Goethes Erben – Elemente – Dryland Records 2021

Von Matthias Bosenick (05.09.2021)

Das mit der „duften Sache“ kam den Initiatoren schon selbst als Werbebotschaft in den Sinn, dennoch sei der hier zugestimmt. Öffnet man nämlich die „Elemente“-Box von Goethes Erben, verströmt sie einen überraschenden Seifenduft – weil ihr Seife beiliegt. Aus der „Seelenbalsam“-Kollektion von Bandchef Oswald Henke nämlich. Und noch viel mehr, darunter die vier 7“-Singles, die den Titel der Box definieren, sowie eine CD mit sämtlichen Songs und einigen Bonusstücken. Neben Liveversionen von Klassikern sind auch neue Stücke enthalten, und zusätzlich erhärten sie den Ruf nach einer geschmackvoll kuratierten Remix-Sammlung mit Neubearbeitungen von Hits und Kuriositäten aus 30 Jahren Neuer Deutscher Todeskunst.

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Spezial: addicted/noname Label aus Moskau, Teil 9

Von Matthias Bosenick (19.+20.08.2021)

Ein weiterer Überblick vom fabelhaften Label addicted/noname aus Moskau, mit aktuellen und mit älteren Veröffentlichungen von: Mother Witch, Remote, Dogs Bite Back, Dusky Dive, Old Sea And Mother Serpent, The Moon Mistress, The Grand Astoria, Резина, Dead Man Tells und Злурад.

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Valid Blu – WFYB.TV – Hanna Music/Calygram Records 2021

Von Matthias Bosenick (10.08.2021)

Hier ist einfach mal alles nicht so, wie es das Genre erwarten lässt: Die Oebisfelder Valid Blu, Eigenschreibweise Valid blU, rechnen ihr Debüt „WFYB.TV“ dem Art- und Progrock zu, machen aber alles anders. Zunächst besteht das Quintett zu drei Fünfteln aus Frauen, von denen zwei den Gesang übernehmen: schon mal deutlich ungewöhnlich. Dann nehmen sie ein Konzeptalbum auf, das zudem explizit für eine Doppel-LP-Veröffentlichung produziert ist. Musikalisch bedienen sich die fünf bei den Achtzigern, streuen aber moderne Elektronik und unterschwelllige fette Riffs ein und erweitern ihr selbst genanntes Spektrum ohnehin angenehm grenzüberschreitend. „We Fuck Your Brain“ ist eine Wundertüte.

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Mr. Bungle – The Night They Came Home – Ipecac 2021

Von Matthias Bosenick (03.08.2021)

Wenn schon Studio-Comeback, dann gleich mit Livealbum hinterher: Für die Quasi-Reunion seines Experimentalmetalbrockens Mr. Bungle verpflichtete Mike Patton Kumpels aus verlässlichen Metalbackgrounds (Anthrax, Slayer), mit denen er sich coronabedingt nun in ein Studio stellte, diverse Stücke live einprügelte und das Ganze live streamte. Man möchte glauben, dass hier Bock auf Mucke über Gewinnsucht steht, doch liegt nicht jeder Reaktivierung historischer Bandnamen eine Gewinnabsicht inne? Wie dem auch sei, das punkinfizierte oldschool-thrashige Geknüppel auf „The Night They Came Home“ ist mehr als amtlich. Und die DVD dazu eine Sternstunde der Kleinkunstbühne. Äh.

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The Problem Of Leisure: A Celebration Of Andy Gill & The Gang Of Four – Gill Music 2021

Von Matthias Bosenick (28.07.2021)

Was haben Herbert Grönemeyer, Helmet und Killing Joke gemeinsam? Sie sind Teil eines Tribute-Albums! Wie nun aber nähert man sich solchen Vorreitern wie Gang Of Four, wenn man dazu angehalten ist, sich ihres Oeuvres in ehrerbietender Form anzunähern? Im Jahr Eins nach Andy Gills Tod sammelt sein Label 20 Neueinspielungen und Interpretationen der Indierockerfinder, die der Chef noch selbst in Auftrag gegeben hatte. Interessanterweise sind die Hauptnutznießer dieser Vorreiterschaft, nämlich die Indiediscoepigonen der Nullerjahre, hier gar nicht vertreten. Nicht einmal ausschließlich Postpunks und Indierocker sind ausgewählt, auch Electrospielereien, Dub und Trip Hop bilden das neue Gewand der in Insiderkreisen altvertrauten Hits. So gemischt ist auch das Ergebnis, wenngleich den meisten doch vor lauter Ehrfurcht der künstlerische Mut abgeht. Das Cover ist ebenfalls gemischt, der Plüschhund hat unzählbar viele verschiedene Farben, das ist hübsch.

