Tamikrest – Live im Hallenbad Wolfsburg am 27. März 2014

Von Matthias Bosenick (29.03.2014)

Mory Kanté singt jetzt bei The Velvet Underground mit, und er hat ein paar Freunde mitgebracht. So klingt es zumindest, grob zusammengefasst: Zu acht grooven Tamikrest, bestehend aus Tuaregs vornehmlich aus Mali, im Kulturzentrum Hallenbad. Sie verbreiten allerbeste Laune und laden zum ausgelassenen und selbstvergessenen Tanz ein. Zwar tobt der Saal und explodiert nach jedem Song vor Begeisterung, doch ist das mit dem Tanzen nicht so einfach: Der Saal ist bestuhlt und nur wenige stehen auf und bewegen sich am Rand des früheren Schwimmbeckens. Dennoch, die Resonanz ist bombastisch und die Musik sowieso.

Weiterlesen

Killing Joke – In Dub – Pledge 2014

Von Matthias Bosenick (15.03.2014)

Zum dritten Mal lassen sich Killing Joke ein Album via Pledge vorfinanzieren, zum zweiten Mal ist es eine Compilation (das dritte war ein Live-Mitschnitt). Diese Sammlung hat es sicherlich in sich: Dub-Versionen von Killing-Joke-Songs all über die drei Jahrzehnte, überwiegend sogar eigens angefertigte. Wie immer stellt sich die Frage, was genau den „Dub“ so ausmacht, wird das Wort doch bisweilen sozusagen lediglich synonym für „Mix“ verwendet. Nichts desto trotz ist die Qualität der vorliegenden Musikstücke wie gewohnt exorbitant hoch und die Bandbreite an Stilrichtungen trotz des titelgebenden Etiketts enorm breit gefächert.

Weiterlesen

Neneh Cherry – Blank Project – Smalltown Supersound/Rough Trade 2014

Von Matthias Bosenick (13.03.2014)

Phänomenal: Von jetzt auf eben kommt Neneh Cherry wie aus dem Nichts mit Musik an die Öffentlichkeit zurück, die vermutlich all denjenigen, die in den 90ern „Seven Seconds“ und in den 80ern „Buffalo Stance“ in die Charts brachten, eher weniger gefallen dürfte. Einen größeren Kontrast hätte sie nicht setzten können als vor zwei Jahren mit dem Jahrzentalbum „The Cherry Thing“. Da setzt „Blank Project“ an: Nicht mehr wirklich Freejazz, aber von dort aus geht es in eine teilweise elektronische Richtung. Im Zentrum steht ihre Stimme – rauh, fordernd, einnehmend.

Weiterlesen

Nymph()maniac – Lars von Trier – DK/D/F/B/GB 2013

Von Matthias Bosenick (26.02.2014)

Wer hätte das gedacht, dass der depressive Meister des Co-Traumatisierens nach dem verstörenden „Antichrist“ und dem langweiligen „Melancholia“ mit „Nymphomaniac“ als drittem Teil seiner Depressions-Trilogie nicht nur einen guten, sondern auch noch einen unterhaltsamen Film anfertigt – den er zudem zuvor irreführender- und sicherlich provozierenderweise als Porno vermarktete. Nein, der Film hat Handlung, Tiefgang, bietet Ausflüge in Psychologie, Philosophie, Wissenschaft, Kunstgeschichte, ist garniert mit Humor, Tiefgang und natürlich auch expliziten Sexszenen. Am Ende der ersten zwei Stunden der gekürzten Fassung (Teil zwei folgt im April) geht man beschwingt und gut unterhalten aus dem Kino. Das ist einem nach einem Lars-von-Trier-Film bislang ausschließlich nach „The Boss Of It All“ passiert.

Weiterlesen

Der Weg einer Freiheit & The Ocean – Live im Hansa-Kultur-Club, Braunschweig, am 23. Februar 2014


Von Matthias Bosenick (24.02.2014)

Dieser Artikel ist auch erschienen auf Stefanie Krauses Seite Kult-Tour Braunschweig.

Earthship aus Berlin eröffnen für das umwerfende Doppelpack, bestehend aus den Black-Metallern Der Weg einer Freiheit aus Würzburg und den Allesdurcheinandermoshern The Ocean aus Berlin und der Schweiz. Was die drei Bands musikalisch eint: Progressivität, Komplexität, Brutalität. Innerhalb der Metal-Szene liegen sie stilistisch allerdings doch ungewöhnlich weit auseinander. Macht nichts: Die einen blasen das Gehör frei, die anderen verwirren den Nacken mit gebrochenen Rhythmen.

