Julia A. Jorges – Hochmoor – Blitz-Verlag 2024 / Mordsgeschichten auf der Oker, 11. Mai 2024

Von Guido Dörheide (28.05.2024)

Am 11. Mai befahren die Liebste und ich mit dem Fahrzeug die Harzautobahn in umgekehrter Richtung. Nicht etwa als Geisterfahrende, sondern durchaus auf der korrekten Fahrspur in Fahrtrichtung Norden. Ziel unseres Weges ist Braunschweig, eine von amüsant-charmanter Selbstüberschätzung geprägte Bier-, Fußballtraditions-, Löwen- und Universitätsstadt, die mit Unterbrechungen ein Vierteljahrhundert lang meine Heimat war. Nun also mal die Okermetropole als Tourist bereisen, mit Lost-Place-Begucken, Pizza bei meinem Namensvetter in der Neuen Straße (Immer wieder preisgünstig & lecker, und bei der Höllenpizza wird man gefragt, ob man sie „so, wie sie ist“ oder weniger scharf haben wolle. „So, wie sie ist“ macht sie fürwahr ihrem Namen alle Ehre.) und dem Besuch einer Veranstaltung aus der Reihe „Mordsgeschichten auf der Oker“ (Infos und Reservierung unter https://www.okertour.de/klassiker/reservierung-mordsgeschichten-auf-der-oker) als krönendem Abschluss.

Zu sehen und zu hören gibt es die in Goslar aufgewachsene Braunschweiger Autorin Julia Annina Jorges, die mit leiser, aber eindringlicher und allzeit gut zu verstehender Stimme zunächst die Kurzgeschichte „Zwischen zwölf und Mittag“ und dann Auszüge aus ihrem aktuellen Roman „Hochmoor“ liest.

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Michael „Schepper“ Schaefer – Gedichte Gedanken Gefühle & Gedöns – Schepper 2024

Von Matthias Bosenick (28.05.2024)

Es gibt etwas Neues von Schepper – aber dieses Mal keine Musik, sondern ein Buch mit Lyrik: „Gedichte Gefühle Gedanken & Gedöns“ beinhaltet genau das, was der Titel verspricht, ist also sehr persönlich gehalten und spiegelt die Seelenlage ebenso wie die Auseinandersetzung mit der näheren und weiteren Umwelt des Autoren wieder. Die Grundstimmung ist über manche Strecken melancholisch, aber es wäre natürlich kein Buch von Schepper, tobte er sich nicht auch humoristisch darin aus. Was indes wundert: Kein einziges Mal fällt das Wort „Bass“. Aber dafür hat er dann ja auch seine CDs.

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Mac/Corlevich – Rain Or Shine – XO La Factory 2024

Von Matthias Bosenick (28.05.2024)

Von Verona aus auf die Veranda: Cristiano Mecchi und Davide Corlevich spielen Lieder von Ferne und Reise, von Landschaft und Kontemplation. Der eine singt rauh, der andere spielt filigran auf seiner Akustikgitarre, es klingt, als hätten Mark Lanegan und Nick Drake ein Stelldichein. Die Songs auf „Rain Or Shine“, dem gemeinsamen Debüt-Album, sind einerseits introvertiert und andererseits auch zu Ausbrüchen in der Lage. Wie nennt man das, Alt-Indie-Folk? Egal, der Mond scheint, die Grillen zirpen, das Feuer knistert und man möchte mit den beiden noch unendlich viel Zeit vor der Holzhütte irgendwo in der Wüste verbringen.

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Enablers – Almost To Who Knows Where – Atypeek Music 2024

Von Matthias Bosenick (27.05.2024)

Nach 20 Jahren Existenz kann man ruhig mal eine Best-Of veröffentlichen, oder? Ein seltenes Format außerhalb der Weihnachtszeit, noch seltener in Bezug auf Bands, die aufgrund ihrer musikalischen und sonstigen Ausrichtung nicht eben massentauglich sind und vermutlich weder Club- noch Radiohits vorzuweisen haben. Also interessant sind, wie die Enablers, eine Band aus San Francisco, die Post-Punk-, Post-Rock- und Noiserock-Tracks als Grundlage für einen Textvortrag nutzen, der irgendwo zwischen Poetry und Rap sein Eigenleben führt. Schön, auf diese Weise – „Almost To Who Knows Where“ ist auch noch ein Doppel-Album mit 31 Tracks – auf die Band aufmerksam zu werden – es gilt nunmehr sieben vorausgehende Alben nachzukaufen.

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Pet Shop Boys – Nonetheless – x2/Parlophone 2024

Von Matthias Bosenick (24.05.2024)

Alles erstaunt: Die Debüt-Single „West End Girls“ der Pet Shop Boys wird 40 Jahre alt – und das im Synthiepop verankerte Achtziger-Duo ist mit seinem 15. Album „Nonetheless“ im Jahr 2024 relevant, und zwar nach wie vor und kontinuierlich und nicht etwa als monetär orientierte Retro-Reunion. Interessanterweise greifen die Engländer hier mehr auf alte Achtziger-Elemente zurück als auf den zurückliegenden Alben, klingen damit aber nicht altbacken, im Gegenteil: Es lohnt sich einfach immer, neue Musik von den Pet Shop Boys zu kaufen, auch wenn’s mal Abstriche gibt. Die Bonus-EP mit den vier Neuversionen alter Hits etwa ist streitbar, aber verträglich. Und sie singen ein Loblied auf die Flippers, uh!

