Underworld – Barbara Barbara, We Face A Shining Future – Caroline/Universal 2016

Von Matthias Bosenick (21.05.2016)

Barbara Barbara, wo führt das alles hin? Underworld sind eine der wenigen Bands, die in ihrer Karriere kein lediglich mittelprächtiges Album unter die Leute brachten. Selbst die eher unbeliebten ersten zwei Nicht-Techno-Alben sind gut, ebenso das Vorgänger-Projekt Froeur. Mit „Barbara“ verhält es sich indes etwas anders, ein bisschen wie mit „The Slip“ von den Nine Inch Nails: Die Knallersongs sind richtig geil, aber dazwischen tummelt sich zu viel Füllstoff. Also nicht schlecht, aber. Trotzdem bleiben Underworld einfach mal verlässlich gut. Und nie zuvor hat jemand so ansteckend „Bla bla“ gesungen.

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Solbrud – Tape – Solbrud 2016

Von Matthias Bosenick (17.05.2016)

Die Jugend ist noch oldschool! Zumindest, was die Darreichungsform ihrer Musik betrifft, nicht ihre Musik: Als „Tape“ veröffentlichen die Jungzwanziger von Solbrud aus Kopenhagen ihren modernen Black Metal. Enthalten sind ein neuer und ein Live-Track, zusammen über 20 Minuten Musik – und komplett frei von Downloads und Streaming. Man braucht wirklich ein Kassettenabspielgerät. Und Tempo, denn von den 120 Exemplaren kommen nur 100 in den Vertrieb.

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Beledo – Dreamland Mechanism – Moonjune Records 2016

Von Matthias Bosenick (16.05.2016)

Wer diese Art von Fusion Jazz vorgesetzt bekommt, sie aber nicht gewohnt ist, mag von der schieren Progressivität überfordert sein. Dabei passieren die musikalischen Absonderlichkeiten hier gar nicht so vermeintlich unübersichtlich wie beispielsweise beim Free Jazz; es ist doch etwas dichter am Progrock. Und wer sich für die Hörspielmusik des Europa-Labels der Jahre 1979 bis 1984 begeistern kann, also für Bert Brac alias Carsten Bohn schwärmt und idealerweise auch noch dessen „Brandnew Oldies“ im Schrank hat, bewegt sich mit „Deamland Mechamism“ auf einigermaßen vertrautem Terrain. Mit weltbewegenden Gastmusikern.

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Alfred Hilsberg: Das Zickzack-Prinzip – Talk im Kunstverein Wolfsburg am 12. Mai 2016

Von Matthias Bosenick (13.05.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Alfred Hilsberg ist gebürtiger Wolfsburger? Das wusste ich nicht. Und wer pfeift es vom Dach? Natürlich der Kunstverein Wolfsburg unter Leitung von F.S.K.-Musiker Justin Hoffmann, einmal mehr, nachdem er bereits bei den Müller-Brüdern Max und Wolfgang die Wolfsburger Wurzeln freilegte. Anlässlich des Buches „Das Zickzack-Prinzip“ über Hilsbergs gleichnamiges Label veranstaltet der Kunstverein in seinem „Raum für Freunde“ im Wolfsburger Schloss einen Talk mit Gastgeber Hoffmann, Co-Autor Christof Meueler sowie Anita Placenti-Grau vom Institut für Zeitgeschehen und Stadtpräsentation. Geschichte wird gemacht, wir sind dabei.

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Whispered – Metsutan: Songs Of The Void – Redhouse FMP/Inverse 2016

Von Matthias Bosenick (11.05.2016)

Samurai-Metal. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Sicher ist: Es gibt heutzutage nichts Neues mehr, außer man mixt zwei alte Sachen neu zusammen. Hier also Japan und Metal. Zusammengemixt von vier Finnen. Dabei können die Japaner sowas auch selbst, aber das nimmt man im „Westen“ meistens nicht wahr, außer die Band heißt Babymetal oder spielt in Wacken. Entsprechend westlich fällt der Blick auf japanische Soundelemente hier aus, der Death Metal selbst wiederum ist sehr vertraut und typisch finnisch. Auf diese Spielart muss man schon sehr stehen, um dieses dritte Album nicht als bloßen Witz abzutun.

