Vasil Hadžimanov Band – Alive – MoonJune/Cargo Records 2016

Von Matthias Bosenick (18.04.2016)

Wer zum Henker ist Vasil Hadžimanov? Und warum sieht auch diese CD so seltsam amateurhaft aus? Und warum ist dann fast konträr dazu das entsprechende Album so restlos großartig?! Also, Vasil Hadžimanov kommt aus Serbien, aber wer auf dem vorliegenden Livealbum Balkanbeats erwartet, liegt komplett daneben. Hier hat man es mit einem irrwitzigen Mix aus Free Jazz, Funk, Progrock, akustisch gespieltem Drum and Bass, Klaviersonaten und irgendetwas Undefinierbarem zu tun. Abenteuerlich, mitreißend, anspruchsvoll, groovy. Man kann nur staunen. Und sollte beim Hören dringend das Cover weglegen.

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Hardcore (Hardcore Henry) – Ilya Naishuller – USA/RUS 2015

Von Matthias Bosenick (18.04.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Alter, wie geil! Krasse Scheiße. Ein Cyborg ist irgendwie unzerstörbar und ballert sich durch Moskau oder sowas, und alles ist mit der Go-Pro gedreht. Achterbahn ist nix dagegen, da stinkt selbst „Gravity“ gegen ab. Henry ist voll in die Fresse und in sonst noch was alles rein, was bei Menschen so wehtut. Story braucht die Schose nicht, dafür ist der Rest mal was geiler. Ein irrer Trip, Mann. Blutig wie Sau, coole Sprüche, aber nicht diese doofe Buddy-Scheiße, das nervt ja. Eher so schwarzer Humor mäßig. Und geile Mucke. Bisschen „Call Of Duty“ und sowas, nur als Film. Warum gibt’s das nicht schon längst? Endlich mal geile Action mit wirklich richtig was Neuem. Und gleich nochmal!

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B4-Festival im Gasthaus Zur Linde, Groß Oesingen, am 9. April 2016

Von Matthias Bosenick (10.04.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Eine Pogo-Party für die ganze Familie: das ist das B4-Festival, ausgerichtet von Hoax und dem Seitenarm Ramones Experience Tribute Band. Beide Gruppen spielen selbst und haben noch sage und schreibe vier Gastcombos dabei. Der Musikmix ist beachtlich: Punkrock, melodischer Oldschool-Thrash-Metal, Pop- und Rock-Cover-Truppen sowie Tanzparty mit Liveschlagzeug. Eine Mischung, bei der wortwörtlich jeder auf seine Kosten kommt, die allerdings definitiv nicht allen gefällt – dafür ist sie viel zu, nun: mutig. Das Wichtigste ist aber, dass der Bereich vor der Bühne permanent in Bewegung ist und dass sich die Gäste wie bei einem Klassentreffen über alte Zeiten unterhalten. Das geht immer gut, wenn Hoax einladen, und zwar beides, und das bis in den frühen Morgen. Geile Party wieder, auch ohne namhaftes Zugpferd dieses Mal.

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Raum (Room) – Lenny Abrahamson – CDN/IRL 2015

Von Matthias Bosenick (10.04.2016)

Das ist also der vielgepriesene „Raum“: Ein niedrigschwelliges Esoterik-liebe-das-Leben-Drama. Ein Wohlfühlfilm auf Kosten von Fällen wie dem von Natascha Kampusch. Das filmgewordene Nachdenkliche-Sprüche-Bild auf Facebook. Was sehr schade ist. Der kleine Junge spielt fantastisch, die Kameraarbeit ist sehenswert, die Konstellation vielversprechend. Doch „Raum“ hält seine Versprechen nicht, aber dafür eine viel zu gerade Linie ein, die Konflikte und Konsequenzen zwar zaghaft andeutet, aber letztlich ausspart. Alles ist harmlos, alles ist überwindbar, alles halb so schlimm. Wird schon. Iss mehr unterschiedliche Burger, dann liebst Du das Leben. Schließlich ist hier ein Kind die Hauptfigur, und darin liegt schon ein erhebliches Maß an inhaltlicher Belanglosigkeit.

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20 Years Of Nattefrost: Various Artists Interpreting Nattefrost – Sireena 2016

Von Matthias Bosenick (25.03.2016)

Krasse Idee: 20 Electro-Ambient-Musiker covern Black Metal! „Blood & Vomit“ im Synthie-Chill-Out-Mix! Ach nee, Moment: Nattefrost gibt es zweimal, einmal als Black-Metal-Combo aus Norwegen und einmal als Vintage-Electro-Projekt aus Dänemark. Sie eint maximal, dass sie jeweils solo unterwegs sind und aus Skandinavien kommen, ansonsten sollte man die Nachtfroste vorsichtshalber nicht verwechseln. Schade, die Idee ist lustig, sich beim Anhören der Trancetracks von „20 Years Of Nattefrost“ vorzustellen, sie wären im Original todesfeierndes Schwarzmetallgekeife gewesen. Doch da der Rezensent den Dänen Nattefrost und dessen Oeuvre nicht kennt, stellt er zunächst immerhin fest, dass die Tributanten, die ebenfalls nicht eben Weltruhm erlangten, eine homogene Arbeit auf Doppel-CD ablieferten. Man kann die zwei Stunden druchhören und erfasst ein einheitliches Soundbild, das sehr zum Entspannen einlädt und in sich doch ausreichend Abwechslung parat hält.

