Von Matthias Bosenick (06.12.2026)
Ein erstes Solo-Album von Bill Leeb? War nicht „FLAvour Of The Weak“ von Front Line Assembly 1997 eigentlich bereits ein Solo-Album, nur unter seinem Namen? Schließlich ist er der Bandkopf, so sehr der vor 25 Jahren aus- und zwischenzeitig wieder eingestiegene Rhys Fulber als vollwertiges Mitglied gelten mag. Der trägt drei von fünf Remixen auf der Begleit-EP „Machine Vision“ bei und rückt diese 12“ dadurch wieder näher in Richtung dessen, was man von Front Line Assembly erwartet. Die anderen – wären teilweise nicht nötig gewesen. Es zeigt sich einmal mehr, dass der EBM-Electro-Erneuerer (von Industrial sprechen hier nur Nordamerikaner) aus Vancouver in jüngerer Zeit die Muse verlor.
Archiv der Kategorie: Vinyl
The Notwist – Magnificent Fall – Alien Transistor 2025
Von Matthias Bosenick (29.12.2025)
Nur wenige Wochen vor ihrem neuen Studioalbum „News From Planet Zombie“ kompilieren die wandlungsfähigen Weilheimer The Notwist einige seit 2002 erschienene B-Seiten, Remixe und Raritäten auf der dreiseitig bespielten chilligen Doppel-LP „Magnificent Fall“. IDM, Ambient, Shoegaze, Neoklassik, Hip Hop, Jazz: Sag es, es ist drauf, bis auf den alten Kumpel Hardcore, und immer eins besser als bei anderen. Vollständig natürlich auch nicht, aber es erfreut die Sammelnden.
Jim Jarmusch & Anika – Father Mother Sister Brother – Sacred Bones Records 2025
Von Matthias Bosenick (04.12.2025)
Wesentlich ruhiger als die Soundtracks, die Regisseur und Sqürl-Bandmitglied Jim Jarmusch für seine früheren Filme machte, ist der zum nächsten Film „Father Mother Sister Brother“, den der Gitarrist mit der Berliner Musikerin und Sängerin Anika aufnahm. Auf die Drones, wie er sie auch gern und grandios mit Jozef van Wissem erzeugt, verzichtet er hier, stattdessen verfällt er maximal auf minimale Soundscapes, auf mitternächtlichen Jazz, auf Ambient. Tom Waits, einer der Hauptdarsteller jenes Films, ist leider nicht zu hören.
Kackschlacht – Kackschlacht – Kackschlacht 2025
Von Matthias Bosenick (02.12.2025)
„Endlich alt“, aber trotzdem Punkrock: 14 Songs in gerade 22 Minuten, so geht das auch dann, wenn man die wilden Jahre hinter sich hat, mitten im Leben steht, gewisse Verhaltensweisen einer Gesundheitsförderung unterwirft und die Welt trotzdem nach wie vor Scheiße findet. Wie wenig Bass man braucht, um druckvolle Stromgitarrenmusik hinzubekommen, belegt das ehedem von Braunschweig aus, nun über zwei Bundesländer verteilt agierende Brüderpaar Kackschlacht auf seiner fünften selbstbetitelten Vinylveröffentlichung. Hier gibt’s Power, Melodien, Hymnen, Tempo, Experimente, Party – und Ernüchterung.
Die drei ???: Gruselige Weihnacht überall – Europa/Sony 2025
Von Matthias Bosenick (27.11.2025)
Die Hörspielumsetzung des Adventskalenders „Gruselige Weihnacht überall“ wird ja einigermaßen überschattet von den vielen Pannen, die sich das Label Europa mit den Drei Fragezeichen erlaubt. Dabei tritt etwas in den Hintergrund, dass die Geschichte auch noch reichlich langatmig erzählt ist. Drei Stunden sind für diesen Fall einfach zwei zu viel – zumal sich die Inszenierung der Hörspiele ja in den zurückliegenden 25 Jahren von der Action aufs Gelaber verlegte. Während man dieses Hörspiel nun als Einschlafhilfe nutzt, kommt man gar nicht dazu, herauszufinden, ob sich darin nicht vielleicht sogar ein spannender Fall versteckt.
