Von Onkel Rosebud
Meine Freundin sammelt gern Steine und Fossilien in der Nähe vom Meer. Zugegeben kein ausgefallenes Hobby, aber eins mit Verlass. Sobald sie einen Strand betritt, geht’s ab in die Hocke und dann siebt sie den Sand nach Bernstein, Donnerkeil und Hühnergott. Andy und Lance dagegen pflegen ein außergewöhnliches Hobby. Sie sind Mitglied im Sondengänger-Verein Danebury Metal Detecting Club (DMDS); zwei exzentrische Metallsucher, die auf dem englischen Land nach Vergrabenem suchen. Klingt als Prämisse für eine Serie langweilig? Mitnichten. „Detectorists“ ist eine höchst spannende Sitcom, quasi ein versteinerter Seeigel im Serien-Seetang, schwer zu finden, dafür melancholisch, witzig, bittersüß, herzerwärmend, aber nicht sentimental und gespickt mit Wortwitz und subtilem Humor.
Autorenarchiv: Van Bauseneick
Bruce Springsteen – Only The Strong Survive – Columbia 2022
Von Guido Dörheide (15.11.2022)
Oha – ein neues Springsteen-Album und dazu eins voller Coverversionen von Soul-Stücken, also Songs eines musikalischen Genres, mit dem ich mich nahezu nicht auskenne. Eigentlich möchte ich darüber nicht schreiben, aber seit einigen Tagen möchte ich das Album immer wieder hören, weil es sehr gut ist, und so denke ich, ich bin es dem Künstler schuldig, hier die gefühlt 1001. Rezension seit dem Erscheinen von „Only The Strong Survive“ hinzuschreiben.
WeiterlesenSimple Minds – Direction Of The Heart – BMG 2022
Von Matthias Bosenick (15.11.2022)
Ist das noch Punkrock? Nein, spätestens seit 1981 nicht mehr. Mehrmals von sich selbst und anderen zu Grabe getragen, lassen sich die Simple Minds nicht von Schmährufen beirren und bringen 2022 abermals ein Album heraus. „Direction Of The Heart“ ist nicht nur kein Punkrock mehr, sondern eigentlich auch kaum noch überhaupt Rock. Keyboards und Chöre kleistern, die Melodien sind gefällig und eingängig, und was an dem Album gelungen ist, ist es deshalb, weil es die Glasgower in den zurückliegenden 44 Jahren bereits irgendwo erprobten, besser zumeist. Große Gesten, große Gefühle, das Stadion oder die Arena gleich mitgedacht, fügen sich die Songs dieses Albums – den Titeltrack gibt’s übrigens nur in der Deluxe-Edition – in den Singalong-Hitreigen der derzeit als Septett auftretenden Schotten bestens ein. Don’t you?
Die drei ??? und der dunkle Taipan – Live in der ZAG-Arena in Hannover am 12. November 2022






Von Matthias Bosenick (14.11.2022)
Dreidreiviertel Jahre zwischen Ticketkauf und Veranstaltung, das dürfte Rekord sein: Der dritte Nachholtermin des ursprünglich am allerersten Lockdowntag der Coronapandemie hätte stattgefunden haben sollenden Gigs der Originalsprecher der Hörspielserie „Die drei ???“ ging nun endlich über die Bühne, die zwischenzeitig sogar ihren Namen wechselte, von Tui- in ZAG-Arena nämlich. Routiniert servierten Oliver Rohrbeck als Justus Jonas, Jens Wawrczeck als Peter Shaw und Andreas Fröhlich als Bob Andrews eine eigens für die Tour zum vor drei Jahren begangenen 40. Geburtstag der Hörreihe konzipierte Geschichte, die sie fandienlich in die eigene Vergangenheit führt. „Der dunkle Taipan“ überzeugt mit gelungenem Fall, Meta-Humor und angemessener Bühnenshow – vor mehreren tausend Zuschauern, was bei einem Live-Hörspiel ja nun wirklich den Kopf explodieren lässt. Bei aller Glückseligkeit: Etwas mehr Herzblut hätte gern von der Bühne in den Saal fließen dürfen.
Decision To Leave (헤어질 결심) – Park Chan-wook – Südkorea 2022
Von Matthias Bosenick (11.11.2022)
Filmfest in Braunschweig! Da läuft „Decision To Leave“, der neue Film von Park Chan-wook, schon vor dem Bundesstart. Der einst Gewalt so unmittelbar auf die Netzhaut drückende Regisseur fährt hier Sex und Brutalität zurück, um eine Geschichte zu erzählen, die im Verlauf mehrmals das Genre wechselt: von humorigem Polizeifilm zu einem Ermittlungsthriller zu einem Liebesdrama. Wundervoll komponierte Bilder, psychedelische Bildwechsel und höchst interessante Charaktere fesseln fast zweieinhalb Stunden lang, bis die Geschichte zuletzt jedoch im Sande verläuft. Dennoch verlässt man das Kino mit bemerkenswerten Eindrücken im Kopf.
