Von Matthias Bosenick (06.05.2024)
„Wie lange noch?“, fragt Blixa Bargeld zu Beginn, und man kann nach diesem Doppel-Album, das auch auf nur eine CD gepasst hätte, nur hoffen, dass die Antwort irgendwas Zustimmendes mit „sehr“ beinhaltet. Man kann das neue Album „Rampen (apm: alien pop music)“ auf zwei Arten hören: mit und ohne Hintergrundwissen, und beide Möglichkeiten öffnen Augen und Ohren. Denn bei den „Rampen“ handelt es sich um eine auf Improvisation fußende Kompositionsvariante der Einstürzenden Neubauten, mit der sämtliche 15 Tracks entstanden sind – die indes auch ohne dieses Wissen als großartige Musik beeindrucken. Wer kann, der kann.
Archiv des Autors: Van Bauseneick
Niedeckens BAP – Zeitreise (Live im Sartory) – Universal Music Group/Vertigo 2024
Von Guido Dörheide (29.04.2024)
Ähnlich bei „Doctor Who“ existieren verschiedene Inkarnationen von BAP, die ich im Unterschied zur Fernsehserie allerdings nicht am Hauptdarsteller (der war und ist immer Wolfgang Niedecken), sondern am jeweiligen Leadgitarristen festmache: Da war die erste Zeit als „Wolfgang Niedeckens BAP“ mit Hans Heres an der Gitarre und nur einem Album („…rockt andere kölsche Leeder“), dann die Ära Klaus „Major“ Heuser von 1980 bis 1999 mit allen bedeutenden BAP-Alben, aber auch dem musikalisch schlechtesten Werk der Band, dem unerträglich seicht-poppigen „X für e U“ (1990); „Pik Sibbe“ (1993), „Amerika“ (1996) und „Comics und Pin-Ups“ (1999) klangen dann deutlich besser, und in der Ära Helmut Krumminga von ebenfalls 1999 („Tonfilm“) bis 2014 (letztes Studioalbum „Halv so wild“ 2011) lieferten BAP ganz wunderbare Alben wie das Plugged/Unplugged-Werk „Radio Pandora“ (2008) ab, und seit 2014 ist nun Ulrich „Ulle“ Rode für die erste Gitarre zuständig und BAP firmieren nun als „Niedeckens BAP“.
WeiterlesenThou – Blessings Of The Highest Order – Sacred Bones Records 2024
Von Matthias Bosenick (03.05.2024)
Die kuriosen Fakten vorneweg: Bei „Blessings Of The Highest Order“ handelt es sich um die Doppel-LP-Version einer vier Jahre alten Download-Compilation mit Sludge-Coverversionen von Nirvana-Songs, die die Band Thou aus Baton Rouge über die Jahre auf verschiedenen Veröffentlichungen gestreut hatte, plus einem neuen Song – nur in anderer Reihenfolge und mit einem unästhetischen Cover. Was das soll? Erstmal wurscht: An der Qualität der Grunge-Hits von vor über 30 Jahren rütteln die neuen Versionen nicht, zumal, und das ist wohl die größte Überraschung, sich die Sludge-Versionen musikalisch oftmals gar nicht so weit von den Originalen unterscheiden. Der Keif-Kreisch-Gesang stellt hier den größten Umgewöhnungsfaktor dar, ansonsten ist das Album die Einladung zu einer nostalgischen Abrissparty.
Watertank – Liminal Status – Atypeek Music 2024
Von Matthias Bosenick (02.05.2024)
Ab die Post: Watertank werden 20 Jahre alt und vermengen auf ihrem erst vierten Album alle möglichen Genres, denen sie das Präfix „Post-“ verpassen, also Post-Hardcore, Post-Rock und, naja, eigentlich war’s das im Groben schon. Vielleicht noch Post-Grunge, Post-Indierock und, äh, Post-Post-Punk. Auf „Liminal Status“ schimmern die melodischen Shihad enorm durch, überhaupt sind die Franzosen aus Montaigu nahe Nantes bei aller Gitarrigkeit recht melodienah, ohne den kopfnickbaren Groove aus den Augen zu verlieren.
The Fall Guy – David Leitch – USA 2024
Von Matthias Bosenick (01.05.2024)
Ach – „The Fall Guy“ ist tatsächlich das Kino-Remake der 40 Jahre alten TV-Serie „Ein Colt für alle Fälle“! Von der der Film indes lediglich anderthalb Namen, ein Auto und das Hollywood-Setting übernimmt – der Rest hält den Erwartungen an eine solche Filmumsetzung nicht stand. Was einige Vorteile hat, betrachtet man die machohaft-sexistische Vorlage, aber auch den Nachteil, dass der Film ohne diese aufgedrückte Klammer besser funktioniert hätte, weil ohne Erwartungen, die er nicht einhält. Was er stattdessen liefert, ist durchaus okay und wäre bei strafferer Inszenierung sogar mehr als das geworden.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Wut ist nur ein vorübergehender Bewusstseinszustand – Die Knaller-Serie „Beef“
Von Onkel Rosebud
Meine Freundin übt sich sehr in Achtsamkeit und vergisst sich selten. Wenn sie mal aus der Haut fährt, dann im Straßenverkehr. Ihrer Meinung nach bleibt so ziemlich jeder Verkehrsteilnehmer unter seinen intellektuellen und motorischen Möglichkeiten. In der ein oder anderen Situationen führte das zum Einsatz der wilden Hupe und des gestreckten Mittelfingers. Einmal hat sie sogar einen Saft-Tetrapack nach einem anderen Autofahrer geschmissen (Hashtag „Ausparken“ und „Vorfahrt“). Das wird sie künftig nicht mehr machen, weil sie die sehr unterhaltsame, düstere und zugleich kluge Serie „Beef“ gesehen hat. Sie weiß jetzt, wohin selbst der kürzeste Moment des Kontrollverlustes im Fahrzeug führen kann: nämlich in die Katastrophe.
