Schwartz & Yoann – Spirou & Fantasio Spezial: Der Meister der schwarzen Hostien – Carlsen 2017

Von Matthias Bosenick (07.04.2017)

Die Fortsetzung zu „Die Leopardenfrau“ hat ja nur drei Jahre lang auf sich warten lassen: Schwartz & Yann schicken die beiden Helden in dieser Episode der „One Shot“ genannten Spezial-Reihe kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in den Kongo, Belgische Kolonie damals. Dem überkommenen Sujet des Kolonialcomics sind in der Gegenwart tatsächlich noch Aspekte abzugewinnen, die überraschen und nicht mehr so rassistisch sind wie damals; dieser Doppelband mit eigentlich drei Teilen ist sogar besser als die Hauptlinie der Serie.

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Fixmer/McCarthy – Chemicals – Sonic Groove 2017

Von Matthias Bosenick (06.04.2017)

Seit neun Jahren kein Album mehr, aber plötzlich die zweite 12“ in zwei Jahren. Der französische Techno-DJ Terence Fixmer und der englische EBM-Shouter (so muss man ihn bezeichnen) Douglas McCarthy von Nitzer Ebb ballern ihren trotzdem verbliebenen Folgenden dieses Mal Drogentanzmusik um die Ohren. Als neuem Output auf nur einen Track konzentriert, ist eher das Bedienen die Aufgabe als das Erweitern; „Chemicals“ ist ein im Sinne des Duos klassischer antiseptisch lärmender Neo-EBM-Track mitten in die Fresse. Auf der so genannten Albumlänge sind sie zwar experimenteller, aber man ist ja schon zufrieden, dass sie überhaupt wieder gemeinsam aktiv sind.

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Die andere Seite der Hoffnung (Toivon tuolla puolen) – Aki Kaurismäki – FIN/D 2017

Von Matthias Bosenick (04.04.2017)

Flüchtlingsdrama, Menschlichkeit, Eheprobleme, Rassismus, Behördenwillkür, Livemusik – alles in einem Film, alles in einem Kaurismäki, und alles so begnadet gut wie kaum etwas dieser Tage. Kati Outinen, wenigstens kurz! Und jedes Bild wie ein Kunstwerk. Da fließen die Tränen allein schon vor Rührung über dieses Wunderwerk. Eindringlicher als Nachrichten gucken. Und mit mehr Appellpotential.

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Wilde Maus – Josef Hader – A 2017

Von Matthias Bosenick (23.03.2017)

Die Aufmerksamkeit des Feuilletons ist Josef Hader sicher, denn die Hauptfigur seines Regiedebüts ist ein Arbeitskollege: Hader selbst spielt einen geschassten Konzertkritiker, der mit seiner neuen Lebenssituation nicht zurechtkommt. Das Orientierungslose des Fiftysomethings greift der Film recht gut auf, denn auch die Geschichte kommt nicht zur Sache. Da hätte man insbesondere von Hader deutlich mehr erwartet.

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Under Viewer – Wonders & Monsters, Daniel B. Prothèse – Überlastung – Alfa Matrix 2016/2017

Von Matthias Bosenick (22.03.2017)

Dieser Jean-Luc de Meyer hat aber auch eine geile Stimme. Der veredelt alles, woran er beteiligt ist. Hier nun mit Patrick Codenys an Under Viewer, einem von zwei Projekten, aus denen 1981 Front 242 hervorgingen. Das andere war Prothèse von Daniel Bressanutti. Von beiden gab es keine offiziellen Veröffentlichungen, sieht man von den Demos ab, die das Label Alfa Matrix 2004 zum Rerelease des Front-242-Debüts „Geography“ auf die limitierte Bonus-CD packte. Beide Projekte überarbeiteten ihre Demos und schufen neue Songs, die sie jetzt unter die EBM-Fans bringen – und diese sicherlich eher verstören: Under Viewer ist wunderschöner dunkler minimaler Pop, Prothèse zirpendes Experiment mit Ambient-Schlag, beides also in einem völlig anderen Sinne „Kampfbereit“.