Cowboy Junkies – More Acoustic Junk – Cooking Vinyl 2025
Von Matthias Bosenick (14.11.2025)
Ursprünglich im April für den Record Store Day auf gelbem Vinyl veröffentlicht, kommt die Compilation „More Acoustic Junk“ von den ansonsten folkloristisch indierockenden Cowboy Junkies jetzt auch auf CD und im Stream heraus. Das Wörtchen „More“ sagt es: Dies ist die Fortsetzung von „Acoustic Junk“, oder besser: eine Umarbeitung dieses Albums aus dem Jahr 2009, denn fünf der Songs von damals sind hier in neuer Bearbeitung wieder enthalten, dazu fünf neue. Man bekommt, was draufsteht: Die Timmins-Geschwister aus Kanada so fragil, wie sie sich 1988 mit ihrer „Sweet Jane“-Coverversion im Weltgeschehen etablierten, also ohne den rüden Lärm, zu dem sie ebenfalls in der Lage sind. Wunderschön!
Spezial: Neue Singles
Von Matthias Bosenick (04.11.2025)
Einige neue Singles und EPs erreichten das Emailpostfach: Oldschool-Rock’n’Roll von Faz Waltz, Goth-Balladen von Dramatika, Goth Rock von Sorry We Weren’t Here Before, Psychedelic-Rock-Pop von Messiness, Post Punk von Factheory, EBM von Mi6, Schamanen-Rock von Transnadežnost‘, Cabaret-Musik von Absent Sunday feat. The Bluestocking, Smooth Jazz von Georgeanne Kalweit, Folk von The Owl Service und Psychedelic Rock vom Behind The Sun Collective.
Afsky – Fællesskab – Eisenwald 2025
Von Matthias Bosenick (29.10.2025)
„Fællesskab“, „Gemeinschaft“, ist ein eisiger Black-Metal-Brocken, den Ole Luk als Afsky aus Kopenhagen hier vorsetzt. Die Kuscheligkeit, die der postmoderne Atmospheric Black Metal ansonsten so wunderbar vermittelt, tritt hier zugunsten der eher klassischen Kälte des Genres in den Hintergrund. So ganz ohne kann er indes nicht, und besonders nicht ohne Harmonie und Schönheit: Sein keifendes Wehklagen begleitet ein wunderschönes Zusammenspiel der Instrumente. Na, und ansonsten natürlich das knüppelnde Getöse.
Sunken – Lykke – Eisenwald 2025
Von Matthias Bosenick (27.10.2025)
Das hier geht kurz vor Ablauf noch in Richtung Album des Jahres: Mit ihrem dritten Album „Lykke“ verleihen Sunken aus Århus dem atmosphärischen Post-Black-Metal nochmal ein Krönchen mit neuem Glanz. Sie strecken das Epische, rauhen das Weiche mit Brutalität an und errichten dennoch einen Wohlfühlraum, in den man sich liebend gern zurückzieht. Das Geschrei dazu erinnert daran, dass draußen die Apokalypse tobt, aber hier drinnen rotiert alles zu einem gewaltigen Safe Space zusammen. Und weil etwas Neues im Vertrauten ja Horizonte erweitern kann, bauen Sunken hier Bläser und Orchester ein. Eine Großtat! Und: „Glück“.
Beau – Live In Lichfield – Fruits De Mer Records 2025
Von Matthias Bosenick (14.10.2025)
Allein mit seiner Zwölfsaitigen brachte Beau alias Trevor Midgley aus Leeds im Jahre 2012 beim Lichfield Festival einige seiner Folksongs zu Gehör. Das war damals der erste Gig, den das Label Fruits De Mer promotete, und dafür dankt es nun, indem es vier Stücke dieses Auftritts als Acht-Zoll-Vinyl herausbringt. Bekanntheit erlange Beau überdies, weil er 1969 als einer der ersten Künstler auf Dandelion Records veröffentlichte – dem Label von John Peel.









