Straight Shooter – 4 Alben – Sky Records/Sireena 1978-1983/2022

Von Matthias Bosenick (20.07.2022)

Was buddeln die Leute von Sireena denn jetzt wieder aus? Straight Shooter, eine Hardrockband aus Düsseldorf, die zwischen 1978 und 1984 aktiv war. Vier von fünf Alben veröffentlichen die Bremer nun verteilt auf zwei CDs und lassen offen, warum das zweite Album nicht dabei ist. Man begleitet das wechseln besetzte Quin- bis Sextett chronologisch eigensinnig auf seinem Weg vom tighten Orgelrock zur Discofizierung und mithin zur Auflösung, weil sich dann doch nicht so viele Leute für diese Transformation begeistern konnten. Als Zeitdokument sind diese beiden CDs aufschlussreich und bergen so manche Perle, die offenbar sogar in lokalen Barfußtanzdiscos zu Clubhits wurden. Ah nee, der Song war ja auf dem zweiten Album. Dennoch: Es geht geil los mit ausufernd georgeltem Hardrock, der sich international gar nicht zu verstecken gebraucht hätte.

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Miranda Lambert – Palomino – Sony Music 2022

Von Guido Dörheide (04.07.2022)

Egal ob solo oder zusammen mit Ashley Monroe und Angaleena Presley in der gemeinsamen Country-Supergroup Pistol Annies – ein neues Album von Miranda Lambert wird von mir immer mit großer Spannung erwartet und hat mich noch nie enttäuscht – im Gegenteil, sowohl die Pistol Annies als auch Lambert solo werden von Veröffentlichung zu Veröffentlichung immer besser. Der Einstieg in Lamberts Werk war für mich vor einigen Jahren der Song „The House That Built Me“ vom 2009er Album „Revolution“, der in dem Rolling-Stone-Artikel „50 Country Albums Every Rock Fan Should Own“ als möglicherweise bester Country-Song des noch jungen Jahrhunderts bezeichnet wurde und dadurch mein Interesse weckte. „The House…“, einen wunderschönen, sentimentalen Song über Lamberts Elternhaus und ihre Gefühle gegenüber ihren Eltern, habe ich seitdem gefühlt Hunderte von Malen gehört und es niemals geschafft, am Ende nicht zu heulen wie am Spieß.

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Kreator – Hate über alles – Nuclear Blast 2022

Von Guido Dörheide (28.06.2022)

Kreator. Von den großen 4 des Teutonic Thrash Metal die Allergrößten. In meinen Augen größer, als Metallica es je werden können. OK – Metallica haben den (in meinen Augen allereinzigsten) Vorteil, dass sie seit dem Rauswurf des begnadetsten, wenn auch bescheuertesten Thrashmetalgitarristen der gesamten Bay Area ihr Line-up nur einmal gezwungenermaßen geändert haben, und das war, als der Bassist Cliff Burton infolge eines supertragischen Tourbusunfalls verstorben ist. Und durch den wahrhaft großen Jason Newsted ersetzt wurde, mit dem Metallica ihr letztes gutes Album (nein Matze – nicht das Schwarze [der Ansicht bin ich auch gar nicht, Anm. d. Matze]) aufgenommen haben. Der spätere Abgang von Newsted und sein Ersatz durch Rod Gonzales oder wie der heißt läuft m.E. nur noch unter Ferner Liefen. Aber ich schweife ab: Kreator sind natürlich in erster Linie Mille Petrozza. Und das reicht erstmal völlig aus. Und neben Mille klebt der wahnsinnige Ausnahmeschlagzeuger Jürgen „Ventor“ Reil im Line-Up der Band wie eine Tube Pattex – nur in den 90ern war er mal für ca. zwei Jahre nicht dabei. Und das ist der Hammer – normalerweise sind es die Schlagzeuger, die ob ihrer harten körperlichen Maloche am Schnellsten verschleißen (siehe beispielsweise Phil Collins).

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Ivan Nahem + ex->tension – Crawling Through Grass – Arguably Records 2022

Von Matthias Bosenick (22.06.2022)

Wenn Noiserocker andere Stecker einstöpseln: Das neue Solo-Album von Ivan Nahem aus New York, der seit Ende der Siebziger in diversen Bands und Projekten von Ritual Tension, Carnival Crash bis Swans die stromgitarrenbefeuerte Lärmmusik mitgestaltet, fördert eine überraschende andere Seite des Yoga-Lehrers zutage: „Crawling Through Grass“ ist Ambient, und wer Ambient weitgefasst kennt, weiß, dass diese chillige musikalische Spielart auch Lärm beinhalten kann, nur sanfter, gern als Drone getarnt, mit Field Recordings und Improvisationen versetzt, mitnichten ein langweiliger Soundteppich mithin, und genau so verhält es sich bei diesem Album. So richtig solo ist es auch nicht, Nahem holte sich teilweise via Internet satte zwei Handvoll Gäste dazu, die mit ihm durchs Gras krabbeln. Und wie schön es dort ist!

