AAA: Anders als alle – Live-Revue im Kulturzentrum Hallenbad, Wolfsburg, am 17. Oktober 2014

Anders als alle Anders als alle Anders als alle
Anders als alle Anders als alle Anders als alle

Von Matthias Bosenick (19.10.2014)

Darauf haben alle gewartet: Nach Jahren der Stille spielten Halle 54 ein paar Stücke im Kino des Hallenbads, dem früheren Kaschpa. Da ging die Meute ab. Hingebungsvoll und ausgelassen feierten sie die einzige – da muss das Wort erlaubt sein – Kult-Punkband Wolfsburgs. Der Bedarf nach mehr ist da, so viel ist sicher. Doch das Quartett hielt sich reduziert. Denn eigentlich stand etwas ganz anderes im Mittelpunkt: Bassist Chrisz Meier feierte mit Wegbegleitern sein 35-jähriges Bühnendasein. Es war für alle Beteiligten – natürlich – wie ein Klassentreffen. Herrlich.

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20,000 Days On Earth – Iain Forsyth & Jane Pollard – GB 2014

Von Matthias Bosenick (11.10.2014)

Gute Idee, gut umgesetzt: Musiker Nick Cave spielt in diesem Film einen Musiker namens Nick Cave, der am zwanzigtausendsten Tag seines Lebens auf jenes zurückblickt. In diesen Rückblick fließen sicherlich unzählige reale Begebenheiten und Ansichten des echten Musikers Nick Cave ein, doch sollte man sich bestimmt davor hüten, sämtliches Gezeigtes als real abzuspeichern. Positiv an diesem Film ist nicht nur der Charakter der Figur Nick Cave, die sich nicht mehr auf der Suche befindet, sondern von ihren Funden berichtet. Die Musik des echten Nick Cave untermalt einen Film, der zusätzlich auch noch dem Auge gefällt.

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Ein Jahrzehnt (Es geht voran): KrautNick wird rund

Von Matthias Bosenick (09.10.2014)

Wie immer, wenn man etwas startete, das in die Jahre kommt, stellt man sich beim Rückblick die Frage: Wer hätte das gedacht? Olaf Krautwurst und ich gründeten KrautNick, um unsere Ideen, Meinungen und Vorlieben mit anderen Interessierten zu teilen. Bevor es Myspace gab, stellten wir befreundeten Bands Webspace zur Verfügung, um ihre Songs als mp3 vorzustellen; die Download-Seite existiert zwar immer noch, aber Neues kommt wegen der vielen anderen Verbreitungsmöglichkeiten seit langer Zeit nicht mehr dazu. Ein Aspekt an KrautNick war von Anfang an auch, dass andere ihre Ideen, Meinungen und Vorlieben auf dieser Plattform veröffentlichen. Dieses Angebot haben schon viele Gastautoren angenommen, ich bin jedem einzelnen ausgesprochen dankbar dafür.

Große Veränderungen gab es in den zehn Jahren eigentlich nicht. Dank Stefan Zeuke läuft die Seite seit zweieinhalb Jahren nicht mehr auf Html-Basis, sondern auf komfortablerem WordPress. Die Möglichkeit zu Kommentaren musste ich dort leider einstellen, weil zu viele Spambots mein In-Postfach überschwemmten. Mit dem Wechsel auf WordPress machte ich den Reiter „Besonderes“ aus organisatorischen Gründen zu einer eigenen Kategorie. Ursprünglich hatte ich außerdem geplant, die komplette alte KrautNick-Seite auf WordPress umzuheben – scheiterte aber an der erheblichen Arbeit, die damit verbunden wäre, und konzentriere mich vielmehr darauf, neue Beiträge zu verfassen.

Manchmal fragen mich Leute, wie viele Leser, also Klicks, die Seite hat. Offen gestanden: Ich weiß es nicht. Da ich meine Aktivitäten nicht wie jeder andere auf Facebook dokumentiere, meide ich einen heutzutage sehr wichtig genommenen Multiplikator. Dann fragen mich die Leute, warum ich „das“ trotzdem mache. Nun: Weil ich es kann, um Fox Mulder zu zitieren. Weil es mir Spaß macht. Weil ich gelegentlich Feedback in mündlicher und Email-Form (meistens von Andreas Reiffer, danke!) bekomme, von Lesern, die sich über Informationen freuen. Weil ich hoffe, damit andere anzustecken, sich zu beteiligen. Weil Konsumieren allein höchst öde ist. Weil ich mich mit dem Wissen darum, dass ich meine Eindrücke in Worte fassen möchte, viel intensiver mit Kulturprodukten auseinandersetze und mir so einen tieferen Zugang zu ihnen verschaffe. Deshalb mache ich weiter.

Macht mit! Als Leser oder als Gastautoren. Jeder ist willkommen.

