Die Ärzte – auch – Hot Action Records 2012

Von Matthias Bosenick (28.05.2012)

Ach ja, Die Ärzte. 50-Jährige mit Teenagern als Zielgruppe. Aufklärerisch behandeln sie lauter persönliche Entwicklungsschritte, die in die Generation ihrer Kinder gehören und nicht in ihre eigene. Im Gegenteil, ein Stück wie „Junge“ vom Vorgängeralbum „Jazz ist anders“ richtet sich im Grunde gegen sie selbst und macht sie damit unglaubwürdig. Noch schlimmer war nur „Lasse redn“ mit der Kindermelodie, die jeder Besoffene mitträllern kann. Was mit „Ein Schwein namens Männer“ 1998 ein Zufallstreffer war, begannen Die Ärzte nun immer wieder mal künstlich zu erzeugen: Ballermann- und Bravo-Hits („Manchmal haben Frauen“). „M + F“ vom neuen Album ist auch so einer, das Geschlechter-Thema sattsam gehasst dank Mario Barth, die Melodie ebenso sattsam bekannt aus dem Kindergarten. Auch musikalisch richtet sich das Oeuvre der Ärzte seit „Jazz ist anders“ zuvorderst an Jugendliche, indem das Trio in jeder aktuellen Strömung aalglatt mitschwimmt. Dabei können sie alles auch anders, sowohl den Humor als auch die Musik, wie die Economy-Edition von „Jazz ist anders“ bewies.

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Slash – Apocalyptic Love – Roadrunner Records 2012

Von Michael „Schepper“ Schaefer (23.05.2012)

Slash is BACK!

Nachdem der gute alte Ex-Guns’n Roses-Gitarrenheld im Jahre 2010 ein klasse Soloalbum mit diversen Sängergrößen und berühmten Musikern (Ozzy, Lemmy, Fergie, Chris Cornell, Ian Astbury, Iggy Pop, Dave Grohl, Duff McKagan, etc.) aufgenommen hatte, war es nun wieder an der Zeit, ein „Bandalbum“ zu verwirklichen.

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Nothing But Noise – Not Bleeding Red – Future Noise Music/Rough Trade 2012

Von Matthias Bosenick (20.05.2012)

Warum macht man so etwas? Ein Doppel-Album, wahlweise als CD oder LP (die CD hat zwei Tracks mehr), im dudeligen Ambient-Stil, den vor 40 Jahren bereits Jean Michel Jarre etablierte. Okay, Nothing But Nosie sind deutlich weniger massen- oder radioorientiert, weil experimenteller. Sie lassen sich noch mehr Zeit für ihre Soundscapes. Die bestehen nicht aus durchgehenden Flächen, sondern aus Patterns und Loops, haben ungefähr die BPM-Zahl eines durchschnittlichen Tracks von Bohren & der Club Of Gore und sind rein elektronisch erzeugt. Eine musikalische und stimmungshafte Tiefe ist dem Album nicht abzusprechen. Und doch: Etwas wahrhaft Neues bekommt man eigentlich nicht. Das Kaufargument besteht indes in der Besetzungsliste dieses Projektes.

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Splandit – Trials And Tribulations – O.F.H. Bazement Recordz 2012

Von Matthias Bosenick (17.05.2012)

Druckfrisch brachten Splandit am 12. Mai ihr neues Album zum Silver Club mit, den zweiten Auftritt des Trios in der Braunschweiger Wahlheimat nach der durch den Auslandsaufenthalt eines der Musiker bedingten Pause. Splandit sind etwas ganz Besonderes: Packo, Obst und Mojo sehen aus wie eine Mischung aus Hiphoper und NuMetaller, machen aber eine Musik zwischen Punk und Reggae, und das akustisch, mit Akustikgitarre, Akustikbass und Cajón. Mehr brauchen sie einfach nicht. Dazu erfinden sie Melodien, die sofort ins Ohr gehen und gute Laune verbreiten, besonders dann, wenn sie sie mehrstimmig vortragen. Alles in allem befeuern sie mit dieser Mischung beinahe jedes Publikum. Selbst der, der vorher sagt, dass er keine Lust auf Ska hat, kann bei einem Livekonzert der drei seine Beine und auch den ganzen Rest nicht stillhalten. Dabei erwecken die Bierkrüge auf dem Cover des neuen Albums einen leicht falschen Eindruck: In ihren auf Englisch verfassten Texten behandelten Splandit schon immer gesellschaftliche und politische Themen. Auch auf dem selbstgebastelten Digipak findet man Hinweise darauf, etwa mit dem „Kill Your TV“-Logo oder dem auch auf den Vorgängern untergebrachten Hinweis, von dem Album so viele Kopien machen zu dürfen, wie man möchte, aber den Musikern Respekt zu zollen. Und der gebührt ihnen fraglos.

