The Mission – The Brightest Light – Oblivion/SPV 2013

Von Matthias Bosenick (25.09.2013)

Weitere Wiedergänger: In ihrer dritten Inkarnation klingen The Mission nicht wie The Mission, und das, obwohl die bis kürzlich noch Ausrangierten beinahe in Originalbesetzung wiederkehren. „The Brightest Light“ kann man beim besten Willen nicht mehr wie früher noch vorwerfen, es sei der mittelmäßige Versuch von The Mission, U2 zu kopieren. The Mission lassen die vertrauten Effekte weg und rotzen ihr Album einfach nur raus. Das ist Rockmusik, nicht mehr und nicht weniger. Die Band startet ihr Album angepisst und beendet es erschöpft. Das ist gut, erfüllt aber vermutlich nicht die Erwartungshaltungen an ein gruftrockiges The-Mission-Album. Je nun, da muss man sich wohl dran gewöhnen.

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Placebo – Loud Like Love – Vertigo/Universal 2013

Von Matthias Bosenick (24.09.2013)

Das zweite Placebo-Album mit dem neuen Schlagzeuger verwundert sehr. Brachen sich beim Vorgänger „Battle For The Sun“ noch sämtliche jugendlichen Energien des Neueinsteigers Steve Forrest Bahn, wirkt „Loud Like Love“ eher zahm und orientierungslos. So richtig Lust zum Komponieren schien das Trio auch nicht gehabt zu haben. Es fehlen die unverwechselbaren Kracher, die man jahrzehntelang nicht aus dem Ohr bekommt und die sich vom Rest des Oeuvres unterscheiden. Auf diese Entwicklung deutete schon die vorab veröffentlichte „B3“-EP hin.

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Pixies – 4 Track EP aka EP1 – Pixies 2013

Von Matthias Bosenick (19.09.2013)

Da sind sie also wieder, die Pixies, die Erfinder von Indierock und Grunge, die Psychoberserker, mit krassen Sounds und Inhalten und einer radikalen Verweigerungshaltung – die vor 20 Jahren zur per Fax von Bandchef Black Francis vorgenommenen Trennung führte. Eine Reunion dieser wegweisenden und besonderen, mit mystischer Aura und musikalischer Qualität gesegneten Band vor einigen Jahren erschien schon zweifelhaft und widersprüchlich. Mit einem zugedrückten Auge nahm man es hin, dass sich die vier Zerstrittenen auf Live-Konzerte und zwei, drei verstreute neue Studiosongs beschränkten. Jetzt stehen fünf 10“-EPs mit jeweils vier Songs ins Haus, die mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten; eine Frage lautet etwa: Sind die Pixies noch die Pixies, wenn auch nur ein Bandmitglied ausgetauscht ist?

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The World’s End – Edgar Wright – GB 2013

Von Matthias Bosenick (15.09.2013)

Der dritte Teil der so genannten Cornetto-Trilogie (oder auch: „The Blood And Ice Cream Trilogy“) enttäuscht leider. Das bewährte Team will zu viel und bringt vom Relevanten zu wenig. Das Drehbuch wirkt unausgegoren. Auch die filmischen Kniffe, die das bisherige Werk – „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ – zusätzlich zu Ideenreichtum, Geschichte, Humor und Tricks so sehenswert machen, treten hier zugunsten einer enorm konventionellen Darstellung zurück. So nähert sich das Britische Team letztlich Hollywood eher an, als dass es ihm einen Gegenentwurf liefert. Die in die Story gepresste Sache mit den Kampfrobotern untermalt diesen Eindruck noch. Sie sind zwar das Gimmick des Films, aber der wäre eindeutig besser ohne sie ausgekommen, wenn sich das Team auf das Ursprungselement mit den verschiedenen Lebensentwürfen der Hauptfiguren und den daraus resultierenden Konflikten konzentriert hätte.

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Nine Inch Nails – Hesitation Marks – Polydor/Universal 2013

Von Matthias Bosenick (09.09.2013)

Anscheinend hat Trent Reznor seinen musikalischen Sprachschatz einmal komplett ausgereizt und ordnet die vertrauten Bestandteile jetzt nur noch irgendwie übersichtlich an. Technisch ist das neue NIN-Album einwandfrei, es lässt aber alles vermissen, wofür man das Projekt vor 20 Jahren zu lieben gelernt hat. Sicher, der Mann ist clean und weniger depressiv, aber dann sollte er für seine musikalischen Ergüsse vielleicht einen anderen Projektnamen wählen. Auch der Titel „Hesitation Marks“ führt in die Irre, denn danach, dass hier jemand versucht haben könnte, sich die Pulsadern aufzuschneiden, klingt es nicht. Es fehlen Seele, Schmutz und Schmerz.

