Esat Ekincioğlu & Berke Can Özcan – Lover And Beloved – Ekincioğlu & Özcan 2020

Von Matthias Bosenick (20.09.2020)

Wenn zwei Leute, die etwas können, aufeinandertreffen und mit ihren Instrumenten aus dem Stegreif improvisieren und wenn dann das, was dabei herauskommt, nun: komponierter klingt als so manche Komposition, dann muss man es offenkundig mit hochgradig grandiosen Musikern zu tun haben. Bassist Esat Ekincioğlu und Schlagzeuger Berke Can Özcan trafen 2019 in Istanbul aufeinander und schnitten ihre musikalische Begegnung einfach mal mit. Auf „Lover And Beloved“ dokumentieren sie eine hell lodernde Liebesbeziehung, die vom Flirt über Liebe und Betrug bis zur Trauer reicht, mit dröhnendem Bass und scheppernden Schlagzeug. Unter anderem.

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Fly Cat Fly – Let‘s Hear It For The Chosen – FCF 2019

Von Matthias Bosenick (14.09.2020)

Auch ein Jahr später noch eine Granate: Ein fehlender Schlagzeuger reißt nicht zwingend eine Lücke, wenn das verbleibende Braunschweiger Duo Fly Cat Fly geile Songs zu schreiben und die ersatzweise programmierte Drummachine organisch einzusetzen weiß. So viel Atmosphäre, so viel Wucht, so viel Emotion, so viel Warmherzigkeit und so viel Tiefe in den neun Songs: Die Lücke bestand eher darin, dass es dieses Album, „Let’s Hear It For The Chosen“, vorher nicht gegeben hat. Experimentelle Indierockhymnen fürs Herz. Gibt‘s auch als Schallplatte!

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Tētēma – Necroscape – Ipecac 2020

Von Matthias Bosenick (08.09.2020)

Nur schwer zu fassen ist das zweite Album von Tētēma, „Necroscape“. Mike Patton und Anthony Pateras bündeln darauf eine schier unüberblickbare Vielzahl an Stilen, dass sich schon deshalb kein stringentes Hörerlebnis einstellen kann. Die Stimmungen schwanken zwischen atmosphärischen Merkwürdigkeiten und brutalen Gewaltausbrüchen, jeder Track ist anders instrumentiert und arrangiert – „Necroscape“ ist eine Herausforderung für die Aufmerksamkeit, keine akustische Tapete. Zugänglich geht anders, aber anstrengend ist ja nicht zwangsläufig schlecht. Braucht nur eine Weile, aber dann haut es um.

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Coriky – Coriky – Dischord 2020

Von Matthias Bosenick (11.08.2020)

Erster Eindruck: Wenn jemand so schamlos bei Fugazi klaut, gehört ihm die Existenzberechtigung entzogen. Weil, Fugazi gibt’s ja schon. Erste Recherchen ergeben: Ach, Coriky sind Fugazi! Zumindest Teile davon, Ian MacKaye und Ehegattin Amy Farina nebst Joe Lally. Die dürfen das natürlich! Das selbstbetitelte Debütalbum ist ein schwungvoller Rückgriff auf die eigene Musikhistorie, heißt: Post-Hardcore mit groovenden Singalonganteilen, also gar kein Hardcore mehr genaugenommen, noch und wieder ohne die wild verschachtelten Freejazzelemente der späteren Fugazi, dafür mit Experimenten und mehr Lebenserfahrung. Und hörbar Bock auf so’ne Musik.

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Afsky – Ofte jeg drømmer mig død – Vendetta/Broken Silence 2020

Von Matthias Bosenick (10.08.2020)

Von dem freundlichen Intro mit Akustikgitarre und Cello sollte man sich nicht beirren lassen: Auf „Ofte jeg drømmer mig død“, dem zweiten Album von Afsky, hat man es mit Black Metal zu tun. Mit der postmodernen atmosphärischen Variante, also der, die man sich schmerzfrei anhören kann, die nämlich die Basiselemente mit genrefremden Anteilen zu etwas Gutem transferiert. Die Musik blastbeatet nicht nur, sondern lässt Raum für Atmosphäre – unabkömmlich im Post Black Metal – und Groove. Da Ole Luk – ansonsten bei Solbrud – aber weiß, wo Bartel den Most holt, fällt er zu keiner Zeit in den Verdacht, seine Idee von Black Metal mit Weichspüler durchtränkt zu haben. Sein Debüt „Sorg“ ist damit sogar noch gesteigert.