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Vinterdracul – The Lee Variations – Canticle Throe 2022

Von Matthias Bosenick (21.06.2022)

Mit einem guten Witz fängt das neue Vinterdracul-Album an: Der erste Track auf „The Lee Variations“ heißt nämlich „End Scene“. Das Duo aus Baltimore bindet alles in sein Vampirkonzept ein, bei dem titelgebenden Lee handelt es sich wahlweise um den Schauspieler Christopher oder um eine Figur aus „The Vampire Diaries“. An die Sisters Of Mercy angelehnten Black Metal wollen Weirding Batweilder und Jean Farriage machen, wie sich die Musiker themengerecht nennen, doch – nun: Die Musik ist ein relativ proberaumiges Gerumpel mit einem enervierenden Geschrei als Gesang. Es fällt schwer, das Album durchzuhalten und die möglichen guten kompositorischen Ideen herauszufiltern; es gibt sie, durchaus, man braucht aber Durchhaltekraft, der Mucke auf den Zahn fühlen zu wollen, sonst beißt man sich die Zähne aus.

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The Waterboys – All Souls Hill – Cooking Vinyl 2022

Von Guido Dörheide (18.06.2022)

Remember Mike Scott? Der eine und einzige Mike Scott, der auf den früheren Waterboys-Albumcovers immer so aussah, als könnte er auch bei Echo und den Bunnymen mitmachen? Ich erinnere mich noch genau an „A Pagan Place“, mit Mike Scott vorne drauf, damals, in Gifhorn in der „Plattenkiste“, und Mike Scott sah einfach toll darauf aus. Genau dieser Mike Scott hat ein neues Album draußen (das macht Mike Scott sehr oft, ich weiß), und es ist ebenfalls apselut toll.

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Tedeschi Trucks Band – I Am The Moon: I. Crescent – Fantasy 2022

Von Guido Dörheide (17.06.2022)

TTB haben im vergangenen Jahr das Husarenstück unternommen, „Layla And Other Assorted Lovesongs“ von Eric und den Dynamos, äh sorry, Derek & The Dominos von der ersten bis zur letzten Note live nachzuspielen und – als wäre das nicht vermessen genug – auch noch eine Live-CD von dem Spektakel zu veröffentlichen. Dabei haben sie sich keinesfalls blamiert, sondern dem Jahrtausendwerk von Eric Clapton und Duane Allman zahlreiche neue, hinreißende Aspekte abgewonnen, und dass die gesangliche Leistung von Susan Tedeschi, Mike Mattison und einigen Gastsängern (allen voran Trey Anastasio von Phish) in einer komplett anderen Liga spielt als diejenige Claptons, sollte wohl niemanden ernsthaft verwundert gehabt haben. Und Tedeschis bester Ehemann von allen, Derek Trucks, hat sich auf dem Bluesgitarrenolymp ohnehin längst minnichstens einen Platz zu Füßen Allmans und dem angesichts gently weepender Slidegitarren nicht fehlen dürfenden George Harrison erarbeitet. Und spielt den ebenfalls noch lebenden Clapton in meiner humpelnden Meinung komplett und nachhaltig an die Wand.

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!!! – Let It Be Blue – Warp 2022

Von Matthias Bosenick (16.06.2022)

Es ist bei jedem neuen Album von !!! so, dass man sich nur noch mehr damit arrangieren muss, dass es nicht mehr so klingt wie zu Zeiten des selbstbetitelten Debüts bis zu „Myth Takes“ 2007: Von der einstigen Tanzkapelle mit handgespieltem progressivem und drogeninduziertem Discosound ist so gut wie nichts mehr übrig, die Band ist längst synthetisch geworden und passte sich in Sound und Melodie streckenweise sehr dem Zeitgeist an. Auf „Let It Be Blue“, Album Nummer neun, klingt nichts nach melancholischen Beatles, dafür aber nach zackiger Housemusik und nach Latin-Pop. Es wird sicher wieder eine Weile dauern, bis man hier als Altfan seine Perlen findet. Die gibt es durchaus, es sind grandiose Songs enthalten, nur ein durchgehend überzeugendes Album bekommt man aus Sicht von vor 20 Jahren von !!! leider schon lang nicht mehr.

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Ælmā – The Beings Of Mind Are Not Of Clay – Toten Schwan Records 2022

Von Matthias Bosenick (09.06.2022)

Dunkler geht Musik kaum, und trotzdem ist sie auf „The Beings Of Mind Are Not Of Clay“ wohligwarm: Die Drone-Bassistin Elena M. Rosa Lavita und der Industrial-Experimental-Musiker Marco Valenti, auch bekannt als Cameraoscura, tun sich zum Projekt Ælmā zusammen, um mit ihrem Instrumentarium in zwei ausgedehnten Tracks gesangsfrei über das Wesen des Menschen zu sinnieren. Zu so richtig positiven Ergebnissen kommen die beiden nicht, doch anstatt darüber sauer zu sein und die Keule zu schwingen, versinken sie in Depression und dronen vor sich hin – und das ausgesprochen ansprechend hörbar.

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