Devin Townsend Project – Ziltoid Live At The Royal Albert Hall – InsideOut/Century Media 2015

Von Matthias Bosenick (15.12.2015)

Die letzten zehn Minuten dieses 2:47-Stunden-Konzertes rechtfertigen den Erwerb. Sie zeigen, dass Metaler, Hippies und Punks einfach die besseren Menschen auf dieser Welt sind. Popstar Devin Townsend holt nicht nur seine gesamte Crew, sondern auch seinen kleinen Sohn auf die Bühne, und alle intonieren „Universal Flame“, strahlen, hüpfen, singen, schwenken Ziltoid-Figuren und haben die beste Zeit ihres Lebens. Da gehen Herzen auf. Und man vergisst, wie sehr die kaffeesüchtige Weltraumfigur Ziltoid vorher zu nerven in der Lage war. Eigens für dieses Konzert in der Royal Albert Hall führte Devin Townsend mit seinem Project das jüngste Album „Dark Matters“ komplett auf und ergänzte es um ein online gewähltes Best-Of-Programm. Wer viele Livealben von Devin hat, braucht dieses nicht wirklich zwingend auch noch, denkt man – aber nur bis kurz vor Ablauf.

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Erasure – Always: The Very Best Of – Mute/BMG 2015

Von Matthias Bosenick (12.12.2015)

30 Jahre Erasure also (und nicht etwa das Weihnachtsgeschäft). 1992 erschien „Pop! The First 20 Hits“, 2003 „Hits! The Very Best Of Erasure“, 2009 „Total Pop! The First 40 Hits“, 2012 „Erasure Essential“ und nun „Always: The Very Best Of Erasure“. Der Fan und Sammler, den es auch 2015 tatsächlich noch gibt, kann nur ächzen: Was soll er damit? Mit der normalen 20-Song-Version erstmal gar nichts, da ist nur ein neuer Mix von „Sometimes“ drauf, der sich nicht sonderlich vom Original unterscheidet. Die Deluxe-Version hingegen bietet zwei Bonus-CDs mit Maxi-Versionen und Remixen, hauptsächlich historisch und selten – und ist damit definitiv ein Kaufanreiz. Bei der Auswahl der Tracks für die Hauptcompilation hingegen offenbaren Erasure selbst, was auch der hartgesottene Fan denkt: Seit 20 Jahren kam von dem Synthie-Pop-Duo kaum noch etwas Nachhaltiges heraus. Trotzdem gibt man gerne ein bisschen Respekt.

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Das brandneue Testament (Le tout nouveau testament) – Jaco van Dormael – B/F/L 2015

Von Matthias Bosenick (08.12.2015)

„Das brandneue Testament“ ist voller hochgradig guter Sequenzen, die Regisseur Jaco van Dormael leider ohne einen schlüssigen Zusammenhalt aneinanderreiht. Die Inhalte sind großartig, doch die Ausrichtung ist beliebig. Vom Punkrock zur Schmalzschnulze, aber beides nicht konsequent. In diesem Film lebt Gott als ein Despot in Brüssel und terrorisiert seine Familie (also Frau und Tochter, der Sohn ist ja schon weg). Die Tochter Ea flieht vor ihm und sammelt sechs Apostel um sich – da schwenkt der Film vom lustiglich fluchenden Gott zum rührseligen Tränenzieher. Beides passt nicht zusammen.

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Between Dog And Wolf: The New Model Army Story – Matt Reid – Cadiz Film/Hustler Street Films 2015

Von Matthias Bosenick (07.12.2015)

Man mag sich kaum vorstellen können, dass es eine ausreichende Betrachterschaft für eine Dokumentation über New Model Army gibt. Doch sagt es der vorliegende Film selbst: Zwar hat die Band aus Bradford in England keine richtigen Hits, aber dafür eine getreue Gefolgschaft, auch in mehr als 30 Jahren. Dann sieht man sich diesen Film an und sich danach darin bestätigt, dass es gut ist, Fan dieser Band zu sein. Die Musiker sind unangepasst, kreativ, musikalisch ausdrucksstark und charakterlich sympathisch. Sie haben keine Allüren und erfüllen keine Rockstarklischees. Gottlob. Dafür trugen ihre Fans in den Achtzigern Holzclogs und entwickelten einen eigenen Tanzstil. Weiß das wer? Und es gibt in diesem Film noch so viel mehr zu entdecken.

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Hardy Crueger – Der andere Krieg: Die Odyssee des Victor Rosenfels – Edition Narrenflug 2015

Von Matthias Bosenick (05.12.2015) / Auch veröfentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Noch so ein Braunschweiger Vielschreiber: Hardy Crueger veröffentlicht mit „Der andere Krieg“ sein mindestens drittes Buch in diesem Jahr. Mit dem vorliegenden macht er es seinem Leser nicht ganz einfach: Einerseits behandelt er Themen, die dem halbwegs gebildeten Leser längst mehr als vertraut sind, andererseits setzt er zu viel Hintergrundwissen voraus, um für Jugendliche leicht nachvollziehbar zu sein. Die Geschichte an sich entwickelt indes einen starken Sog: Crueger lässt einen vom Schicksal gepeinigten Heranwachsenden namens Victor Rosenfels in den Dreißigerjahren wie eine Art Hiob auf Odysse durch Deutschland und die USA mäandern. Trotz aller bekannter Umstände erzählt Crueger die Geschichte so komprimiert, dass man das Buch wie im Zwang verschlingt, bei jedem Umblättern gebannt denkend: Was passiert denn jetzt noch?

