High-Rise – Ben Wheatley – GB 2015

Von Matthias Bosenick (08.07.2016)

Ach ja, da war ja noch was: An sich ist „High-Rise“ gar nicht so übel, aber kaum kommt man aus dem Kino, hat man den Film schon vergessen. Das liegt zum einen an den wenig Identifikation stiftenden Figuren und zum anderen an der Erzählweise, die nach der Einführung der Thematik den interessantesten Teil im Schnellverfahren durchhudelt und sich dann auf die plakativen Standards Sex und Gewalt konzentriert. „High-Rise“ ist eine Gesellschaftsanalyse, die recht treffend ist, aber ein immanentes Schulterzucken transportiert, das der unterstellten Intention entgegenwirkt. Man kann auch sagen: „High-Rise“ ist das längste Musikvideo, das Portishead je gemacht haben.

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Swans – The Glowing Man – Young God Records/Mute 2016

Von Matthias Bosenick (02.07.2016)

Überraschend unlärmig ist der – ja, auf das Wortspiel kommt jeder – Schwanengesang der jüngsten Swans-Inkarnation. Leichte Kost wird dieses zweistündige Album dennoch für die meisten Menschen kaum sein. „The Glowing Man“ klingt, als hätten Michael Gira und seine nicht mehr lange um ihn kreisenden Mannen das Vorgängeralbum „To Be Kind“ entkernt und hier die herausgearbeiteten Kerne neu verfugt. Repetetives Ausufern ist die Basis der meisten Stücke, mit flirrenden, nur latent dissonanten Semimelodien darüber. Selbst das Tempo bleibt reduziert, die musikalische Wucht dadurch aber kaum. Was man mit den herkömmlichen Bandinstrumenten nicht alles selbst im Jahre 2016 noch Unerhörtes kreieren kann. Respekt, ihr alten Männer!

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Lassigue Bendthaus – Matter – Dark Entries 2014 (Original 1991)

Von Olaf Krautwurst (30.06.2016)

Eigentlich wollte ich aus Zeitgründen keine Rezensionen mehr schreiben. Warum ich dies nun doch wieder mache, ist einfach erklärt. Ich habe angefangen, mir wieder Schallplatten, ja Vinyl, zu kaufen und da ich mich daran so erfreue, möchte ich euch hier ein paar Sahnestücke meiner Einkäufe vorstellen.

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The Neon Demon – Nicolas Winding Refn – USA/DK/F 2016

Von Matthias Bosenick (29.06.2016)

Das Modeldasein frisst Dich auf. Okay. Bekannte Erkenntnis. Und weiter? Nix weiter. Nicht in „The Neon Demon“ zumindest. Der Film ist so glatt wie die Gesellschaft, die er darstellt. Da gibt es keinen Bruch und keinen Tiefgang. Die Handlung ist so plump, dass der Film sogar komplett ohne sie deutlich attraktiver geworden wäre. Man sieht, wer oder was Nicolas Winding Refn gern gewesen wäre, aber geworden ist er es nicht. Nett zu betrachten, mehr nicht – und das ist sicherlich nicht der Effekt, den das vermeintliche Enfant Terrible sich hiermit erhofft hat.

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Der Weg einer Freiheit, Fäulnis, Fit For An Autopsy, Ära Krâ – Live im Jugendhaus Ost in Wolfsburg, 24. Juni 2016

Von Matthias Bosenick / Fotos von Nils Koopmann und Matthias Bosenick (25.06.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Von Würz- nach Wolfsburg: Die schonnichtmehrjunge Neo-Black-Metal-Hoffnung Der Weg einer Freiheit gibt sich ein Stelldichein im sympathischen selbstverwalteten Jugendhaus Ost in Wolfsburg. Als Beifang bekommt man die metalbasierte Stilmixbesonderheit Fäulnis aus Hamburg, die Deathcorer Fit For An Autopsy aus New Jersey und die Postschwarzmetaller Ära Krâ aus Berlin dazu. Ein herrlich breites Spektrum und eine lustige Party nicht nur für langhaarige Schwarzgewandete. Für die inoffizielle Rahmenunterhaltung sorgen Patch-Bingo und eine Werprinzessin.