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Axel Klingenberg (Hg.) – Blau-Gelb-Sucht – Verlag Andreas Reiffer 2013

Von Matthias Bosenick (26.08.2013)

Pünktlich zum Start der ersten Bundesligasaison für die Eintracht Braunschweig seit 28 Jahren erscheint vorliegendes Fanbuch mit Geschichten über den BTSV. Darin versammelt Axel Klingenberg Texte von 17 Autoren, die sich dem Verein in irgendeiner Form verbunden fühlen. Die Themenpalette ist angenehm breit, sie reicht vom ersten besuchten Spiel über den obligatorischen Aufstiegsjubel bis hin zu Problemen mit Nazi-Fans. Bei den Stimmungen der Beiträge überwiegt natürlich der Jubel, manche tragen Melancholie in sich, andere sind geschichtlich, sachlich oder kritisch, weitere nüchtern – und viele humorvoll, zwischen subtilem Sprachwitz und plättender Walze. Nicht alle Erzählenden haben zwar die Eigenschaft zum literarischen Fesseln, manche Berichterstatter nutzen die Plattform sogar zum Eigenlob. In der Summe bündelt das Buch aber auf unterhaltsame und auch lehrreiche Weise Geschichten von Eintracht-Fans auch für Leser, die es nicht sind.

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Till Burgwächter – Neues aus Trveheim – Verlag Andreas Reiffer 2013

Von Matthias Bosenick (21.08.2013)

Voll trve: Mehr Haltung als Handlung bietet „Neues aus Trveheim“, das neue Metal-Buch des Braunschweiger Autoren Till Burgwächter, der sich nach Ausflügen nach St. Tropez (Louis de Funès) und Schwäbisch-Gmünd (Bud Spencer) dieses Mal in Bad Harzburg seinem Lieblingsthema noch vor Fußball widmet. Episodisch blickt er in das Leben des wahren, also truen, bei Burgwächter: trven, Metalfans Mike und strickt dessen Erlebnisse lose um Alltagsbetrachtungen inner- und außerhalb der Metalszene sowie sein eigenes immenses Fachwissen. Mit gewohnter humorvoller Lästerzunge grenzt sich der dem Autor offenbar nicht unähnliche Ich-Erzähler vom Rest der Gesellschaft ab und schlägt mit gleicher Axt auch in Metal-Klischees. Diese typische selbstironische Herangehensweise macht Burgwächters schnoddrigen Rundumschlag sympathisch. Eine mit gleichem Zungenschlag verfasste Erläuterung der in der Geschichte genannten trven Bands schließt das Buch, dessen Hauptteil indes mehr Handlung und eine größere Nähe zu den Figuren gut vertragen hätte.

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Front Line Assembly – Echogenetic – Dependent/Alive 2013

Von Matthias Bosenick (03.08.2013)

Bandchef Bill Leeb kündigte für das aktuelle Album „Echogenetic“ seiner EBM-Pionierband Front Line Assembly die Rückkehr zur reinen Lehre an, also zur ausschließlichen Elektronik, weg von den Gitarrensamples. Das wäre doch nicht nötig gewesen, weil doch die Musik von Front Line Assembly auch mit Gitarren toll ist. Aber man weiß ja als Fan, dass sich FLA-Alben im Sound immer vom Rest dessen abheben, was sonst so als EBM verhökert wird, da ist es also egal, ob mit oder ohne Gitarren. Einzig die treuen kanadischen Geschwister von Skinny Puppy und diverse entfernte Verwandte aus Belgien halten Schritt. Das Ergebnis „Echogenetic“ nun verwundert einigermaßen: Irgendwie besteht das Album ausschließlich aus Stücken in nur einem Tempo, auch an catchy Melodien mangelt es. Der Sound aber, der ist bombastisch.

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Sigur Rós – Kveikur – XL Recordings/Beggars/indigo 2013

Von Matthias Bosenick (03.08.2013)

Das ging flott, nur wenige Monate nach „Valtari“ kommt das nächste Album von Sigur Rós, nachdem sie sich bis „Valtari“ vier Jahre Zeit gelassen hatten. Flott ist auch die Musik, vergleichen mit „Valtari“, das ja enttäuschenderweise nahezu ausschließlich aus konturlosen Soundscapes besteht und damit weniger Atmosphäre und Leidenschaft transportiert als alle Alben zuvor, also als das, wofür man die Band zu lieben lernte. Auch „Kveikur“ unterscheidet sich, aber nicht nur von „Valtari“, sondern von so gut wie allem Bisherigen: Es erfüllt jetzt das Etikett, das man der Band in Ermangelung besserer Schubladenbezeichnungen gerne gibt, nämlich Postrock. Ja: Auf „Kveikur“ geht einigermaßen die Post ab. Und es steht der zum Trio geschrumpften Band gut.

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Pet Shop Boys – Electric – X2/Rough Trade 2013

Von Matthias Bosenick (27.07.2013)

Na, hör an. Nach „Elysium“ dachte man ja beinahe, die Pet Shop Boys an die Altherrenlangeweile verloren zu haben. Stattdessen holten die beiden nur Luft für „Electric“, ein reines Dance-Album, in eigener und – wie immer – auch zeitgenössischer Herangehensweise. Der Unterschied zu ihnen selbst ist, dass die Sounds bisweilen so klinisch klingen, wie sie wahrscheinlich erzeugt sind, und dass sie auf der anderen Seite eine Härte an den Tag legen, wie sie sie lange nicht mehr zeigten. Macht insgesamt ein ganz geiles Album.

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