Sigur Rós – Variations On Darkness/22° Lunar Halo – Krúnk 2019

Von Matthias Bosenick (13.08.2019)

Erst nur für den Records Store Day im April veröffentlicht, nun für alle zugänglich, wenn auch nicht preisgünstiger: Zwei experimentelle Schallplatten der ätherischen Postrocker Sigur Rós füllen die Lücke seit dem letzten richtigen Album „Kveikur“ von vor sechs Jahren. Auf zusammen vier Seiten der beiden LPs „Variations On Darkness“ und „22° Lunar Halo“ präsentieren sich die Isländer von einer eher ungewohnten Seite, indem sie auch mal harsche, harte Elemente in ihre Wattewolken packen und von Songstrukturen jeden nur möglichen Abstand nehmen, dabei aber in ihren Sounds wiedererkennbar bleiben. Spannend!

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Jambinai (잠비나이) – Onda (온다) – Bella Union 2019

Von Matthias Bosenick (29.07.2019)

Der sicherste Anwärter auf den Posten „Album des Jahres 2019”: Auf ihrem dritten offiziellen Album „Onda“ entwickeln Jambinai ihren ohnehin schon eigenständigen Stil weiter, verfeinern ihn, fordern die Hörer noch mehr heraus. Einsortiert unter Metal, steuert die Band aus Seoul heuer vielmehr in Richtung Post Rock – und gibt den traditionellen Südkoreanischen Instrumenten noch mehr Raum als zuvor. Wer moshen will, muss zuhören können. Und wer das tut, erlebt ein musikalisches Abenteuer, wie es kompromissloser ist als so viele andere.

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Spezial: Addicted/noname Label aus Moskau, Teil 2

Von Matthias Bosenick (16.07.2019)

Einen ganzen Stapel CDs aus dem Oeuvre des Labels Addicted oder noname oder abhängig oder wasauchimmer aus Moskau schickte Anton Kitaev quer durch Osteuropa nach Braunschweig. Was da an Perlen in Sachen Psychedelik, Doom, Stoner, Prog und Experiment alles so drinsteckt, das ansonsten kaum den Weg in überregionale Lautsprecher findet! Ein zweiter Überblick, zwischen sechs Jahre alt und topaktuell:

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Meat Beat Manifesto – Opaque Couché – Flexidisc 2019

Von Matthias Bosenick (26.06.2019)

„Opaque Couché“, oder auch „Drab Dark Brown“, oder auch „Pantone 448 C“, oder auch „Die hässlichste Farbe der Welt“: Was beabsichtigt Jack Dangers damit, wenn er sein neuestes Album unter dem Projektnamen Meat Beat Manifesto danach benennt, wie in diversen Ländern Zigaretten abschreckend verpackt werden? Und darauf dann Musik veröffentlicht, die es wie eine Kopie des Vorgängers „Impossible Star“ erscheinen lässt? Also abstrakte Komplexbeats, losgelöst von sowohl Popstrukturen als auch solchen, mit denen Dangers seit über 30 Jahren andere große Hitmacher beeinflusst, von Bigbeat über Dubstep bis IDM. Kann man zwar gut hören, aber eine Offenbarung ist es nicht.

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The Flaming Lips – King’s Mouth – Warner 2019

Von Matthias Bosenick (24.06.2019)

Gar nicht so freakig wie erwartet, oder hat man sich lediglich daran gewöhnt? Wayne Coyne, Chef der Flaming Lips, hatte jüngst eine Kunstausstellung namens „King’s Mouth“, und unter Mitwirkung von The Clashs Mick Jones legt er nun im Gewand seiner Band den Soundtrack dazu vor. Natürlich geistert Coynes Kunstpop über den Wassern, aber das Album hat zusätzlich diverse wunderschöne Ohrwürmer in petto. Gab’s beim Record Store Day auf goldenem Vinyl und soll demnächst dem Rest der Welt auf CD zugänglich gemacht werden.

