Alien Sex Fiend – Classic Albums And BBC Sessions Collection – Cherry Red 2015

Von Matthias Bosenick (11.05.2015)

Seit Jahren schon ist das vierte Album „It“ von Alien Sex Fiend nicht mehr zu erschwinglichen Preisen auf CD zu haben. Die drei Alben davor erfuhren allesamt bereits eine Wiederveröffentlichung, diejenigen danach auch – und jetzt stellen die Londoner Batcave-Helden auch „It“ wieder auf CD bereit, allerdings ausschließlich in dieser Vier-CD-Box im Bunde mit den ersten drei Alben. Sowie diversen Bonus-Tracks, die sich aber eklatant von denen der bisherigen CD-Veröffentlichungen unterscheiden. Egal, die Box lohnt die Anschaffung.

Weiterlesen

Kackschlacht – Kackschlacht 2015 – Kackschlacht 2015

Von Matthias Bosenick (10.05.2015) / Auch auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Wie auch immer sich die Welt entwickelt, in Sachen Technik, Politikverdrossenheit, Rechtsruck, Internet, Mainstreamisierung und weiß der Geier was – eines wird es gottlob immer geben: die kleine schranzige linke Punkband aus dem Keller nebenan. Kackschlacht ist eine dieser kleinen Bands, vielmehr: Es ist ein Duo aus Braunschweig, das die Welt wie selbstverständlich aus einer in ihrem Genre relativ allgemeingültigen Punk-Attitüde betrachtet, die mittlerweile älter ist als die beiden Brüder selbst. Als Kackschlacht orientieren sie sich musikalisch am schnellen Wenige-Akkorde-Schrammel-Punk, den man eher selten für seine Virtuosität goutiert. Da geht es vielmehr um Slogans, Energie, Antihaltung; all das allerdings mit einiger Ironie. Schick: Die knapp neun Minuten Musik kommen auf einer Sieben-Zoll-Vinylsingle – in Gelb.

Weiterlesen

Leviathan – Andrey Zvyagintsev – RUS 2014

Von Matthias Bosenick (03.05.2015)

Ein zähes Werk legt Andrey Zvyagintsev mit seinem systemkritischen 140-Minuten-Drama „Leviathan“ vor. Zäh deshalb, weil die Handlung dünner ist, als es die Dauer des Films suggeriert, und weil die Geschichte in der Mitte vom Politthriller zum Drama kippt. Das mag typisch russisch sein, das mag auch ästhetisch ansprechend gefilmt sein, aber die Drama-Teile konterkarieren zu sehr die guten Polit-Ansätze und damit auch die beabsichtigte Aussage, dass das System im Russland dieser Tage nur mit Korruption funktioniert. Wenn einen die Hauptfigur auch noch wie hier sehr gleichgültig lässt, ist einem ihr Schicksal dummerweise reichlich egal, besonders dann, wenn es auch noch zu einigen Anteilen selbstverschuldet ist. Typisch russisch sind überdies die Dialoge, die zu den definitiv attraktiven Momenten in „Leviathan“ zählen.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kino

Shihad – FVEY – Warner 2014

Von Nicholas Gregory (28.04.2015) und Matthias Bosenick (29.04.2015)

Schon ein halbes Jahr alt, aber superschwer zu kriegen; daher ist nicht nur dieses jüngste Shihad-Album für sich gesehen eine Erwähnung wert, weil ihr einstiger Entdecker und Mentor Jaz Coleman von Killing Joke die Neuseeländer zu ihren musikalischen Wurzeln zurückführte, was bedeutet, dass das vorliegende Album rauh, roh, monoton, heavy und energetisch ausgefallen ist – aber auch die höchst unwahrscheinliche Art und Weise, wie es auch noch in der völlig unerhältlichen limitierten Version in meine Hände gelangte. Dank sei dem Internet, der Globalisierung und meiner Sozialisation mit den Drei Fragezeichen, dass ich Nick in Queenstown, Neuseeland, virtuell ausfindig machte. Er selbst war Bassist bei der Band Redline, macht aktuell als Vega Verona eher elektronische Musik – und hielt unsere gemeinsame Geschichte selbst exklusiv fest:

Musically, Matze knows his onions and tracked down a rare release of Shihad’s latest release, the epic FVEY (pronounced Five Eyes,) I was selling on Trade Me, New Zealand’s version of Amazon. I had pre-ordered the album but annoyingly, only received it in the post a week after it’s release date. Given it was a limited-edition, I figured someone would want to acquire it, so I listed it for sale. Matze left a message on the auction saying he was keen to buy it if I didn’t sell it online. Instead of selling it and after learning where Matze was based, I asked for a trade – Shihad’s FVEY for Guano Apes latest album ‚Offline.‘ I’ve been a big fan of this band since my ex-girlfriend (from Gottingen) introduced me to their music years ago. I hope to see the Apes live someday soon. One of the best live shows I’ve ever seen was The Living End at ‚postbahnhof‘ in Berlin in 2010. That was something special, seeing a crowd full of german punks pogo to Shihad’s Australian brothers. FVEY is a return to Shihad’s hard rock form, after several years flirting with a more commercial sound. Shihad were the very last band to record at Auckland’s York Street studio – a legendary recording studio where many, many classic albums were produced.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Album

Mülheim-Texas: Helge Schneider hier und dort – Andrea Roggon – D 2015

Von Matthias Bosenick (27.04.2015)