Darkthrone – Astral Fortress – Peaceville 2022
Von Guido Dörheide (10.11.2022)
Das erste, was ich von „Astral Fortress“, dem neuen Album der unglaublichen und einzigartigen norwegischen Black-Metal-Institution Darkthrone mitbekommen habe, war das vorab veröffentlichte Video zu „Caravan Of Broken Ghosts“. Hier jetzt der Spoiler: Es ist sehr gut. Sogar unglaublich gut.
WeiterlesenSpezial: Schneider Collaborations
Von Matthias Bosenick (10.11.2022)
Der Mann muss verrückt sein: In nur wenigen Wochen erscheinen gleich sechs Alben mit seiner Beteiligung. Und auch, wenn das Schlagzeugspiel von Jörg Alexander Schneider sowas von einzigartig ist, weil er dabei seinen Kopf ausschaltet und nur seinen Körper walten lässt, was zu verspielten, arhythmischen Klickersounds führt, können diese sechs Alben unterschiedlicher kaum sein. Und stellen zudem trotz ihrer Menge nur einen Bruchteil dessen dar, was Schneider 2022 alles veröffentlichte. Nicht zu laut brüllen: Das Jahr ist noch lang. Hier nun die sechs jüngsten Kollaborationen des früheren Noiserockers aus Hückelhoven, der sich nunmehr vornehmlich im Jazz austobt:
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Athena – Cinéma du banlieue
Von Onkel Rosebud
Diese Ausgabe der Kolumne verdient eigentlich ihren Titel nicht. Es müsste besser Was meine Freundin nicht gerne sieht heißen.Filme oder Dokumentationen über soziale Brennpunkte, Arbeitslosigkeit, Armut, erbärmliche Wohnverhältnisse und gewalttätige Jugendbanden sind nicht ihre Tasse Tee. Wenn dann darin noch postpubertäres Jungmachotum und latent islamistisch gefärbter, manchmal in exzessive Gewalt bis hin zu Gruppenvergewaltigungen, Folter und Mord umschlagender Frauenhass offen zur Schau gestellt werden, dann wendet sie sich mit dem Hinweis ab, dass das mit ihrem Leben ja wohl so gar nichts zu tun hat und wann ich endlich ins Bett käme.
WeiterlesenJomi – Skråt over marken – Glorious Records 2022
Von Matthias Bosenick (08.11.2022)
So dynamisch, so energetisch: Nur ein Jahr nach ihrem letzten Solo-Album „Lyst“ überrascht Jomi mit einem neuen Mini-Album, das es physisch ausschließlich als 10“ gibt, mit Klappcover sogar. Sechs Songs mit Jazzgrundierung, die erste Seite mit knallenden Klein-Chören, kraftvollen Bläsern – und einem Noiserockhintergrund, den die Kopenhagenerin auch in einem eher rockuntypischen Gewand nicht verbergen kann. Die zweite Seite ist etwas ruhiger als die erste und ebenso bemerkenswert arrangiert; „Querfeldein“ also. „Skråt over marken“ sind sechs neue Lieblingslieder.
Inside Man – Steven Moffat/Paul McGuigan – Netflix/BBC 2022
Von Matthias Bosenick (07.11.2022)
Wer hat sich denn diesen Quatsch ausgedacht? „Von den Machern von ‚Sherlock‘“, aha. Der – zumindest in den Geschichten von Sir Arthur Conyn Doyle – sympathisch-überhebliche Kriminologe findet charakterlich auch in die Serie „Inside Man“ Einlass, und zwar in Form eines Todeszelleninsassen, der hinter Gittern mittels seiner kleinen grauen Zellen Fälle löst. Ein solcher Fall ist der im fernen England, in dem eine Journalistin ihre Freundin vermisst – die von einem völlig desolaten Pastorenehepaar im Keller festgehalten wird, weil das Drehbuch es so vorsieht und jeder rational denkende Mensch permanent komplett anders gehandelt hätte als diese dubiosen Dummbatzen. Trotz schöner Bilder, guter Schauspieler, einiger spannender Figuren und eines tollen Titelsongs von John Grant fällt es schwer, den Unsinn zu ertragen, den die „Macher“ hier zwischen die guten Einfälle quetschten. Das ist Verarschung.