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Paul Weller – Other Aspects (Live At The Royal Festival Hall) – Parlophone 2019

Von Matthias Bosenick (04.06.2019)

Paul Weller rockt nicht. Zumindest nicht auf diesem, seinem 1312420. Live-Album: Da stellt er seine wilde hinter seine milde Seite, begleitet von Streich- und Bläserensemble sowie indischem Instrumentarium. Seine Begleiter wissen sich aber dem perfekten Sound des Wellerwerkes unterzuordnen, Paule steht definitiv im Mittelpunkt, zu keiner Zeit herrscht der Kleister; in dieser Fassung hört man diese Stücke sehr gern. Auf zwei CDs und einer DVD im Pappklappcover sind zwei Konzertabende in der Royal Albert Festival Hall zusammengefügt; keine Greatest-Hits-Ansammlung, übrigens.

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The Chemical Brothers – No Geography – Virgin/Astralwerks 2019

Von Matthias Bosenick (29.05.2019)

Die sampeln auf ihrem neuen Album wirklich alles, diese Chemical Brothers. Siebziger-Disco-Beats, Achtziger-House-Sequenzen, gern auch sich selbst sowie für den Titel einen Dichter und für das Cover von Godley & Creme. Heraus kommt ein Album ohne vordergründige Smashhits, das eher den Eindruck eines chillig-tanzbaren DJ-Sets macht. Läuft gut durch, braucht aber etwas, um hängen zu bleiben. Dennoch, gewohnt hohe Qualität bei den Bigbeat-Miterfindern.

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Die Ärzte – They’ve Given Me Schrott (Die Outtakes) – And More Bears/Vertigo/Capitol 2019

Von Matthias Bosenick (27.05.2019)

Es erfordert einiges an Zeit (und Kapital), die „Seitenhirsch“-Box der Ärzte durchzuhören: Darin enthalten sind auf 33 CDs annähernd sämtliche Songs, die das wechselnd besetzte Trio in den vergangenen 35 Jahren aufnahm. Inklusive einiger unveröffentlichter Stücke, die nun als geldbeutelschonende Dreifach-CD separat vorliegen. Auch die hätte man sicherlich noch eindampfen oder um andere Nuggets ergänzen können, aber dieses Werk mit all seinen Demos und Raritäten verdeutlicht den kreativen Zündstoff der Band sowie dessen Abfall seit dem Jahrtausendwechsel nur zu deutlich. Und enthält einige Preziosen, die es bislang nur als Bootleg gab. Lohnenswert für Fans, dabei aber partiell verzichtbar.

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Petrolio – L+Esistenze – Petrolio 2018

Von Matthias Bosenick (20.05.2019)

Industrial alter Schule widmet sich Enrico Cerrato aus Asti unter seinem Alias Petrolio, nicht der harschen, plakativen Sorte, sondern der mit Soundscapes, Atmosphären, Drones und experimentellen Effekten, die allesamt sogar Raum für songähnliche Strukturen lassen. Mit seiner jüngsten Veröffentlichung „L+Esistenze“ erfüllt er sich einen Traum, indem er sechs von ihm verehrte Musiker an seinen Tracks teilhaben lässt, darunter auch Jochen Arbeit von den Einstürzenden Neubauten und von Automat. Das Album gibt es auf Vinyl und Kassette mit jeweils unterschiedlichen Inhalten. Beide Varianten lohnen sich: Cerrato macht mit Noise etwas Entspannendes, eher dem Black Gaze ähnlich als dem Harsh Electro.

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Daniel B. Prothese – One To One + Xaosonix/99.9 – Silex – db2fluctuation 2019

Von Matthias Bosenick (14.05.2019)

Was für ein Typ! Daniel Bressanutti schmeißt nach einem gefühlten Dutzend Alben im vergangenen Jahr Anfang 2019 mal eben zwei Doppel-CDs gleichzeitig in die Menge. Mit überraschendem Inhalt: „Silex“ und „One To One + Xaosonix“ hätte man genau vertauscht klingend erwartet. Auf ersterem versucht sich B. mit seinem Kollaborateur Edwin Vanvinckenroye nicht etwa in der Fortsetzung des erst kürzlich begonnenen gemeinsamen Industrial-Projektes, sondern in imaginärem Filmsoundtrackscore, und auf der Solo-Sache setzt er nicht seine Ambientexperimente fort, sondern bigbeatige Ausbrüche nach Art des letzten Front-242-Albums. Immer eine Überraschung, der Mann!

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