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The Rogues – Songs Of Praise – Atypeek Music 2024

Von Matthias Bosenick (23.05.2024)

Die Kombination aus Altem ergibt Neues, besonders in Zeiten, in denen alles Alte bereits mehrfach kopiert wurde. Beste Voraussetzung also für die Dubliner The Rogues, den alten Punk und den noch älteren Irish Folk auf eine neue Weise zu kombinieren. Ach: Das gibt‘s schon? Diese Kombi ist selbst schon etwas Altes? Nicht nur das: Den Namen The Rogues listet Discogs mindestens 25mal, der Albumtitel „Songs Of Praise“ ist auch schon vergeben. Was also stellt hier den neuen Mehrwert dar? Nach einer halben Stunde bierseligem Fun-Folk-Punk bleibt diese Frage jedoch unbeantwortet. Und das ist erst Teil 1 von 3 in diesem Jahr, der Auftakt zu einem Triptychon. Na, Slàinte aber auch!

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Funeral For A Dog – Die Liebe ist keine Verschwörung für immer

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin mag es nicht, wenn innerhalb von den ersten fünf Minuten im Piloten einer Serie gekotzt wird. Aber, das zeugt von Realität und sie bleibt erst einmal dran. Wenn dann auch noch Regel Nummer 1 eines guten Textes/Serie eingehalten wird: Leser/Zuschauer lieben Rahmenhandlung, und es sich um ein einheimisches Produkt handelt, dann guckt sie mit der Hoffnung, am Ende handlungstechnisch belohnt zu werden, gnadenlos bis zum Finale. So geschehen bei der achtteiligen Serie „Funeral For A Dog“. Und darum geht’s:

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Gatecreeper – Dark Superstition – Nuclear Blast 2024

Von Guido Dörheide (21.05.2024)

O haue ha, Gatecreeper machen jetzt Melodeath, las ich im Vorfeld der Veröffentlichung von „Dark Superstition“, und der Albumtitel klingt ja tatsächlich so, als könnten wir es hier mit dem Cold Lake oder dem Swansong des sympathischen Quintetts aus Arizona zu tun bekommen. Wie viel Göteborg steckt also in der neuen, dritten Vollelängeveröffentlichung von Gatecreeper, und tun sie sich jetzt irgendwo anders anbiedern, um mehr Tonträger zu verkaufen?

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Billie Eilish – Hit Me Hard And Soft – Darkroom/Interscope Records 2024

Von Guido Dörheide (21.05.2024)

Was für 1 Jahr, liebe Lesenden! 2024 bekommen wir nicht nur neue Musik von Taylor Swift und Dua Lipa zu hören, sondern auch von Billie Eilish. Fehlen noch Lady Gaga und Lana del Rey, aber man kann nicht alles haben. Alle aufgezählten Künstlerinnen sind es jedoch, die mich weiterhin an das Gute in der Menschheit glauben lassen, denn wenn sich alternativer, gefühlsbeladener, intelligenter und sehr schön gemachter Dream Pop bzw. altmodische Discorhythmen mit großartiger Gesangsleistung so gut verkaufen bzw. so zahlreich streamen lassen, dass es sich bei den vorgenannten Künstlerinnen sozusagen um die Crème de la crème des angesagten heißen Scheißes handelt und das selbst mir in meinem zugegebenermaßen hohen Alter, ist es um den oftgeschmähten Massengeschmack nicht allzu schlecht bestellt. „Hit Me Hard And Soft“ („HIT ME HARD AND SOFT“) wurde als ein Album angekündigt, das als solches rezipiert werden soll, und nicht als zusammengewürfelte Ansammlung einzelner Songs, die dann ohne schlüssiges Gesamtkonzept in irgendwelchen Playlists auftauchen sollen. Geschenkt, Frau Eilish, ich bin ohnehin mehr so ein altmodischer Albumhörer, der sich alle Songs nacheinander in der vom Künstler aufoktroierten Reihenfolge anhört und auf sich wirken lässt. Und das funktioniert bei „HIT ME HARD AND SOFT“ wahrhaft auf das Vortrefflichste.

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Danilo Ligato – Vurga – EeeE Records 2024

Von Matthias Bosenick (21.05.2024)

Man taucht ab in einen Soundtrack zu einem Film, der maßgeblich aus schwarzweißen Kamerafahrten durch zerklüftete Landschaften besteht, in denen das Leben komplizierte Herausforderungen bereithält. Entsprechend schwermütig sind die Klavier-, Äther- und Drone-Stücke auf „Vurga“, dem ersten Album des in Italien und der Schweiz arbeitenden gebürtigen Bellenzers Danilo Ligato, der indes eine gewisse Wärme aus seiner klassiknahen Musik nicht heraushalten kann. Wer den ganzen Tag auf Alpen guckt, verarbeitet diesen massiven Anblick wohl zwischen gelassener Schicksalsergebenheit und Schwermut. Heraus kommt dabei ganz klar Kunst, und zwar eine, die man intensiv genießen kann.

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