The Hateful Eight – Quentin Tarantino – USA 2015

Von Matthias Bosenick (29.01.2016) / Auch erschienen auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Filme von Quentin Tarantino kann man in (mindestens) zwei Universen betrachten: im allgemeinen Filmkosmos und in Tarantinos eigener Historie. Verglichen mit dem Rest der Welt, oder zumindest von Hollywood, macht Tarantino exorbitant gute Filme. Verglichen mit sich selbst erkennt man eine Weiterentwicklung innerhalb der acht Filme, für die er bislang Regie führte: Er wird erwachsener, behält aber viele seiner Merkmale bei. Filmisch ist er weniger experimentierwütig, dafür aber subtiler. Sein Humor äußert sich weniger visuell als nun überwiegend inhaltlich. Da das Cartoonhafte zurückweicht, wirken die blutigen Anteile jedoch brutaler. Ansonsten: Ein großartiger Film, der drei Stunden lang nicht eine Sekunde langweilt, obwohl er zumeist auf beengtem Raum stattfindet.

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Deichkind – Live in der Volkswagenhalle, Braunschweig, am 24. Januar 2016

Von Matthias Bosenick (25.01.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Intelligent, inkonsequent und ambivalent vom Kindergeburtstag zur „Wetten dass..?“-Kulisse: Deichkind im Jahre 2016 sind längst nicht mehr die Anarcho-Truppe, als die sie vor zehn Jahren in die Schlagzeilen der Musikpresse kamen. Die kritischen Inhalte und klugen Zitate überwiegen zwar (gottlob) noch, doch zelebrieren die Dance-Hopper in der zweiten Hälfte den tumben Hedonismus und widersprechen sich in vielen Aspekten selbst. Zudem ist die Show nicht mehr als nur eine Show, eine glattpolierte zudem; von einem Konzert kann keine Rede sein, da niemand ein Instrument bedient. Die richtig durchgeknallten Deichkind-Elemente kommen zumeist nur von Videoeinspielungen, lediglich im ersehnten Abschlusstrack „Remmidemmi“ lassen sie die Korken mit Effekt knallen. Aalglatt und fast ohne ein Staubkörnchen, aber eine geile Party für 5000 Leute.

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Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht (The Force Awakens) – J.J. Abrams – USA 2015

Von Marc Domin (22.01.2016)

Bewaffnet mit exakt 313 Gramm saurem Weingummi, einer 0,4-Liter-Coke im Plastikbecher und einem stillen Wasser in der Flasche ging es erwartungsvoll in die Loge von Kino 5 im C1-Filmpalast in der Langen Straße zu Braunschweig.
Im Bewusstsein, jeden Augenblick dem Imperium zu begegnen, Jedis kämpfen und Todessterne bersten zu sehen, fix die 3D-Brille aufgesetzt und los ging es mit dem bekannten Vorspann.
Ich erstmal gar nichts kapiert.

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David Bowie – ★ (Blackstar) – Smi Col/Sony 2016

Von Matthias Bosenick (21.01.2016)

Bereits am 8. Januar stehen Song und Album des Jahres 2016 fest: Beides ist „Blackstar“ von David Bowie. Damit machte er sich und dem Rest der Welt ein schwer zu übertreffendes Geschenk. Außer ihm selbst wusste wohl niemand, dass es das letzte gewesen sein sollte; zwei Tage später war der nun Neunundsechzigjährige tot. Was für ein Abgang: So unkonventionell wie auf „Blackstar“ sind oft nicht mal seine jungen Epigonen. Mit dem Wissen um Bowies Ende mag man eine Todesahnung aus der Musik heraushören. Auch ohne ist „Blackstar“ ein Blick in die Zukunft, die wir nun nicht mehr erleben dürfen: Bowie pfeift auf Erwartungen und macht, worauf er Bock hat. Damit übertrifft „Blackstar“ den etwas gefälligen und fast langweiligen Vorgänger „The Next Day“ und ein Vielfaches. So hätte es weitergehen dürfen. Darf es aber nicht. Leider.

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Sun Ra And His Arkestra – To Those Of Earth… And Other Worlds – Strut/!K7 2015

Von Matthias Bosenick (11.01.2016)

Ab ins Weltall, sagt Sun Ra. Den Soundtrack dazu lieferte der Mann fast 50 Jahre lang, bis er 1993 verstarb. Seine Musik ist grob im Jazz zu verankern, und an dieser Stelle steigen ohnehin schon viele aus. Nun ist Jazz ja nie gleich Jazz und zeigte sich Sun Ra experimentierfreudig und eskapistisch. Das ergibt eine sehr freie Auffassung von Musik, die vermutlich zu Entstehungszeiten für deutlich mehr Furore und Verunsicherung gesorgt haben mag als heute in der Rückschau. Man hat sich an seltsame musikalische Strukturen gewöhnt, wenn man sich an John Coltrane, Miles Davis und andere Vertreter des Free Jazz herangewagt hat. Für Leute, die sich für jene begeistern können, ist die Musik von Sun Ra bestimmt nicht fremd und die neue Compilation „To Those Of Earth… And Other Worlds“ ein interessanter Einblick in das Oeuvre des Spacejazzers. Alle anderen… Bleiben eben auf der Erde.