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Gojira – Magma – Roadrunner Records 2016

Von Matthias Bosenick (21.06.2016)

Magma ganich glaum, dass sich Gojira von Album zu Album weiterbewegen. Zwar benennt die französische Metalband ihr sechstes Album nach der wichtigsten französischen Progband, doch nimmt sie den Proganteil in ihrem Death Metal bedauerlicherweise weit zurück. Noch nie waren Gojira-Songs eines ganzen (hier nicht mal 45-minütigen) Albums so kompakt wie auf „Magma“. Stattdessen arbeiten sie ihre anderen Qualitäten aus: Harmonien, Melodien, Instrumentenbeherrschung, Wucht, Most, Atmosphären, Fingerfertigkeit, Stilmix. Es gibt im zeitgenössischen Metal kaum eine bedeutsamere Band als diese. Das untermauert „Magma“. Punkt.

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Tribute – Terra Incognita – Sireena Records 2016 (Original 1990)

Von Matthias Bosenick (19.06.2016)

Nicht Totengräber, sondern Schatzsucher sind die Leute von Sireena: Hiermit veröffentlichen sie den Schwanengesang des schwedischen Progkonglomerats Tribute (ungeschickter Name aus der Prä-Google-Zeit). Interessanterweise klingen viele zeitgenössische Progalben so ähnlich, „Terra Incognita“ (nicht zu verwechseln mit dem grandiosen Debüt von Gojira) könnte genau so auch von heute sein. Das sagt einerseits etwas über das vermeintlich Neue im Biz dieser Tage aus und andererseits über die offenbar nicht flächendeckend ausgefallene Berücksichtigung der Band im weltweiten Progkosmos. Zumindest mir sind sie vorher nicht untergekommen. „Terra Incognita“ ist so abwechslungsreich, dass im Wortsinne für fast jeden etwas Ansprechendes dabei ist – aber auch etwas, das er vielleicht nicht so mag.

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Friedrich Liechtenstein Trio – Live beim Festival Theaterformen am Haeckelschen Gartenhaus in Braunschweig, 17. Juni 2016

Von Matthias Bosenick (18.06.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Wenn jemand durch eine Fernsehwerbung zum Star wird, hat er bei mir Schwierigkeiten, dass ich ihn nicht mit Leuten wie Verona Pooht in einen Topf werfe und ignoriere. Wenn derjenige aber in diesem TV-Spot mit einer salbungsvollen Stimme von sich Reden macht, die Musikpostille sein nachgeschobenes Album „Bad Gastein“ lobhudelt und dieser Mensch dann auch noch an einem Freitagabend beim Festival Theaterformen auftritt, so hat er zumindest meine skeptische Aufmerksamkeit. Friedrich Liechtenstein nun nutzt diese und schlägt vom ersten Kontakt an bei mir ein wie eine Bombe: Der Mann ist phänomenal, fast bin ich sogar dazu geneigt, ihn „supergeil“ zu finden, wäre dieses Attribut nicht viel zu offensichtlich. Diesen Edeka-Song indes spart er mit seinem neuen Trio aus. Stattdessen gibt es enorm vielschichtige Ambientgeschichten, Soulchansons und Erwachsenenclubmusiken. Völlig unerwartet und absolut hörenswert. Ich bin hin und weg.

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Stereo Total – Live beim Festival Theaterformen, Haeckelsches Gartenhaus, Braunschweig, am 11. Juni 2016

Von Matthias Bosenick (12.06.2016, editiert am 14.06.2016) / Auch erschienen auf Kult-Tour Der Stadtblog

An diesem Braunschweiger Turbosamstag kommt selbst an nur einer Veranstaltung schon zweierlei Gigantisches zusammen: Das Livemusikprogramm des Festivals Theaterformen findet wie immer am Haeckelschen Gartenhaus statt, das seinerseits dieses Mal Bestandteil des am selben Tag eröffneten vierten Lichtparcours’ ist. So ist der idyllische Platz heute trotz des immensen Konkurrenzprogramms so voll, wie ich ihn beim Festival Theaterformen noch nie erlebt habe. Der Grund ist sicherlich die Band dieses Abends: Stereo Total. Nicht ganz mein Fall, aber hierher lockt mich ohnehin mehr als nur die Musik.

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Outside The Box – Philip Koch – D 2015

Von Matthias Bosenick (09.06.2016)

Zynisch und spöttisch, gutes Drehbuch, gute Dialoge, aber Laiendarsteller: „Outside The Box“ ist trotzdem ein guter Film, der die Managemenschen und das Wirtschaftssystem in allen Fassetten bloßstellt. Ein herrlicher Spaß, der durchaus auch besser sein könnte, aber in seiner Form schon sehr zufriedenstellt. Leider kein „Bang Boom Bang“, aber gottlob auch kein Schweiger-Schweighöfer.

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