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Dead Guitars – Shelter – Sireena Records 2015

Von Matthias Bosenick (30.11.2015)

Das ist eine Überraschung, dieses Album: Sollte man die Band Dead Guitars überhaupt jemals wahrgenommen haben, dann vermutlich eher im Vorbeilesen oder so. Waverocker aus Deutschland, eine noch junge Band zudem, wer braucht das, der seine Sammlung mit The Mission, den Sisters Of Mercy, den Fields Of The Nephilim, The Cure, Killing Joke, Joy Division und weiß der Geier wem noch so alles gut gepflegt und bestückt hat. Denkt man. Und bekommt dann dieses angenehme Stück Musik dargereicht, das mit fast jedem Song positiv überrascht. Einziges Manko: Das Album ist so vielfältig, dass man der Band keine rechte Individualität und Wiedererkennbarkeit attestieren kann. Schlechter macht dies „Shelter“ aber nicht.

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StripperCake – Live in der Kneipe im Rebenpark, Braunschweig, am 28. November 2015

Von Matthias Bosenick (29.11.2015) / Auch erschienen auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Wenn das die Jugend von heute ist, gibt es Hoffnung. StripperCake aus Braunschweig machen Party-Stoner-Rock mit Orgel. Ein ansteckender Mix, vor allem live, da übertragen die fünf Jungs vom ersten Ton an Energie aufs Publikum. Sie machen ganz viel richtig: Zwar ist die Musik an vielen Stellen komplex, aber nicht zum Selbstzweck; die anspruchsvollen Passagen fallen angenehm auf, bremsen aber nicht die Feierlaune. Und dann diese Orgel! Deep Purple wären froh, noch so viel Blut in sich zu haben. Die Band nahm diesen Auftritt außerdem zum Anlass, ihre Vier-Track-Demo-CD vorzustellen. Das Konzert fand im Rahmen einer Party und Bilderschau von Rudi Rauschgift in der Kneipe im Braunschweiger Rebenpark statt, Gastgeber war die Kneipen-Gruppe des Silver Clubs.

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Ewige Jugend (La giovinezza) – Paolo Sorrentino – I/F/CH/GB 2015

Von Matthias Bosenick (28.11.2015)

Das ist Kino. Paolo Sorrentino empfiehlt sich mit „Ewige Jugend“, international schlicht „Youth“ betitelt, einmal mehr als einer der wenigen zeitgenössischen Regisseure, die Mut genug haben, nicht nur tiefe Geschichten zu erzählen, sondern dies auch noch in visuelle und akustische Kunst eingebettet. Das ist Kino, für das man sein Zuhause verlässt und hernach glücklich wieder dorthin zurückkehrt. Erneut stellt der Fünfundvierzigjährige alte Männer ins Zentrum des Geschehens, hier in einem Sanatorium in der Schweiz. Inhaltliche Komplexität erreicht der Film hauptsächlich über die Dialoge, zusammen mit Sorrentinos typischer Bildsprache und dem kruden Humor ergibt dies ein wahres Kunstwerk. „Ewige Jugend“ ist weniger rasant als noch „La grande bellezza“, aber das passt perfekt zum Inhalt. Grandios.

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The Fall – Tod in Belfast (The Fall) – Jakob Verbruggen – UK/BBC Northern Ireland 2013/ZDF 2015

Von Matthias Bosenick (25.11.2015)

Hast noch’n Rätselheft für Omma? Wer sich die BBC-Serie „The Fall“ angucken will, sollte sich auf jeden Fall eine Nebenbeschäftigung suchen. Der Versuch der BBC, einen skandinavischen Thriller in Serienform zu drehen, gelingt in sofern, als dass man sich an die schlechtesten Vertreter dieses Genres erinnert fühlt. Da helfen auch Superstars wie Gillian Anderson aus „Akte X“ und Jamie Dornan aus „50 Shades Of Grey“ nichts. Man kann ja froh sein, dass das ZDF die Serie auf neun Stunden gekürzt hat, und wundert sich trotzdem, dass sie überhaupt länger dauert als eine Dreiviertelstunde. Es reicht eben nicht, einige typisch skandinavische Elemente zu übernehmen: Eine weinerliche und sediert wirkende, aber notgeile Ermittlerin jagt einen vermutlich sexuell motivierten serienmordenden Familienvater. Toll. Das Ergebnis ist Zeit- und Ressourcenverschwendung.

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Tritonus – Far In The Sky: Live At Stagge’s Hotel 1977 – Sireena 2015

Von Matthias Bosenick (21.11.2015)

„Far In The Sky“ ist ein passender Titel für diese Ausgrabung. Das Label Sireena veröffentlicht in loser Folge Livemitschnitte aus Stagge’s Hotel in Osterholz-Scharmbeck, einem typischen Landladen, in dem sich in den Siebzigern die damaligen Entsprechungen zur späteren Indieszene trafen. Tritonus, dritter Vertreter in dieser CD-Reihe, war ein Prog-Trio aus Mannheim, das es auf zwei Alben und zwei Singles brachte und aus dem eine erfolgreiche Solokarriere für Keyboarder Peter Seiler hervorging. Entsprechend keyboardlastig ist auch die Musik, die ihre amtlich groovenden Passagen durchsetzt mit Schwurbel, Pathos, diversen Soli sowie vergurkten Mitmachsequenzen. Der Mitschnitt richtet sich wohl eher an alte Verehrer als an eine neue Zielgruppe. Die würde sich allerhöchstens stark wundern, in welche schräge Himmel ihre Großeltern wohl einst abgedriftet waren.

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