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Krüger – Seifenblasen – Bauchpfannen Aufnahmen 2012

Von Matthias Bosenick (17.05.2012)

Nach zwei Jahren Funkstille kündigt Krüger mit der Maxi-CD „Seifenblasen“ ein neues Album an, den Nachfolger des 2009er-Werkes „Wie kann ich unbemerkt verschwinden?“. Mit jenem Album und den vielen dazugehörigen Singles wagte Krüger einen inhaltlichen Sprung weg von den lustigen Texten hin zur Melancholie. Seine Musik war indes schon immer ernsthaft – die ernsthafteren Texte unterstrichen das erst und ließen den Hörer die früheren Songs auf diesen Aspekt hin neu entdecken. Da stellte man fest, dass der Humor der alten Lieder eben gerade durch die ernsthafte Musik auch witzig wirkte. Man hat es bei Krüger eben nicht mit einem Comedian zu tun. Der Titel „Seifenblasen“ nun lässt glauben, dass Krüger das Tal der Melancholie durchschritten hat – aber Pustekuchen: Bei ihm stehen Seifenblasen nicht allein für Unbeschwertheit, sondern für Vergänglichkeit.

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Dark Shadows – Tim Burton – USA 2012

Von Matthias Bosenick (17.05.2012)

Ensembleproduzent Tim Burton lenkt seine Subversivität in hollywoodtaugliche Bahnen. Diese Entwicklung war schon seit einer ganzen Weile zu beobachten, aber in „Dark Shadows“ wird sie am bisher deutlichsten. An sich ist der Film – basierend auf einer 60er/70er-Fernsehserie – nicht übel, behandelt er doch die essentiellen Werte des Lebens, solche wie hingebungsvolle Liebe, Familienzugehörigkeit, Moral, Toleranz und dergleichen mehr. Im Gegensatz zu etwa Clint Eastwood in „J. Edgar“ versteckt Burton seine Haltung in „Dark Shadows“ nicht, wenngleich er eine gewisse Kompromissbereitschaft zeigt, gegen manche der Werte zu verstoßen, um die Geschichte zum Ende zu führen.

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The Chemical Brothers – Don’t Think – Parlophone/EMI 2012

Von Matthias Bosenick (09.05.2012)

„Don’t think“, lassen die Chemical Brothers sagen, „just let it flow“, und gefühlte Abermillionen von Japanern halten sich daran. Beim Fuji Rock Festival ließ das Bigbeat-Duo einen Auftritt mitfilmen und die Kameras dabei besonders aufs Publikum halten. Frenetisches Schreien, verzerrte Gesichter, ausgelassenes Tanzen – das japanische Publikum lässt alles raus, was es im Alltag offenbar unterdrücken muss. Und die Chemical Brothers entlocken es ihm.

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Killing Joke – MMXII – Spinefarm Records 2012

Von Matthias Bosenick (30.04.2012)

Alles beim Alten und doch kein Stück überflüssig: „MMXII“ klingt wie eine Mischung aus Killing Joke 1986 und 1996, also wie 1991. Und das ist das Erstaunliche: „MMXII“ könnte direkt nach „Extremities, Dirt And Various Repressed Emotions“ herausgekommen sein, obwohl außer Chef Jaz Coleman lediglich Geordie an beiden Alben beteiligt war. Mit „Extremities“ eint „MMXII“ die harte, depressiv-aggressive Stimmung und den Sound zwischen Keyboards und Metal-Gitarren. Sehr häufig klingt der Bass nach dem des verstorbenen Paul Raven, der auf „Extremities“ zu hören war. Auch die Akkorde erinnern oft an das Album.

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Das Vollplaybacktheater: Die Drei Fragezeichen (4) und die schwarze Katze – Live in der Lindenhalle, Wolfenbüttel, am 17. April 2012

Von Matthias Bosenick (18.04.2012)

Da war wohl etwas die Luft raus, sowohl beim Vollplaybacktheater als auch beim Publikum. Bei den letzten beiden Shows in Oldenburg und Celle hatten die Zuschauer ununterbrochen eine Riesenparty mit dem Wuppertaler Ensemble gefeiert, dieses Mal in Wolfenbüttel waren sowohl die Performance als auch die Resonanz weitgehend verhalten. Erstaunlich, war doch zu erwarten, dass das Publikum der vermutlich letzten Aufführung des Vollplaybacktheaters – die Wuppertaler gaben am 1. April per Newsletter ihren (vorübergehenden?) Abschied bekannt – mit einer anderen Stimmung begegnet als mit, nun, Beiläufigkeit. Vom Vollplaybacktheater kam nichteinmal ein Hinweis auf das Ende oder die angekündigten Abschieds-Shows im Winter. Erschreckend war, dass das Publikum immer dann tobte, wenn die Schauspieler auf der Bühne zu tanzen begannen – als wäre das die beste Leistung.

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