Sandkamper – Narzissmus – RecordJet 2019

Von Matthias Bosenick (30.07.2020)

Stoner-Sound mit Grunge-Riffs – auf Deutsch: Sandkamper ist das Solo-Alter-Ego des Wolfsburgers Maurizio Menendez Cina, der unter anderem bereits mit Squintaloo auf sich aufmerksam machte. Mit seiner EP gibt er einen groovenden Einstand als Solist, komplett frei von Bandverpflichtungen und Mitmusikermitsprache, feiert seine Vorbilder und verarbeitet seine Erlebnisse. So aggressiv kann Enttäuschung klingen.

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Bob Dylan – Rough And Rowdy Ways – Columbia Records 2020

Von Matthias Bosenick (20.07.2020)

Die lebende Legende™ hat ein neues Album: Bob Dylan (79) bringt mit „Rough And Rowdy Ways” seine 39. Studioplatte seit 1962 heraus. Die ist voll schön geworden, vornehmlich besinnlich und langsam, dennoch frisch, kraftstrotzend, agil, mit Oldschoolmitteln auf das Amerika (also die USA) der Gegenwart blickend. Über die Texte des Literaturnobelpreisträgers sollen sich die Dylanologen (eine Art Donaldisten für Robert Zimmerman) auslassen, man kann die Doppel-CD auch ohne deren Entkryptung genießen.

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(0) – SkamHan/(0) – Napalm Records 2020/2017

Von Matthias Bosenick (15.07.2020)

Fröhliches Googeln: Für den Bandnamen „(0)“ gibt es eine grandiose Ergebnisauswahl. Sobald man fündig ist, zudem auch noch grandiose Musik: Die Kopenhagener machen Blackmetal, selbstredend modern mit atmosphärischen Passagen, aber auch mit groovendem Indiefresse. Der Spagat überrascht, einerseits die flächigen Ambientdrones, andererseits beinahe holzfällerartiger Deathmetal. Und wer behauptet, die Besetzung des Quintetts sei ein Geheimnis, ist nur zu faul zum Recherchieren.

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Real – Avalon – Nagelwork/Real-Musik 2020

Von Matthias Bosenick (14.07.2020)

Das erste öffentliche musikalische Lebenszeichen von Jens Nagel seit dem Aus von Phase V: Unter dem schwer zu googelnden Projektnamen Real veröffentlicht der Wolfenbütteler sein Debütalbum und gibt damit seinen Einstand in einer ganz anderen Ecke. Von Hip Hop oder Crossover ist auf „Avalon“ nicht mehr zu hören, stattdessen konzentriert sich der Keyboarder und Sänger auf trockenen Synthiepop, frickeligen Wave und dunklen Electro – mit einer unüberblickbaren Menge an weiteren Genreausflügen, darunter Acid House und Breakbeat. Geblieben sind die deutschsprachigen Texte, ansonsten klingt Phase V in Real nicht weiter nach.

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Tamikrest – Tamotaït – Glitterbeat 2020

Von Matthias Bosenick (09.07.2020)

Die Wüstenblueser aus Mali gehen konsequent weiter und vertiefen die „westlichen“, mithin US-amerikanischen und europäischen, Einflüsse in ihrer Tuaregmusik. Der Hybrid bleibt als solcher erhalten, lediglich die Schwerpunkte verlagern sich, und so lebt auch „Tamotaït“ von der Mischung aus vertraut und fremd, zugänglich und sperrig. Innerhalb der Lieder sind Experimente gar nicht erforderlich – das ganze Konzept ist bereits ein Experiment. Und „Tamotaït“ klingt melancholischer als die früheren Alben, dem Schicksal der Band geschuldet vermutlich.

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Sibylle Schreiber – Vom Lachen über den Tod – Ehrlich-Verlag 2019

Von Matthias Bosenick (08.07.2020)

„Der Tod ist leider niemals lustig“, befand Terence Hill alias „Nobody“, und so begegnet die Gesellschaft diesem dem Leben immanenten Phänomen zumeist, indem sie es bestenfalls ausblendet. Gegensätzliche Erfahrungen wiederum machte die Wolfsburger Autorin Sibylle Schreiber, als sie als Lesende einige Zeit im Hospiz verbrachte: Ohne den Tod zu veralbern, begegnet man ihm dort zuweilen überraschend gutgelaunt. Behutsam und warmherzig berichtet Schreiber von Erlebnissen, die Belegschaft und Bewohner mit rührenden, fröhlichen, unerwarteten, schlagfertigen Reaktionen auf das nahende Sterben machten.

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Scope – Scope/Scope II – Sireena 2020

Von Matthias Bosenick (01.07.2020)

Jazzrock steht auf dem Etikett der beiden Alben der niederländischen Band Scope, die die Goldgräber von Sireena nach 45 Jahren erstmals auf CD veröffentlichen dürfen. Interessanterweise macht die Musik von I zu II einen Bruch: Aus dem virilen, freien, fröhlichen Gemucke wird ein hektisches Formatgedudel. Sicherlich ist die II massentauglicher, aber die I ist aufregender. Auf beiden Alben gleich geil ist der Schlagzeuger: Was der wegmostet, braucht anderswo mindestens zwei Drummer.

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Spezial: addicted/Noname Label aus Moskau, Teil 5

Von Matthias Bosenick (25.06.2020)

Ein weiterer Nachschlag aus dem formidablen Programm des Moskauer Labels addicted oder auch Noname: Psychedelische Rockmusik steht im Mittelpunkt, aber alle drei Vertreter treten von dort aus eine Reise in andere Dimensionen an. Ciolkowska driften auf unverzerrten Schwingen in den Kosmos, Juice Oh Yeah verzichten dafür sogar weitgehend auf Gitarren und Pressor geben ihnen dafür umso mehr Gewicht.

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Daniel.B.Prothese – 44.44.44 – db2fluctuation 2020

Von Matthias Bosenick (22.06.2020)

Daniel Bressanutti, der alte Scherzkeks! Packt mal eben einen Haufen analoger Geräuscherzeuger aus, knotet deren Kabel zusammen und schneidet eine Dreiviertelstunde lang mit, was für Geräusche dabei entstehen. Noch ein Scherz: Das Album hat nur einen Track, aber der heißt nicht wie das Album, das wiederum lediglich nach der Tracklänge benannt ist: „44.44.44“. Nach EBM oder Front 242 klingt das hier alles nicht, hier bekommt man Drone, düsteren Ambient, manchmal mehrstimmig, mit gelegentlich wechselnden Tonhöhen, aber keine Rhythmen, keine Melodien. Tanzen kann man dazu zwangsläufig nicht, und wer dazu einschlafen kann, hat mindestens eine höhere Bewusstseinsebene erreicht.

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Petrolio – GLVWXUER#DQVLD#JHQHUDOL]]DWR – HgM Music 2020

Von Matthias Bosenick (19.06.2020)

Oldschool-Industrial, der aus Störgeräuschen und Atmosphären besteht, ohne Gitarren und ohne plakative Samples: Petrolio verstört und zerstört auf seiner neuen EP mit dem programmatisch-sperrigen Titel „GLVWXUER#DQVLD#JHQHUDOL]]DWR“. So ungefähr klingen die vier Stücke auch. Nichts für die Electro-Disco, sondern fürs gepflegte Chillen daheim, wenn man ansonsten auch zu Free Jazz und Black Metal zu chillen in der Lage ist und gerade kein beklemmender Horrorfilm im Stream läuft. Diese EP des Italieners gibt‘s natürlich standesgemäß physisch nur als Tape!

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