Akasha Project – Live im Savoir Vivre, Garten der Musikschule Braunschweig, am 12. August 2020

Von Matthias Bosenick (13.08.2020)

Wenn Laut und Schrill zusammenkommen, wird es paradoxerweise chillig: Barnim Schultze feiert unter seinem Alias Akasha Project die Perseiden, also das größte Sternschnuppenaufkommen des Erdenjahres, mit seiner kosmischen, spacigen Ambientmusik, live von abends um halb zehn bis morgens um zwei. Wie zuletzt üblich bedient er dabei die Kosmische Oktave nach Hans Cousto, was man als Uneingeweihter zwar nicht wahrnimmt, der Künstler im Vortrag jedoch erläutert und in seiner Kunst in Licht und Ton unterbringt. Das Ambiente für seinen Ambient ist perfekt, ein schöneres Konzerterlebnis kann man sich kaum ausmalen, und Wolken, was soll’s, unter den Bäumen kann man eh nicht auf den Himmel gucken, die Augeninnenlider tragen ebenfalls Sterne, alles andere ist schnuppe.

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Shake Up The Monster Vol. 2: UK Subs und Hoax live im Schützenhaus Schweimke, 21. Januar 2020

Von Matthias Bosenick (22.01.2020)

War die Erstausgabe des Festivals „Shake Up The Monster“ vor fünf Jahren in Groß Oesingen noch vom Geist der Nostalgie beseelt, dominierten bei der Fortsetzung eine kraftvolle Gegenwartsverankerung bei den UK Subs und ein in die Zukunft gerichteter Blick bei den Gastgebern Hoax. Geblieben sind die Klassentreffenatmosphäre, ein hochgradiger Partyspaß bei fantastischer, vom Punk ausgehender Musik sowie die Ungläubigkeit über die Tatsache, dass 500 Leute mitten in der Woche den Weg in die Provinz fanden – ins Schützenhaus in Schweimke, Gemeinde Obernholz, Samtgemeinde Hankensbüttel, Landkreis Gifhorn, südliche Lüneburger Heide, zwischen Wierstorf und Bottendorf, knapp dort, wo sich das Meer von der Erdkante ins All stürzt.

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Shihad – Live in The Garage/G2 in Glasgow am 27. November 2019

Von Matthias Bosenick (29.11.2019)

Was für ein Gig! Das dürfte sich in die Top 5 der eindrucksvollsten Konzerte aller Zeiten einbrennen. In Neuseeland sind Shihad große Helden, in Europa beinahe unbekannt, und wenn sie in Glasgow nach 24 Jahren Abstinenz vor kaum 100 Leuten rocken, geben sie so sehr alles, als wären es über 1000. Anlass für den ersten Trip nach Europa seit neun Jahren ist der 30. Geburtstag der Band, und den zelebrieren Shihad mit einem Rückblick auf fast alle Alben, nur – und das haut am meisten um – teilweise noch deutlich härter als auf CD. Und mit Fanknuddeln zum Abschied sowie der Aussicht auf ein neues Studioalbum inklusive möglicher Gigs in Deutschland. Rock‘n‘Roll!

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Der Weg einer Freiheit – Live im Bei Chéz Heinz in Hannover am 8. November 2019

Von Matthias Bosenick (10.11.2019)

Linden, das Braunschweig von Hannover. Der linksalernative Veranstaltungsort mit dem charmanten Namen Bei Chéz Heinz ist dort unter einem Schwimmbad gelegen und bietet entsprechend wenig Kopffreiheit. Bei dem Konzert der Post-Black-Metal-Instanz Der Weg einer Freiheit und den zwei Supportern Praise The Plague und A Secret Revealed staken die Pommesgabeln mithin in der Decke. Und Anlass gab es zuhauf, die ausgestreckten Finger zu recken, aber nicht weniger, sich einfach in der brutalen Ambientmusik fallen zu lassen.

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Open Arsch (Closed) – Acht Bands live im Kulturzentrum Hallenbad in Wolfsburg am 19. Oktober 2019

Von Matthias Bosenick (21.10.2019)

Und über allem schwebte der Geist von Knotke. Der Schlagzeuger der Trottelkacker verstarb im vergangenen Jahr, und da Die Trottelkacker in den Neunzigern die maßgeblich für das Open Arsch verantwortliche Band waren, bezogen sich viele der an diesem Festivalrevival beteiligten Musiker auf diese Größe der Velpker Subkultur. Schlagzeuger Paul, mit gleich zwei Bands eine Klammer um alle Auftretenden bildend, organisierte dieses Klassentreffen, aus Altersgründen jedoch nicht in Rümmer auf der Schweineweide wie noch vor 20 Jahren, sondern im Kino des Kulturzentrums Hallenbad, also im einstigen Kaschpa, was ja auch passt. Acht Bands mit direktem Open-Arsch-Bezug machten an dem Abend den größten Unterschied zu damals deutlich: Seit den Neunzigern lernten sie alle, ihre Instrumente zu beherrschen und noch grandiosere Songs zu komponieren und zu arrangieren als damals, als sie alle noch Amateure waren. Open-Arsch-Momente gab es dennoch zahllose. Gabuze!