Helge Schneider ist nicht zu fassen, und das gilt für sämtliche Bedeutungen dieser Wendung. Das ist gut für ihn als Künstler, weil seine Unberechenbarkeit ein wichtiger Grund dafür ist, ihn zu mögen (wenn man ihn denn mag), aber schlecht für diese Dokumentation, weil sich der Gegenstand derselben dem Dokumentiertwerden entzieht. Sicherlich liegt das Versagen der Regisseurin, einen stringenten, repräsentativen, zusammenhängenden und dichten Film über den 59-jährigen Schneider zu produzieren, in Schneider selbst begründet. Trotz der tollen Ausschnitte aus Schneiders Bühnenprogramm, Werdegang und semiprivatem Gebaren stellt sich daher die Frage nach dem Sinn des Films. Wenigstens kommen Fans mit neuen Zitaten ihres Entertainmenthelden aus dem Kino, dafür immerhin lohnt sich das Betrachten des ansonsten leider schalen Werks.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kino

Apocalyptica – Shadowmaker – Odyssey/Rough Trade 2015

Von Matthias Bosenick (26.04.2015)

Man kann Apocalyptica nicht vorwerfen, dass sie sich nicht entwickeln. Zumindest ihre eigenen Grenzen überschreiten die einstigen Metallica-mit-vier-Celli-Nachspieler immer wieder; dumm nur, dass das Ergebnis im Vergleich mit dem Rest des Universums so wenig Weiterentwicklung birgt. Neu ist dieses Mal bei den Cellometallern, dass es keine wechselnden Stimmengäste mehr gibt, sondern einen festen Sänger. Und in einem Track hört man elektronische Breakbeats. So weit, so okay. Leider ist das Album ein mittelmäßiges Mainstreamwerk geworden. Ob da nun Cello draufsteht, ist oftmals egal, weil die Songs – besonders, weil seit einigen Alben ein Drummer zum festen Line-Up gehört – meistens mediokren Softrockheulern ähneln. Offenbar haben die Finnen den fälligen Schritt zur Erwachsenenband übersprungen und sind bei junggebliebenen Classic-Rock-Rentnern angekommen, die damit gleichzeitig junge Alternative-Rock-Hörer erreichen wollen.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Album

Code 37 – Jakob Verbruggen, Joël Vanhoebrouck – B 2009

Von Matthias Bosenick (21.04.2015)

Sechs Jahre später kommt nun diese vermeintlich unbedeutende Serie aus dem tatsächlich im Rest der Welt eher unbedeutenden TV-Serien-Land Belgien in Deutschland auf DVD heraus, und dafür ist ein geübtes Crossmarketing der Auslöser: Hauptdarstellerin Veerle Baetens spielt eine der drei Ermittlerinnen in der aktuell sowohl recht als auch zu Recht gefeierten Serie „The Team“, die ebenfalls bereits auf DVD erhältlich ist. Wer nun diesen Seitenschritt wagt, wird belohnt; Sexualdelikte als Thema könnten für Betroffene (von denen es erschütternderweise viel zu viele gibt) abschreckend wirken, doch verlagert die Serie das Gewicht von der Gewaltdarstellung auf die Haltung: Wer sich hier im Rahmen des Polizei-„Code 37“ strafbar macht, ist alles andere als ein Held – er ist ein Arschloch. Damit, mit sympathisch unsympathischen Charakteren und mit einer attraktiven visuellen Umsetzung punktet die Serie; da fällt es nicht so unangenehm auf, dass die Fälle an sich nicht immer die komplexesten sind.

Weiterlesen

Brothers Of The Sonic Cloth – Brothers Of The Sonic Cloth – Neurot Recordings 2015

Von Matthias Bosenick (17.04.2015)

Man hat in den zurückliegenden 20 Jahren, nach dem Ende der Band Tad, deren Chef Tad Doyle reichlich aus den Augen verloren. Er aber die Öffentlichkeit offenbar auch. Klammheimlich rumort er jedoch in diversen Besetzungen vor sich hin, jüngstens im Doom-Sludge-Metal-Trio Brothers Of The Sonic Cloth. Deren Debüt erscheint nicht von Ungefähr auf Neurosis‘ Label Neurot Recordings – dat passt schon. Nicht, dass man hier etwas weltbewegend Neues kredenzt bekäme, aber dafür ein sattes, amtliches Album mit grunzender Dunkelheit und schleppenden Melodien. Schön geworden.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Album

Marcel Pollex – In höflicher Ablehnung – Verlag Andreas Reiffer 2015

Von Matthias Bosenick (13.04.2015) / Auch erschienen auf Kult-Tour – Der Stadtblog

„Höflich“ ist gelogen, die „Ablehnung“ hingegen quillt tatsächlich aus allen Zeilen, die Marcel Pollex zu kleinen Texten formt und in diesem, seinem ersten, Buch versammelt. Spürbar angewidert befasst sich Pollex mit den Themen des Zeitgeistes, und dies auch oftmals mit dessen Mitteln. Er verabscheut die popkulturellen, mainstreamigen Inhalte und Bewegungen, doch um sich auf diese seine Weise mit ihnen auseinanderzusetzen, muss er sie konsumiert haben, was bei seiner Haltung wahrlich kein Vergnügen gewesen sein kann. So bewegt er sich zwar einerseits auf massentauglichen Feldern, dies allerdings in einer Gangart, die das Gegenteil von massentauglich ist. Das macht es schwierig, eine Zielgruppe zu finden, denn wer zwar seine Haltung teilt, interessiert sich aber nicht zwingend für die Ziele seines Spottes, und wer dies doch tut, wird seinem Werk vermutlich eher nicht begegnen. So erfreut man sich als Leser (und Hörer, dem Buch liegt ein Download-Code bei) an der Sprache, derer sich Pollex befleißigt und die für sich eine wesentliche Besonderheit seiner Arbeit ausmacht.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Buch