Erasure – The Violet Flame – Mute 2014

Von Matthias Bosenick (09.10.2014)

Dem Albumtitel fehlt ein N. Und damit der Musik auch. Elektromeister Vince Clarke verlegt sich zu sehr auf Clubsounds, dazu steht Andy Bells Charakterstimme fast wie ein Kontrapunkt, der sich nicht einfügen mag – das Ergebnis erinnert damit zu sehr an Schlager. Genau genommen machen Erasure seit 19 Jahren keine richtig gute Musik und keine richtig hängenbleibenden Songs mehr. Das belegt auch die Bonus-CD mit einem Live-Konzert, dessen Songauswahl mit Ausnahme von „Breathe“ aus dem Jahr 2004 auch nur bis maximal zum selbstbetitelten letzten guten Album (1995) zurückreicht. Wer wiederum die interessanten Remixe haben will, muss sein Konto für diese dritte CD ordentlich plündern. Warum jedoch bleibt man dem Duo treu? Das muss mit Treue und Loyalität zu tun haben. Und vielleicht mit dem wohligen Gefühl einer aufgegebenen Heimat, in die sich Übervierzigjährige zurückziehen können.

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Opeth – Pale Communion – Roadrunner 2014

Von Matthias Bosenick (07.10.2014)

Opeth machen jetzt Pop. Guten Pop, das ist die gute Nachricht, aber keine Opethmusik mehr, das ist die schlechte. „Pale Communion“ ist hübscher und latent langweiliger Prog-Rock-Pop mit feinen Einfällen, wie er in den 70ern die Hippies verzauberte. Wer so etwas hören will, hat es bereits im Plattenschrank, und wer Opeth hören will, wird von diesem Album eher enttäuscht. Wie schon vom Vorgänger.

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Frank Bröker/H. Makarios Oley – Pratajev: Medizin und Fetisch – Verlag Andreas Reiffer 2014

Von Matthias Bosenick (07.10.2014)

Um diesem Büchlein in aller Pracht gerecht werden zu können, ist es wohl erforderlich, sich mit dem schon recht umfangreichen Gesamtoeuvre über den fiktiven Allrounder Pratajev auseinanderzusetzen. Ohne dieses Vorwissen erscheint „Medizin und Fetisch“ wie ein zu sehr konstruierter Sohn von „Arnold Hau“, der zumindest einige unterhaltsame Geschichten zusammenfabuliert.

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Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit (Still Life) – Umberto Pasolini – GB/I 2013

Von Matthias Bosenick (12.09.2014)

Ein wunderbarer, stiller, poetischer, rührender Film gelingt dem als Regisseur noch zu den Newcomern zählenden Umberto Pasolini. Die Hauptfigur John May ist mit Eddie Marsan perfekt besetzt und ebenso perfekt ausgestaltet, die Filmsprache passt sich der Entwicklung dieser Figur an, das Ende ist konsequent und bewegend. Sensible Menschen verlassen das Kino nicht, ohne sich hinterher eine Menge Gedanken zu machen, und auch Filmanalytiker finden viele Details, an denen sie ihre Freude haben. Europäisches Kino in klassischer Art.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Bleach House – Cargo Records 2014

 

Von Matthias Bosenick (11.09.2014)

Bevor es an die wie eh und je ausgesprochen gute Musik geht, stellt sich eine andere Frage, die in Bezug auf Boa leider ebenfalls mit dem Attribut „wie eh und je“ verknüpft ist: Welche Vorstellungen hat der Dortmunder vom Format Musikalbum? Wenn der Fan die Deluxe-Version des neuen Albums kauft, bekommt er eine Bonus-CD mit acht weiteren Stücken und eine Live-DVD dazu – das Haupt-Album hat aber drei Lieder weniger als die Digipak-Einzel-CD. Man kann natürlich wohlwollend feststellen, dass der Künstler recht freigiebig mit seinem Ideenreichtum umgeht, andererseits wirkt die Auswahl seiner Stücke auf den Alben dadurch beliebig. Unabhängig davon schreibt Boa einfach tolle Songs, zwischen Hymne und Rockbrett, was „Bleach House“ verlustfrei in die nicht abreißende Reihe der seit 2000 wieder guten Boa-Alben einfügt. Ein Wermutstropfen: Obwohl sie als Autorin im Booklet noch vereinzelt auftaucht, ist Pia Lund nicht mehr dabei.

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Mope – Mope – Taxi Driver Records 2014

Von Matthias Bosenick (05.09.2014)

So sonnig ist es in Italien: Das Genueser Quartett Mope macht schleppenden Doom Metal mit Saxophon, zu dem es sich prima im feuchten Keller verweilen lässt, damit auch ja keine gute Laune aufkommt. Dieser Plan geht aber schief: Das Album ist so gut, dass man sich darüber nur freuen kann. Da nimmt man dann auch gerne in Kauf, dass es mit der musikalischen Eigenständigkeit abgesehen vom Saxophon nicht ganz so weit her ist.

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Jimmy’s Hall – Ken Loach – GB/F/IRL 2014

Von Matthias Bosenick (21.08.2014)

Erschreckend zeitgemäß ist die Geschichte von dem Iren Jimmy Gralton aus dem Jahr 1932, die uns Ken Loach mit seinem offenbar letzten Film erzählt. Das tut er nach alter Schule: ohne schnelle Schnitte, aber mit kunstvoll komponierten Bildern, schönen Farben, schlüssigen Zeitsprüngen, pointierten Dialogen, politischer Botschaft und der wohl schönsten Sexszene ohne Sex, die es im Kino gibt.

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