Der Weg einer Freiheit – Noktvrn – Season Of Mist 2021

Von Matthias Bosenick (23.12.2021)

So geht Weiterentwicklung im Black Metal, bloß kein Stillstand: Der Weg einer Freiheit aus Würzburg können „Unstille“ genau so gut wie „Stille“, und letztere eröffnet das neue Album, das dennoch trve mit „Noktvrn“ betitelt ist. Das Stille an diesem Album ist dabei nicht so sehr am zeitgenössischen Post-Black-Metal orientiert, der sich wiederum bei opulenteren Spielarten wie Shoegaze und Postrock bedient, sondern tatsächlich filigran, zurückhaltend, minimalistisch. Wenn dann die vertraute Energie losbricht, fügt sich beides dennoch überzeugend zusammen. Und wenn dann plötzlich Soul-Passagen erklingen, äh: Ja, man kann den Black Metal ausdehnen, ohne ihn zu verraten, das beweisen auch andere Bands und Künstler ganz ausgezeichnet, Myrkur, Alcest, Solbrud oder eben Der Weg einer Freiheit. „Noktvrn“ hat das Zeug für Jahresbestenlisten. Und das geilste Cover hat die Platte auch noch.

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The The – The Comeback Special (Live At The Royal Albert Hall) – Cinéola/Ear Music 2021

Von Matthias Bosenick (02.12.2021)

Matt Johnson häufte in über 40 Jahren einen Riesenberg an geilen Songs an, vorrangig in den Achtzigern und Neunzigern, und aus dieser Zeit speist sich nun auch überwiegend „The Comeback Special“, ein zweistündiges Konzert, das der Komponist, Musiker und Sänger mit seiner neu- und reformierten Band The The vor drei Jahren in London gab. Was hat der Mann eine geile Stimme, was haben The The für geile dunkle Hits und Hymnen! Den alten Männern beim Mucken zugucken, kann man machen, die Mucke selbst ist wichtiger als das Bild. Wer indes beides in einer Box haben will, also Bild- und Ton-Datenträger, muss viel Geld investieren, bekommt aber noch haufenweise exklusives Bonus-Zeug dazu. Man darf gespannt sein auf das, was Johnson noch vorhat!

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Solbrud – Levende i Brønshøj Vandtårn – Napalm Records 2021

Von Matthias Bosenick (13.10.2021)

Endlich auf Vinyl und dann auch noch inklusive der DVD! Eine geile Idee überhaupt: Die Black-Metal-Band Solbrud spielte im November 2019 im titelgebenden Kopenhagener Wasserturm im Stadtteil Brønshøj zwei Konzerte, und da der Turm von sich aus einen fünfzehnsekündigen Hall hat, stimmte das Quartett die Songs der bisherigen drei Alben darauf ab und komponierte sogar einen neuen Song dafür. Klar, Black Metal ist Keifen, Blast Beats und Schrammelgitarre, wenn man nur oberflächlich hört, aber Solbrud sind dafür viel zu atmosphärisch, um damit abgekanzelt zu werden, und bauen außerdem nicht nur an diesem Ort in ihre Mucke unerwartete Elemente ein, von Ambient natürlich bis hin in Richtung Progrock. Episch!

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Mr. Bungle – The Night They Came Home – Ipecac 2021

Von Matthias Bosenick (03.08.2021)

Wenn schon Studio-Comeback, dann gleich mit Livealbum hinterher: Für die Quasi-Reunion seines Experimentalmetalbrockens Mr. Bungle verpflichtete Mike Patton Kumpels aus verlässlichen Metalbackgrounds (Anthrax, Slayer), mit denen er sich coronabedingt nun in ein Studio stellte, diverse Stücke live einprügelte und das Ganze live streamte. Man möchte glauben, dass hier Bock auf Mucke über Gewinnsucht steht, doch liegt nicht jeder Reaktivierung historischer Bandnamen eine Gewinnabsicht inne? Wie dem auch sei, das punkinfizierte oldschool-thrashige Geknüppel auf „The Night They Came Home“ ist mehr als amtlich. Und die DVD dazu eine Sternstunde der Kleinkunstbühne. Äh.

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Devin Townsend – Order Of Magnitude: Empath Live Volume 1 – Inside Out 2020

Von Matthias Bosenick (24.11.2020)

Ein neues Live-Mega-Pack von Devin Townsend. Juhu. Und dann noch beindext mit Volume 1. Die Unterschiede zu bisherigen Livealben sowie den Studioversionen sind marginal, auch wenn hier andere Mitmusiker als sonst am Start sind. Gute Leute, sicherlich, doch fällt bei den Unterschieden sofort der etwas schlechtere Sound ins Ohr: Das Schlagzeug klingt wie Pappe und nicht alle Gitarrenriffs tragen die Wucht, die man von ihnen kennt. Und man fragt sich angesichts der Hawaii-Folklore: Ist das noch Metal oder doch schon weit mehr Operette und Schlager, als man bei früheren Auftritten schon befürchtete?