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Hante. – Her Fall And Rise – Stellar Kinematics 2014

Von Olaf Maibaum (09.01.2016)

Musik mit minimalen Einsatz kann auch gut klingen. So beginnt die LP „Her Fall and Raise“ von Hante mit einem einfachen Sägezahn, welcher mit einem Filter in einen wohlklingenden warmen Bass verwandelt wird. Dieser trägt für den Rest des Stücks „Falling from Grace“ die Grundmelodie, zu der sich Schritt um Schritt die Rhythmus-Elemente hinzufügen, bevor der mit Hall versetzte Gesang von Hélène de Thoury einsetzt. Hélène bleibt dabei in ihrem Solo-Projekt ihrer musikalischen Linie aus ihrem anderen Projekt Minuit Machine treu, sehr gut tanzbaren Dark Wave und Minimal, die ihren Synthesizer und Rythmus-Maschine entlockt werden.

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Craig Thompson – Weltraumkrümel (Space Dumplins) – Faber & Faber/Reprodukt 2015

Von Matthias Bosenick (09.01.2016)

Nach „Blankets“ und „Habibi“ legt der nun vierzigjährige Zeichner und Autor Craig Thompson mit „Space Dumplins“ seine erste Science-Fiction-Graphic-Novel vor. Seinem wundervollen und wiedererkennbaren Zeichenstil bleibt der US-Amerikaner treu. Der Rest ist anders: Die Bilder sind koloriert, die Panels nicht mehr so frameübergreifend opulent ausgestattet und die Handlung ist eher dünn und gewöhnlich, was vermutlich daran liegt, dass er dieses Mal auch Kinder und Jugendliche in die Zielgruppe einschließt. Trotzdem liest man es gern, schließlich schickt einen Thompson mit fast jedem Bild auf eine Entdeckungsreise. Und er vermittelt, wie immer, Werte, sowohl nebenbei als auch mit dem erhobenen Zaunpfahl.

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The Revenant – Alejandro Gonzáles Iñárritu – USA 2015

Von Matthias Bosenick (07.01.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Drei eigene gute Ideen, ein unerbittlich leidender Leonardo di Caprio in ästhetisch eingefangener Landschaft zu hervorrangendem Score und ein allerorts zusammengeklautes Script sind die Quintessenz von 157 Minuten „The Revenant“ von Alejandro Gonzáles Iñárritu. Der einzige Spoiler ist dabei, dass es keinen Spoiler gibt: Da man alles schon unzählige Male gesehen hat, sind einem die Etappen jeweils schon vorher klar. Bei fortschreitender Spieldauer des Films sinkt man umso gelangweilter in den Kinositz. Hier wären kürzer und mutiger besser gewesen – und ein anderer Hauptdarsteller.

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Front Line Assembly – Kampfbereit – MDV Visual 2015

Von Matthias Bosenick (04.01.2016)

So ganz still und nebenbei erscheint auf einem Minilabel ein nicht ganz so stilles Livedokument der 2011er-Tour der kanadischen EBM-Helden Front Line Assembly. Der 75-minütige Mitschnitt stammt vom Kinetik Festival in Montreal (und die Bilder dazu von der dazugehörigen Nordamerika-Tour). Das dazugehörige Album „Improved Electronic Device“ sah den vermehrten Einsatz von E-Gitarren vor, wie seinerzeit auf „Millennium“, dem Album, das FLA 1994 auch in Industrial-Kreisen bekannt machte, und die Gitarren donnern folgerichtig auch in diesem Set ganz gehörig. So sehr, dass die elektronischen Elemente etwas untergehen. Sieht man davon ab, ist „Kampfbereit“ ein mehr als nur ordentlicher Film, den es sich aufgrund seiner geschickten Schnitte auch zu gucken lohnt.

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Goodiepal – Live im Jazzhouse in Kopenhagen am 16. Dezember 2015

Von Matthias Bosenick (22.12.2015)

Unklar ist: Bedient Goodiepal mit seiner „Virtuosen Computer-Lounge“ die Intellektuellen oder führt er sie vor? Spätestens, wenn er das Publikum dazu bringt, mit über die Ohrmuscheln gestülpten Gläsern einem infernalischen White Noise zu lauschen, möchte man an letzteres glauben. Zum anscheinend dritten Mal in Folge gastierte der umstrittene 41-jährige Künstler zum Jahresende im Kopenhagener Jazzhouse. Ohne Erläuterer unter den Gästen fiele es dem Nichtdänischsprechenden schwer, den Überbau des Abends zu erahnen, sowie in der Folge, in diesem Konzert durchgehend überhaupt Musik auszumachen. Das Wichtigste ist indes, dass man dem Querkopf einmal die Hand schüttelte und sich somit seiner Existenz gewiss sein kann.

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