The Sandmen – Himmelstormer – 500% Records 2019

Von Matthias Bosenick (11.02.2020)

Helden der Hymne! Auf „Himmelstormer“ greifen The Sandmen zurück in die Vergangenheit, aber nicht in ihre eigene: Die Rockband aus Dänemark integriert Sounds und Strukturen aus den Achtzigern in ihre Songs, die sie selbst zu der Zeit gar nicht verwendeten. Nicht nur damit emanzipieren sie sich von ihrer eigenen Historie: „Himmelstormer“ ist das zweite Album auf Dänisch und das erste auf ihrem eigenen Label 500% Records, benannt indes nach einem Song auf ihrem Album „Western Blood“ von 1988. „Himmelstormer“ ist wie ein attraktives Radioprogramm: unterschiedliche Stile, mal rockend, mal tanzbar, mal balladesk, und immer mit Ideen im Sound, die andere an der Stelle nicht gesetzt hätten. Gelungen!

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Hoax – Shake Up The Monster – Hassköter Production 2019

Von Marc Lücke (02.02.2020)

Mit einer 10-Track-CD meldeten sich im Dezember die Punkrock-Veteranen Hoax zurück. Das Album trägt den Namen des Konzerts, das Ende Januar im Gifhorner Nordkreis zusammen mit den legendären UK Subs aus England statt fand. Ort des rockigen Ereignisses war Schweimke bei Hankensbüttel. Insgesamt acht Musiker sind an der CD beteiligt, drei davon gehörten schon der Hoax-Urbesetzung aus den 80er Jahren an: Sänger Vincent Banane, Ex-Drummer Hüni Banane (Vocals) und Gitarrist Münki Banane, der schon 1982 im Gründungsort Groß Oesingen in die Seiten griff und seinerzeit mit seiner selbst gebauten doppelhalsigen Klampfe in der BRAVO zu sehen war.

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A Secret Revealed – Sacrifices – Lifeforce Records 2019

Von Matthias Bosenick (28.01.2020)

Wenn eine Doppel-LP schon so geil beginnt, ist der Zugang leicht, und wenn sie dann auch noch viel geiler weitergeht, ist die Platzierung in der Jahrestopliste gesichert. Ausgehend von einem staunend verfolgten Konzert, war die Neugier auf A Secret Revealed groß, und das zweite Album „Sacrifices“ der Würzburger ist weit mehr als das, was sie selbst mit dem Etikett „Post-Metal“ bekleben. Da stecken Black Metal, Hardcore, Djent und Achtziger-Thrash mit drin. Ein Fest!

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The Cure – 40 Live – Eagle Vision/Universal 2019

Von Matthias Bosenick (24.01.2020)

Mit gleich zwei überlangen Livekonzerten feiern The Cure ihren 40. Geburtstag und decken damit ihre komplette Discographie ab. Konzeptbedingt: Der erste Gig namens „Curætion25” beinhaltet je einen Song von jedem Album, zunächst von alt nach neu und dann wieder umgekehrt, und der zweite Gig mit dem schlichten Titel „Anniversary” berücksichtigt zusätzlich zu den wenigen Überschneidungen auch die Hits und Lieblingsstücke, die The Cure ansonsten noch so anzubieten haben. Die gegenwärtige Band spielt sich tight und originalgetreu vom Postpunk über Wave, Disco, Shoegaze, Manchester-Rave, Rock bis Pop durch das vielfältige Oeuvre der Paradegruftband. Die können’s noch!

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Underworld – Drift Series 1 – Caroline International 2019

Von Matthias Bosenick (14.01.2020)

Kann man mal machen: mal eben sieben Stunden neue Musik am Stück veröffentlichen. Wobei, so richtig korrekt ist das nicht, sammeln Underworld doch auf „Drift Series 1“ diverse EPs, die sie das ganze Jahr über schon digital unter die Leute warfen. Und wie das so ist bei einem solchen Output, klingen nicht alle Tracks wie voll ausformuliert: Da hätten sie die Menge der Ideen auf weniger Stücke verteilen sollen. Für den schmalen Geldbeutel gibt es ein Konzentrat als Ein-CD-„Sampler Edition“, die man in Kenntnis sämtlicher Tracks für sich vermutlich latent anders zusammengestellt hätte. Es bleibt ein rekordverdächtiges Mammutwerk (nur verdächtig, Autechre etwa veröffentlichten mit den „NTS Sessions“ etwas mehr auf einen Schlag) mit neunzigerbezogenen Technotracks und diversen, auch jazzigen Spielereien abseits des Weges.