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Renatus Töpke & Patrick Schmitz – Wer malen will, muss rocken können! – Verlag Andreas Reiffer 2017

Von Matthias Bosenick (20.03.2017)

Was macht man, wenn eine frische Idee erfolgreich ist? Genau, eine Fortsetzung. „Wer malen will, muss rocken können!“ ist Teil Zwei von „Wer malen will, muss Metal sein“, dem Malbuch mit Schallplattencovern aus dem Fundus der Stromgitarrenmusik als Vorlagen. Das Konzept ist geblieben, lediglich den Grafiker tauschte Ideengeber Renatus Töpke aus: Statt Martin Hoffmann übernimmt jetzt Verlagsfreund Patrick Schmitz das Design. Das Ergebnis ist ein Eskapistenhobby, abgewandelt für den Rockfan, der nicht zwingend Nachwuchs haben muss, um an dem Heftlein Gefallen zu finden.

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Exquirla – Para quienes aún viven – Superball Music 2017

Von Matthias Bosenick (11.03.2017)

Wenn alles gesagt ist, mischt man das Gesagte neu: So funktioniert auch Exquirla, das gemeinsame Projekt der spanischen Postrockband Toundra und des Flamencosängers Niño De Elche. Das Ergebnis ist ein dunkler Fluss an progressiver Rockmusik zwischen heavy und mäandernd mit einer rauhen beschwörenden singsangenden Stimme drüber. Eine beeindruckende und großartige Kombination. Ebenbürtig mit etwa Jambinai aus Südkorea, die in ihren Metal traditionelle Instrumente einfließen lassen. Neu geht noch 2017!

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Das Vollplaybacktheater: Die drei ??? und der grüne Geist – Live im CongressPark Wolfsburg am 22. Februar 2017

Von Matthias Bosenick (22.02.2017)

Zum ersten Mal in Wolfsburg! Weil Braunschweig fürs Vollplaybacktheater seit dem Ende des FBZ einfach nicht mehr geht. Jaja, einmal mehr Salz in die Wunde. Im 20. Jahr ihres Bestehens entschleunigt die Wuppertaler Gruppe ihr Konzept: Zwar bleibt es dabei, dass eine Folge der drei Fragezeichen – hier „Der grüne Geist“, als Hörspiel die Nummer 8 – mit Artverwandtem und sonstwie Passendem gestreckt wird und die selbst stummen Schauspieler lediglich ihre Lippen dazu bewegen. An das reduzierte Tempo gewöhnt man sich schnell und findet die Vorteile: Die Gags dringen besser ins Bewusstsein und die bisweilen nervigen Animationssequenzen zum Mitschunkeln fallen deutlich kürzer aus. Ein Tischfeuerwerk der Retrokultur, des freakigen Sprachwitzes und der Samplekunst.

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T2 Trainspotting – Danny Boyle – UK 2017

Von Matthias Bosenick (21.02.2017)

Mega mega wildes Ding, diese überraschende Fortsetzung des Neunziger-Popkultur-Meilensteins (als solchen muss man den Film auffassen) „Trainspotting“. Regisseur Danny Boyle holte die verbliebene Clique zusammen und erzählt, was aus den perspektivlosen Edinburgher Junkies und Kriminellen nach 20 Jahren so geworden ist. Das brutale und melancholisch-humorige Ergebnis ist nicht nur inhaltlich stimmig, sondern auch formal, in Sound und Vision. Spannend ist außer dem Film sicherlich die Frage nach dessen Zielgruppe.

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Marc Domin – Schwarzer Hafen & Outtakes – R. Volksfeind Produktionen/epubli 2016

Von Matthias Bosenick (20.02.2017)

Der größte Provokateur Wolfsburgs und angrenzender Landkreise versucht sich am Thriller, und das auch noch mit respektablem Ergebnis: Schach ist das Grundthema, sowohl inhaltlich als auch formal. Und das soll ihm mal einer nachmachen. Die Form ist gewagt, die Sprache nicht minder. Als Bonus gibt es ein Büchlein mit „Outtakes“, also Geschichten von Bekannten Domins, die noch nie etwas veröffentlicht haben und denen er eine Plattform für ihre Gehversuche bietet. Ebenbürtig und interessant.

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