Harri Kauppinen – Helvetin laulut – Concorde Music Company/Inverse Records 2016

Von Matthias Bosenick (31.08.2016)

Ein einsamer Mann mit langen, dünnen schwarzen Haaren, die unter einer schwarzen Wollmütze hervorsprießen, sitzt im herbstwinterlich kahlen Wald und tippt murmelnd auf seiner Schreibmaschine herum. Zwischendurch holt er seine Klampfe heraus und intoniert dunkle, doomige, folkige Gothicrocksongs auf halblustigem Finnisch. „Höllenlieder“, wie der Albumtitel „Helvetin laulut“ übersetzt heißt. Harri Kauppinen war einst Sänger der Darkmetaler Beyond The Dream, von denen auch keiner je etwas gehört hat. Sein Debyyttialbumi indes überrascht: Besonders der harte finnische Zungenschlag, den man dank Eläkeläiset eher in Lustig kennt, kontrastiert den gar nicht so stark klischeebeladenen schleppenden Gruftrock sehr angenehm.

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The Shallows – Jaume Collet-Serra – USA 2016

Von Matthias Bosenick (30.08.2016)

Hei, was für ein Spaß für eine junge Frau: Surfen an einsamem mexikanischen Strand, lustige Leute treffen, Wellen, Wind und Wetter spüren und dabei den Krebstod der Mutter verdrängen. Die Trauer bekommt jedoch plötzlich eine Gestalt, und zwar die eines mörderischen Hais, der es auf die eskapistisch verblendete Blondine abgesehen hat. Dieser Film macht ganz viel ganz richtig und ist enorm spannend. Und: „The Shallows“ hat mehr mit dem „Weißen Hai“ gemein als dessen Sequels.

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The Tubes – The Musikladen Concert 1981 – Sireena 2016

Von Matthias Bosenick (21.08.2016)

Niemand kennt The Tubes, außer Nina Hagen, und die will wiederum niemand kennen. Sie coverte den Tubes-Song „White Punks On Dope“ nur drei Jahre später, also 1978, als „TV-Glotzer“; das dürfte zumindest für einen Aha-Effekt reichen. Davon jedoch sollte man nicht auf das vorliegende Konzert schließen: Nicht nur fehlt „White Punks On Dope“ offiziell in der Setlist, die Band gebar sich zudem 1981 vorrangig als Show- und Theatertruppe mit Musikuntermalung, die mit Punk möglicherweise die Haltung, weniger jedoch die Musik gemein hatte. Am ehesten ist der Sound vergleichbar mit dem der Talking Heads aus der Zeit, und als Vertreter der CBGB-Szene gehörten die ja irgendwie doch noch zum Punk. Inspiriert haben dürfte die Show Musiker wie Deichkind oder Wayne Coyne, der vieles davon mit seinen Flaming Lips exponenzierte.

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The Claypool Lennon Delirium – Monolith Of Phobos – Prawnsong 2016

Von Michael „Schepper“ Schaefer (19.08.2016)

Moin.

Ui, die kreativen Tausendsassas Les Claypool (Bass, Gesang) und Sean Lennon (Gesang, Gitarren, Mellotron, Drums) auf einem Album? Das könnte ja interessant werden. Und das wurde es auch.

Währen man Herrn Claypool als Bassisten extraordinaire von u.a. „Primus“ oder „Oysterhead“ kennt (übrigenz einer der wenigen Bassisten, bei denen mir die Slap-Technik nicht auf den Sack geht), ist Sean Lennon als Sohnemann berühmter Eltern als Musiker u.a. bei der „Plastic Ono Band“ und bei „the ghost of a saber tooth tiger“ unterwegs. Auch das coole Artwork von CD-Cover und Booklet gehen auf sein Konto.

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Julieta – Pedro Almodóvar – E 2016

Von Matthias Bosenick (10.08.2016)

Eine Wohltat, dieser Film: Er ist in mehr als nur einem oder zwei Aspekten gut. Er hat ein großartiges Ende, schöne Bilder, eine mitnehmende Geschichte, passende Musik, attraktive Figuren, eine überzeugende psychologische Basis und geschickt ausgelegte Selbstreferenzen. Jede Komponente für sich allein genommen hätte ohne die anderen keinen guten Film ergeben, aus allen zusammen kreiert Almodóvar, wie sich das frühere Entfant Terrible des europäischen Kinos inzwischen nur noch nennt, ein wahres Kunstwerk. Man verlässt das Kino mit einem „wow“ auf den Lippen.

