Theatre Of Hate – Utsukushi-sa (A Thing Of Beauty) – Eastersnow Recording Company 2020

Von Matthias Bosenick (24.02.2021)

Unermüdlich, dieser Kirk Brandon! Mit irgendeiner seiner vielen ewigen Bands bringt er ganz bestimmt ein neues Album heraus, zumeist unbemerkt von breiter Öffentlichkeit, aber stets gefeiert von seiner Folgerschaft. Bei „Utsukushi-sa (A Thing Of Beauty)“ handelt es sich um das neueste Album seiner Postpunk-New-Wave-Combo Theatre Of Hate, das ist die mit dem unüblichen Saxophon. Melancholie und Glam können so eingängig sein! Berührend ist wie immer Brandons – nun – Tenorgesang, lang anhaltend und durchdringend, der über allem schwebt, was er musikalisch veranstaltet. Dieses Album ist ein grandioses in einer Folge grandioser Alben, eine sichere Bank für die alten Fans und einfach mal völlig uninteressant für den Rest der Welt.

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Die Toten Hosen – Alles ohne Strom – JKP/Warner 2019

Von Marc Lücke (11.02.2021)

Bereits Ende vorletzten Jahres veröffentlichten die fünf Düsseldorfer Altpunks von den Toten Hosen ihr bereits zweites Album, das komplett ohne Verstärker aufgenommen wurde. Und das hat satte 31 Titel. Der Name des Albums ist also Programm. Und wie bereits „Nur zu Besuch. Unplugged im Wiener Burgtheater“ (2005) wurde auch „Alles ohne Strom“ live bei einem epochalen Konzert aufgenommen, diesmal allerdings in der Düsseldorfer Tonhalle.

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The The – Muscle – Lazarus 2020

Von Matthias Bosenick (09.02.2021)

Mit der klassischen Achtziger-The-The-Bontempiorgel geht’s los: „I Want 2 B U“ eröffnet den Soundtrack zu dem Thriller „Muscle“, den Matt Johnson als neues Album seines Alter Egos The The veröffentlicht. Ein Song im altvertrauten Stil also, und der Rest ist Experiment, vermutlich filmtauglich, aber auch für sich genießbar. „Muscle“ klingt, als habe Johnson seine Sounddatenbank geplündert, um eine zunächst atmosphärische und später etwas rabiatere Kulisse zu erstellen. Hat nix konkret mit seinen großen Zeiten in den Achtzigern und frühen Neunzigern zu tun, ist aber trotzdem fein – wir werden halt alle älter und verändern uns.

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Spezial: Klangwirkstoff-Records

Von Matthias Bosenick (02.02.2021)

Chillige Musik für unchillige Zeiten: Auf dem Berliner Label Klangwirkstoff veröffentlichen Bert Olke und Tom Wölke Musik von Künstlern, die wie sie selbst Töne aus den Rotationen von Planeten und Molekülen errechnen. Dem legen sie die Kosmische Oktave von Hans Cousto zugrunde; hier begegnen Wissenschaft und Esoterik einander, was in jedem Fall in entspannte akustische Traumreisen mündet. Möge das Schlagwort Ambient an dieser Stelle einmal fallen. Ein Überblick vermittels vierer Alben aus dem Labelkatalog.

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The Wedding Present & Friends – Not From Where I’m Standing – Come Play With Me 2020

Von Matthias Bosenick (01.02.2021)

Die meisten dieser Lieder leben sogar mehr als zweimal: David Lewis Gedge, seines Zeichens Bandchef der dem Covern gegenüber ohnehin schon immer sehr aufgeschlossenen englischen Indie-Helden The Wedding Present, schart eine Schar Freunde um sich, um mit ihnen eine auserlesene Auswahl an Titelmelodien des Kino-Franchises „James Bond“ neu einzuspielen, und zwar für den nicht minder legendären Guten Zweck. Die gute Nachricht: Den meisten der Originale entnehmen Gedges Freunde den Pathos und das Drama, man kann die 20 Lieder einfach als schöne Indierockcompilation mit latentem Erinnerungsfaktor durchhören. Den Vergleich mit den charakterstarken Originalen der Sechziger und Siebziger hat man latent im Ohr, insbesondere deren gesangliche Qualität ist dabei unerreicht.

