Pearl Jam – Dark Matter – Republic Records/Monkeywrench Records 2024

Von Matthias Bosenick (17.05.2024)

Ach ja, Pearl Jam gibt es ja auch noch! Neben Mudhoney und, hm, den Melvins die letzten Überlebenden des Seattle-Grunge. Zuletzt waren sie auf Alben eher so mittelmäßig bis langweilig, anders als die Soloalben von Sänger Eddie Vedder, und nach dem eher unterdurchschnittlichen „Giganton“ aus dem Jahr 2020 stand schon zu denken, dass dies der Schwanengesang sein würde. Mitnichten, Pearl Jam sind still alive und reißen sich auf „Dark Matter“ nochmal zusammen, kreieren einige ruppige und einige gefühlvolle Rocksongs, alles ganz ordentlich. Hier noch von Grunge zu sprechen, wirkt anachronistisch und im Vergleich zum 1991er-Debüt „Ten“ auch gar nicht mehr angebracht. „Dark Matter“ ist wunderbar räudig, lediglich das hohe Energielevel plättet den Hörenden auf Strecke – und es wird sich zeigen, wie viele Songs nachhaltig im Gedächtnis bleiben, denn nach den ersten Durchläufen scheinen es nicht so viele zu sein, so gern man das Album auch hören möchte.

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Anandammide – Eura – Anandammide/Sulatron Records 2024

Von Matthias Bosenick (16.05.2024)

Als „Utopian Psych Folk“ bezeichnet Michele Moschini die Musik seines Projektes Anandammide, sein zweites Album „Eura“ gibt ihm Recht. Mit Musikern aus halb Europa wildert der in Paris arbeitende Italiener aus Bari in der langen Historie psychedelischer Folkmusik von den Sechzigern bis heute, fügt die Puzzleteile zusammen und generiert Musik, die nur oberflächlich chillig wirkt, denn in den Eingeweiden von „Eura“ geschieht eine Menge, dem aufmerksam zuzuhören sehr lohnt. Gute Laune ist auch nicht eben die Kernaufgabe von Anandammide, dem Album wohnt bei aller vermeintlich leichtfüßigen Instrumentierung eine Schwere inne. Am Ende des Albums ist man mindestens bekifft.

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Fretting Obscurity – Das unglückliche Bewußsein – Bitume Prods 2024

Von Matthias Bosenick (13.05.2024)

Ja, Philosophie kann ein schweres Thema sein, und das hört man der Musik von Fretting Obscurity auch an: Unter diesem Alias generiert Yaroslav Yakos aus Kiew seit 2018 einen schwer schleppenden Funeral Doom, mit „Das unglückliche Bewußtsein“ zum zweiten Mal in Albumform. Auf nur vier Tracks in 50 Minuten kommt der Solist, sein Metronom verreckt auf halber Strecke, die Halsbonbons versagen ihre Wirkung, die von Kant-Kind Yakos thematisierten griechischen und deutschen Philosophen rotieren gemächlich im Grabe, und inmitten der Todeswalzen wagt der Multiinstrumentalist einige bemerkenswerte Ausfallschritte, denn Melodien und Atmosphären beherrscht der Mann ebenfalls. Eine etwas fettere Produktion indes stünde diesem Album gut.

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Einstürzende Neubauten – Rampen (APM: Alien Pop Music) – Potomak 2024

Von Matthias Bosenick (06.05.2024)

„Wie lange noch?“, fragt Blixa Bargeld zu Beginn, und man kann nach diesem Doppel-Album, das auch auf nur eine CD gepasst hätte, nur hoffen, dass die Antwort irgendwas Zustimmendes mit „sehr“ beinhaltet. Man kann das neue Album „Rampen (apm: alien pop music)“ auf zwei Arten hören: mit und ohne Hintergrundwissen, und beide Möglichkeiten öffnen Augen und Ohren. Denn bei den „Rampen“ handelt es sich um eine auf Improvisation fußende Kompositionsvariante der Einstürzenden Neubauten, mit der sämtliche 15 Tracks entstanden sind – die indes auch ohne dieses Wissen als großartige Musik beeindrucken. Wer kann, der kann.

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Niedeckens BAP – Zeitreise (Live im Sartory) – Universal Music Group/Vertigo 2024

Von Guido Dörheide (29.04.2024)

Ähnlich bei „Doctor Who“ existieren verschiedene Inkarnationen von BAP, die ich im Unterschied zur Fernsehserie allerdings nicht am Hauptdarsteller (der war und ist immer Wolfgang Niedecken), sondern am jeweiligen Leadgitarristen festmache: Da war die erste Zeit als „Wolfgang Niedeckens BAP“ mit Hans Heres an der Gitarre und nur einem Album („…rockt andere kölsche Leeder“), dann die Ära Klaus „Major“ Heuser von 1980 bis 1999 mit allen bedeutenden BAP-Alben, aber auch dem musikalisch schlechtesten Werk der Band, dem unerträglich seicht-poppigen „X für e U“ (1990); „Pik Sibbe“ (1993), „Amerika“ (1996) und „Comics und Pin-Ups“ (1999) klangen dann deutlich besser, und in der Ära Helmut Krumminga von ebenfalls 1999 („Tonfilm“) bis 2014 (letztes Studioalbum „Halv so wild“ 2011) lieferten BAP ganz wunderbare Alben wie das Plugged/Unplugged-Werk „Radio Pandora“ (2008) ab, und seit 2014 ist nun Ulrich „Ulle“ Rode für die erste Gitarre zuständig und BAP firmieren nun als „Niedeckens BAP“.

