Tom Liwa – Der, den mein Freund kannte – Tom Liwa 2020

Von Matthias Bosenick (29.12.2020)

Auf Deutsch singen und Klischees umschiffen, das war mal möglich, in den Neunzigern, und von denen, die damals diese Wege einschlugen, ist Tom Liwa einer der Überlebenden, einer, der sich konstant entwickelte, vom Indierock über die Verwandtschaft zur Hamburger Schule zu Singer-Songwriter ohne Gejammer, esoterischer Kunstmusik, Heilungsmusik und – nun: Was macht Tom Liwa eigentlich heute? Er reflektiert über den Tod, musikalisch zurückgenommen und experimentell wie lang nicht, textlich enigmatisch wie immer. „Der, den mein Freund kannte“ ist eine Herbstplatte, die von Tod und Abschied handelt und also auch vom Leben, und der begleitend „Das Buch Tom“ mit Gedichten und Kunst zur Seite steht.

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New Model Army – Carnival (Redux) – Attack Attack 2020

Von Matthias Bosenick (28.12.2020)

Eines der geilsten der an geilen Alben ausgesprochen reichen Indiefolkrockhelden New Model Army erfährt 15 Jahre nach der Erstveröffentlichung eine Politur und eine Erweiterung: „Carnival“ kommt als so bezeichneter Remix mit anderer Reihenfolge und vier zusätzlichen Tracks unter dem Hashtag „Redux“ neu heraus. Wirklich hörbar sind solche Remasterversionen recht selten, auch hier sind die Feinheiten wohl nur geschulten Ohren zugänglich, aber hey, vier neue Songs sind es wert, diese vor Integrität nur so strotzende Band für ihr vierzigjähriges Durchhalten zu feiern.

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White Rose Transmission – Happiness At Last – Sireena 2020

Von Matthias Bosenick (22.12.2020)

Nachdem die Weiße Rose zuletzt von fürchterlichen Menschen in falsche Kontexte gezogen wurde, wird man etwas skeptisch, wenn sie in einem Bandnamen auftaucht. Natürlich hat diese Band, besser: dieses Projekt, keine respektlose Intention, zudem besteht es mittlerweile bereits seit 25 Jahren. Gut zu wissen, da gibt es einiges nachzuforschen, sobald man das neue Album „Happiness At Last“ einmal durchgehört hat, zum Beispiel über Zusammenarbeiten im Indie- und Gothic-Bereich, die als Kenntnis für dieses Album jedoch eher irreführend sind. Es ist ein sehr sanftes, beinahe intimes Werk, nicht wie Singer-Songwriter-Gejammer, sondern wie ein kontemplatives, reflektiertes Stück Weltbetrachtung, innere wie äußere, das behutsam zum Zuhören einlädt, mit Gitarre, reduzierten Percussions, Klavier und natürlich Stimme. Und der Fähigkeit, mit diesen Mitteln Hymnen zu erschaffen.

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Spezial: René Seim + Windlustverlag

Von Matthias Bosenick (17.12.2020)

Für den Rezensenten ist es ein schwieriges Terrain: Lyrik, Gedichte, Poesie, da fehlt ihm im allgemein und grundsätzlich der Zugang. Nun bildet dies jedoch den Schwerpunkt im Schaffen des Dresdener Autoren und Verlegers René Seim. Eine Betrachtung seines Oeuvres aus der Position des Unbeleckten kann daher nur viel zu weit am Wesen der Dinge vorbeigehen. Versucht sei eine Annäherung an drei Bücher des Multitalents, der nicht nur als Autor und Verleger (Windlustverlag), sondern auch als DJ Cramér („Wildblumenblues“, „Wildes Parfum“), Fotograf und Labelbetreiber (Head Perfume Records) tätig ist: „Bunte Hunde, wilde Vögel“, „Spielereien einer vielschrötigen Flöte“ und „Fliegende Fenster“, allesamt erschienen im eigenen Windlustverlag.

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Xchnum Miiimiiikry – Modus Operandi – Jems 2020

Von Matthias Bosenick (14.12.2020)

„Modus Operandi“ dürfte eines der zugänglichsten Werke des an Werken an sich nicht eben armen Jonas Kolb sein, hier tätig unter seinem Alias Xchnum Miiimiiikry. In sechs Stücken schickt er seinen Black Metal bei der Neuen Deutschen Todeskunst in die Lehre, und dabei entsteht Leere: Nihilismus als Kern, musikalisch entsprechend implosiv umgesetzt. Kalte, aber schöne Sounds, minimalistische Melodien, extreme Langsamkeit, temporäre Ausbrüche, die dann ins Nichts vergehen: Gut gelaunt ist Kolb mitnichten, aber selten geht man aus einem seiner Alben so entspannt heraus wie aus diesem.

