Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: This is going to hurt – Die Blindgänger vom NHS

Von Onkel Rosebud

Auf der einen Seite wollen die Menschen aus nachvollziehbaren Gründen nichts mit dem Thema Krankheit zu tun haben. Gerade Krankenhäuser sind ein Graus, da will kaum jemand freiwillig hin. Und doch erfreuen sich Serien, die in Krankenhäusern spielen, großer Beliebtheit. Nach dem Text über die Sitcom „Scrubs“ von letzter Woche gibt meine Freundin noch eine Empfehlung für so eine Serie, aber eine der ganz anderen Art. Ihrer Meinung nach sollten vor allem Schwangere diese unbedingt gucken. Denn im Kreißsaal fließen Körperflüssigkeiten, allen voran Blut. Es gibt eine Frau, die ihre Plazenta essen will, blutverschmierte Gebärräume und Babyköpfe, die in Vaginen feststecken.

Die BBC-Produktion „This Is Going To Hurt“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Adam Kay (dem realen Vorbild für die Hauptserienfigur), das 2017 in Großbritannien erschien und zum Bestseller wurde. Grundlage waren Kays Tagebucheinträgen der Jahre 2004 bis 2010. Depressionen und eine posttraumatische Belastungsstörung führten 2010 dazu, dass Kay seinen Job aufgab. Seitdem arbeitet er als Comedian und schreibt Drehbücher fürs Fernsehen. Meine Freundin hofft, dass diese Kehrtwende im Leben seiner mentalen Gesundheit zuträglich war.

Der NHS, das Gesundheitssystem Großbritanniens, ist mit etwa 1,5 Millionen Beschäftigten der größte Arbeitgeber Europas. Der harte Alltag der Ärzte in dieser Institution lässt sich oft nur noch mit sardonischem Galgenhumor ertragen, der sich durch die siebenteilige Serie wie zieht. Diese oft absurde Komik verdeckt niemals das Tragische; dafür sorgen eine zwischen beiden Polen straff gespannte Dramaturgie und großartig pointierte Dialoge. So traurig die Zustände sind, so befreiend ist der Humor.

Onkel Rosebud