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Thou – Blessings Of The Highest Order – Sacred Bones Records 2024

Von Matthias Bosenick (03.05.2024)

Die kuriosen Fakten vorneweg: Bei „Blessings Of The Highest Order“ handelt es sich um die Doppel-LP-Version einer vier Jahre alten Download-Compilation mit Sludge-Coverversionen von Nirvana-Songs, die die Band Thou aus Baton Rouge über die Jahre auf verschiedenen Veröffentlichungen gestreut hatte, plus einem neuen Song – nur in anderer Reihenfolge und mit einem unästhetischen Cover. Was das soll? Erstmal wurscht: An der Qualität der Grunge-Hits von vor über 30 Jahren rütteln die neuen Versionen nicht, zumal, und das ist wohl die größte Überraschung, sich die Sludge-Versionen musikalisch oftmals gar nicht so weit von den Originalen unterscheiden. Der Keif-Kreisch-Gesang stellt hier den größten Umgewöhnungsfaktor dar, ansonsten ist das Album die Einladung zu einer nostalgischen Abrissparty.

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Watertank – Liminal Status – Atypeek Music 2024

Von Matthias Bosenick (02.05.2024)

Ab die Post: Watertank werden 20 Jahre alt und vermengen auf ihrem erst vierten Album alle möglichen Genres, denen sie das Präfix „Post-“ verpassen, also Post-Hardcore, Post-Rock und, naja, eigentlich war’s das im Groben schon. Vielleicht noch Post-Grunge, Post-Indierock und, äh, Post-Post-Punk. Auf „Liminal Status“ schimmern die melodischen Shihad enorm durch, überhaupt sind die Franzosen aus Montaigu nahe Nantes bei aller Gitarrigkeit recht melodienah, ohne den kopfnickbaren Groove aus den Augen zu verlieren.

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Nautilus – When Time Is Just A Word – Sireena 2024

Von Matthias Bosenick (30.04.2024)

Das dritte Album nach der Pause und das neunte insgesamt bringt die scheinbar gegensätzlichen Eckpunkte der Band Nautilus besser unter einen Hut als der Vorgänger „A Floating City“ vor vier Jahren: Watteweiche Pink-Floyd-Gitarren und technoider Trance sind die Pole, die das Quartett aus dem Ruhrpott hier auslotet, während es sich – der Bandname deutet lose in eine solche Richtung – abermals einem Buch von Jules Verne widmet, hier „In 80 Tagen um die Welt“. Was nicht groß auffällt. Die musikalische Mischung ist dabei eigenständiger als die einzelnen Komponenten, wobei die elektronischen Anteile mehr Aufsehen erregen als die im klassischen Prog angesiedelten.

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Neil & The Horse – Fu##in’ Up – Reprise Records 2024

Von Guido Dörheide (29.04.2024)

Wäh? Nicht irgendein Horse, sondern „The“ Horse? Und nicht mal mehr verrückt, das Pferd? Ein Blick in die Besetzungsliste schafft Klarheit: Neil & The Horse sind Neil Young, die verbliebenen Crazy-Horse-Mitglieder Billy Talbot und Ralph Molina, Nils Lofgren (der seit 2018 den ausgeschiedenen Frank „Poncho“ Sampedro bei Crazy Horse ersetzt) und Micah Nelson von Promise Of The Real, die ebenfalls schon gemeinsam mit Young musiziert haben. Anstatt die Band also einfach „Molina, Talbot, Lofgren, Nelson & Young“ oder „Nils, Young, the Rest of Crazy Horse & the Son of Willie Nelson“ zu nennen, wählte man „Neil & The Horse“.

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Deimos – Insane – Bestial Records/Loud Rage Music 1997/2024

Von Matthias Bosenick (19.04.2024)

Interessant, dass ein typischer Sound der Zeit – also Ende der Neunziger – 27 Jahre später wieder innovativ klingt: Auf ihrem Debüt-Tape „Insane“ brachte die Death-Metal-Band Deimos aus Deva, Siebenbürgen, Rumänien, Synthie-Effekte und Electro-Spielereien unter, reicherte den Genresound mit Experimenten an und scherte sich nix um Grenzen. Seinerzeit lediglich als Kassette erschienen, macht das Label Loud Rage Music diesen Szeneklassiker jetzt erstmals auf CD und digital verfügbar. „Insane“ ist die Entdeckung wert!

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