Oak – The Quiet Rebellion Of Compromise – Karisma Records 2022

Von Guido Dörheide (12.12.2022)

An dieser Stelle wollte ich eigentlich einige Zeilen über die neue Dead Cross fallenlassen (wollte ich eigentlich gar nicht, ich wollte nur mal deutlich machen, dass das eine Musik ist, die mir taugt), aber da Herr Van Bauseneick das schon getan hat, habe ich jetzt hier die Muße, mich über das neue Album von Oak auszulassen [was der Herr van Bauseneick selbst auf dem Zettel hatte, jedoch das Album noch nicht erwarb {Matze}]. Was ich gerne tue: Und wieder einmal mehr muss ich mir und der Welt eine Bildungslücke eingestehen: Die Frau auf dem Coverbild – die Unbekannte aus der Seine – war mir bislang komplett unbekannt. Viele liebe sehr verehrte Lesende – bitte googeln Sie das, es lohnt sich! Und gibt auch Aufschluss auf die Texte, auf die ich hier deshalb nicht weiter eingehen werde. Was also ist Oak? Zunächst einmal ist es aus Norwegen, und somit wert, da mal reinzuhören. Hmm, Erste Frage – Norwegen – ist es a-ha oder ist es Black Metal? Antwort: Es ist eher mehr so, als ob a-ha Black Metal spielen würden, als irgendwas anderes. Oder es ist so ähnlich wie Ulver. Nur anders.

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Dead Cross – II – Ipecac 2022

Von Matthias Bosenick (12.12.2022)

Schon wieder eine Corona-Platte, das Thema wird die Welt vermutlich auch künstlerisch noch eine ganze Weile begleiten. Dead Cross, die – hust – Supergroup um Mike Patton, bastelte in der Pandemiezeit an „II“, ihrem selbsterklärt zweiten Album. Hier geht es zu, wie man es anhand der Besetzung erwartet: Dave Lombardo (Ex-Slayer sowie diverse Bands und Projekte, viele mit Mike Patton) am Schlagzeug, Michael Crain (Retox und weitere Bands) an der Gitarre und Justin Pearson (The Locust und ebenfalls Retox sowie 1,4 Millionen zusätzlicher Beteiligungen) am Bass. Wie, die letzten beiden sind eher nicht so bekannt? Macht nix, allein Lombardo und der kurioserweise erst nach der Bandgründung hinzugestoßene Patton rechtfertigen das Etikett Supergroup, so! Ist natürlich Quatsch; kein Quatsch indes ist die gemeinsame Mucke: punkgetriebener Thrash-Rotz-Metal. „II“ ist der musikalische Beleg, dass die Welt schlechte Laune macht, und dieser Beleg macht gute Laune.

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Fontaines D.C. – Skinty Fia – Partisan Records 2022

Von Guido Dörheide (08.12.2022)

„Skinty Fia“, das dritte Album von Fontaines D.C. (äh ja, Matze, hiermit hätte ich dann die Überschrift im ersten Satz wiederholt und damit eine wichtige journalistische Grundregel nicht nur ad absurdum geführt, sondern sogar eingehalten) [im Sonic Seducer geht das noch redundanter: „‚Skinty Fia‘ ist der Titel des neuen Albums von Fontains D.C.“, Guido! {Matze}], ist bereits am 22. April dieses Jahres erschienen – warum beschäftige ich mich jetzt damit? Ganz einfach – ich war bis vor einiger Zeit davon ausgegangen, dass mich eine gehypte Band aus dem District of Columbia nicht weiter zu interessieren hätte, denn dafür habe ich schon Fugazi. Dann stellte ich fest, dass „D.C.“ für „Dublin City“ steht, und den Rest an Erkenntnis hat mir dann die Übersetzung des gälischen „Skinty Fia“ gebracht: „The Damnation of the Deer“ nämlich, und damit sind wir mittenmang in der Weihnachtszeit drin. Und in dieser schreibe ich jetzt die Rezension zum dritten Album von Fontaines D.C. Die mir mit „Skinty Fia“ nunmehr die dritte irische Phrase nahebrachten, die ich bisher kenne, neben „Sláinte“ und „Géill Slí“.

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DerHarms – Kosmische Kiffermusik Vol1 – Fuego/Sireena Records 2022

Von Matthias Bosenick (08.12.2022)

Herrlich: Hauke Harms hat Humor. Das dritte Album seines Electro-Ambient-Projektes DerHarms nennt der Ex-Grufti von Girls Under Glass fröhlich „Kosmische Kiffermusik“ und liegt damit vermutlich ganz richtig, wenngleich die wenigsten Hörer den Kosmos kennen dürften (andere Aspekte könnten weiter verbreitet sein). Der Künstler weiß, warum er das Album so benennt, denn es entstand in nebulösen Momenten mitten in der Coronazeit, als er sich mit seinen altertümlichen Sequenzern und Synthesizern in freiwillige Isolation begab und sich musikalisch in das einfühlte, was zwischen Berliner Schule, Space-Electro, Synthie-Kraut, Pop und Ambient so möglich ist. Erkenntnis: Es bedarf keiner Narkotika, um an dieser Musik Gefallen zu finden.