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Paul Weller – On Sunset – Polydor/Universal 2020

Von Matthias Bosenick (06.08.2020)

So klingt das also, wenn der Modfather allmählich in sein Alterswerk übergleitet. „On Sunset“ ist ein schönes handgespieltes souliges Popalbum von Paul Weller, mit Songs, die spätestens beim dritten Hören in Kopf und Herzen feste Plätze gefunden haben – und mit dem wohl hässlichsten Cover seiner Karriere. Was indes fehlt: Biss, Experimente, Rock’n’Roll. Das kann man verkraften, wenn die Lieder so frisch und hübsch sind, nur feiert man Weller damit dann nicht gerade als den musikhistorischen Visionär, der er eigentlich ist. Es lohnt sich, wie immer, übrigens die Deluxe-Version der CD mit den Bonus-Tracks.

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Roman Bunka Band – Dein Kopf ist ein schlafendes Auto – Edition Goldader/Sireena 1980/2020

Von Matthias Bosenick (04.08.2020)

Soso: „Dein Kopf ist ein schlafendes Auto“, behauptete Roman Bunka 1980 auf seinem Solo-Debüt. Mag man gar nicht glauben, dass es dieses Album vor 40 Jahren wirklich gegeben hat und dass dies kein Fake vom Label Sireena ist, das sich mit Musikfreunden einen Prank erlaubt. Dafür ist diese Wundertüte viel zu speziell: Nicht richtig Art- oder Progrock, aber enorm kunstvoll, dann orientalisch und dann wieder experimentell jazzig. Man hört an er Schwelle zum Synthiejahrzehnt die Siebziger noch eindeutig heraus, und das ist auch gut so. Eindrucksvolle (Wieder-)Entdeckung!

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Dream Invasion – 7.7.49 – db2fluctuation 2020

Von Matthias Bosenick (31.07.2020)

Zwei Alben in 15 Jahren: Erwin Jadot aus Belgien veröffentlicht mit „7.7.49“ unter seinem Pseudonym Dream Invasion ein Ambient-Album klassischer Art, das Anklänge an die analoge Berliner Schule ebenso in sich trägt wie an moderne computergenerierte Synthieflächen. Gelegentlich generiert Jadot sogar Beats, zumeist bleibt er aber flirrend, flächend, fluid, allerhöchstens Dank der Pattern rhythmisch strukturiert. Nicht abgrundtief dunkel, aber auch beileibe nicht fröhlich, huldigt Jadot vielseitig der Zahl 7 und lässt aufkommende Fragen angenehm unbeantwortet.

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Bob Dylan – Rough And Rowdy Ways – Columbia Records 2020

Von Matthias Bosenick (20.07.2020)

Die lebende Legende™ hat ein neues Album: Bob Dylan (79) bringt mit „Rough And Rowdy Ways” seine 39. Studioplatte seit 1962 heraus. Die ist voll schön geworden, vornehmlich besinnlich und langsam, dennoch frisch, kraftstrotzend, agil, mit Oldschoolmitteln auf das Amerika (also die USA) der Gegenwart blickend. Über die Texte des Literaturnobelpreisträgers sollen sich die Dylanologen (eine Art Donaldisten für Robert Zimmerman) auslassen, man kann die Doppel-CD auch ohne deren Entkryptung genießen.

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(0) – SkamHan/(0) – Napalm Records 2020/2017

Von Matthias Bosenick (15.07.2020)

Fröhliches Googeln: Für den Bandnamen „(0)“ gibt es eine grandiose Ergebnisauswahl. Sobald man fündig ist, zudem auch noch grandiose Musik: Die Kopenhagener machen Blackmetal, selbstredend modern mit atmosphärischen Passagen, aber auch mit groovendem Indiefresse. Der Spagat überrascht, einerseits die flächigen Ambientdrones, andererseits beinahe holzfällerartiger Deathmetal. Und wer behauptet, die Besetzung des Quintetts sei ein Geheimnis, ist nur zu faul zum Recherchieren.

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