Anthrax – For All Kings – Nuclear Blast 2016

Von Matthias Bosenick (05.05.2016)

Wofür stehen Anthrax im Jahre 2016? Immer noch für latent progressiven Thrash Metal? Oder mehr für Egoprobleme einzelner Mitglieder und das unattraktive ewige Wechselspiel am Mikrofon? Wischt man sein Hintergrundwissen beiseite und legt das elfte Album (in 35 Jahren) vorurteilsfrei ein, stellt man fest: „For All Kings“ ist nett heavy und abwechslungsreich, Joey Belladonnas Stimme nervt nicht, es dringen Energie und eigentlich sogar gute Laune aus den Boxen heraus – aber der Vorgänger „Worship Music“ hatte die geileren Songs. So ist „For All Kings“ eine gelungene Traditionspflege, die nicht enttäuscht, aber auch nicht überrascht.

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Violent Femmes – We Can Do Anything – Add It Up Productions/PIAS 2016

Von Matthias Bosenick (04.05.2016)

Ein neues Album von den Violent Femmes. Noch ein paar Zombies aus der Indieversenkung, die es nochmal wissen wollen. Okay, mal reinhören. Hm. Ist nur eine halbe Stunde lang und klingt genau wie ein Mix der Alben, die das Trio zwischen 1983 und 2000 herausbrachte. Nix Neues also, kein Grund für diese CD. Ist ja alles schon mal da gewesen und sehr vertraut. Also geil. Irgendwie. Verdammt. Die Jungs sind beseelt und haben Bock, den alten Scheiß mit umme 50 nochmal frisch und neu zu reißen. Mit spartanischem Schlagzeug, folkigen Anleihen, Rumschreien und den Horns Of Dilemma. Verdammt, da hat echt was gefehlt in den letzten 16 Jahren. Wie blöd: „We Can Do Anything“ ist mal echt geil geworden.

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Die Arschkrampen: Das Leben ist eine Deponie – Live im Schützenhaus Wesendorf am 25. April 2016

Von Matthias Bosenick, Interviewfoto von Boris Neubrandt (26.04.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Da muss ich erst fast 44 Jahre alt werden und erlebe zum ersten Mal in meinem Heimatdorf, in dem ich 26 Jahre lang gewohnt habe, eine Kulturveranstaltung. Und dann noch so eine gigantische: Die Arschkrampen vom Radio-ffn-Frühstyxradio feiern fröhliches Comeback und treten zum Auftakt der gesamten Tour im Schützenhaus, ähm: Kulturzentrum in Wesendorf auf. Deutschlands wohl wichtigster Medienkritiker Oliver Kalkofe und Deutschlands wohl effektivster Beklopptendetektor Dietmar Wischmeyer reaktivieren ihre alten Figuren Kurt und Gürgen. Und wie: Nach drei Stunden Programm kollabiert bei allen 800 Gästen das Zwerchfell. Und zum Schluss sind die Künstler noch fannah zu Fotos und Gesprächen bereit. Ein Traum.

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Hoax – Alte Liebe rostet nicht! – Hoax 2016

Von Matthias Bosenick (24.04.2016)

Jetzt nochmal in Ruhe: Es gibt neue Studioaufnahmen von Hoax. Ein Vierteljahrhundert nach dem letzten Album „Ohne Mwst.“ und elf Jahre nach der Best-Of „Wunderbar“. Mit drei neuen Songs, einem Remake von „Ophelia“ und dem Cover einer Band, die die deutliche Inspiration unterstreicht: die Ramones. Keine 13 Minuten Mucke, passt auf eine klassische Punk-7“, liegt also voll auf Linie. Denn Punkrock ist die grobe Grundlage für die Songs. Die offenbaren zweierlei: Hoax sind ganz die Alten, man hat sofort den großen Wiedererkennungsmoment, aber – und es wäre schlimm, wenn’s anders wäre – es ist tighter gespielt und produziert. Und der Titel ist Programm.

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Vasil Hadžimanov Band – Alive – MoonJune/Cargo Records 2016

Von Matthias Bosenick (18.04.2016)

Wer zum Henker ist Vasil Hadžimanov? Und warum sieht auch diese CD so seltsam amateurhaft aus? Und warum ist dann fast konträr dazu das entsprechende Album so restlos großartig?! Also, Vasil Hadžimanov kommt aus Serbien, aber wer auf dem vorliegenden Livealbum Balkanbeats erwartet, liegt komplett daneben. Hier hat man es mit einem irrwitzigen Mix aus Free Jazz, Funk, Progrock, akustisch gespieltem Drum and Bass, Klaviersonaten und irgendetwas Undefinierbarem zu tun. Abenteuerlich, mitreißend, anspruchsvoll, groovy. Man kann nur staunen. Und sollte beim Hören dringend das Cover weglegen.