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The Cure – 40 Live – Eagle Vision/Universal 2019

Von Matthias Bosenick (24.01.2020)

Mit gleich zwei überlangen Livekonzerten feiern The Cure ihren 40. Geburtstag und decken damit ihre komplette Discographie ab. Konzeptbedingt: Der erste Gig namens „Curætion25” beinhaltet je einen Song von jedem Album, zunächst von alt nach neu und dann wieder umgekehrt, und der zweite Gig mit dem schlichten Titel „Anniversary” berücksichtigt zusätzlich zu den wenigen Überschneidungen auch die Hits und Lieblingsstücke, die The Cure ansonsten noch so anzubieten haben. Die gegenwärtige Band spielt sich tight und originalgetreu vom Postpunk über Wave, Disco, Shoegaze, Manchester-Rave, Rock bis Pop durch das vielfältige Oeuvre der Paradegruftband. Die können’s noch!

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Paul Weller – Other Aspects (Live At The Royal Festival Hall) – Parlophone 2019

Von Matthias Bosenick (04.06.2019)

Paul Weller rockt nicht. Zumindest nicht auf diesem, seinem 1312420. Live-Album: Da stellt er seine wilde hinter seine milde Seite, begleitet von Streich- und Bläserensemble sowie indischem Instrumentarium. Seine Begleiter wissen sich aber dem perfekten Sound des Wellerwerkes unterzuordnen, Paule steht definitiv im Mittelpunkt, zu keiner Zeit herrscht der Kleister; in dieser Fassung hört man diese Stücke sehr gern. Auf zwei CDs und einer DVD im Pappklappcover sind zwei Konzertabende in der Royal Albert Festival Hall zusammengefügt; keine Greatest-Hits-Ansammlung, übrigens.

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Pet Shop Boys – Inner Sanctum (Live At The Royal Opera House) – X2/Rough Trade 2019

Von Matthias Bosenick (13.05.2019)

Die Pet Shop Boys haben die wahrscheinlich größte zusammenhängende Hitdichte der weltweiten Charts seit 1984, greifen also auf ein Oeuvre zurück, mit dem sie globusumspannend die Menschen glücklich machen. Für ihre noch zu Beginn ihrer Karriere als unmöglich abgetanen Liveauftritte bündeln sie weit über 20 Songs und decken damit noch nicht einmal alle Favoriten ab. Im Mittelpunkt der Auftritte stehen dabei weniger die musikalischen Extravaganzen des Synthiepopduos, sondern die Performance. Insofern ist die Veröffentlichung eines Konzertes auf DVD bei den Pet Shop Boys die bessere Wahl als auf CD – zumal die Songs live schon lang wie billige Cover ihrer selbst klingen, wäre da nicht die charaktervolle Stimme von Neil Tennant.

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New Model Army – Night Of A Thousand Voices – Attack Attack 2018

Von Matthias Bosenick (20.02.2019)

Anstatt sich einen Chor mit auf die Bühne zu holen, verpflichten New Model Army kurzerhand ihr eigenes Publikum dazu, ihre Songs mitzusingen. Heraus kommt ein Livealbum, wie es dies vermutlich bislang vorher noch nie gab: Die Band spielt, aber der Gesang kommt nicht (ausschließlich) von Justin Sullivan und den anderen Musikern, sondern von den Fans. Die sind ohnehin textsicher und verwandeln das zweiabendige Konzert in eine Heilige Messe mit Stadionflair. Die ausgelassene Stimmung wirkt sogar zu Hause, die Songs sowieso. Was für ein Spaß!

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Devin Townsend Project – Ocean Machine: Live At The Ancient Roman Theatre Plovdiv – HDR 2018

Von Matthias Bosenick (17.10.2018)

Warum nimmt man einen Keyboarder mit, wenn man sich ein Orchester und einen Chor in den Rücken stellt? Vielleicht, weil Devin Townsend selbst die Idee zu einem revolutionären Mix von Metal und Klassik am Ende doch nicht mehr so revolutionär fand – oder weil er sich im Komponieren brandneuer Partituren verhoben hat und die klassisch geschulten Musiker lieber im Hintergrund fiedeln lässt, damit das nicht so auffällt. So guckt man sich die vierte besondere Live-Veröffentlichung von Dev in Folge eben in Ruhe an und, zuckt mit den Schultern und versucht, sich die Perlen in den beiden Setteilen zu merken, die aus Fanwünschen und der Komplettaufführung des höchstguten Debüts „Ocean Machine“, jenes ohne Klassik, bestehen.

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