Axel Klingenberg – Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! – Verlag Andreas Reiffer 2015

Von Matthias Bosenick (16.11.2015) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

„Wie Deutschland verblödet“, lautet der Untertitel zu Axel Klingenbergs neuer Schrift „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“. Das geht an der Intention dieses Büchleins allerdings vorbei: Hier geht es nicht ums schlichte Blödsein, sondern darum, dass Rechtssein immer normaler wird. Dem liegt zwar sicherlich ein gewisser Bildungsmangel zugrunde, aber das eher in der vermeintlich breiten Masse; Klingenberg findet Rechtssein jedoch vornehmlich bei – nun – Intellektuellen. Und schon ist man mittendrin in der Diskussion, die der Autor mit diesem Buch auch befeuern will. Keine leichte Aufgabe und sehr dünnes Eis, auch aus Punksicht. Doch Klingenberg entlarvt die hetzerische Rhetorik schlüssig und entschlüsselt das, was die Redner tatsächlich damit sagen.

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Blinky Blinky Computerband – Strange Electro Pop – BBCom Music 2015

Von Matthias Bosenick (15.11.2015)

Einmal mehr in, zumindest einigermaßen, eigener Sache: Mit seinem jüngsten Projekt Blinky Blinky Computerband hat Olaf (übrigens Mitbegründer dieses Blogs) jetzt eine Doppel-CD veröffentlicht, und zwar eine aus dem Presswerk, nicht mehr wie sonst aus dem CD-Brenner. Auf diesem episch-opulenten Album ist auch die Stimme des jetzigen Blogbetreibers zu hören, als Ergebnis diverser fruchtbarer und anregender Zusammenarbeiten. Das sind aber nur drei Stücke von sage und schreibe 35, das macht also zweieinhalb Stunden fassettenreichen Electropop. Darunter finden sich ein Querschnitt aus den Blinky-Blinky-Computerband-Veröffentlichungen seit 2012 sowie mit „1378 (25 Years Of Wiedervereinigung)“ ein komplett unveröffentlichter Song. Lohnt sich also auch für diejenigen, die bislang alles haben. Ebenso attraktiv ist die Mitarbeit der vielen musikalischen Gäste. Und natürlich, dass man nicht mehr um den schnellen Verlust des anfälligen Tonträgers zu fürchten hat.

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Jean-Yves Ferri & Didier Conrad – Asterix (36) Der Papyrus des Cäsar – Egmont Ehapa 2015

Von Matthias Bosenick (14.11.2015)

Der zweite Asterix-Band unter neuer Autorenschaft ist sogar noch besser als der Vorgänger. Wer hätte das gedacht. Jean-Yves Ferri und Didier Conrad greifen den alten Geist der Erfinder Uderzo & Goscinny auf und transferieren ihn in die Gegenwart, ohne Federn zu lassen. Die Zeichnungen sind von denen Uderzos nicht zu unterscheiden, die Geschichte ist schlau und die Übersetzung funktioniert auf klassische Weise. Großartig gemacht. Im Mittelpunkt steht eine Art Cäsarleaks, das zwar Anspielungen auf moderne Kommunikationsmittel und politische Themen mitbringt, aber dennoch zeitlos funktioniert. Ganz großes Comic.

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Ben Aaronovitch – Fingerhut-Sommer – DTV 2015

Von Matthias Bosenick (11.11.2015)

Schnell mal alle fünf Bücher in zweieinhalb Wochen gelesen, trotz der Werbung in einem Gruftmagazin angesprochen gefühlt, trotz des „Spiegel-Bestseller“-Stickers nicht zurückgeschreckt und trotz des miserabel übersetzten ersten Bandes fasziniert genug gewesen, um dran zu bleiben: Ein reizendes Konglomerat aus Versatzstücken unzähliger Vorlagen ist Ben Aaronovitch da mit seiner Mär um den zur Zauberei fähigen Police Constable Peter Grant im London der Gegenwart gelungen. Die Reihe hat so viele Vorzüge, dass ihre Nachteile kaum ins Gewicht fallen, obwohl sie offenkundig sind. Aber das sind die Zeichen der Zeit: Mittelmaß ist das neue Gut, man ist ja schon dankbar, dass hier Gut mal das neue Sehr Gut sein darf. Und man ist hier darüber hinaus eben aufs Heftigste gefesselt.

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Paul Roland – Bitter And Twisted – Sireena Records 2015

Von Matthias Bosenick (10.11.2015)

Steampunk ist keine Musikrichtung. Ebenso gut hätte Paul Roland behaupten können, er mache Pop Art; das kommt der Sache sogar deutlich näher. Jedenfalls auf „Bitter And Twisted“, das nichts mehr zu tun hat mit dem glamrockigen „Werewolves Of London“ (damals noch als „Midnight Rags“) oder dem gruftigen „Nosferatu“. Roland legt die Theatralik zwar nicht ganz ab, aber wenigstens die übertriebene Schminke. Das Album klingt, als habe der wohlarrangierte, nun, Singer-Songwriter jede Menge Spaß am Komponieren und Musizieren gehabt. Die Songs sind flott, griffig melodiös und unheavy gerockt. Als einziger Vergleich fällt vielleicht Luke Haines ein, der Roland in Tonfall und Stimme leicht ähnelt. „Bitter And Twisted“ ist ein feines Album; daran ändert auch nicht, dass Roland den Titeln seiner Sachbücher zufolge eine mächtige Klatsche haben muss.