Weiterlesen

Alcest – Shelter – Prophecy 2014

Von Matthias Bosenick (21.02.2014)

Da gleitet er dahin: Was einst im Black Metal startete, fließt nun träumerisch ins Licht. Angesichts der ansonsten allerorts drohenden Apokalypse ist dies womöglich eine abwechslungsreich positive Wendung, angesichts ausbleibender Originalität ist „Shelter“ allerdings annähernd entbehrlich. „Shelter“ tut nicht weh, aber ein bisschen Schmerz hätte dem Werk gutgetan.

Weiterlesen

Booze Control – Heavy Metal – Booze Control 2013

Von Matthias Bosenick (20.02.2014)

Es ist nicht ganz so einfach mit dem jungen Quartett Booze Control. Die Braunschweiger lassen die Mittachziger-Variante der NWoBHM stilecht aufleben, allerdings so traditionell, dass es fast überflüssig ist. Sie sind technisch perfekt, die Songs sind authentisch, die Mähne schüttelt sich wie von allein, aber: Es kommt wenig Originalität dabei herum, geschweige denn – trotz des humorigen Alkohol-Themas – so etwas wie Ironie. Live wiederum ist es vermutlich die pure Partymucke.

Weiterlesen

Bohren & der Club Of Gore – Piano Nights – Play It Again Sam/Rough Trade 2014

Von Matthias Bosenick (14.02.2014)

Hörgewohnheiten können eine entlarvende Sache sein: Für den einen ist die Musik von Bohren & der Club Of Gore das Deprimierendeste, Finsterste, Langsamste oder bestenfalls Langweiligste, was er je gehört hat, für den anderen ist es nette Begeleitunterhaltung oder die weltbeste Entspannungsmusik. Wer sich bereits ausgiebig in das Oeuvre der Mülheimer hineingehört hat, wird sich über „Piano Nights“ freuen, denn es ist ein munterer Freund in allen Lebenslagen, ideal für Frühstück, Fiesta, Feierabend. Düster geht jedenfalls anders.

Weiterlesen

blackhole-factory: „The Flight Of The Sea Swallow“ – Live in Braunschweig (Kunstmühle), Sydney und New Jersey am 24. und 25. Januar 2014

Von Matthias Bosenick (02.02.2014)

Selbst wenn man es erklärt bekommt, kann man das Konzept zum „Flug der Seeschwalbe“ nicht in seiner gesamten Komplexität und Genialität erfassen. Und wenn man es nicht erklärt bekommt, freut man sich über ein Live-Konzert mit an frühen europäischen Industrial erinnernde Loops und Gesang, die dem Internet sei Dank in Braunschweig, Sydney und New Jersey erzeugt werden, und über auf mehreren Leinwänden gezeigte Kuriositäten. In diese Melange ist per Sample- und Wortbeitrag das grobe Thema Rastlosigkeit mit allen Fassetten eingebettet. Ein sympathisches, bemerkenswertes, einzigartiges Vergnügen.

Weiterlesen

Sqürl – EP1, EP2 – ATP Recordings 2013

Von Matthias Bosenick (28.01.2014)

Das ist ein Elend: Jim Jarmusch empfahl sich stets als verlässlicher Musikkenner, indem er für seine Filme Soundtracks zusammenstellte, die man gerne sammelte und am Stück hörte, auf denen man neue Bands entdeckte und mit denen man seinen Muskigeschmack um krude Genres erweiterte. „Only Lovers Left Alive“, sein neuer Film, macht da keine Ausnahme: Mit Northern Soul, Post Rock und arabischem Indie-Folk bringt er den Zuschauer zum Niederknien. Will man indes das Soundtrack-Album kaufen, wird man enttäuscht: Es existiert nicht. Noch nicht, will man dem Label glauben. Immerhin gibt es zwei EPs des extra für den Film gegründeten Trios mit dem hochgradig guten und einzigartigen Namen Sqürl. Darauf zelebriert Jarmusch seine bereits im vorherigen Film „The Limits Of Control“ und mit der dazugehörigen Band Bad Rabbit gefundene Leidenschaft für lärmenden Post Rock.

Weiterlesen