Aloys – Tobias Nölle – F/CH 2016

Von Matthias Bosenick (09.11.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Filmfest!!! Der einzige Grund, sich auf den November zu freuen. In der Reihe „Neues Deutsches Kino“ läuft „Aloys“ aus Frankreich und der Schweiz, weil die Sprache zumindest an den Reihentitel angelehnt ist. Mit Titelfigur Aloys mäandert der Film durch diverse Genres, je nach Zustand dieser Person: Familiendrama, Detektivfilm, Psychogramm, Horror, Fantasy, Liebesgeschichte; alles indes nicht dem Genre gemäß, sondern sorgsam um die Figur herumdrapiert. Und in Motiven dargeboten, die der klassischen Bildkomposition folgen und damit bewundernswert ästhetisch sind. Für den umfassenden Genuss ist es indes unerlässlich, dass man sich auch auf Filme ohne galoppierendes Tempo einlassen kann. Dann hat man seine Freude.

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Opeth – Sorceress – Nuclear Blast 2016

Von Matthias Bosenick (07.11.2016)

Vom „Windowpane“ zum „Windowpain“: Opeth haben im Retrodudeln ein behagliches Nest gefunden. Vom progressiven Death- und Black-Metal mit ausufernden milden Gitarrenpassagen und eingeflochtenem Schönklang blieb seit drei Alben lediglich das Progressive übrig, und zwar grob in der Form, wie es der Progressive Rock in den Siebzigern vorgab, also irgendwie willkürlich komplex rockend mit ganz viel Orgel und sonstiger Orgelei. Erschreckend, wie langweilig die Schweden geworden sind.

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Placebo – Life’s What You Make It – Elevator Lady/UMG Recordings Services 2016

Von Matthias Bosenick (06.11.2016)

Wenn die kolportierte Geschichte stimmt, ist sie lustig: Placebo begehen ihr zwanzigjähriges Bestehen mit einer Best-Of-Doppel-CD und vergessen beim kompilieren, dass sie in ihrem eigenen Repertoire einen Song namens „Twenty Years“ haben. Um das glattzuziehen und den einzigen exklusiven Song auch anderswo unterzubringen, schieben sie halt die 12“ „Life’s What You Make It“ nach. Darauf gibt’s „Twenty Years“ in zwei unterschiedlichen Liveversionen und vier neue Songs, darunter das titelgebende Talk-Talk-Cover. Die EP belegt, dass sich Placebo zu Recht in der indierockigen Lücke zwischen Mainstream und Eigensinn gut eingenistet haben.

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Pixies – Head Carrier – Pixies Music/Play It Again Sam 2016

Von Matthias Bosenick (03.11.2016)

Betreutes Rocken: Dafür, dass die Pixies vor 25 Jahren den Indierock und indirekt den Grunge erfanden, gestaltet sich ihre neue Musik nach der fragwürdigen Reunion als selbstplagiierender Aufguss. Die interessantesten Passagen sind Eigenkopien, der Rest eine Melange aus nett und langweilig. Da war das frühe Solowerk von Chefquerulant Frank Black alias Black Francis deutlich innovativer. Die nunmehr Erwachsenen tauschen das Subversive gegen die fröhliche Retromanie ein. Oh wie schön war Panama, als wir es entdeckten. So richtig schlimm an „Head Carrier“ ist indes, dass das Album der Jugend immer noch etwas vormachen kann. Wer kann, wende sich dennoch den alten Alben zu.

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Meshuggah – The Violent Sleep Of Reason – Nuclear Blast 2016

Von Matthias Bosenick (02.11.2016)

Nicht viele Bands können immerzu das Gleiche machen und damit trotzdem permanent Neues kreieren. Weil das Gleiche bei einer Band wie Meshuggah so komplex ist, dass jederzeit Raum für Variationen bleibt, die fraglos als Neukreation durchgehen können. Zumindest, wenn man ein Ohr dafür hat und die Sorte Metal, die andernorts als Djent bezeichnet wird, nicht für schlichten Soundbrei hält. Den aufmerksamen Zuhörern schenken die Schweden nach 25 Jahren noch ein anspruchsvolles Brett, bei dem man wie gewohnt Schwierigkeiten hat, überhaupt den Takt mitzuwippen. Und dann garnieren sie das intellektuelle Gerumpel auch noch mit feinen Effekten und – ähm – Melodien.

