A Girl Walks Home Alone At Night – Ana Lily Amirpour – USA 2014

Von Matthias Bosenick (28.05.2015)

Wäre die Handlung blöd, man hätte trotzdem ein riesiges Vergnügen an diesem Film, denn Ana Lily Amirpour liefert eine einhundertminütige Sammlung großartiger Bilder, mit allen Tricks und Kniffen, die die Filmkunsttheorie so hergibt. Nun hat man zusätzlich das Glück, dass die Handlung zwar sperrig und entschleunigt, aber gut ist, also einen Mehrwert, der den schwarzweißen „A Girl Walks Home Alone At Night“ mit stark westlicher Prägung alternativer Art und vermutlich orientalischem Erzählstil nicht zu einem genretypischen Vampirfilm verkommen lässt.

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Die drei ??? – 175: Schattenwelt – Europa/Sony 2015

Von Matthias Bosenick (25.05.2015)

Die Jubiläums-Dreifachfolgen der drei Fragezeichen sind in der Regel um einiges attraktiver als die normalen Folgen, seit die Nummern dreistellig sind. Das ist bedauerlich, weil man sich auch für die normale Serie als Fan der frühen Stunden eine dauerhafte Mindestqualität wünscht. Dreifach überzeugten besonders die Episoden 100, „Toteninsel“, und 150, „Geisterbucht“, mit komplexen Handlungen und kompetenzübergreifenden Zusammenhängen, abgesehen von tatsächlichen Abenteuern, die die drei Ü40-Teenager zu bestehen hatten. Nummer 125, „Feuermond“, hatte so einige Längen, aber nicht so starke wie die aktuelle Nummer 175, „Schattenwelt“, an der erstmals drei Autoren arbeiteten: Anstatt dass sich ein einzelner eine lange Geschichte ausdachte, liefert hier ein Trio drei aufeinander bauende Fälle mit einem Gesamtergebnis ab. Die Geschichten sind, um es milde auszudrücken, ereignisarm.

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Nachtbarden – Live mit Schepper und Insa Kohler im TAK in Hannover-Linden am 19. Mai 2015

Von Matthias Bosenick (20.05.2015)

Eine Bombenstimmung herrschte wortwörtlich im Theater am Küchengarten, dem TAK, im schönen Linden: In der Südstadt evakuierte man die Gebäude, weil man eine Weltkriegsbombe zu entschärfen hatte; das Thema drang bis in den kulturellen Abend der Nachtbarden. Die Nachtbarden, das ist eine Lesebühne, bestehend aus Ninia LaGrande, Tobias Kunze, Kersten Flenter und Johannes Weigel, die sich monatlich Gäste ins TAK holen. Dieses Mal waren es der Braunschweiger Solobassist Schepper und eigentlich die Hamburger Autorin Sabrina Schauer, die leider aus gesundheitlichen Gründen absagte und ihre Berliner Kollegin Insa Kohler als würdige Vertretung nach Hannover schickte. Ein Bombenabend: Das heimelige TAK war gerammelt voll, die Gastgeber waren freigiebig und freundlich und die Beiträge qualitativ hochwertig und ausgesprochen unterhaltsam.

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Holger Reichard & Karsten Weyershausen – Stadt. Land. Flucht. – Schwarzkopf & Schwarzkopf 2015

Von Matthias Bosenick (16.05.2015) / Auch auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Die Diskussion darum, ob die Lebensqualität auf dem Land oder in der Stadt höher ist, ist vermutlich so alt wie menschliche Wohnbebauung, aber die beiden befreundeten Autoren Holger Reichard und Karsten Weyershausen widmen ihr dennoch genau jetzt ein ganzes Buch. Hätte schiefgehen können, tut es aber ganz und gar nicht: Jeder von beiden bevorzugt einen von beiden Standorten, und was ihre anekdotische und analytische Betrachtung so verschlingbar macht, ist die Differenziertheit. Jeder von beiden sieht Vor- und Nachteile in beiden Varianten. Keine Sichtweise wird verherrlicht, die andere nicht rettungslos bloßgestellt. Positiv dazu kommt, dass die beiden Autoren einen auf den ersten Blick vielleicht betulichen, in Wahrheit aber seriösen, kompakten und treffenden Schreibstil haben, angenehm frei von Allüre, Attitüde und Schenkelklopferhumor. Dieses Buch macht Spaß.

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Toddn Kandziora – Im Hohlraum der Jahre – Buchbauer/epubli 2015

Von Matthias Bosenick (13.05.2015) / Auch erschienen auf Kult-Tour – Der Stadtblog

In seiner Buchbauer-Reihe gibt der Randbraunschweiger Toddn Kandziora befreundeten Autoren eine Plattform für ihre Texte. Die Nummer zehn nimmt Toddn selbst ein, mit Geschichten um die Figur Wotan Engel, die hauptsächlich in den 80ern stattfinden und ein Bild dieser Zeit abgeben, das die Massen so eher nicht erlebt haben dürften. „Im Hohlraum der Jahre“ feiert zwar in gewisser Weise die Jugend, zelebriert aber nicht den medial ausschlachtbaren 80er-Geist mit Smileys, Rubikwürfeln und Nena. Ich-Erzähler Wotan Engel berichtet aus den unteren Schubladen der Existenz, von der Gesellschaft meistens gar nicht wahrgenommen, und wenn doch, dann verschmäht. Dieses Buch trumpft einerseits mit krassen Erlebnissen bis weit über die Kotzgrenze hinaus auf, stellt aber hauptsächlich einen wehrhaften Tritt zurück dar, gegen Gesellschaft, Staat, System, Willkür. So, wie Toddn es darstellt, stellt man sich selbst zumindest meistens an seine Seite und möchte sich mit ihm zusammen wehren. Na ja, und ihm zusätzlich fürs nächste Mal einen Lektor an die Hand geben.

