Birdman – Alejandro González Iñárritu – USA 2014

Von Matthias Bosenick (03.02.2015)

Es ist ziemlich eindeutig, warum ein Film wie „Birdman“ in den USA so hohe Wellen schlägt: Er rückt Hollywood- und angesagte Popkultur-Themen (Superhelden!) in den Fokus, inklusive pseudoselbstkritischem Humor. Sowas kann Hollywood ab, da feiert es sich selbst. Jedes Mal, und da beginnt die Problematik: Alejandro González Iñárritu bietet an Nähkästcheneinblicken nichts Neues. Vielmehr lenkt er damit vom eigentlichen Thema ab, für das der ganze Superheldenkram lediglich ein Vehikel ist: Die Hauptfigur Riggan Thomson (Michael Keaton) hat ein Egoproblem; er weigert sich, zu lernen, dass er seine persönlichen Probleme zu Lasten anderer lösen will. „Birdman“ bietet indes vorrangig formale Gründe, ihn sich anzusehen: Der Film suggeriert, in nahezu nur einer Kamerafahrt gedreht worden zu sein, und die Schauspielerriege ist tatsächlich grandios. Trotzdem langweilt man sich über lange Strecken.

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NFD – Waking The Dead – Jungle Records 2014

Von Matthias Bosenick (30.01.2015)

Ganz überraschend stellen die Gothicrocker NFD kurz vor Jahreswechsel das eigentlich bereits für 2012 angekündigte und danach fast schon vergessene neue Album „Waking The Dead“ in die Plattenläden. Und überraschen damit auch musikalisch: Bleiben sie zwar in Sachen Gitarre, Bass und dunkelrauher Stimme ganz klar der alten Fields-Schule treu, werden ihre Songs indes progressiver und reichern NFD ihre Musik auch mal mit opulenten Streichern und Chören an, das wiederum auch ganz so, wie es die Fields Of The Nephilim schon vormachten. Wischt man die extrem selten und nur zaghaft um die ein oder andere Ecke schielenden Klischees des Gruftrock beiseite, kann man das neue Album nur und in höchsten Tönen loben. Gut gemacht!

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1001 Gramm (1001 gram) – Bent Hamer – N 2014

Von Matthias Bosenick (29.01.2015)

Na gut, nach drei tollen Filmen darf man Bent Hamer auch mal eine Niete zugestehen. „1001 Gramm“ ist leider eine. Leider dann auch eine nahezu vollkommene. Wenn es die Absicht war, die Ödnis des Eichamtsjobs filmisch umzusetzen, ist dies auf eine Weise gelungen, in der sich der Zuschauer langweilt, anstatt sich der gelangweilten Figuren mitfühlend anzunehmen. Man wartet bis zum Schluss, dass es endlich mit der Handlung losgeht. Sobald dies der Fall zu sein scheint, kommt der Abspann. Und die Moral von der Geschicht? Bestenfalls: Fang endlich an zu leben. Der Kinogänger beherzigt dies wohl am besten, indem er diesen Film meidet.

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Mortdecai – David Koepp – USA 2015

Von Matthias Bosenick (24.01.2015)

Was für ein unfassbarer Scheiß. Man sieht die guten Ansätze, man erkennt, was der Film sein will, aber leider hat man da die falschen Leute machen lassen. Offensichtlich versuchte da jemand, eine Gaunerkomödie der 60er und 70er in die Jetztzeit zu verlegen (allen voran die „Pink Panther“-Filme von Blake Edwards), erreicht aber nicht einmal die Klasse der selbst meistens schon lediglich mittelmäßigen Vorlagen und verliert sich darüber hinaus noch in stressigen Albernheiten und kindischen Kotzwitzen. Dabei ist die Geschichte an sich sogar recht einfallsreich und spannend, aber der Film versaut das letzte Bisschen Qualität. Hauptdarsteller (und Filminitiator!) Johnny Depp ist im Gegensatz zu sonst dieses Mal nicht nur kein Grund, den Film zu sehen, sondern sogar der Grund, es genau nicht zu tun.

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Monty Python – Live (Mostly): One Down Five To Go – Eagle Vision 2014

Von Matthias Bosenick (11.01.2015)

Die englischen Comedy-Erneurer Monty Python nach langer Pause wieder auf der Bühne: Was vor über 40 Jahren subversiv, kreativ und provokant war, ist heute nur noch eine aufgeblasene musicalartige Nostalgie-Nummernrevue. An der Qualität der Sketche ändert das nichts, es sind bei diesem Live-Dokument der verbliebenen fünf Monty-Python-Mitglieder (und Carol Cleveland) schließlich so ziemlich dieselben wie zu aktiven Zeiten, und die endeten Anfang der 80er. Genau darin liegt eine Krux dieses Zusammenschnitts von zehn Auftritten in der Londoner O2-Arena: Er dokumentiert einen Stillstand, eine Gestrigkeit, gegen die die Pythons in den 60ern eigentlich angearbeitet hatten. Das ist nicht nur schade, sondern auch beschämend zu sehen. Die Revolution hat ihre Kinder nicht nur längst gefressen, sondern schon vor längerer Zeit halbverdaut wieder ausgeschieden.

