Axel Klingenberg – Die Wahrheit über Niedersachsen – Verlag Andreas Reiffer 2016

Von Matthias Bosenick (12.10.2016)

Die Wahrheit über „Die Wahrheit über Niedersachen“ ist, dass Axel Klingenberg hier mit Fleiß und aus eigenen Erlebnissen einen zeitgleich sachlichen und unsachlichen Blick auf das zweitgrößte Bundesland der Republik wirft (Niedersachsen ist sogar größer als ganz Dänemark). Das etwa lückenhafte Ergebnis fällt aber nur denjenigen Lesern auf, die schon mal in diesem Land zwischen Bergen (Harz) und Meer (Nordsee) unterwegs waren (also in der Heide), denn Klingenberg zieht hier mit einer wohl platzbedingten Eile ins Feld, die über Lücken einfach hinwegfegt. Sein Tonfall wechselt dabei zwischen ironisch und bitterernst, den Themen angemessen. Als Reiseführer dient dieses Büchlein zumindest anteilig, das ist nicht die Hauptintention; in den meisten Fällen liegt das aber auch einfach am betrachteten Gegenstand: Wer nach Niedersachsen will, fährt eben schlicht in die Berge, ans Meer oder in die Heide und braucht dafür keine Details. Die es dennoch gibt und die den Blick lohnen.

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The Mission – Another Fall From Grace – Eyes Wide Shut/SPV 2016

Von Matthias Bosenick (06.10.206)

Und plötzlich klingen The Mission wieder wie The Mission, wie viele es sich seit Jahrzehnten wünschen und wie man es als jemand, der sich auch mit den Abwegen einverstanden sieht, trotzdem lieben kann. Der Gothic Rock der Engländer ist jetzt also wieder weicher, waviger, hymnischer, schöner als beim Comebackalbum „The Brightest Light“. Das war so grobschlächtig, dass viele Fans sich abwandten; zu Unrecht natürlich, denn es war ein gutes Album, gerade deshalb. Doch scheint sich Bandchef Wayne Hussey damit ausgetobt zu haben, denn „Another Fall From Grace“ könnte auch ungefähr rund um „Children“ und „Carved In Sand“ stattgefunden haben. Die limitierte Version des Albums ist indes nur so halb wichtig.

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The Wedding Present – Going, Going … – Scopitones/Cargo 2016

Von Matthias Bosenick (04.10.2016)

Going, Going …“ beginnt mit dem Outro. Mit vier Outros sogar. Denen folgen dann noch 16 Stücke, die musikalisch in allen Lebensphasen von The Wedding Present verankert sind. Die Engländer sind ja schon lange nicht mehr die reinen Schrammelkönige wie in den Achtzigern, sondern auch harmonische Indierocker mit Tiefgang und Dunkelheit. Und auch mal Spaß. An Sexualität sicherlich, wenn er denn schon so oft betrogen wird, der David Gedge. Die Rückkehr der Frauenstimme im Duettgesang ist erfreulich, das Album gut, und wer etwas Geld investiert, bekommt es als Büchlein mit Bonus-CD. Man kann von The Wedding Present ja nie genug bekommen.

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Myrkur – Mausoleum – Relapse Records 2016

Von Matthias Bosenick (01.10.2016)

Ach, dieser Metal, und dann auch noch der Schwarze! Amalie Bruun bringt ihr drittes Werk heraus, das sie unter dem Namen Myrkur in den Black Metal einsortiert. Dafür bekommt sie aus der Ecke jener Fans ordentlich Schelte, weil ihre Musik nicht dem klassischen Wesen des Genres entspricht, aber dafür umso mehr Aufmerksamkeit von aufgeschlossenen Leuten. In einem Osloer „Mausoleum“ nun nahm die Dänin mit dem isländischen Namen (Dunkelheit) unter Zuhilfenahme eines Pianos und eines Kinderchores eine EP live auf. Sakral, folkloristisch, besinnlich, schön.

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Ziguri – Onetwothreefour – Sireena 2016

Von Matthias Bosenick (28.09.2016)

Das Label Sireena hat ein Händchen dafür, Bands zu veröffentlichen, deren Namen und Albumcover aussehen wie aus einer Rockmusikpersiflage. Und wie bei Sireena ebenso üblich, sollte man sich davon nicht beirren lassen. Ziguri sind drei alte Männer mit Krautrockerfahrung, die seit kurzer Zeit wieder zusammen musizieren und der Jugend mal zeigen, was man alles aus den gegebenen Instrumenten so herausholen kann. Hier dudelt, dröhnt, rockt, gniedelt, rumpelt, spacet es nach Herzenslust und ohne zeitliche Beschränkung. Die Musik bildet Kreise, die sie als Grundlage für Experimente nutzt. Was ist das: Speed Ambient, Rock Goa, Stoner Krautrock, Psychedelic Postrock? In jedem Fall: beachtlich gut.

