Goethes Erben – Rückkehr ins Niemandsland – Genom 2014

Von Matthias Bosenick (27.11.2014)

Mit Goethes Erben wird Oswald Henke offenbar niemals so richtig fertig, auch wenn er das immer wieder betont. Seit acht Jahren ruhen die Aktivitäten dieser in Gruftikreisen der „Neuen Deutschen Todeskunst“ zugeordneten Band, aber in jüngster Zeit ist Henke unter dem alten Namen wieder auf Bühnen unterwegs, anlässlich des 25. Geburtstags der Erben. Wer sich vorab zum Kauf verpflichtete, erhielt eine Doppel-DVD von der Jubiläums-Show, „Rückkehr ins Niemandsland“, auf der der Fan zwei Stunden Goethes Erben live mit dem typischen theatralischen Gestus des Lyrikers und Schauspielers Henke findet. Man kann natürlich diskutieren, ob man Henkes Anti-Erben-Haltung und Doch-noch-Rückkehr ernst nehmen kann. Interessanter ist jedoch, wie man als Herausgewachsener selbst mit der musikalischen Zeitreise umgeht.

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Gojira – Les enfants sauvages – Roadrunner 2014

Von Matthias Bosenick (09.04.2014)

Roadrunner, das Label der besonders limitierten Sondereditionen, veröffentlicht das dritte Live-Dokument von Gojira. Kann man verstehen, denn die Franzosen brachten in 20 Jahren erst fünf Studioalben heraus, da hat man es als Label schon schwer, die Kuh zu melken, insbesondere, wenn sie bei der Zielgruppe so einen guten Ruf hat. Den hat sie berechtigt: Gojira machen abwechslungsreichen und (man muss das Industriewort hier verwenden) innovativen Death-Black-Metal mit Groove, Tapping, Melodien und Umweltschutzthemen. „Les enfants sauvages“ belegt das in aufwändiger Verpackung.

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Stop Making Sense – Jonathan Demme & Talking Heads – USA 1984

Von Matthias Bosenick (20.01.2014)

Dieser Text ist auch erschienen auf der Seite des Café Riptide.

Freitag, 17. Januar

Was Braunschweig schon wieder für ein Glück hat. Eigentlich war es vom Verleih anscheinend gar nicht vorgesehen, den Film „Stop Making Sense“ im Kino wiederaufzuführen. Am 27. Februar erscheint Jonathan Demmes 1984 erstmals gezeigter Konzertfilm über die Talking Heads zwar als Neuauflage auf DVD und BluRay, aber nicht für den Kinobetrieb. Außer, man hat es mit dem Universum-Kino zu tun, genauer: mit Beate, die die Sound-On-Screen-Reihe mit dem Riptide organisiert. Für die Januar-Ausgabe der Reihe holte sie sich aus New York die Erlaubnis, „Stop Making Sense“ zum 30. Geburtstag des Films doch noch mal auf großer Leinwand zur vollen Entfaltung zu bringen. Und Braunschweig weiß diese Initiative zu würdigen: Schon Tage im Voraus ist der Film ausverkauft. Das ist erst das ungefähr fünfte Mal, dass ein Sound-On-Screen-Film bis zum letzten Platz belegt ist.

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Devin Townsend – The Retinal Circus – InsideOut/Universal 2013

Von Matthias Bosenick (04.10.2013)

Whoa, gigantisch! Vom ersten Ton an bläst einen dieser Konzertmitschnitt in den Sitz. So also kann Heavy Metal klingen, so vielfältig und gutgelaunt wie bei Devin Townsend. Der feierte 2012 sein 20-jähriges Bühnengebaren in London mit einer Best-Of-Setlist und einer zirkusreifen Artistikshow. Das Ganze fügt der Maestro in eine Story ein, die zweieinhalb Stunden dauert und nicht für eine Sekunde langweilt. Das ist größtmögliches Kino.

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Nitzer Ebb – Live At The Markthalle – Major Records 2012

Von Matthias Bosenick (29.12.2012)

Mal ehrlich, Douglas McCarthy ist eine der coolsten Säue unter der Sonne. Mit seiner Pornosonnebrille und im schwarzen Anzug tobt der 46-Jährige über die Bühne – eigentlich abstoßend, diese Vorstellung, insbesondere, wenn man weiß, dass er sich dabei zwischendurch auch mal sinnlich mit der Hand über den Schritt fährt, aber hey: Der darf das, dem steht das, der ist cool. Die Musik auch, wenngleich die, trotz zweier Bühnenmusiker (Bon Harris, Jason Payne), die auch an der letzten CD beteiligt waren, schließlich sind sie Bandmitglieder, so klingt, als käme sie aus der Konserve. Macht nix, die DVD feuert zur Party an, wie es das Konzert selbst offensichtlich auch tat.

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LCD Soundsystem – Shut Up And Play The Hits – Will Lovelace & Dylan Southern – USA 2012

Von Matthias Bosenick (07.12.2012)

James Murphys kleines Bandprojekt LCD Soundsystem stach von Anfang an aus der Masse der Nullerjahrebands heraus. Murphy war bereits erwachsen, als er das Projekt ins Leben rief, und nicht minder erwachsen war seine Entscheidung, es auf dem Höhepunkt des Ruhms zu beenden. Furios gar, mit einem dreieinhalbstündigen Konzert im New Yorker Madiscon Square Garden. „Shut Up And Play The Hits“ begleitet Murphy rund um den 2. April 2011, den emotional bewegenden Schicksalstag dieses Konzertes. Die DVD beinhaltet als Bonus das gesamte Konzert, das mit noch mehr wundervollen Momenten bespickt ist, als der Film zeigt. Alles großartig, bis auf das Ende.

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Gojira – The Flesh Alive – Rough Trade 2012; Gojira – L’enfant sauvage – Roadrunner 2012

Von Matthias Bosenick (15.07.2012)

Da jubelt das Herz. Man entdeckt eine bereits etablierte Band für sich neu, von der man über Umwege hörte, kauft sich blind eine Live-Doppel-DVD, und sofort, ab dem ersten Ton, ist man mittendrin und hat das Gefühl, das schon immer gewesen zu sein. Die Musik von Gojira ist vertraut, von vorn bis hinten, und man weiß gar nicht, warum es einem so geht, schließlich kann man sie nicht kennen. Gojira ist eine Band aus Frankreich, die Metal macht, und zwar progressiven Death und Thrash Metal. Anders als andere eher schwer zugängliche Vertreter dieser Mischung lassen Gojira Strukturen zu, die sie dem Pop entnehmen, und mischen sie mit ihrer metallenen Vision. Die Rechnung geht aber sowas von auf. Und Joe Duplantier hat aber auch eine geile Stimme. Und überhaupt ist alles an Gojira vertretbar.

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The Chemical Brothers – Don’t Think – Parlophone/EMI 2012

Von Matthias Bosenick (09.05.2012)

„Don’t think“, lassen die Chemical Brothers sagen, „just let it flow“, und gefühlte Abermillionen von Japanern halten sich daran. Beim Fuji Rock Festival ließ das Bigbeat-Duo einen Auftritt mitfilmen und die Kameras dabei besonders aufs Publikum halten. Frenetisches Schreien, verzerrte Gesichter, ausgelassenes Tanzen – das japanische Publikum lässt alles raus, was es im Alltag offenbar unterdrücken muss. Und die Chemical Brothers entlocken es ihm.

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