Jean-Yves Ferri/Didier Conrad – Asterix (35) bei den Pikten – Ehapa 2013

Von Matthias Bosenick (02.11.2013)

Man muss es so sagen: Dies ist der erste gute Asterix-Band seit weit mehr als 20 Jahren. Bitter, was der verbliebene Schöpfer Albert Uderzo nach dem Tod des Texters René Goscinny aus der einst so guten Serie zuletzt für einen Mist gemacht hat. Okay, es klingt womöglich wilder, als es ist, betrifft es doch trotz all der Jahre lediglich ein halbes Dutzend Bände. Jetzt gab er aber endlich den Griffel ab. Da kann man natürlich sagen: Das ist wie Queen ohne Freddy Mercury und also nicht mehr Asterix; man kann auch sagen: Das ist wie bei den Drei Fragezeichen, wo auch Fans die Serie weiterschreiben. So verhält es sich nämlich bei den „Pikten“: Es finden sich Versatzstücke aus der glorreichen Asterix-Zeit mit einer beliebigen Rahmenhandlung und einigen gelungenen Gags. Wäre dieser Band indes gar nicht erschienen, hätte man „Gallien in Gefahr“ (beziehungsweise „Asterix feiert Geburtstag“) als letzten Band in Erinnerung behalten, und das wäre wirklich ein unschönes Ende für die Serie gewesen; schade ist es aber, dass es nicht Uderzo selbst war, der nochmal die Kurve kriegte.

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Soulfly – Savages; Sepultura – The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart – Nuclear Blast 2013

Von Matthias Bosenick (30.10.2013)

Ist es zynisch, die neuen Alben von Sepultura und Soulfly kombiniert zu behandeln? Schließlich gibt’s die eine Band nur, weil deren Sänger 1997 aus der anderen Band ausgestiegen ist. Immerhin laden sie geradezu dazu ein: Beide erscheinen nahezu gleichzeitig und beide bei Nuclaer Blast. Und beide eint, dass sie ihrem Oeuvre ihrem Genre nichts er- oder abhebend Neues hinzufügen, aber das immerhin auf gleichbleibend hohem Niveau. Es gibt thrashmetallig auf die Zwölf, und damit sowas auch gut klingt, müssen die Musiker nun mal mehr beherrschen als nur den Hammer, und streuen deshalb dankbarerweise kreatives Abseitiges in die Tracks ein. Das ist gut und macht die Alben besonders, aber, sind wir mal ehrlich, trotzdem nicht wirklich relevant.

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Pearl Jam – Lightning Bolt – Republic/Universal 2013

Von Matthias Bosenick (18.10.2013)

Was ist nur mit Pearl Jam los? „Lightning Bolt“ klingt wie eine hingewurschtelte Auftragserfüllung, mit kompositorischem Mittelmaß, lustlosem Rock, tranigen Balladen. Vielleicht drei, vier Stücke sind raffiniert oder atmosphärisch oder irgendwie sonst bemerkenswert, der Rest ist austausch- und damit verzichtbar. Wäre nicht Eddie Vedders quängelnde Stimme, man würde die Musik nicht einmal Pearl Jam zuordnen. Und, ganz schlimm: Rockballaden.

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00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse – Helge Schneider – D 2013

Von Matthias Bosenick (14.10.2013)

So gut war Helge Schneider als Filmemacher noch nie. Klar, an „Texas“ als Ersttat dieser Art kratzt kein neuerer Film von ihm, aber „Im Wendekreis der Eidechse“ ist einfach viel stimmiger als alle auf „Texas“ folgenden Filme. Die Ideendichte ist ähnlich hoch wie bei „Texas“, die filmische Technik und die Stringenz des Drehbuchs fördern aber den Filmgenuss um Längen mehr als „Jagd auf Nihil Baxter“ oder „Praxis Doktor Hasenbein“. Die Eidechse überflügelt gar den „Jazzclub“.

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New Model Army – Between Dog And Wolf – Attack Attack/Edel 2013

Von Matthias Bosenick (11.10.2013)

Verhaltene Aggression ist das, was auf dem neuen Album von New Model Army zu hören ist. Damit ist die Band weniger rauh als auf dem Vorgängeralbum, schafft dafür aber die vertraute Atmosphäre der Alben davor und ergänzt dieses Mal ihren gebremsten, aber druckvoll rockenden Sound äußerst passend um Chorgesang. Macht insgesamt ein schlüssiges und trotz der Unterschiede sicherlich auch einigermaßen typisches Album. Auch nach über 30 Jahren und mehr als 20 Jahre nach ihrer großen Zeit sind New Model Army noch eine sichere Bank. So etwas wie „Vagabonds“ oder „51st State“ bekommt man allerdings schon lange nicht mehr. Warum auch, die gibt’s ja schon.

