Spezial: Addicted/noname Label aus Moskau, Teil 3

Zum dritten Mal sei hier ein Stapel CDs aus Moskau empfohlen, den das Label addicted/noname auf die lange Reise schickte. Bands wie Ciolkowska, Detieti, Dekonstruktor, Disen Gage, Kshettra, Ил, Soom, Thy Grave und Megalith Levitation. Sämtliche Musik gibt es auch auf der Bandcamp-Seite des Labels zum Download. Grüße an Anton aus Moskau und danke für diese grandiosen Empfehlungen!

Weiterlesen

Sacred Son – Arthurian Catacombs – Sacred Son 2019

Von Matthias Bosenick (18.11.2019)

Aus seinem Soloprojekt machte der Engländer Dane Cross in nur zwei Jahren eine komplette Band: Nicht nur deshalb klingt „Arthurian Catacombs“ ausgereifter als das selbstbetitelte Debüt von Sacred Son. Die größte Aufmerksamkeit wurde dem Musiker indes wegen des Covers zuteil: Darf man sich im Black Metal mit Sonnenbrille vor einer Meeresküste ablichten lassen? Eine Ohrfeige für Puristen also und auf dem vorliegenden Nachfolger ein amtliches atmosphärisches und wechselvolles Stück Schwarzmetall. Dem indes eine wuchtigere Produktion gut getan hätte.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Sqürl – The Dead Don’t Die – Sacred Bones Records 2019

Von Matthias Bosenick (14.11.2019)

Wahrscheinlich liegt es daran, dass man den Zombie-Film auch schon nicht so gut fand, dass einen dieser Soundtrack ebenso wenig überzeugt. Es wäre vielleicht sogar anders ohne die zwischengestreuten Dialogschnipsel, denn die Musik der Band von Regisseur Jim Jarmusch ist an sich ganz akzeptabel, aber auch sehr anders als das, was man von Sqürl ansonsten kennt: weniger Drones, mehr elektronisches Geplucker. Ganz nett insgesamt, und das ist schon beinahe eine Abwertung.

Weiterlesen

Opeth – In cauda venenum – Moderbolaget/Nuclear Blast 2019

Von Matthias Bosenick (08.11.2019)

Man möchte mit Wane Hussey rufen: „Give me ‚Deliverance‘!“ Aus den schwedischen Black-Death-Prog-Metallern ist eine Dudelcombo geworden, deren Pseudo-Retro-Rock wie ein Verbund aus Plastik und Pappe klingt. „In cauda venenum“, „Das Gift ist im Schwanz“, ist das inzwischen vierte Album, das vom Ur-Sound der Band in diese Richtung abweicht, und damit das vierte Argument, sich anderen Metalkünstlern zuzuwenden oder eben das Altwerk zu bevorzugen. Dieses Album nervt.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Anuseye – 3:33 333 – Vincebus Eruptum Recordings 2019

Von Matthias Bosenick (04.11.2019)

Wenn das erste Hören des Albums im Laden des Labelbetreibers von der Vinyl-Vorabpressung erfolgt, hat man ohnehin eine ganz spezielle Verbundenheit zu dieser Musik. Das allein macht „3:33 333“ aber nicht so hörenswert: Die Süditaliener aus Bari ordnen sich im Heavy-Psych-Rock ein, was bedeutet, dass man die Rauchschwaden ganz gut heraushört, die musikalische Grundstruktur auf massiven Blues-Fundamenten fußt und das Quartett nicht nur melodieverliebt gniedelt, sondern zwischendurch auch fröhlich experimentiert. Auch beim dritten Album bleibt der Bandname Anuseye zwar scheiße, ist die Musik aber im Vergleich zum Vorgänger ein erhebliches Stück gereift. Transparentes gelbes Vinyl!