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Killing Joke – Pylon – Spinefarm Records 2015

Von Matthias Bosenick (08.11.2015)

Da sind sie wieder, zum dritten Mal seit der Reunion in Originalbesetzung, zum sechsten Mal insgesamt: Killing Joke empfehlen sich mit „Pylon“ einmal mehr zum Anwärter auf das Album des Jahres. Zumindest, wenn man davon ausgeht, dass das Album die Wucht hat, die die Vorabsingle „I Am The Virus“ ausstrahlt. Hat es aber nicht, „Pylon“ klingt vergleichsweise handzahm, fast milde. Der heavy Post Punk strahlt hier zwar subliminal durch, doch konzentriert sich die Band eher auf Atmosphären und Stimmungen, die auf der Heavyness basieren. So bleibt nach den anderthalb Stunden der Deluxe-Version zwar nicht so viel hängen, aber man hat immerhin das Gefühl, etwas Gutes gehört zu haben. Für den Titel „Album des Jahres“ aber legt das selbstbetitelte Debüt der Brothers Of The Sonic Cloth einige Pfund mehr auf die Waage.

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The Death And Resurrection Show – Shaun Pettigrew – UK 2013

Von Matthias Bosenick (08.11.2015)

Ein wahrhaftiger Ritt durch zu dem Zeitpunkt 34 Jahre Killing Joke liefert Shaun Pettigrew in satten 150 Minuten. Trotz der epischen Länge muss er die Stationen abhetzen und bei aller Vollständigkeit noch einige Punkte offen lassen. Seine Erzähllinearität ist angenehm, seine Bildsprache wegen des Tempos bald anstrengend, aber doch passend, da es gilt, unzählige Quellen so zusammenzumontieren, dass die Qualität homogen wirkt. Bleibt zu erwähnen, dass sich die Band zeitlebens mit Magie und Okkultismus zum Horst macht und ihr leider tatsächlich irgendwie charismatischer Frontmann Jaz Coleman zwar dicke einen an der Klatsche hat, aber oft genug auch einfach mal richtig liegt in seinen gesellschaftspolitischen Betrachtungen. Und die Mucke von Killing Joke ist nicht nur variantenreich, sondern auch fast immer geil. Einschränkend muss erwähnt sein, dass sich der Film wohl vornehmlich an Fans der Band richtet.

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Embrace Of The Serpent (El abrazo de la serpiente) – Ciro Guerra – KOL/VEN/ARG 2015

Von Matthias Bosenick (06.11.2015)

Ein in vieler Hinsicht spannender Film ist „Embrace Of The Serpent“: Das südamerikanische Zwei-Stunden-Werk zeigt zwei Handlungen parallel, die sich zeitlich versetzt um einen Schamanen aus dem Urwald drehen, der jeweils einem weißen Forscher bei dessen Suche hilft. Dafür überqueren sie jedes Mal dieselbe Strecke auf dem Amazonas. Man verfolgt dabei die Entwicklung, wie sich der Urwald und der vermeintlich aufgeklärte Westen Anfang bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts zueinander verhielten. Das Ergebnis ist optisch ansprechend in Schwarzweiß gehalten und pendelt inhaltlich zwischen poetischen Betrachtungen, philosophischen Auseinandersetzungen und unmenschlichen Handlungen. Die Kulturen begegnen sich hier auf Augenhöhe; der „Wilde“ ist dem „Weißen“ nicht per se unterlegen, sie sind gleichwertig und gleichstark, das macht es noch angenehmer, diesen Trip zu begleiten.

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Der Bunker – Nikias Chryssos – D 2014

Von Matthias Bosenick (05.11.2015)

Dem Film eilt der selbstherrliche Ruf voraus, dass man ihn entweder hasse oder liebe. Damit macht man sich es einfach, wenn man meint, Obskurität allein sei ausreichend, um im Idealfalle geliebt zu werden. Der Schuss kann gepflegt nach hinten losgehen, wenn man nicht mehr als das zu bieten hat. „Der Bunker“ hat; zum unumwundenen Lieben reicht aber auch das nicht aus, es gibt schließlich unendliche Welten zwischen Hass und Liebe. Licht und Ton sind brillant, viele Ideen sind besonders; und doch: Nachhaltig behält man diesen Film über die Familie, die in einem Bunker lebt und einen wohnungslosen Studenten in ihre teilweise ungesetzlichen Erziehungsmethoden einbindet, wohl nicht im Herzen.

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Theory Of Obscurity: A Film About The Residents – Don Hardy Jr. – USA 2015

Von Matthias Bosenick (04.11.2015)

Der Film über die Residents ist so schräg wie die Band und wird ihr damit im Grunde gerecht. Wer nun erwartete, nach anderthalb Stunden echte Blicke hinter die Augenmaskerade zu bekommen, hat das Konzept nicht verstanden. Auch ist „Theory Of Obscurity“ keine chronologische Nacherzählung der Bandgeschichte, sondern vielmehr eine Betrachtung des Effektes, den die Band auf ihr Umfeld, die Medien und die Musikszene an sich hat. Immer noch, sie sind nämlich weiterhin aktiv. Der Film beinhaltet zwar den üblichen Mix aus Archivmaterial, Liveperformances und Interviewsequenzen, aber eben mit einer anderen Strukturierung. Am Ende will man den Kühlschrankinhalt haben, den das Museum Of Modern Art erwarb.

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