WeiterlesenNautilus – When Time Is Just A Word – Sireena 2024
Von Matthias Bosenick (30.04.2024)
Das dritte Album nach der Pause und das neunte insgesamt bringt die scheinbar gegensätzlichen Eckpunkte der Band Nautilus besser unter einen Hut als der Vorgänger „A Floating City“ vor vier Jahren: Watteweiche Pink-Floyd-Gitarren und technoider Trance sind die Pole, die das Quartett aus dem Ruhrpott hier auslotet, während es sich – der Bandname deutet lose in eine solche Richtung – abermals einem Buch von Jules Verne widmet, hier „In 80 Tagen um die Welt“. Was nicht groß auffällt. Die musikalische Mischung ist dabei eigenständiger als die einzelnen Komponenten, wobei die elektronischen Anteile mehr Aufsehen erregen als die im klassischen Prog angesiedelten.
Sibylle Schreiber – Das 3×8 der Liebe – Ehrlich-Verlag 2024
Von Matthias Bosenick (29.04.2024)
Es ist nie zu früh, an Weihnachten zu denken – und nie zu spät für das große Glück: Mit „Das 3×8 der Liebe“ veröffentlicht die eigentlich blutrünstige Thriller-Autorin Sibylle Schreiber weit außerhalb der Vorweihnachtszeit eine besondere Geschichtensammlung. Aufgeteilt auf 24 Adventskalendertürchen, berichtet sie von 24 Liebesgeschichten rund um die Welt und leuchtet dabei lokale Weihnachtsbräuche aus, mit Romantik, Tragik, Humor, Action, Jugend, Alter, Leben und Tod, sogar mit Metaphysik und Folklore. Sie erzählt in ihrem empathischen, bildreichen und assoziativen Schreibstil, gleichzeitig gewählt und am Puls der Zeit – man muss gar nicht bis zur Adventszeit warten, um an diesem Buch Freude zu haben.
Neil & The Horse – Fu##in’ Up – Reprise Records 2024
Von Guido Dörheide (29.04.2024)
Wäh? Nicht irgendein Horse, sondern „The“ Horse? Und nicht mal mehr verrückt, das Pferd? Ein Blick in die Besetzungsliste schafft Klarheit: Neil & The Horse sind Neil Young, die verbliebenen Crazy-Horse-Mitglieder Billy Talbot und Ralph Molina, Nils Lofgren (der seit 2018 den ausgeschiedenen Frank „Poncho“ Sampedro bei Crazy Horse ersetzt) und Micah Nelson von Promise Of The Real, die ebenfalls schon gemeinsam mit Young musiziert haben. Anstatt die Band also einfach „Molina, Talbot, Lofgren, Nelson & Young“ oder „Nils, Young, the Rest of Crazy Horse & the Son of Willie Nelson“ zu nennen, wählte man „Neil & The Horse“.
WeiterlesenKari Erlhoff – Rocky Beach Crimes: Tödliche Törtchen (Tante Mathilda ermittelt) – Kosmos 2023
Von Matthias Bosenick (26.04.2024)
Wie nähert man sich diesem Buch: Im Kontext eines Pferdes, das auf dem besten Wege ist, zu Tode geritten zu werden, oder als solitären Cozy-Krimi? Beides ist möglich – und überraschenderweise funktioniert beides auch ganz gut. Bei den „Rocky Beach Crimes“ handelt es sich um die drölfzigste Methode, aus der ursprünglichen Jugendbuchserie „Die drei ???“ noch mehr Geld zu quetschen; dieses Mal, indem man vertraute Nebenfiguren ganz ohne die titelgebenden Juniordetektive in Buchform eigene Fälle lösen lässt. Den Auftakt macht Justus Jonas‘ Tante Mathilda, der die in der Hauptserie für ihre ungewöhnlich brutalen Geschichten bekannte Kari Erlhoff mit „Tödliche Törtchen“ einen Fall auf den Leib schneidert, der der resoluten Altwarenhändlerin erstaunlich gut steht. Und ohne diesen Serien-Kult-Kontext bekommt man einen Krimi, den eine Schrottplatz-Miss-Marple im Rahmen ihrer Möglichkeiten souverän meistert. Untiefen haben diese letalen Backwerke zwar, doch überwiegt hier das Positive. Drei weitere Bücher liegen in diesem Spin-Off bereits vor: Gentleman-Kunstdieb Victor Hugenay, Ex-Kommissar Reynolds und Erzfeind Skinny Norris sind da die Ermittler. Wann Blacky?