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Ein Hologramm für den König – Tom Tykwer – D/USA/GB/F 2016

Von Matthias Bosenick (08.05.2016)

Dem Wuppertaler eine Chance geben: Nachdem sich Tom Tykwer in den Neunzigern als experimentell-kreativer Indie-Filmer einen guten Ruf erarbeitete, driftete er spätestens mit der Patrick-Süskind-Verfilmung „Das Parfum“ an die Multiplexkassen. Die Informationen über die Romanverfilmung „Ein Hologramm für den König“ nun erweckten die verschütt gegangene Neugier an dem Regisseur. Die befriedigt der Film indes nur (oder auch: immerhin) zur Hälfte. Gute Dialoge und halbdokumentatorische Clash-of-Culture-Ansichten treffen auf eine willkürliche Handlung; großes Lob trifft auf großes Wehklagen.

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Anthrax – For All Kings – Nuclear Blast 2016

Von Matthias Bosenick (05.05.2016)

Wofür stehen Anthrax im Jahre 2016? Immer noch für latent progressiven Thrash Metal? Oder mehr für Egoprobleme einzelner Mitglieder und das unattraktive ewige Wechselspiel am Mikrofon? Wischt man sein Hintergrundwissen beiseite und legt das elfte Album (in 35 Jahren) vorurteilsfrei ein, stellt man fest: „For All Kings“ ist nett heavy und abwechslungsreich, Joey Belladonnas Stimme nervt nicht, es dringen Energie und eigentlich sogar gute Laune aus den Boxen heraus – aber der Vorgänger „Worship Music“ hatte die geileren Songs. So ist „For All Kings“ eine gelungene Traditionspflege, die nicht enttäuscht, aber auch nicht überrascht.

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Violent Femmes – We Can Do Anything – Add It Up Productions/PIAS 2016

Von Matthias Bosenick (04.05.2016)

Ein neues Album von den Violent Femmes. Noch ein paar Zombies aus der Indieversenkung, die es nochmal wissen wollen. Okay, mal reinhören. Hm. Ist nur eine halbe Stunde lang und klingt genau wie ein Mix der Alben, die das Trio zwischen 1983 und 2000 herausbrachte. Nix Neues also, kein Grund für diese CD. Ist ja alles schon mal da gewesen und sehr vertraut. Also geil. Irgendwie. Verdammt. Die Jungs sind beseelt und haben Bock, den alten Scheiß mit umme 50 nochmal frisch und neu zu reißen. Mit spartanischem Schlagzeug, folkigen Anleihen, Rumschreien und den Horns Of Dilemma. Verdammt, da hat echt was gefehlt in den letzten 16 Jahren. Wie blöd: „We Can Do Anything“ ist mal echt geil geworden.

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Die Arschkrampen: Das Leben ist eine Deponie – Live im Schützenhaus Wesendorf am 25. April 2016

Von Matthias Bosenick, Interviewfoto von Boris Neubrandt (26.04.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Da muss ich erst fast 44 Jahre alt werden und erlebe zum ersten Mal in meinem Heimatdorf, in dem ich 26 Jahre lang gewohnt habe, eine Kulturveranstaltung. Und dann noch so eine gigantische: Die Arschkrampen vom Radio-ffn-Frühstyxradio feiern fröhliches Comeback und treten zum Auftakt der gesamten Tour im Schützenhaus, ähm: Kulturzentrum in Wesendorf auf. Deutschlands wohl wichtigster Medienkritiker Oliver Kalkofe und Deutschlands wohl effektivster Beklopptendetektor Dietmar Wischmeyer reaktivieren ihre alten Figuren Kurt und Gürgen. Und wie: Nach drei Stunden Programm kollabiert bei allen 800 Gästen das Zwerchfell. Und zum Schluss sind die Künstler noch fannah zu Fotos und Gesprächen bereit. Ein Traum.

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Hoax – Alte Liebe rostet nicht! – Hoax 2016

Von Matthias Bosenick (24.04.2016)

Jetzt nochmal in Ruhe: Es gibt neue Studioaufnahmen von Hoax. Ein Vierteljahrhundert nach dem letzten Album „Ohne Mwst.“ und elf Jahre nach der Best-Of „Wunderbar“. Mit drei neuen Songs, einem Remake von „Ophelia“ und dem Cover einer Band, die die deutliche Inspiration unterstreicht: die Ramones. Keine 13 Minuten Mucke, passt auf eine klassische Punk-7“, liegt also voll auf Linie. Denn Punkrock ist die grobe Grundlage für die Songs. Die offenbaren zweierlei: Hoax sind ganz die Alten, man hat sofort den großen Wiedererkennungsmoment, aber – und es wäre schlimm, wenn’s anders wäre – es ist tighter gespielt und produziert. Und der Titel ist Programm.

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