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Saint Amour – Benoît Delépine & Gustave Kervern – F/B 2016

Von Matthias Bosenick (26.10.2016)

Sobald die Filme von Benoît Delépine und Gustave Kervern nicht im erfundenen Groland spielen, geht ihnen reichlich der Witz ab. Dabei beginnt „Saint Amour“ noch recht akzeptabel, kippt dann aber zur Hälfte in einen müden Sexwitz. Weder die Geschichte noch die Charaktere retten den Film, nur die verblassende Erinnerung an einige sehr witzige Dialoge aus der ersten Hälfte lässt das Werk nicht als kompletten Ausfall zurück. Zweimal sehen muss man „Saint Amour“ aber nicht.

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Moby & The Void Pacific Choir – These Systems Are Failing – Little Idiot 2016

Von Matthias Bosenick (23.10.2016)

Moby ist derbe angepisst. Er findet die Welt scheiße und brüllt dies auch raus. Zu einer Musik, die man nach 17 Jahren Jammerpop nicht mehr von ihm erwartet hätte: Postpunkige Gitarre, stumpfe Beats, technoide, fast an EBM oder wavigen Synthiepop gelehnte Elektroeffekte, Lärm, Tempo, In-die-Fresse. Ganz ohne seine Trademarksounds geht’s nicht, aber in diesem Kontext heben sie sich positiv vom handelsüblichen Achtzigerretrosound junger Postpunkepigonen ab. Und das, als man gerade denkt, nie wieder etwas von Moby seiner Sammlung hinzufügen zu wollen. Das war knapp, Richard Melville Hall!

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Radiohead – A Moon Shaped Pool – XL Recordings 2016

Von Matthias Bosenick (18.10.2016)

Endlich ist auch die speziell verhüllte Vinylversion des jüngsten Radioheadwerkes draußen: Als Doppel-LP im wunderschönen Album mit Buch und sogar zwei CDs, zwei Bonustracks mithin. Das können Radiohead, Wertanlagen schaffen. Und gute Musik: Erfolgreicher kann komplexe progressive kreative eigensinnige Rockmusik dieser Tage einfach nicht sein. Was seltsam genug ist. Welt, hör Qualität! Die bekommst Du auch auf „A Moon Shaped Pool“, aber einmal mehr anders dargereicht als noch zuvor. Ruhiger nämlich. Mit weniger verstörenden Geräuschen und Experimenten. Aber auch mit noch weniger Rockmusik. Die Musik ist träumerisch, aber nicht leichtfüßig: Das Dunkle lauert überall. Darauf muss man sich einlassen können. Und dabei entspannt im Büchlein blättern. Und sich über „Spectre“ auf CD freuen.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Blank Expression – Vertigo/Capitol/Universal 2016

Von Matthias Bosenick (15.10.2016)

Sicherlich, Phillip Boa ist einer der kreativsten und umtriebigsten Indiemusiker des Landes (Malta). Aber. Seit Jahrzehnten schon gibt es Anlass, sich über seine Veröffentlichungspolitik zu wundern, mit limitierten Bonus-12“es, Bonus-Tracks, Rereleases mit davon abweichenden Bonus-Tracks, Best-Ofs mit Exklusivtracks, limitierten Versionen mit abweichenden Extrasongs zur Standardversion und so weiter. „Blank Expression“ setzt diesem Vorgehen die Krone auf: Der Fan bekommt ein neues Studioalbum namens „Fresco“ lediglich als Bonus der limitierten Version einer neuen Best-Of. Nun kann man sagen: Lustiger Einfall, der Sammler erhält ein Geschenk. Oder auch: Boa ist sich der Irrelevanz seiner neuen Musik so gewiss, dass er sie lediglich versteckt veröffentlicht. So geil sein Indierock auch ist: Letzteren Eindruck verfestigt das Album. Leider. Zunächst.

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Die Insel der besonderen Kinder (Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children) – Tim Burton – USA/B/GB 2016

Von Matthias Bosenick (13.10.2016)

So sehr man Tim Burton auch vergöttert, nicht zwingend jeden seiner Filme will man mehr als einmal sehen („Sweeney Todd“), manche sogar nicht mal überhaupt einmal („Big Eyes“). Es war Zeit für einen neuen Lieblingsfilm von ihm, und „Die Insel der besonderen Kinder“ ist dies ganz leicht. Gute Geschichte, zweckdienliche Effekte, pralle Ideen, morbid-brutale Überraschungen, stringente Erzählung: Burton schöpft aus dem Vollen, aus dem er schon so viele andere Meisterwerke fütterte. Schön auch in 3D.

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