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Van Damned – 4 Track Demo CD – Van Damned 2014

Von Matthias Bosenick (02.08.2016)

Yes, I want it, and I need it: Mit nur vier Songs empfehlen sich die musikhistorisch regional stark aktiven drei Jungs von Van Damned für eine Live-Performance mit erwartbar astreinem Partycharakter. Macht die behaarten Oberkörper frei, Männer, und holt die Luftgitarren raus: Hier rockt der Blues nach Art der Siebziger, er lässt dabei reichlich Platz für Verspieltheiten. Das Trio beherrscht eine ansteckende Dynamik, die sich nicht hinter vordergründigem Rockertum verstecken lässt. Wenn diese Vorgeschmacks-CD auch nur ansatzweise exemplarisch für den Livespirit stehen sollte, ist da sicher einiges rauszuholen. Auch ohne Clubatmo lässt die CD die Füße wippen und den Kopf nicken. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass diese CD live im Studio eingespielt wurde – das merkt man. Yes, I want it!

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Rosi – Grey City Life – In A Bad Mood 2016

Von Olaf Krautwurst (27.07.2016)

Als erstes muss ich mich bei Guido Wein aus Hameln bedanken, der mir in unserem Gespräch auf dem Owls’n‘Bats-Festival die Band Rosi empfohlen hat. Ohne Guido würde es entsprechend die Rezension nicht geben. Als ich nun sah, dass das Album „Grey City Life“ bestellbar war, wurde spontan mein Interesse geweckt und ich bestellte ein Exemplar der LP, welches auch zwei Tage später bei mir eintraf. Wie ich am Empfangstag erfuhr, bekam ich die LP durch meine Direktbestellung als einer der ersten und weit vor dem offiziellen VÖ im September 2016.

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Toni Erdmann – Maren Ade – D 2016

Von Matthias Bosenick (19.07.2016)

Fremdschäm – Der Film: Wären da nicht die unerschütterlich reagierenden anderen Figuren, man versänke andauernd im Erdreich vor lauter Schamgefühl den beiden Hauptcharakteren gegenüber. Die Unternehmensberaterin Ines und ihr Vater Winfried bringen in Bukarest Manager und Jetset durcheinander, und das alles nur, weil sie sich von einader und vom eigenen Leben entfremdet haben. Regisseurin Maren Ade schont niemanden und hält bis zum Exitus drauf. So kommen locker zweieinhalb Stunden Film zusammen, in denen man sich schon bisweilen fragt, ob eine Stunde weniger die Wucht aus dem Ablauf genommen hätte. Denn der Film ist so hyperrealistisch, dass der Kontrast zu den absurden Sequenzen dadurch erst so bewusst wird.

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Akte X: Die neuen Fälle – Chris Carter – Fox 2016

Von Matthias Bosenick (16.07.2016)

Das ist also das Reboot mit sechs Episoden, ein gutes Dutzend Jahre nach dem Aus der Serie und acht Jahre nach dem letzten Kinofilm. Man fragt sich: War „Akte X“ schon immer so öde und unstringent und man hat es nur deshalb nicht gemerkt, weil man die Serie kontinuierlich verfolgte und sich so schleichend an den Verfall gewöhnte? Oder ist die zehnte Staffel tatsächlich besonders mittelmäßig geraten? Hier halten sich Gut und Schlecht die Waage, was sich somit leider zuungunsten von Gut auswirkt. Immerhin: David Duchovny und Gillian Anderson sind die weitaus besseren Schauspieler als der Nachwuchs, der hier zu etablieren versucht wird. Ein Hoch auf die Alten!

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Sonic Wolves – Before The End Comes – Taxi Driver Records 2016

Von Matthias Bosenick (09.07.2016)

Verdammt: Indianer! Extrem tief verwurzelt in psychedelisch heavyrockenden Siebzigern, hieven die vier Musiker aus Alessandria bei Genua den Stoner Rock ins Classic-Rock-Regal, nur rotziger. Man hört diesem Debüt an, dass sie allesamt schon zum Teil langjährige Erfahrungen in anderen Bands haben; genannt seien hier unter anderem Pentagram und Ufomammut. Das gibt auch grob die Spannweite dieses gut halbstündigen Albums wieder.

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