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AVA Trio – Digging The Sand – Marocco Music 2019

Von Matthias Bosenick (13.01.2020)

Mediterrane Folklore und freier Jazz: Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Musik des AVA Trio, und das ist verwirrenderweise in den Niederlanden angesiedelt. Aber die Musiker selbst stammen aus Mittelmeerregionen, aus der Türkei und aus Italien nämlich. Der europäischen und orientalischen Folklore entnimmt das Trio das Rhythmische, dem Jazz das Freie: „Digging The Sand“, das zweite Album der Band, ist zugänglich und warmherzig, experimentell und groovend.

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Alcest – Spiritual Instinct – Nuclear Blast 2019

Von Matthias Bosenick (02.01.2020)

Drei Jahre nach „Kodama” klingt das Nachfolgealbum nicht nach seinem Titel, „Spiritual Instinct“: Alcest kehren dem melodiösen Pop-Postrock häppchenweise den Rücken und wenden sich wieder dem Metal zu. Die Genrebezeichnungen Blackgaze oder gar Black Metal mag keiner der beiden Franzosen, doch sind sie nicht ganz von der Hand zu weisen. Ein paar Pfund mehr auf den Rippen stehen dem Sound jedenfalls gut. Spannend sind überdies die drei Bonus-Tracks der Vinyl-Buch-Version: Da hält plötzlich industrielle Elektronik Einzug.

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Simple Minds – Live In The City Of Angels – BMG 2019

Von Matthias Bosenick (17.12.2019)

Das Vierzigjährige feiert man als ausgewiesene Liveband natürlich mit einem Livealbum, das machen Killing Joke und The Cure auch so. Und mit einer Best-Of, das machen OMD auch so. Die Schotten Simple Minds knüpfen mit ihrer Konzertmitschnitt-Variante an ihr erstes Livealbum von 1987 an – und erreichen es trotz erweiterter Opulenz nicht annährend. Sie haben gute Songs, aber offenbar vergessen, dass sie auch Musiker sind, nicht nur Dienstleister. Die wenigen Besonderheiten hätten sich auch auf einer kürzeren Einzel-CD zusammenfassen können, der Rest ist verzichtbar, weil viel zu vertraut. Da gibt es weit bessere Livealben von denen.

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Swans – Leaving Meaning – Mute/Young God Records 2019

Von Matthias Bosenick (09.12.2019)

Die Swans sind wieder da! Einmal mehr reaktiviert Michael Gira seine wundervolle monotone Lärmtruppe und veröffentlicht als einer der wenigen Künstler überhaupt nach einer Reunion relevante neue Musik. „Leaving Meaning“ skelettiert den Sound, den die Swans bis vor dem jüngsten Split machten: Das Album ist repetetiv und monoton, aber aufgrund vielzähliger besonderer Elemente enorm einnehmend, und lässt dem Lärm nur noch wenig Raum. Das Doppelalbum gehört in die Top-3 des laufenden Jahres.

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Spezial: Addicted/noname Label aus Moskau, Teil 3

Zum dritten Mal sei hier ein Stapel CDs aus Moskau empfohlen, den das Label addicted/noname auf die lange Reise schickte. Bands wie Ciolkowska, Detieti, Dekonstruktor, Disen Gage, Kshettra, Ил, Soom, Thy Grave und Megalith Levitation. Sämtliche Musik gibt es auch auf der Bandcamp-Seite des Labels zum Download. Grüße an Anton aus Moskau und danke für diese grandiosen Empfehlungen!

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