The Claypool Lennon Delirium – Lime And Limpid Green – ATO Records 2017

Von Matthias Bosenick (25.08.2017)

Die Verknappung einer Veröffentlichung mit einer Wiederveröffentlichung aufheben ist gut, doch diese ebenfalls verknappen ist ein Witz: Die Cover-10“ „Lime And Limpid Green“ brachten Les Claypool und Sean Lennon ursprünglich zum jüngsten Record Store Day heraus und legten sie jetzt für den freien Markt neu auf. Der Unterschied: Das Vinyl ist jetzt transparent mit grünen Splattersprengseln, einige Tippfehler auf der Hülle sind korrigiert. Die Musik: Das psychedelische Duo spielt vier mehr oder weniger psychedelische Standards im eigenen Sound nach. Ist okay, aber weniger Reizvoll als das gemeinsame Album.

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Dan Scary – Leichenwetter EP – Dan Scary 2017

Von Matthias Bosenick (15.08.2017)

Schwarzgefärbtes aus der DIY-Garage: Mit Recht beschreibt Dan Scary seine Musik als einen Mix aus Gruft und Punk. Alle Instrumente spielt er selbst, das Schlagzeug programmiert er, die Texte sind davon geprägt, dass ihn das, was er um sich herum wahrnimmt, mindestens anwidert. Seinen Protest drückt er nicht nur mit Wut, sondern auch mit von Wut geprägtem Humor aus. Musikalisch ist er deutlich in den Achtzigern sozialisiert; den Sound bekommt man heute eher selten noch zu hören. Zeitgemäß oldschool.

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Sqürl – EP#260 – Sacred Bones Records 2017

Von Matthias Bosenick (08.08.2017)

Den Rausch ausleben, nicht ausschlafen! Konturen sind was für Anfänger und Remixer, damit halten sich die drei Musiker inklusive des Regisseurs Jim Jarmusch mal gar nicht auf, jedenfalls nicht in den ersten sechs Minuten dieser EP in Über-„Reign In Blood“-Länge. Es schleift und dröhnt, bevor es dezent zu wummern beginnt. Die Musik ist so dunkel und verrätselt, wie es manche Elemente in Jarmuschs Filmen sind.

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Baby Driver – Edgar Wright – GB/USA 2017

Von Matthias Bosenick (01.08.2017)

Edgar Wright scheitert am Genre. Er ist immer dann am besten, wenn er darauf pfeift, und das unterlässt er bei „Baby Driver“ leider. Die Folge ist, dass das Drehbuch keine Haken schlägt, sondern konventionell den verfolgungsjagdlastigen Actionfilm um einen juvenilen gutherzigen Zufallsbeteiligten bedient. Auch vermisst man Wrights typischen Filmstil, den er hier indes gegen in der Tat großartig komponierte Choreografien tauscht: Der Film geschieht im Takt der Musik, die die Titelfigur und damit der Zuschauer unablässig im Ohr hat. Immerhin gut gemacht, aber ansonsten Stangenware.

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Valérian – Luc Besson – F 2017

Von Matthias Bosenick (21.07.2017)

Regisseur Luc Besson verfestigt seinen kreativen Niedergang. Sein letzter richtig guter Film ist 23 Jahre alt: „Léon – Der Profi“. Mit „Valérian“ verfilmt er eine frankobelgische SciFi-Comicserie aus den Sechzigern; wer die nicht kennt, sieht den Film für sich stehend und kann sich nur wundern, wie flach, banal, belanglos, stereotyp der ist. Es gibt in den 140 Minuten keine einzige eigene Idee. Aus dem Kino kommen und vergessen.