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Alien Sex Fiend – Classic Albums And BBC Sessions Collection – Cherry Red 2015

Von Matthias Bosenick (11.05.2015)

Seit Jahren schon ist das vierte Album „It“ von Alien Sex Fiend nicht mehr zu erschwinglichen Preisen auf CD zu haben. Die drei Alben davor erfuhren allesamt bereits eine Wiederveröffentlichung, diejenigen danach auch – und jetzt stellen die Londoner Batcave-Helden auch „It“ wieder auf CD bereit, allerdings ausschließlich in dieser Vier-CD-Box im Bunde mit den ersten drei Alben. Sowie diversen Bonus-Tracks, die sich aber eklatant von denen der bisherigen CD-Veröffentlichungen unterscheiden. Egal, die Box lohnt die Anschaffung.

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Kackschlacht – Kackschlacht 2015 – Kackschlacht 2015

Von Matthias Bosenick (10.05.2015) / Auch auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Wie auch immer sich die Welt entwickelt, in Sachen Technik, Politikverdrossenheit, Rechtsruck, Internet, Mainstreamisierung und weiß der Geier was – eines wird es gottlob immer geben: die kleine schranzige linke Punkband aus dem Keller nebenan. Kackschlacht ist eine dieser kleinen Bands, vielmehr: Es ist ein Duo aus Braunschweig, das die Welt wie selbstverständlich aus einer in ihrem Genre relativ allgemeingültigen Punk-Attitüde betrachtet, die mittlerweile älter ist als die beiden Brüder selbst. Als Kackschlacht orientieren sie sich musikalisch am schnellen Wenige-Akkorde-Schrammel-Punk, den man eher selten für seine Virtuosität goutiert. Da geht es vielmehr um Slogans, Energie, Antihaltung; all das allerdings mit einiger Ironie. Schick: Die knapp neun Minuten Musik kommen auf einer Sieben-Zoll-Vinylsingle – in Gelb.

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Leviathan – Andrey Zvyagintsev – RUS 2014

Von Matthias Bosenick (03.05.2015)

Ein zähes Werk legt Andrey Zvyagintsev mit seinem systemkritischen 140-Minuten-Drama „Leviathan“ vor. Zäh deshalb, weil die Handlung dünner ist, als es die Dauer des Films suggeriert, und weil die Geschichte in der Mitte vom Politthriller zum Drama kippt. Das mag typisch russisch sein, das mag auch ästhetisch ansprechend gefilmt sein, aber die Drama-Teile konterkarieren zu sehr die guten Polit-Ansätze und damit auch die beabsichtigte Aussage, dass das System im Russland dieser Tage nur mit Korruption funktioniert. Wenn einen die Hauptfigur auch noch wie hier sehr gleichgültig lässt, ist einem ihr Schicksal dummerweise reichlich egal, besonders dann, wenn es auch noch zu einigen Anteilen selbstverschuldet ist. Typisch russisch sind überdies die Dialoge, die zu den definitiv attraktiven Momenten in „Leviathan“ zählen.

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Shihad – FVEY – Warner 2014

Von Nicholas Gregory (28.04.2015) und Matthias Bosenick (29.04.2015)

Schon ein halbes Jahr alt, aber superschwer zu kriegen; daher ist nicht nur dieses jüngste Shihad-Album für sich gesehen eine Erwähnung wert, weil ihr einstiger Entdecker und Mentor Jaz Coleman von Killing Joke die Neuseeländer zu ihren musikalischen Wurzeln zurückführte, was bedeutet, dass das vorliegende Album rauh, roh, monoton, heavy und energetisch ausgefallen ist – aber auch die höchst unwahrscheinliche Art und Weise, wie es auch noch in der völlig unerhältlichen limitierten Version in meine Hände gelangte. Dank sei dem Internet, der Globalisierung und meiner Sozialisation mit den Drei Fragezeichen, dass ich Nick in Queenstown, Neuseeland, virtuell ausfindig machte. Er selbst war Bassist bei der Band Redline, macht aktuell als Vega Verona eher elektronische Musik – und hielt unsere gemeinsame Geschichte selbst exklusiv fest:

Musically, Matze knows his onions and tracked down a rare release of Shihad’s latest release, the epic FVEY (pronounced Five Eyes,) I was selling on Trade Me, New Zealand’s version of Amazon. I had pre-ordered the album but annoyingly, only received it in the post a week after it’s release date. Given it was a limited-edition, I figured someone would want to acquire it, so I listed it for sale. Matze left a message on the auction saying he was keen to buy it if I didn’t sell it online. Instead of selling it and after learning where Matze was based, I asked for a trade – Shihad’s FVEY for Guano Apes latest album ‚Offline.‘ I’ve been a big fan of this band since my ex-girlfriend (from Gottingen) introduced me to their music years ago. I hope to see the Apes live someday soon. One of the best live shows I’ve ever seen was The Living End at ‚postbahnhof‘ in Berlin in 2010. That was something special, seeing a crowd full of german punks pogo to Shihad’s Australian brothers. FVEY is a return to Shihad’s hard rock form, after several years flirting with a more commercial sound. Shihad were the very last band to record at Auckland’s York Street studio – a legendary recording studio where many, many classic albums were produced.

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