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Der Schaum der Tage (L’Ecume des jours) – Michel Gondry – F 2013

Von Matthias Bosenick (09.10.2013)

Ideenreichtum 100, Handlung 5. Kinophantast Michel Gondry verfilmt den Roman „Der Schaum der Tage“ von Boris Vian aus dem Jahr 1946. Dabei will Gondry zu viel und bietet zu wenig. Trotzdem ist es okay, „Der Schaum der Tage“ wenigstens einmal gesehen zu haben. Für zweimal spricht die Neugier, herauszufinden, welche grandiosen Effekte man beim ersten Mal womöglich verpasst haben könnte, dagegen spricht, dass man kein Interesse an den Figuren und deren Schicksal entwickelt.

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Gravity – Alfonso Cuarón – USA/GB 2013

Von Matthias Bosenick (06.10.2013)

„Gravity“ ist der erste Hollywoodfilm seit Ewigkeiten, der so richtig und umfassend begeistert, und der einen speziellen Fakt umso nachdrücklicher deutlich macht: welcher haarsträubende Scheiß in Hollywood nämlich für extrem viel Geld ansonsten so produziert wird. „Gravity“ sticht solitär aus der Masse bestenfalls halbgarer Ideen heraus. Dabei ist die Grundidee so simpel, dass man sich wundert, warum es den Film nicht längst schon gibt: Zwei Astronauten versuchen nach einer technischen Katastrophe, lebend zur Erde zurückzukehren. Mehr nicht. Wie aber Cuarón das Ganze filmisch umsetzte, setzt Maßstäbe. Dafür wurden Special Effects erfunden. Und das war sicherlich auch der Grund, warum der Film erst 2013 herauskam: Die Technik war noch nicht so weit.

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Axel Klingenberg & Andreas Reiffer (Hg.) – The Punchliner Nr. 10 – Verlag Andreas Reiffer 2013

Von Matthias Bosenick (06.10.2013)

Die zehnte Ausgabe des jährlich herausgegebenen „Satire und Slam Poetry“-Magazins in Buchform überrascht mit einer Konzeptanpassung: Trugen sonst unzählige Verfasser je einen Beitrag bei, beschränken sich die Herausgeber dieses Mal auf eine Autorenauswahl, bringen aber von jedem mehr Texte. Das hat vielleicht die Nachteile, dass die Vielfalt reduziert wird und dass Anfänger nicht berücksichtigt sind, hat aber auch ganz eindeutig den Vorteil, dass die Qualität mächtig gestiegen ist. Die Nummer zehn macht deutlich mehr Spaß zu lesen als noch die Nummer neun.

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Devin Townsend – The Retinal Circus – InsideOut/Universal 2013

Von Matthias Bosenick (04.10.2013)

Whoa, gigantisch! Vom ersten Ton an bläst einen dieser Konzertmitschnitt in den Sitz. So also kann Heavy Metal klingen, so vielfältig und gutgelaunt wie bei Devin Townsend. Der feierte 2012 sein 20-jähriges Bühnengebaren in London mit einer Best-Of-Setlist und einer zirkusreifen Artistikshow. Das Ganze fügt der Maestro in eine Story ein, die zweieinhalb Stunden dauert und nicht für eine Sekunde langweilt. Das ist größtmögliches Kino.

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Moby – Innocents – Embassy Of Music/Warner 2013

Von Matthias Bosenick (02.10.2013)

„Play“ it again, Dick: Seit 1999 hat Moby – mit Ausnahme des Albums „Last Night“ – nur zwei Tracks veröffentlicht. Einer ist melancholischer Gospel-Pop, der andere Ambient. Letzteres hat er schon vorher gemacht, ersteres dient ihm seit 1999 zur Blaupause für erfolgheischende Selbstkopien. Der Unterschied ist, dass sein melancholischer Gospel-Pop inzwischen um alle Ecken und Kanten bereinigter weinerlicher Jammer-Pop und sein Ambient mit Wohlwollen als zeitlos, mit genauem Hinhören als redundant zu bezeichnen ist. Hey, der Mann startete seine musikalische Karriere bei den „Vatican Commandos“ als Punk! Immerhin, die Gastsänger reißen es auf „Innocents“ ein bisschen heraus.

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