randerscheinung als dem Metal angehören.

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Vi sidder bare her – Ingen regning til mig – Target Records 2014

Von Matthias Bosenick (29.05.2014)

Das ist wirklich mal weitgehend außergewöhnlich: Regisseur Jørgen Leth erzählt vor sich hin, dazu machen Mikael Simpson und Frithjof Toksvig Musik, zumeist elektronisch, stets reduziert. Das ist kein Rap, das ist kein Ambient, das ist auch kein Hörbuch. Es klingt vielmehr wie eine experimentelle Reportage. Wenn man nur Dänisch verstünde.

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Nine Inch Nails – Live im Forum, Kopenhagen, am 13. Mai 2014

Von Pernille Sørensen (14.05.2014)

God made the world, but I made the sound

Man hat es schon so oft gemacht. Zu einem Konzert gehen, da stehen. Die Warm-up-Band geht auf die Bühne. Man wartet, bis sie endlich fertig sind, man hofft darauf. So ist es auch heute. Cold Cave sind Warm-up zu NIN. Ich höre die tanzbaren Momente und Riffs. Gute Hook-Lines. Aber da endet es auch.

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Muppets Most Wanted – James Bobin – USA 2014

Von Matthias Bosenick (02.05.2014)

Der zweite Teil, der die siebte Fortsetzung ist, wie es die Muppets selbst feststellten, während sie über zweite Teile an sich lästern, ist grundsolide, charmant, humorvoll, zitatreich, spannend, kommt ohne große Überraschungen aus und enttäuscht nicht. Hey! Das war beim besten Willen nicht zu erwarten. Doch die Macher hielten sich auch unter der Disney-Knute an die alten Regeln, die die Serie in den 70ern und 80ern so erfolgreich machte. Zwar ist der Stoff kindgerecht dargeboten, richtet sich in seinen Details aber eindeutig an die Ex-Kinder, die die Muppets schon vor 30 Jahren liebten. Dieser Kompromiss ringt dem Ergebnis zwar einige Abstriche ab, mindert aber die Qualität nicht grundsätzlich. Also: gut gemacht!

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