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Hardcore (Hardcore Henry) – Ilya Naishuller – USA/RUS 2015

Von Matthias Bosenick (18.04.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Alter, wie geil! Krasse Scheiße. Ein Cyborg ist irgendwie unzerstörbar und ballert sich durch Moskau oder sowas, und alles ist mit der Go-Pro gedreht. Achterbahn ist nix dagegen, da stinkt selbst „Gravity“ gegen ab. Henry ist voll in die Fresse und in sonst noch was alles rein, was bei Menschen so wehtut. Story braucht die Schose nicht, dafür ist der Rest mal was geiler. Ein irrer Trip, Mann. Blutig wie Sau, coole Sprüche, aber nicht diese doofe Buddy-Scheiße, das nervt ja. Eher so schwarzer Humor mäßig. Und geile Mucke. Bisschen „Call Of Duty“ und sowas, nur als Film. Warum gibt’s das nicht schon längst? Endlich mal geile Action mit wirklich richtig was Neuem. Und gleich nochmal!

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B4-Festival im Gasthaus Zur Linde, Groß Oesingen, am 9. April 2016

Von Matthias Bosenick (10.04.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Eine Pogo-Party für die ganze Familie: das ist das B4-Festival, ausgerichtet von Hoax und dem Seitenarm Ramones Experience Tribute Band. Beide Gruppen spielen selbst und haben noch sage und schreibe vier Gastcombos dabei. Der Musikmix ist beachtlich: Punkrock, melodischer Oldschool-Thrash-Metal, Pop- und Rock-Cover-Truppen sowie Tanzparty mit Liveschlagzeug. Eine Mischung, bei der wortwörtlich jeder auf seine Kosten kommt, die allerdings definitiv nicht allen gefällt – dafür ist sie viel zu, nun: mutig. Das Wichtigste ist aber, dass der Bereich vor der Bühne permanent in Bewegung ist und dass sich die Gäste wie bei einem Klassentreffen über alte Zeiten unterhalten. Das geht immer gut, wenn Hoax einladen, und zwar beides, und das bis in den frühen Morgen. Geile Party wieder, auch ohne namhaftes Zugpferd dieses Mal.

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Raum (Room) – Lenny Abrahamson – CDN/IRL 2015

Von Matthias Bosenick (10.04.2016)

Das ist also der vielgepriesene „Raum“: Ein niedrigschwelliges Esoterik-liebe-das-Leben-Drama. Ein Wohlfühlfilm auf Kosten von Fällen wie dem von Natascha Kampusch. Das filmgewordene Nachdenkliche-Sprüche-Bild auf Facebook. Was sehr schade ist. Der kleine Junge spielt fantastisch, die Kameraarbeit ist sehenswert, die Konstellation vielversprechend. Doch „Raum“ hält seine Versprechen nicht, aber dafür eine viel zu gerade Linie ein, die Konflikte und Konsequenzen zwar zaghaft andeutet, aber letztlich ausspart. Alles ist harmlos, alles ist überwindbar, alles halb so schlimm. Wird schon. Iss mehr unterschiedliche Burger, dann liebst Du das Leben. Schließlich ist hier ein Kind die Hauptfigur, und darin liegt schon ein erhebliches Maß an inhaltlicher Belanglosigkeit.

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20 Years Of Nattefrost: Various Artists Interpreting Nattefrost – Sireena 2016

Von Matthias Bosenick (25.03.2016)

Krasse Idee: 20 Electro-Ambient-Musiker covern Black Metal! „Blood & Vomit“ im Synthie-Chill-Out-Mix! Ach nee, Moment: Nattefrost gibt es zweimal, einmal als Black-Metal-Combo aus Norwegen und einmal als Vintage-Electro-Projekt aus Dänemark. Sie eint maximal, dass sie jeweils solo unterwegs sind und aus Skandinavien kommen, ansonsten sollte man die Nachtfroste vorsichtshalber nicht verwechseln. Schade, die Idee ist lustig, sich beim Anhören der Trancetracks von „20 Years Of Nattefrost“ vorzustellen, sie wären im Original todesfeierndes Schwarzmetallgekeife gewesen. Doch da der Rezensent den Dänen Nattefrost und dessen Oeuvre nicht kennt, stellt er zunächst immerhin fest, dass die Tributanten, die ebenfalls nicht eben Weltruhm erlangten, eine homogene Arbeit auf Doppel-CD ablieferten. Man kann die zwei Stunden druchhören und erfasst ein einheitliches Soundbild, das sehr zum Entspannen einlädt und in sich doch ausreichend Abwechslung parat hält.

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Soulsplash – Recovery – Timezone 2015

Von Matthias Bosenick (18.03.2016)

Das Debütalbum von Soulsplash macht es mir extrem schwer, muss ich gestehen. Wüsste ich nicht um die Beteiligten, skippte ich (fast) jeden Song weiter. So aber gebe ich der CD eine Chance, und noch eine, und weiß der Geier, wie viele Chancen, und bleibe beim ersten Urteil: Ohne das Wissen um die Beteiligten skippte ich (fast) jeden Song weiter. Einer der Beteiligten ist nämlich Matze Grün, mein Mitstreiter beim „indigo“-Magazin in Wolfsburg vor einem Dutzend Jahren und außerdem früherer Bassist bei Headshot, den Thrashern aus Braunschweig. Daher suche ich nach den Perlen in diesem klassisch gespielten Nu Rock, der eigentlich überhaupt nicht mein Ding ist – und werde natürlich und gottseidank fündig.

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