Monno – Cheval Ouvert – Idiosyncratics 2014

Von Matthias Bosenick (01.05.2014)

Sicher, Musik wie diese gibt es einige, aber selten gebündelt bei einer Band oder gar auf einer Platte wie dieser. Monno aus Lausanne sind mit den Melvins, den Swans, John Zorn, Bohren & der Club Of Gore, Neurosis und deren Epigonen wie Isis, Boris, SunnO))), Zu sowie Black, Doom, Sludge und sonstigen schleppenden Metal-Arten bestens vertraut. Vorliegendes Album enthält vier Stücke, die allesamt klingen wie Intros, die einen anderen Weg als den erwarteten einschlagen, und die dann zehn bis 15 Minuten dauern und davon nicht eine Sekunde lang langweilen. Und wer hat’s aufgenommen? Roli Mosimann, nicht das einzige Kaufargument, aber eine schöne Referenz. Und ein Zirkelschluss.

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Transcendence – Wally Pfister – USA 2014

Von Matthias Bosenick (01.05.2014)

Wally Pfister: ein Name, wie gemacht für eine Weltkarriere. „Transcendence“: ein Film, wie gemacht für die Goldene Himbeere. In zwei Stunden erzählt der als Regisseur debütierende Kameramann von Christopher Nolan, wie ein ins Internet eingespeister verstorbener Nerd die Weltherrschaft an sich reißt, um eigentlich doch nur Gutes zu tun, dabei verkannt wird und sich auch noch in den Absichten seiner Witwe irrt, für die er das alles tut. Ohne große Momente plätschert der Film so vor sich hin, Vorteil: Er stört nicht beim Chillen.

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Axel Klingenberg – Schmorwurst am Brocken: Das Harz-Buch – Verlag Andreas Reiffer 2014

Von Matthias Bosenick (30.04.2014)

Nachdem Axel Klingenberg seinen Wahlheimatsort Braunschweig mehrfach literarisch beackerte, wirft er uns nun den nächsten Brocken vor: naheliegenderweise den Harz. In der ihm eigenen Art zwischen Ironie, Beiläufigkeit und Akribie trug er literarische Vorlagen, eigene Erfahrungen und allerlei Wissenswertes wie -unwertes, aber Interessantes zusammen. Gelegentlich warnt er den Leser indirekt davor, die von ihm beschriebene Orte selbst abzuklappern; meistens aber weckt er Neugier auf beispielsweise Tropfsteinhöhlen im Ostharz oder die Lektüre der von ihm zitierten Reiseberichte. Schade nur, dass er im letzten Kapitel diverse spannende Geschichten nur anreißt, anstatt sie auszuerzählen – sie hätten dem Abwechslungsreichtum des Buches gutgetan.

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No Hay Banda – Deadly Songs – Pigslide Records 2014

Von Matthias Bosenick (21.04.2014)

Die beiden Kopenhagener von No Hay Banda fügen dem klassischen Konstrukt Synthie-Duo im Jahre 2014 tatsächlich eine neue Ebene hinzu. Als erstes haut einen die Stimme von Louise Tækker um: dunkel, kraftvoll, geradlinig, fordernd – und erfreulich frei von chartskompatiblem Tralala. Die Musik von Jonas Linnet bedient sich zwar bei den 80ern, kopiert sie aber nicht; weder ist der Synthie dominierend – Gitarre und andere Instrumente unterfüttern die Atmosphäre –, noch ist die Produktion dergestalt auf komprimierte Fettheit angelegt, dass es einem die Ohren zudrückt. Vielmehr weiß das Duo filigran zu arrangieren und die Musik nicht zu überfrachten: reduziert, aber nicht leer, und es gibt immer etwas zu entdecken. Das vorliegende zweite Album „Deadly Songs“ nun ist zudem deutlich weniger tanzorientiert als noch das Debüt „Wow & Flutter“ von 2011. Adé CD: Erhältlich ist das halbstündige Werk als LP, Download – und Kassette.

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Ronald R. Klein – Sandow: 30 Jahre zwischen Harmonie und Zerstörung – Verlag Andreas Reiffer 2014

Von Matthias Bosenick (21.04.2014)

Die Relevanz einer Band wie Sandow – oder besser: gleich konkret der Band Sandow – geht über ihr musikalisches Wirken weit hinaus. Bis auf den Hit „Born In The GDR“ kennt man von diesem Wirken selbst in informierten Kreisen wenig, Sandow sind und waren nie Konsensband, auch nicht in Ostrockkreisen. Dafür waren sie immer viel zu subversiv, inhaltlich wie formal. Das dokumentiert dieses Buch – aber eben noch viel mehr als das: auch den Kulturbetrieb der DDR sowie den Status einer nicht einmal im Osten breitenwirksam akzeptierten Band nach der so genannten Wende im vermeintlich wiedervereinigten Deutschland. Somit ist diese Biografie ein breit gefächertes Zeitdokument.