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Soulsplash – Recovery – Timezone 2015

Von Matthias Bosenick (18.03.2016)

Das Debütalbum von Soulsplash macht es mir extrem schwer, muss ich gestehen. Wüsste ich nicht um die Beteiligten, skippte ich (fast) jeden Song weiter. So aber gebe ich der CD eine Chance, und noch eine, und weiß der Geier, wie viele Chancen, und bleibe beim ersten Urteil: Ohne das Wissen um die Beteiligten skippte ich (fast) jeden Song weiter. Einer der Beteiligten ist nämlich Matze Grün, mein Mitstreiter beim „indigo“-Magazin in Wolfsburg vor einem Dutzend Jahren und außerdem früherer Bassist bei Headshot, den Thrashern aus Braunschweig. Daher suche ich nach den Perlen in diesem klassisch gespielten Nu Rock, der eigentlich überhaupt nicht mein Ding ist – und werde natürlich und gottseidank fündig.

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Spotlight – Tom McCarthy – USA 2015

Von Matthias Bosenick (16.03.2016) / Auch erschienen auf Kult-Tour | Der Stadtblog

Spotlight“ ist ein Märchen: über Loyalität und Leidenschaft, über Empathie und für die Sache Einstehen, über unabhängigen Journalismus und die Wahrheit, über stürzende Systeme und Gerechtigkeit. Das Erstaunlichste daran ist: Alles an diesem Film ist (offenbar) wahr! Das lässt von einer guten Welt träumen. Außerdem ist dieser Film fein erzählt, dezent gefilmt und musikalisch angemessen unterlegt, also rundum eine Perle. Auch das ist heutzutage fast schon ein Märchen.

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Harry Payuta – Sweet Gloom – Tribal Stomp/Cargo 2016

Von Matthias Bosenick (08.03.2016)

Schon spannend, was einem gelegentlich in den Briefkasten kommt: Harry Payuta, ein Sitar-Spezialist aus Bremen, präsentiert sein elftes Soloalbum „Sweet Gloom“, das er mit dem Percussionisten Denis Barzaga Ilizastiqui aus Kuba aufnahm, und zwar im Baskenland. Und nichts an dieser Information ist ein Scherz, obwohl das Cover aussieht wie von jemandem gestaltet, der glaubt, dass Albumcover so aussehen, weil er davon mal gehört hat, aber zu faul war, mal zu Recherchezwecken in einen Plattenladen zu gehen, der weiter weg ist als die Drogerie mit ihren Billig-Best-Ofs um die Ecke, und der seinen zwölfjährigen Neffen bat, mal mit Gimp seine Ideen umzusetzen. Das musikalische Ergebnis ist ein irrsinniger Mix: Payuta benutzt die Sitar nicht wie weiland George Harrison auf seinem dritten Drogentrip, sondern wie ein Popsonginstrument, und die Rhythmen dazu erinnern an die Karibik, aber an die latent schwermütige, nicht die hedonistische Vorstellung davon. Krauses Zeug.

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Die Brücke III (Broen/Bron III) – Edel:Motion 2016

Von Matthias Bosenick (07.03.2016)

Das ist also der vermeintliche Abschluss der Trilogie: „Die Brücke“, dänisch-schwedische Vorlage zu „The Bridge“ und „The Tunnel/Le Tunnel“, behandelt obskure, düstere, blutige Kriminalfälle, die in Kopenhagen und Malmö stattfinden und deshalb von einem Ermittlerteam aus beiden beteiligten Ländern gelöst werden müssen. Im Zentrum steht Saga Norén aus Malmö, nur noch, denn in der dritten Staffel fehlt ihr bisheriger dänischer Kollege Martin Rohde. Wie man mit dem Wegfall der Figur umgeht, ist sehr gut gelöst. Saga bekommt mehr Tiefe, es kommen einige interessante Figuren ins Spiel, die Dialoge sind ansprechend – nur das Drehbuch verursacht an vielen Stellen Kopfschmerzen. Doch der letzte Teil entschädigt für alles. Und lässt es sogar zu, dass es irgendwie weitergehen könnte.

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Das Vollplaybacktheater: Die Drei Fragezeichen (2) und der Phantomsee – Live im Theater am Aegi, Hannover, am 1. März 2016

Von Matthias Bosenick (02.03.2016)

Während Hannover 96 in einem Dienstagsspiel der Fußballbundesliga der Herren mit dem VfL Wolfsburg als Kontrahent gegen den Abstieg ankämpfte, trat das Vollplaybacktheater nur wenige Meter weiter zum bereits zweiten Mal auf seiner Comebacktour mit dem zweiten Drei-Fragezeichen-Hörspiel „…und der Phantomsee“ im ehrwürdigen und trotz des massentauglichen Parallelprogramms wieder rappelvollen Theater am Aegi auf. In der Halbzeit, wohlgemerkt: des Stückes, nicht des Spiels, blickte der Nebenmann auf seinen Liveticker im Mobiltelefon und stellte beim Rückstand der Hannoveraner von 0:3 fest: „Hier her zu kommen, war die richtige Entscheidung.“ Je nachdem, für wen man hält, dachte sich der dies schreibende Braunschweiger und nickte verständnisvoll. Am Ende verloren die Gastgeber 0:4, dafür war das Theaterstück wenigstens oberes Mittelfeld der Ersten Liga. Und der Rezensent war vermutlich der einzige, der nach dem Schlusspfiff beider Veranstaltungen an einer Ampel von im Auto vorbeirollenden VfL-Fans erkannt wurde.

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