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Thom Yorke – Tomorrow’s Modern Boxes – Landgrab 2014

Von Matthias Bosenick (05.01.2015)

Bei Thom Yorkes zweitem Soloalbum steht die Diskussion um den Vertriebsweg vor der um die Musik. BitTorrent, Bandcamp, Gratis-Downloads – und eine LP-Version für mindestens satte 40 Euro, das sind die Eckdaten zum Jahreswechsel. Damit sattelt Yorke auf den Coup um das Radiohead-Album „In Rainbows“ auf und macht sogar so ähnliche Musik, nur ohne Band dahinter, also rein elektronisch vertrackt mit seiner Stimme drin. Das Ergebnis ist jedoch eher Stimmung als Song – und damit latent enttäuschend, wenn auch auf hohem Niveau.

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Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach (En duva satt på en gren och funderade på tillvaron) – Roy Andersson – S/N/F/D 2014

Von Matthias Bosenick (04.01.2015)

Die „Taube“ ist kaum weniger als eine Offenbarung für das zeitgenössische Kino. Weil der Film gleichzeitig auf alte europäische Qualitäten zurückgreift und etwas Neues, auf jeden Fall absolut Einzigartiges schafft – das zudem auch noch gefällt und sich nicht nur in unverständlichen Experimenten verirrt. Formal fällt auf, dass jede Szene mit einer Steadycam gefilmt ist, also wie eine Theaterbühne wirkt, und dass optische und verbale Wiederholungen mehr Strukturen schaffen als die reduzierte Handlung. Es ist schwer, zu verallgemeinern, worum es in dem Film geht. Irgendwie um das Leben, sicher. Ein großes Qualitätsmerkmal ist, dass nach dem Kinobesuch jeder Zuschauer mit einer anderen Lieblingsszene aufwartet, die ihn stark berührt hat.

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Meshuggah – The Ophidian Trek – Nuclear Blast 2014

Von Matthias Bosenick (31.12.2014)

Wenn zwischen zwei Live-Veröffentlichungen lediglich ein Studioalbum liegt, muss sich das jüngste Live-Dokument nicht nur den Vergleich zum Vorgänger gefallen lassen, sondern auch die Frage nach seiner Relevanz. Zwischen „Alive“ (2010) und dem neuen „The Ophidian Trek“ erschien lediglich „Koloss“ (2012), das die meisten inhaltlichen Unterschiede zwischen den Live-Alben beisteuert. Filmisch ist „Alive“ knackiger gelungen, der Sound ist beim Vorgänger ebenfalls besser, und was jetzt außerdem ausbleibt, ist die Überraschung darüber, dass die fünf Schweden ihre hochkomplexen Metalstücke tatsächlich live rekonstruieren können; das war der große Aha-Effekt auf „Alive“ für alljene, die die Band nie live gesehen hatten. Ein Vorteil ist, dass die Songs auf „The Ophidian Trek“ nicht unterbrochen sind, zeigte doch „Alive“ Impressionssequenzen zwischen den Tracks. Die Songs indes sind natürlich auf beiden Werken geil.

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Ethernet Orchestra – Diaspora – Pueblo Nuevo 2014

Von Matthias Bosenick (29.12.2014)

Dieser Text ist auch in Stefanie Krauses Magazin Kult-Tour Braunschweig veröffentlicht.

Uha, die wissen, wie man Angst und Beklommenheit in Musik verpackt, und das auch nur nebenbei, unbeabsichtigt. Das Ethernet Orchestra improvisiert sich live mit internationaler Besetzung eine Musik zurecht, die von Formatradiohörern als solche sicherlich nicht mehr zu erkennen ist. Rhythmen entstehen, wenn überhaupt, dann nur rein zufällig, Melodien beinahe gar nicht, stattdessen flirren Sounds aus allen erdenklichen Quellen umeinander herum: Trompete, arabische Percussion, Obertongesang, Drones, Samples, Singende Säge, Gesang, diverse Saiteninstrumente, Field Recordings und vieles mehr, das man als Laie nicht einmal zu erkennen vermag. Zum vollständigen Genuss ist es vermutlich nicht unerheblich, zu wissen, wie die Stücke entstanden sind: live und virtuell nämlich, per Internet vernetzt, als vom Orchester so genante Tele-Improvisation. Damit ist in gewisser Weise weniger das Ergebnis als vielmehr die Entstehung die Besonderheit an „Diaspora“.

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Ethan Silk – Fractured Parts Of A Rotten World – Silk Industry Recordings 2014

Von Matthias Bosenick (28.12.2014)

Ab und zu geschieht es dann doch noch, dass einem abseits des Mainstreams – und ja, den gibt es auch und ganz besonders in den vermeintlich alternativen Musikrichtungen – ein neuer Künstler seine Arbeiten in die Musikabspielgeräte spielt, die einer eigenen Linie folgen, frei von Anbiederung und Kommerz. Ein solcher Künstler ist der Kanadier Ethan Silk, der mit seinem dark-ambient-lastigen rein instrumentalen Electro-Debüt selbst die finstersten Nächte noch dunkler zu machen weiß.

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