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Mr. Bungle – The Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo – Ipecac 2020

Von Matthias Bosenick (01.12.2020)

Vom Trash zum Thrash: Schreihals Mike Patton schart einige Ex-Kumpels von Mr. Bungle sowie zwei prominente Genregäste um sich, um das Debüt-Tape seiner Highschoolkapelle Mr. Bungle unter Coronabedingungen neu einzuprügeln. Wer die Band wegen des zappaesken offiziellen Debüts lieben lernte, wird hiervon vielleicht erstmal enttäuscht sein, weil es, und das ist wiederum das Schöne daran, ein lupenreines, kraftvolles, groovendes, melodiöses und humorvolles Thrash-Metal-Album geworden ist. Die echten Wurzeln eben. So geht Erwachsenwerden, Boomer!

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Spezial: Marc Gordon Sloan

Von Matthias Bosenick (27.11.2020)

Das ist Bassmusik: Anlässlich seines Corona-Projektes „Reel To Real Volume 1“ steckte der New Yorker Bassist Marc Gordon Sloan gleich noch zwei weitere seiner Alben in den Briefumschlag, und zwar die Post-Punk-No-Wave-Retrospektive „Divine Bones“ sowie die Country-Überraschung „Portrait Of The Musician As Forever Moonlight“. Am Corona-Projekt beteiligten sich mit ihm zehn über die ganze Welt verteilte Künstler, darunter auch die Braunschweiger blackhole-factory.

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B. Ashra – The Sound Of DMT: A Sonic Ayahuasca Journey – Klangwirkstoff Records 2020

Von Matthias Bosenick (26.11.2020)

Wer sich beim Entspannen etwas gruseln möchte, liegt mit diesem Album genau richtig: Zwar orientiert sich auch Klangwirkstoff-Labelbetreiber B. Ashra bei der Erstellung seiner Musik an Hans Coustos Kosmischer Oktave, ähnlich wie auch Barnim Schultze alias Akasha Project, doch weicht das musikalische Ergebnis des Berliners erheblich von dem des Braunschweigers ab. „The Sound Of DMT“ feiert eine schamanische Droge, Ayahuasca nämlich, und das frei von Melodien, vornehmlich auf Rasseln und Samples basierend, bisweilen wohlig spooky. Der Trip ist ungewöhnlich, aber auf eine überraschende Weise einnehmend, hypnotisch.

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Devin Townsend – Order Of Magnitude: Empath Live Volume 1 – Inside Out 2020

Von Matthias Bosenick (24.11.2020)

Ein neues Live-Mega-Pack von Devin Townsend. Juhu. Und dann noch beindext mit Volume 1. Die Unterschiede zu bisherigen Livealben sowie den Studioversionen sind marginal, auch wenn hier andere Mitmusiker als sonst am Start sind. Gute Leute, sicherlich, doch fällt bei den Unterschieden sofort der etwas schlechtere Sound ins Ohr: Das Schlagzeug klingt wie Pappe und nicht alle Gitarrenriffs tragen die Wucht, die man von ihnen kennt. Und man fragt sich angesichts der Hawaii-Folklore: Ist das noch Metal oder doch schon weit mehr Operette und Schlager, als man bei früheren Auftritten schon befürchtete?

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Roji – Oni/Alexander – I – Schneider Collaborations 2020

Von Matthias Bosenick (23.11.2020)

Zwei Schlagzeug-Bass-Projekte von Jörg Alexander Schneider, die er im Spätsommer nicht nur digital, sondern auch als Schallplatte unter die Leute brachte: „Oni“, das zweite Freejazz-Album von Roji, seiner dritten Zusammenarbeit mit Gonçalo Almeida (nicht dem luxemburgischen Fußballspieler), und „I“, das Drone-Debüt von Alexander, seiner Allianz mit Kyle Alexander McDonald, mit dem er den titelgebenden Zweitnamen teilt. Beide Alben könnten unterschiedlicher kaum sein: „Oni“ der pure improvisierte Lärm, mit ausgewählten Gästen erzeugt, und „I“ beinahe entspannender schwermütiger Noise-Drone.

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