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Gojira – Les enfants sauvages – Roadrunner 2014

Von Matthias Bosenick (09.04.2014)

Roadrunner, das Label der besonders limitierten Sondereditionen, veröffentlicht das dritte Live-Dokument von Gojira. Kann man verstehen, denn die Franzosen brachten in 20 Jahren erst fünf Studioalben heraus, da hat man es als Label schon schwer, die Kuh zu melken, insbesondere, wenn sie bei der Zielgruppe so einen guten Ruf hat. Den hat sie berechtigt: Gojira machen abwechslungsreichen und (man muss das Industriewort hier verwenden) innovativen Death-Black-Metal mit Groove, Tapping, Melodien und Umweltschutzthemen. „Les enfants sauvages“ belegt das in aufwändiger Verpackung.

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Nymph()maniac 2 – Lars von Trier – DK, B, F, D, GB 2013

Von Matthias Bosenick (08.04.2014)

Wie zu erwarten zeigt die zweite Hälfte des gesplitteten Mammutpornos mit Handlung alles das, was in der ersten Hälfte fehlte: Homoerotik, Sado-Masochismus, Gewalt, Vergewaltigung. Die Stimmung ist dabei zunehmend weniger humorvoll. Die sich für ihre Nymphomanie selbst kasteiende Joe und ihr rational-asexueller Retter Seligman nähern sich seelisch aber immer weiter an. Mit überraschendem Ende: Lars von Trier erlaubt einen Twist, über den es sich trefflich lang diskutieren lässt.

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Die drei Fragezeichen: Phonophobia – Live in der VW-Halle in Braunschweig am 2. April 2014


Von Matthias Bosenick (03.04.2014)

Aus „Der Seltsame Wecker – Live And Ticking“ haben sie gelernt: Die vorherige Live-Tour der Drei-Fragezeichen-Sprecher plättete den Zuschauer mit ihrem Technik-Overkill. Die neue, nunmehr dritte Show „Phonophobia“ stellt quasi das Bindegleid zwischen dem Debüt „Master Of Chess“ und dem Wecker dar: Technik gibt es noch, aber im Mittelpunkt der eigens verfassten (und fast unmerklich dünnen) Geschichte stehen die drei Charaktere mit ihren schlagfertigen Dialogen. Man kann fast sagen: Im Rahmen der Möglichkeiten hat das Team alles richtig gemacht.

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Purgamentum – Aschewelt – Purgamentum 2014

Von Matthias Bosenick (31.03.2014)

Black Metal soll es sein. Das sagt die Band selbst jedenfalls und gibt sich auch die entsprechenden optischen Insignien, aber mal ehrlich: Es stimmt nicht. Und das ist auch gut so. Wer den puren Black Metal erwartet, wird enttäuscht, und wer offen ist für jede Art von Erweiterung, wird belohnt. Das Wolfsburger Quintett spielt sauber auf hohem Niveau, vermeidet den Soundbrei, kann komponieren, mag schöne Melodien, beherrscht mehr als nur die eine genannte Musikrichtung und hat Humor. Mit diesen Fähigkeiten kreiert die Band ein Album, das man gerne immer wieder hört, auch wenn man Black Metal vielleicht nicht als sein favorisiertes Genre nennt.

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Pixies – EP3 – Pixies 2014

Von Matthias Bosenick (29.03.2014)

Das ist mal so richtig frech. Mit der „EP3“ und der Ankündigung eines Albums mit dem albernen Namen „Indie Cindy“ verlieren die Pixies sämtliche Reputation: Ursprünglich hieß es, die Pixies bringen nie wieder ein neues Album heraus, auch nach der Wiedervereinigung 2003 nicht, die ja an sich schon niemals hätte stattgefunden haben sollen. Dann platzierten sie diverse neue Einzel-Tracks auf Sampler und im Internet, die ganz okay bis sehr gut waren. Dann gab es „EP1“ als 10“ mit vier neuen Stücken, da dachte man schon: Das, Kollehng Kollehng, geht ja gar nicht. Abgesehen davon, dass die Songs gerade mal mittelmäßig waren, widersprachen sich die Pixies sowas von selbst, und das auch noch in einer Besetzung, die nicht mehr original war, schließlich ist Kim Deal nicht mehr dabei. Im Zuge von „EP1“ kündigten sie an, vier solcher EPs zu veröffentlichen, aber kein Album, weil das unwirtschaftlich sei. Jetzt also kommt das Album, das alle drei bisherigen EPs bündelt. Hätte man das gewusst, hätte man sich das viele Geld für die drei 10“es gespart, denn die CD allein kostet weniger als nur eine der Vinyl-Scheiben, bietet aber auch nicht mehr als deren zwölf Songs. Darin steckt die nächste Frechheit: Die Band bekommt nicht nur keine vier EPs zusammen, sondern im Grunde nicht mal drei: Den Opener „Bagboy“ verschenkten die Pixies seinerzeit im Zuge der ersten EP als Gratisdownload. Das bedeutet: Wer sich „EP3“ als Download kauft, bezahlt damit als einen von vier Songs ein Stück, das er bereits als Geschenk auf der Festplatte hat. Einen Vorteil davon haben nur die 3000 Fans, die die rasch ausverkaufte Vinyl-Version ergattern konnten. Frech!

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