Sepultura – Machine Messiah – Nuclear Blast 2017

Von Matthias Bosenick (17.02.2017)

Sepultura haben etwas ganz Entscheidendes verloren: ihren Bremsklotz nämlich, mit dem sie versuchten, in der selbstgewählten Metal-Nische zu verbleiben, die ihnen seinerzeit Alben wie „Chaos A.D.“ und „Roots“ eröffnete. Doch war ihnen das bei aller technischer Raffinesse und Thrashigkeit ohne die Cavalera-Brüder einfach nicht vergönnt. Davon befreien sie sich auf „Machine Messiah“, sind einfach mal sie selbst – und so gut wie seit 21 Jahren nicht mehr, also seit Maxe das Mikro für Derrick Green freigab.

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The Perc – Koto Funk – Tribal Stomp Records 2016

Von Matthias Bosenick (16.02.2017)

The Perc mistet seinen Keller aus, ohne den Hidden Gentleman dieses Mal: Auf „Koto Funk“ bringt er Skizzen zusammen, die er laut Begleitzettel 1995 für ein doch nicht verwirklichtes Theaterstück („Festung“ von Rainald Goetz) anfertigte. Das Ergebnis ist eine für Tom Redecker typische Mischung aus düster-schrägen Synthieexperimenten und verschlepptem Indierock. Also deutlich experimenteller und spannender als der meiste zeitgenössische alternative Kram. Und trotzdem zeitlos.

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The Lego Batman Movie – Chris McKay – USA/DK 2017

Von Matthias Bosenick (15.02.2017)

Wie schade: Nach dem überraschend zynischen „The Lego Movie“ war vom Spin-Off „The Lego Batman Movie“ sehr viel zu erwarten. Doch verliert der sich in Anspielungen an Superhelden- und Monsterfilme und in eine Hollywood-typische Dramahandlung um Egoismus und den Wert der Familie. Die Story ist so flach, dass es die spärlichen guten Gags auch nicht mehr reißen. Auch das Baumaterial Lego kommt reichlich kurz. So ist dies leider kaum mehr als ein weiterer überdrehter Animationsfilm.

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Dead Men Walking – Unofficially Official: Live In Bristol 2016 – Dead Men Walking 2016

Von Matthias Bosenick (30.01.2017)

Selbstironie, Akustikmusik und Punkrock in einem: Das ist das seit 2001 fließend aus diversen britischen Punk-, Postpunk-, Gothic- und Rockabilly-Bands besetzte Projekt Dead Men Walking, das sich 2016 einmal mehr zusammentat, um die alten Hits zur Lagerfeuerklampfe zu trällern. Vier tote Männer sind es dieses Mal: Kirk Brandon (Spear Of Destiny, Theatre Of Hate), Dave Ruffy (The Ruts/Ruts DC), Jake Burns (Stiff Little Fingers) und Segs Jennings (ebenfalls The Ruts/Ruts DC). Sie beweisen: Punkrock hat Tiefe und Spaß an Mucke kein Alter. Gibt nur 500 Exemplare dieser Live-CDr!

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Sibylle Schreiber – Ich wollte immer mal einen Liebesbrief schreiben… – Formidabel-Verlag 2016

Von Matthias Bosenick (28.01.2017)

Jetzt also doch noch: Das zweite Buch von Sibylle Schreiber, in dem sie wieder schwarze Kurzgeschichten sammelt. Man braucht einiges an Hartgesottenheit, um jeweils gegen Ende der Geschichten nicht durchzudrehen: Die meisten Texte beginnen nämlich in einem vertrauten Setting, kippen dann aber kurz vor Schluss in etwas teilweise Abscheuliches. Diese Abscheulichkeiten offenbaren dabei weniger die schwarze Seele der Autorin, sondern vielmehr die Abgründe der Gesellschaft, die Schreiber beschreibt. Sprachlich und inhaltlich wiegt Schreiber den Leser in Sicherheit und schlägt dann erbarmungslos in die Magengrube. Hier fließt – wie auf dem Cover – Blut aus dem Liebesbrief.