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Solbrud & Wildernessking – Live in der Astra-Stube in Hamburg am 18. Juli 2017

Von Matthias Bosenick (19.07.2017)

Der erste sonnige Tag im Juli, und wir gucken Black Metal. Trve! Auf der kleinen Bühne in der winzigen Hamburger Astra-Stube müssen die Musiker von Solbrud aus Kopenhagen und Wildernessking aus Kapstadt nebeneinander stehen. Beide Bands sind Vertreter des modernen Black Metal, der sich in Sachen Gebretter und Geschrei für Atmosphären, Post Rock, Ambient und Progressivität geöffnet hat. Die Musik ist so trve wie die Location in direkter Schanzenviertelnachbarschaft: Über der Bühne steht „Flora bleibt“. Und für den Rezensenten ist es eine Riesenfreude, die vier jungen Dänen zwei Jahre nach ihrem Gig Leipzig wiederzusehen – und wiedererkannt zu werden.

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Marcel Pollex – Me Marcel And I – KatzeBullshit 2017

Von Matthias Bosenick (17.07.2017)

Ein Mixtape ist die Bezugsgröße für das neue Spoken-Word-Produkt von Lesebühnenautor und Slammer Marcel Pollex, jedoch keines nach Art der C90-Kassette, sondern des zeitgenössischen Hip-Hop-Podcasts. Der sieht vor, dass Tracks zusammengemixt werden aus unterschiedlichen Quellen, in unterschiedlichen Soundqualitäten und außerdem teilweise technisch verfremdet, und genau so macht es Pollex mit seinen mitgeschnittenen Leseauftritten und Studiosessions auch. Inhaltlich kommt er, um sich zu beschweren, also um das zu liefern, was man von ihm kennt. Neu ist hier eben die Darreichungsform, die sich vom klassischen Hörbuch abhebt. Spannend, auf beiden Ebenen.

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!!! – Shake The Shudder – Warp 2017

Von Matthias Bosenick (29.06.2017)

Was spätestens mit „As If“, dem Vorgängeralbum, leider abzusehen war, bewahrheitet sich auf „Shake The Shudder“: !!! werden synthetisch und geben damit ihr Alleinstellungsmerkmal ab, schweißtreibende Tanzmusik mit der Hand zu spielen. Die Songs auf dem siebten Album sind okay, gelegentlich hört man den typischen Discofunk der Wahl-New-Yorker heraus, doch fehlen die Haken, mit denen sich !!! bis dato ins Ohr bohrten. Not every day is like Yadnus. Trotzdem fließt Schweiß.

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The Twang – Wüste Lieder – Riptide Recordings/Cargo 2017

Von Matthias Bosenick (26.06.2017)

Eines machen The Twang als Countryfizierungserfinder als einzige besser als alle anderen, allen voran ihre sämtlichen Epigonen: Sie spielen nicht billig die bereits existierenden Hits in ihrem Stil nach, sondern erschaffen Neukompositionen. Bis auf den Text ist alles anders, auch die Melodien; damit verweigern sie den stumpfen Mitgrölfaktor, vielmehr fordern sie den Partygast zur fröhlichen Auseinandersetzung auf. Dieses Konzept behalten sie auch nach 20 Jahren und auf ihrem ersten deutschsprachigen Album „Wüste Lieder“ bei. Diskutierbar ist hier höchstens die Auswahl der Originale, die Twang-Musik selbst ist unantastbar.

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Perma F – Gravity – Perma F 2017

Von Matthias Bosenick (24.06.2017)

Gravity“, das zweite Album von Perma F aus Malmö, schlägt eine Brücke zwischen den neuen, eher elektronischen Songs, die Leif Ekman unter diesem Projektnamen bislang produzierte, und seiner Vergangenheit mit der in Schweden einigermaßen populären Postpunk-Wave-Band Unter Den Linden: Zwar entstanden die Songs hörbar am PC und transportieren zeitgemäße Synthiepopstrukturen, doch bratzen die Gitarren und schleppen sich die Beats wie weiland bei den Gruftmuckeerfindern. Höhepunkt ist das an schwedische Traditionals gelehnte und von Birgitta Ekman gesungene „Ho Rollur“.

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