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B. Trinker (Hg.) – Braunschweig schön trinken – Verlag Andreas Reiffer 2016

Von Matthias Bosenick (26.09.2016)

Stimmt schon, bisweilen muss man sich „Braunschweig schön trinken“. Ist aber keine ganztägige tägliche Lösung. Besser, man sucht sich in der Stadt seine Eckchen, die man schön findet. Vorliegendes Kompendium bietet dazu eine Betrachtung beträchtlicher Kneipen an, von denen einige definitiv Inseln des Schönen sind. Die Betrachter rekrutieren sich hier aus jungen Kunststudenten und alteingesessenen Trinkerprobten. Da die HBK Auslöser für das Projekt war, tat es diesem gut, dass sich die Autorenschaft durchmischt. Vollständig ist diese Übersicht natürlich nicht, aber ausreichend kenntnisreich selektiert.

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Blinky Blinky Computerband – For A Better World – Blinkypix 2016

Von Matthias Bosenick (09.09.2016)

Auf seinem neuen Album „For A Better World“ gibt Olaf Krautwurst seiner selbstgewählten Stilbezeichnung „Strange Electro Pop“ für sein Projekt Blinky Blinky Computerband eine gewaltige Ladung zusätzlicher Durchschlagskraft: So abwechslungsreich wie hier war sein elektronisch dominierter Sound noch nie. Das liegt nicht nur an seiner eigenen großen Bandbreite in synthetischer Musik, sondern auch an seinen Gastmusikern, allen voran Michael Arnold alias Arni, der auf fast der Hälfte der Songs an der E-Gitarre zu hören ist. Und außer der des Schreibers dieser Zeilen und des Synergy-Bandchefs Henning Reuter sticht besonders eine Gaststimme hervor: die von Darrin Huss, seines Zeichens Kopf des einst kanadischen Synthie-EBM-Projektes Psyche. Ja, hier geht was!

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One More Time With Feeling – Andrew Dominik – AUS 2016

Von Matthias Bosenick (09.09.2016)

Interesse wecken durch Verknappung: „One More Time With Feeling“, die Dokumentation zum neuen Album von Nick Cave & The Bad Seeds mit dem Titel „Skeleton Tree“, läuft weltweit nur einmal in den Kinos, und zwar am Vorabend der Albumveröffentlichung. In dem fast zweistündigen Film offenbart der Bandchef Einblicke in seine Seele, die der Tod seines Sohnes traumatisierte. Die Auswirkungen schlagen sich in Texten und Musik seiner Bad Seeds nieder. Ergreifend, überwiegend schwarzweiß, musikalisch unerwartet, poetisch und trotzdem nicht frei von Humor.

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Krüger – Banana Holiday – Bauchpfannen Aufnahmen 2016

Von Matthias Bosenick (04.09.2016)

Der Mann kann nicht ohne Melancholie. Auch auf einem augenscheinlichen Sommeralbum wie „Banana Holiday“ dringt sie aus fast allen Liedern. Daran ändert auch die dreijährige Pause seit dem Vorgängeralbum „Der Masterplan“ nichts: Krüger bleibt seiner Grundstimmung treu. Musikalisch unterscheidet sich „Banana Holiday“ stark vom Vorgänger: Das Album klingt im Schlagwerk synthetischer, die Gitarren tragen nicht mehr die Vorliebe für rockigen Britpop im Sound. Zu diesem Sommeralbum würden sich Hedonisten aufhängen, für sensible Gemüter hingegen ist es erheiternd und stimulierend. Ein bemerkenswerter Hybrid also.

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New Model Army – Winter – Attack Attack 2016

Von Matthias Bosenick (03.09.2016)

New Model Army sind eine der wenigen langlebigen Bands dieser Erde, die noch kein einziges schlechtes Album veröffentlicht haben, und auch das 14. Album „Winter“ ist wieder gut geworden. Anders als die Vorgänger „Between Dog And Wolf“ und „Between Wine And Blood“ sind auf „Winter“ die seinerzeit erstmals starken perkussiven Anteile wieder zurückgenommen, an ihre Stelle tritt der Wille zum reinen Rock. Nicht heavy, aber mit der gewohnten gebremsten Heftigkeit und einem Hang zur Atmopshäre; die 13 Stücke sind mehrheitlich im gehobenen Midtempo gespielt. Zur Sache geht es vielmehr in den Texten, auch das ist vertraut. Und Justin Sullivan (60) hat einfach eine geile Stimme.

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