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Dwiki Dharmawan – Pasar Klewer – MoonJune Records 2016

Von Matthias Bosenick (21.01.2017)

Wenn auch im noch so freien Jazz alles seit 75 Jahren weitgehend auserzählt ist, gibt es wie in jedem Genre immer noch die Möglichkeit, dadurch etwas Neues zu kreieren, indem man ein Kreuzüber anzettelt. Im Jazz heißt das Fusion und beim Pianisten Dwiki Dharmawan heißt das, dass er musikalische Einflüsse aus seiner Heimat Indonesien integriert. In London scharte er für sein zweites Album haufenweise versierte junge Leute aus seiner alten und neuen Gegend um sich und ließ sie entspannt und gleichzeitig verfrickelt herumgrooven, indem sie Vertrautes und Fremdes progressiv durcheinandermixten. Klewer!

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Till Burgwächter – Die Wahrheit über S.E.X. – Verlag Andreas Reiffer 2016

Von Matthias Bosenick (08.01.2016)

Till Burgwächters Texte sind ein reines Vergnügen, sowohl selbst- als auch vorgelesen, besonders, wenn er mit seiner charmanten Kodderschnauze über Metal und Fußball spricht, also Themenfelder, die er selbstironisch und doch voller Zuneigung zerlegt. Sex hingegen… Ist ein so vielschichtiges und persönliches Thema, dass man es in der Reihe nicht zwingend sehen will. Sex im Humor driftet schnell in Schmuddelecken und flache Lacher, Sex als wissenschaftlicher Gegenstand ins Antiseptische, alles dazwischen ist Geschmackssache. An dieser Konstellation scheitert auch Burgwächter auf weiten Strecken, aber man kann sich bei der Lektüre sehr gut vorstellen, wie das Publikum einer Lesebühne dazu lacht. Schwieriges Experiment.

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Automat – Ostwest – Bureau B/Indigo 2016

Von Matthias Bosenick (06.01.2016)

Was bleibt eigentlich übrig, wenn man der Dubmusik den Dub langsam austreibt? Das Trio Automat begeht mit seinem dritten Album „Ostwest“ den Versuch. Das Ergebnis ist nicht weniger groovend, aber wegen der reduzierten Wiederholungseffekte deutlich minimalistischer. Es bleibt Tanzmusik für Menschen, die vor einem zur Schau gestellten Hedonismus Reißaus nehmen, sich aber doch mal rhythmisch bewegen wollen. Zudem soll „Ostwest“ auch was fürs Hirn sein, was aber bei Instrumentalmusik ein eher aufgesetztes Unterfangen bleibt. Festzuhalten ist: „Ostwest“ ist anders als die beiden Vorgänger und Stillstand ist der Tod.

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Micha-El Goehre – Straßenköter – Satyr-Verlag 2017

Von Matthias Bosenick (28.12.2016)

Dieses soll wirklich das Ende sein, der tatsächlich letzte Teil der „Jungsmusik“-Trilogie, sagt Metal-Slammer und „Legacy“-Kolumnist Micha-El Goehre am Ende des Buches. Dabei ließe sich das Setting sicherlich unendlich erweitern, aber er weiß, wann Schluss ist. Wie die Scorpions. Die Romanreihe erzählt aus dem Leben des trotz diverser Ungeschicklichkeiten moralisch überraschend gefestigten Taugenichts‘ Torben, der sich hier erneut mit den Plagen des Alltags herumschlagen darf, wie Scheidung, Jobwechsel, Schließung der Stammkneipe. Man erfährt, wie aus dem orientierungslosen Tunichtgut ein verlässlicher Tugut wird. Das wäre alles zwar sehr schön, aber recht mittelmäßig, wäre es nicht so metalmäßig.

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Roji – The Hundred Headed Women – Shhpuma/Clean Feed 2016

Von Matthias Bosenick (27.12.2016)

Alle Jahre wieder: Kurz vor dem Jahreswechsel schiebt noch jemand einen Anwärter für die Top-Ten-Liste der Jahrescharts auf den Markt. Dieses Mal: Roji, ein Projekt, auf das ich ohne den Schlagzeuger nicht aufmerksam geworden wäre; Jörg A. Schneider kam mir erstmals vor 20 Jahren mit Les Hommes Qui Wear Espandrillos unter. Mit Roji macht er Jazz. Und zwar so freien, dass er für manche Hörer sicherlich kaum noch als Musik erlebbar ist. Die Musik besteht hier als Grundlage lediglich aus Schlagzeug, Bass und Loops, gelegentlich garniert mit – man muss es so sagen – Tröten. Berauschend, befreiend. Lärm.

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