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Magnus Trolljäger – Per Anhalter durch die Norwegische Mythologie

Von Onkel Rosebud

Zu meinem 42. Geburtstag hat mir meine Freundin ein Handtuch mit eingestickter Jubiläumszahl geschenkt, dass ich seitdem immer dabeihabe. Wer mit diesem Satz inhaltlich etwas anfangen kann, unbedingt weiterlesen. Wer nicht, bitte bei Gelegenheit die BBC-Serie aus dem Jahr 1981 „Per Anhalter durch die Galaxis“ nach einer Idee von Douglas Adams gucken. Das ist Monty Python im Science-Fiction-Kontext. Und nun trotzdem im Text fortfahren:

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Tom Liwa – Eine andere Zeit – D,dmFk 2022

Von Matthias Bosenick (05.12.2022)

Von Duisburg über das Wendland (Lüchow-Dannenberg!) in die Welt hinaus, in der Folklore und Rockmusik eine heilige Ernte ergeben: Tom Liwa macht mit „Eine andere Zeit“ ein Album, auf dem er musikalisch Leuten wie Bob Dylan oder Neil Young Referenz erweist – inklusive Mundharmonika – und inhaltlich in seine eigene Seele abtaucht, wie immer eigentlich, und damit in die Seelen derer, die zuhören mögen. Und zuzuhören gibt es eine Menge: Das Album ist fast 80 Minuten lang und sprengt die physikalischen Kapazitäten der CD ebenso wie die mittlere Aufmerksamkeitsspanne vieler Musikhörenden. Und am Ende ist es immer glasklar ein Tom-Liwa-Album, auf dem der Mann – sobald er nicht singt – erzählt und dazu die Akustische anschlägt, begleitet von einer neu zusammengestellten vierköpfigen Band mit dem obskuren Namen Marion van der Beeks Seven Sisters.

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Ray Donovan – Die amtliche Fortsetzung der „Sopranos“

Von Onkel Rosebud

So wie Suzanne Vega als „die Mutter der mp3“ gilt, sind „Die Sopranos“ die Mutter aller Serien. Das mp3-Erfinderteam um Karlheinz Brandenburg machte den ersten Praxistests für die revolutionäre Audiodatenkompression mit der A-cappella-Version von „Tom’s Diner“. Als am 12. März 2000 die erste Folge „des Paten für’s Fernsehen“ in Deutschland (ausgerechnet im ZDF) „on air“ ging, wurde TV-Serien-Geschichte geschrieben. 2007 war dann die Geschichte der Mafiafamilie Soprano aus New Jersey auserzählt, aber die rühmliche Fortsetzung startete 2013, hieß „Ray Donovan“ und dauerte bis 2020.

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Ayn & Marlen Und Marlen – From The Floor Below – Toten Schwan Records 2022

Von Matthias Bosenick (30.11.2022)

Eine Zaubertüte an vielfältigen Stilen und Sounds auf nur einem Album! Grundsätzlich gruftig, verbindet das nihilistische Duo mit dem Drei-Personen-Namen Ayn & Marlen Und Marlen Industrial-Sounds, Wave-Gesang, Dark Ambient, Ritualmusik, Neofolk und sonstiges Experiment mit Gothic. Mit den Stilen wechseln auch die Stimmungen, wenngleich hier von guter Laune nicht gerade ausgegangen werden sollte. Simona Boglietti stellt dabei den Anteil Marlen Und Marlen, Christian Nicolao begnügt sich mit dem Alias Ayn. Das Duo aus Biella im Piemont bezeichnet sich auch als Endegehen Collective, und so klingt die Musik auch: als würde alles zu Ende gehen. Dieser wunderschön dunkle Schwanengesang ist einer, dem man sich gern hingibt, in lichtloser Kammer, zurückgezogen und von der Welt verschreckt.

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Devin Townsend – Lightwork – Inside Out Music 2022

Von Matthias Bosenick (29.11.2022)

Yeah, Pop! Der Alleskönner macht nach dem chaotisch-unhörbaren Metal-Zappa-Experiment-Album „Empath“ endlich wieder verträgliche Musik, und dieses Mal eben Pop. Das kann er, das macht er auch nicht zum ersten Mal, manche Performance mit Anneke van Giersbergen etwa deutet sehr sehr in Richtung Schlager, aber weil Dev eben Dev ist, ist das „Lightwork“ vielschichtig: Den Metal packt er in die unteren Ebenen, das Komplexe fließt wie nebenbei ein, sein Pop hat ein massives Fundament, auf dem er leichtfüßig Pirouetten dreht, mit ausgebreiteten Armen. Einmal mehr gibt’s in der limitierten Version ein komplettes Bonus-Album, „Nightwork“, und auf dem tobt er sich etwas mehr aus.

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Candlemass – Sweet Evil Sun – Napalm Records 2022

Von Guido Dörheide (28.11.2022)

Musik aus Schweden, das ist in etwa so wie Musik aus Irland: Es kann gut gehen, es gibt aber auch viel Scheiß. Abba, U2, Dexys Midnight Runners, Amon Amarth, Chris de Burgh – ein jeder bilde sich seine eigene Matrix. Und was will man von einer Band erwarten, die sich „Candlemass“ nennt (der Herausgeber dieser Zeilen sprach vor einigen wenigen Tagen von „Bembelmass“ – ei gude, wie?) und deren Debütalbum – das im Übrigen wirklich unglaublich gut ist – „Epicus Doomicus Metallicus“heißt? Ich will jetzt auch nicht in die Diskussion einsteigen, welcher Candlemass-Sänger nun eigentlich der beste ist – Johann Langquist, der schon auf „Biggus Dickus Metallicus“ gesungen hat und auch hier wieder mit von der Partie ist, Messiah Marcolin, Thomas Vikström, Björn Flodkvist, Robert Lowe oder wie auch immer diese ganze skandinavischen Spaßvögel auch so heißen mögen.

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