Weiterlesen

The Messthetics – Anthropocosmic Nest – Dischord 2019

Von Matthias Bosenick (14.10.2019)

Die Leute, die damals den Hardcore miterfanden, gehen heute in ganz andere Richtungen als diejenigen, die sich davon heute inspirieren lassen: Auch auf dem zweiten Album von The Messthetics ist von der Extremvariante des Punk nur noch in homöopathischen Verhältnissen etwas auszumachen. Das Trio bewegt sich instrumental durch jazzinduzierten, partiell noisigen Indierock alter Schule, also gelegentlich recht nahe an dem Sound, den Fugazi erst gegen Ende ihrer Existenz auf die Hardcorehörer losließen. Was Wunder, sind doch zwei Fugazi-Mucker jetzt bei The Messthetics. Dieses zweite Album ist sogar noch experimenteller und aufregender als das Debüt.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Alkmini Laucke Metallinou – Songs Of Mikis Theodorakis – Alkmini Laucke Metallinou 2019

Von Matthias Bosenick (04.10.2019)

Von wegen, am sonnenbegünstigten Mittelmeer wäre jede Musik sofort hedonistisch! Mikis Theodorakis (Μίκης Θεοδωράκης) ist so eine Art Griechischer Heiliger, und wie sehr dieser Künstler die Melancholie auslebt, veranschaulicht die Ex-Braunschweigerin mit griechischen Wurzeln Alkmini Laucke Metallinou auf ihrem Solo-Debüt. Die Mezzosopranistin lässt sich von ihrem langjährigen künstlerischen Partner Holger Becker am Piano begleiten, und wie schon unter dem kabarettistischen Alias „Die Vorhanggucker“ passt diese Kombination wunderbar. Zumeist reduziert lässt Becker der Stimme den Vorzug, verbirgt sein ausuferndes Können aber nicht vollends. Das Album ist Musik für den Rotwein am Abend, sagt die Sängerin, und das stimmt wohl.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

!!! – Wallop – Warp/Rough Trade 2019

Von Matthias Bosenick (29.09.2019)

Man kann !!! nun definitiv nicht vorwerfen, dass sie sich in den vergangenen 22 Jahren nicht entwickelt haben. Vorwürfe hätten da ganz andere Grundlagen, denn nicht jeder Altfan kann der Entwicklung folgen und wohl nicht jeder Neue dem alten Werk etwas abgewinnen. Da ist Anpassungsfähigkeit gefragt, wenn man nicht einfach abspringen will. Auf „Wallop“ erhalten bleibt der Tanzzwang, der von der Musik ausgeht; geändert hat sich eben diese Musik, vom Funk-Punk-Handgemachten zum Synthetisch-Clubbigen. „Wallop“ ist partiell eingängig, aber nicht gefällig, und damit erleichtern es die fünf New Yorker den Skeptikern, sich auch der neuen Ausrichtung zu öffnen.

Weiterlesen

New Model Army – From Here – Attack Attack/Ear Music 2019

Von Matthias Bosenick (12.09.2019)

Wie immer bei New Model Army erkennt man erst bei zunehmender Hördurchlaufzahl, dass das Album sehr wohl voller Ohrwürmer ist, von denen man zunächst glaubt, sie blieben einfach nicht im Bewusstsein haften. „From Here“ will reduzierter sein und den Schwerpunkt auf die Akustikgitarre legen, aber bei dem Schlagwerkeinsatz sind die Folklorerocksongs doch recht wuchtig und viril geraten. Neue Indieclubhits wie „Vagabonds“ oder „51st State“ sind natürlich nicht enthalten, ein metallischer Kracher wie „Today Is A Good Day“ ebensowenig. Vielmehr setzt die Band um Justin Sullivan den danach eingeschlagenen Weg fort und verschiebt die Musik von griffiger Rockigkeit zur anspruchsvollen, aber durchschlagenden Atmosphäre. Wer da jetzt „langweilig“ ruft: Sullivan ist 63 Jahre alt (was man seinem Gesang auch mal anhört), der darf das jetzt mal.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Tool – Fear Inoculum – Sony Music 2019

Von Matthias Bosenick (09.09.2019)

Wegen solcher Musik hat man vor über 40 Jahren den Punkrock erfunden. Tool musizieren auf allerhöchstem Niveau, verlieren aber vor lauter Können so einiges anderes Relevantes aus dem Auge. Und à propos Auge: Auf ihrem ersten Album nach 13 Jahren verbergen die progressivmetallischen Indierocker Geheimnisse aller Art und bieten das wohl ungewöhnlichste Stück Verpackung in diesem Jahrtausend an. Dennoch ist „Fear Inoculum“ überwiegend ein erschütterndes Stück Langeweile.

Weiterlesen