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Fee – Rezeptfrei/SchizoFEEnie – Sireena 2020 (Risiko 1982/1983)

Von Matthias Bosenick (25.01.2020)

Von Braunschweig aus über Fee zu schreiben, das birgt natürlich den Hauch von Eulen und Athen. In ihrer Heimatstadt sind Fee – oder auch in Eigenschreibweise: FEE – nach wie vor aktiv und populär, dank eines internen Generationenwechsels nicht nur bei denen, die seinerzeit mit „Mach dich lieber anders tot“ und „Schweine im Weltraum“ aufgewachsen sind. So sehr wiederentdecken muss man das zweite und dritte Album „Rezeptfrei“ und „SchizoFEEnie“ in Form dieser Rereleases der einstmals holden Fee daheim also nicht, wenngleich es durchaus geraten ist, den der NDW zugeordneten Platten allerorts neue Ohren zu schenken.

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Spezial: addicted/noname Label aus Moskau, Teil 7

Den einen bremst Corona, den anderen beflügelt es, und so umtriebig wie während der Pandemie war das Moskauer Label addicted/no name wohl noch nie. Neue Alben, Singles und EPs von unter anderem The Grand Astoria, IWKC, Pressor, Pree Tone, The Legendary Flower Punk und Резина sind darunter, die Musik deckt Spielarten ab wie brutalen Jazz, Doom, Spacerock, Noiserock, Progrock, Artrock, Stoner und Psychedelic. Unter anderem!

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Die Müller Verschwörung – Artfremd an verschiedenen Orten – Die Müller Verschwörung 2020

Von Matthias Bosenick (04.01.2021)

Alles anders und doch so vertraut: Aus der 2002 gegründeten Band Müller & die Platemeiercombo wurde in den zurückliegenden fünf Jahren irgendwann Die Müller Verschwörung, aus grafischen Gründen leider ohne Bindestrich (aber gottlob auch ganz ohne Q). Grund war der beruflich bedingte Abgang von Plate und Heyl und die daraus folgende personelle Neubesetzung. Auch am Mikro: Bandchef „Bo“ Müller teilt sich den Posten des Sängers jetzt mit Theaterperformer und Multiinstrumentalist Roland Kremer, und darin liegt im Grunde der größte Unterschied zur Platemeiercombo, denn ansonsten behält die Band musikalisch den catchy Mix aus vermeintlichen Easy-Listening-Rhythmen und latentem Stoner-Rock bei. „Artfremd an verschiedenen Orten“ stellt inhaltlich eine Art Konzeptalbum dar: Die meisten Texte behandeln Weltekel allgemein und Kapitalismuskritik speziell. Das Album als Doppel-10“ kauft man der Band aber trotzdem bereitwillig ab.

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Henriette Sennenvaldt – Something Wonderful – Paper Bag Records 2020

Von Matthias Bosenick (30.12.2020)

Sie sing auf Englisch! Man kann sie plötzlich verstehen, sofern man nicht sowieso Dänisch spricht, denn als sie noch bei Under Byen war, gehörte es zu den wundervoll mystischen Parametern jener Band, dass man ihr dänisches Säuseln einfach mal nur als Stimme und also als Instrument auffassen und sich unabgelenkt in der Musik fallen lassen konnte. Plötzlich bindet sie den Hörenden an ihre Worte, und dabei entgeht ihm womöglich, dass ihr Solo-Debüt musikalisch in manchen Teilen nicht so weit weg ist von dem, was sie mit Under Byen machte: verträumt, vertrödelt, versponnen, hier nur eher assoziativ barjazzig. „Something Wonderful“, fürwahr!

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Tom Liwa – Der, den mein Freund kannte – Tom Liwa 2020

Von Matthias Bosenick (29.12.2020)

Auf Deutsch singen und Klischees umschiffen, das war mal möglich, in den Neunzigern, und von denen, die damals diese Wege einschlugen, ist Tom Liwa einer der Überlebenden, einer, der sich konstant entwickelte, vom Indierock über die Verwandtschaft zur Hamburger Schule zu Singer-Songwriter ohne Gejammer, esoterischer Kunstmusik, Heilungsmusik und – nun: Was macht Tom Liwa eigentlich heute? Er reflektiert über den Tod, musikalisch zurückgenommen und experimentell wie lang nicht, textlich enigmatisch wie immer. „Der, den mein Freund kannte“ ist eine Herbstplatte, die von Tod und Abschied handelt und also auch vom Leben, und der begleitend „Das Buch Tom“ mit Gedichten und Kunst zur Seite steht.

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