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Flowerpornoes – Morgenstimmung – Flowerpornoes 2021

Von Matthias Bosenick (26.07.2021)

Das Album „Morgenstimmung“ mit dem Titel „Abendstimmung“ beginnen: So geht das. Bei Alben mit Beteiligung von Tom Liwa ist man ja quasi dazu genötigt, sich bei der Auseinandersetzung insbesondere mit den Inhalten zu befassen, was ja zutrifft, doch darf man auch nicht übersehen, dass man es bei den Flowerpornoes mit einer Rockband zu tun hat, die ansprechende Musik macht. Klar, niemand erwartet hier Innovationen, dafür bekommt hier auch niemand Stereotypen. Sondern zuverlässig lässig eingespielte Indierockmusik mit einiger Neunzigerprägung und Liwas gewohnt erzählerischem Gesangsstil. Diskurstanzmusik, mehrere Abschlussjahrgänge vor der Hamburger Schule, die keine reine Retroseligkeit nötig hat, weil das Leben ja nun mal weitergeht, was im Grunde auch die Texte zum Inhalt haben.

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Justin Sullivan – Surrounded – Ear Music/Attack Attack 2021

Von Matthias Bosenick (22.07.2021)

Schon das Intro ist sowas von bemerkenswert: Justin Sullivan summt. Man fühlt sich aus dem Stand umfangen, umgeben, umschlossen, umspült, eben „Surrounded“. Auf seinem zweiten Studio-Soloalbum reduziert der Sänger die vertrauten New-Model-Army-Anteile auf die stilleren, akustischen Momente, wie man sie bei seiner Hauptband auch bisweilen kennt und wie er sie auf „Navigating By The Stars“ 2003 schon so herzerwärmend herausfiltrierte. Auch so etwas kann also die Folge sein, wenn man als Künstler von einem pandemischen Lockdown betroffen ist.

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Man On Man – Man On Man – Polyvinyl Records Company 2021

Von Matthias Bosenick (19.07.2021)

„It’s So Fun (To Be Gay)“ singen Roddy Bottum und Joey Holman, die hier eine Band und ein Paar sind, letzteres wohl länger als ersteres. Wer von Bottum Musik nach Art seiner Hauptband Faith No More erwartet, kennt seine Zweitband Imperial Teen nicht, denn mit Holman macht er einen herzenswarmen, leicht räudigen verschleppten Pop, der weitaus dichter am Sound des Queer-Quartetts angelehnt ist als an den der Crossover-Pioniere. Freundlicherweise gibt es die LP auf pinkem Vinyl. Hier passt alles.

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Omega – Working – WEA/Sireena 1981/2021

Von Matthias Bosenick (15.07.2021)

Da flattert so mirnichts, dirnichts die Wiederveröffentlichung eines Albums namens „Working“ von einer Band namens Omega ins Haus, und sobald man sich damit auseinandersetzt, stellt man fest, dass man ein einzelnes Album dieser ungarischen Space-Prog-Band gar nicht sinnvoll für sich einsortieren kann. Immerhin gibt es Omega seit 1962, liegen Aberdutzende Alben vor, teils auf Ungarisch, teils auf Englisch mit abweichenden Tracks, wie repräsentativ mag da ein Album aus der Mitte der Existenz sein? Für sich betrachtet stellt man fest: „Working“ – hier als Ωmega veröffentlicht – markiert den Übergang vom spacigen Gegniedel zum New Wave, zum Post Punk und zu sonstigen zeitgenössischen Spielereien, von denen sich herkömmliche Progger seinerzeit lieber abgrenzen wollten. Wer indes die attraktivere Mucke gemacht hat, belegt nun also „Working“.

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Nac/Hut Report – DOM 1919 – Crunchy Human Children Records 2021

Von Matthias Bosenick (13.07.2021)

Geistermusik, in jeder Hinsicht: Auf ihrem neuen Album „DOM 1919“ verarbeiten Nac/Hut Report aus Krakau über 100 Jahre alte Wachszylinder-Aufnahmen, die sie auf die ihnen eigene Weise zerlegen und neu zusammenfügen. Die Musik ist dabei so ätherisch-transzendent wie eh und je, aber weniger zerklüftet, sondern weicher, durchscheinender und noch schwieriger greifbar als früher. Man meint, den Geistern sogar zuzuhören, die sich auf dem Cover andeuten. Es sind freundliche Geister.

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