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Clawfinger – Live im WestAnd Braunschweig am 4. Oktober 2019

Clawfinger: Zak Tell surft Crowd
Clawfinger: Crowd surft selbst
Clawfinger: Flasht!
WestAnd: Die Bar auf der Empore
WestAnd: Der Saal
WestAnd: Die Empore von unten
Freezes Deyna: Die Vorband

Von Matthias Bosenick (07.10.2019)

Das war also der Einstand des neuen Braunschweiger Veranstaltungsortes WestAnd als Konzerthalle, und vermutlich lösten nicht wenige auch genau deshalb ein Ticket für die partiell belächelte Crossovercombo Clawfinger, die seit einem Dutzend Jahren keine neue Platte veröffentlichte, in den Neunzigern aber diverse Indieclubhits geliefert hatte. Bands dieser mittleren Größenordnung waren seit ungefähr derselben Zeit nicht mehr in der Stadt, weil es keine Venues für sie gab, und also kamen an diesem Braunschweiger Abend diverse Interessen zusammen. Und, Überraschung: Keines wurde enttäuscht. Das WestAnd funktionierte wie geschmiert und die Band machte mit ihrem „Rapmetal“ zwar erwiesenermaßen keine Qualitätsmusik, aber dafür eine grandiose Party.

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Brass Against – Live im MusikZentrum Hannover am 12. Juni 2019

Von Matthias Bosenick (13.06.2019)

Im Projektnamen ist das mittlerweile erweiterte Konzept hinterlegt: Brass Against begannen ihre Karriere damit, die Hits von Rage Against The Machine mit Blasinstrumenten nachzuspielen. Längst erweiterten die New Yorker ihr Repertoire um weitere Neunziger-US-Indie-Hits und holen so das Altstadtfest-Coverband-Feeling in die kleinen alternativen Clubs, sehr zur Freude der Übervierzigjährigen, die die Originalinterpreten nicht live erwischen können. Der Blechblassound pumpt ordentlich, die Sängerin erfüllt den Tatbestand der Rampensau, der Spaß ist abendfüllend und die Frage nach der grundsätzlichen Relevanz von Coverbands immanent.

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Die Müller-Verschwörung – Live in Harrys Bierhaus, Braunschweig, am 16. März 2019

Von Matthias Bosenick (18.03.2019)

Müller und die Platemeiercombo ist tot, es lebe die Müller-Verschwörung, die aus grafischen Gründen im Original ohne Bindestrich auskommen muss. Da Heil und Plate keine Zeit mehr haben, reformierte Müller mit Meier die Combo und holte sich Roland Kremer als neuen Sänger sowie Olli als neuen Schlagzeuger dazu. Damit hat man trotz gelegentlichen Rückgriffen auf die Platemeierdiscographie eine neue Band vor sich und muss sich damit arrangieren, dass nun einiges anders ist. Die größte Veränderung liegt im Gesang und in der Folge daraus in den Texten. Es bleiben die außergewöhnlichen Rhythmen und Kompositionen, die psychologisch fundierte linke Haltung und mit jedem Konzert nicht nur eine amtliche Mitwippgarantie, sondern ein Anlass für die zahlreiche Gefolgschaft zur Zusammenkunft. Und Harrys Bierhaus bietet dafür genau die richtige Kulisse.

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Soundtrack WOB: Abschlusskonzert – Halle 54, Steamgenerator, Disco Mutante und Intercool live im Hallenbad Wolfsburg am 9. März 2019

Von Matthias Bosenick (11.03.2019)

„Scheiß auf die Stadt, aber ich liebe die Leute“: Uwe Meyer, Sänger von Halle 54, bringt auf den Punkt, was der Abend, die Ausstellung, die Existenz von Subkultur in Wolfsburg transportieren. Mit diesen kleinen Festival rundet Organisator und Wolfsburgsfinest-Blogger Torsten Schitting die gefeierte Ausstellung „Soundtrack WOB“ ab, mit der Kurator Dr. Arne Steinert seit Oktober 2018 im Stadtmuseum der Wolfsburger Bevölkerung verdeutlichte, dass es in der Volkswagenstadt sehr wohl kulturelle Abweichungen vom schichtgetakteten Mainstream gibt. Die Gigs von Halle 54, Steamgenerator, Disco Mutante und Intercool und die sympathische Atmosphäre im früheren Kaschpa unterstrichen, wie relevant diese Subkultur für die Stadt ist und dass sowohl Protagonisten als auch Konsumenten glücklich zu schätzen wissen, was da passiert, sobald etwas passiert. Seligmachend, bewegend!

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Treedeon & The Moth – Live im Nexus in Braunschweig, 17. November 2018

Von Matthias Bosenick (18.11.2018)

Ein schönes Doppelpack an Sludge und Doom kredenzte da das Nexus: Treedeon und The Moth loteten die verschiedenen Enden der heruntergestimmten Gitarrenbrettskala aus. Während Treedeon quasi einmal am Stück in die Fresse hieben, schlugen The Moth eher von verschiedenen Seiten unvermittelt zu. Mit Yvonne Ducksworth stand bei Treedeon überdies eine verdiente Veteranin des Punkrock auf der Bühne: Sie war 25 Jahre lang Gesicht und Stimme von Jingo de Lunch.

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