Jaz Coleman – Magna Invocatio – Spinefarm Records 2019

Von Matthias Bosenick (03.03.2020)

Jetzt bringt Killing-Joke-Sänger Jaz Coleman eben das gescheiterte Pledge-Projekt unter seinem eigenen Namen heraus. Nicht wild, das Ergebnis zählt: In Sachen Komposition ist der alte Knallkopp sowieso bestens bewandert, als Indierocker ebenso wie in der Klassik, und auf diesem Doppel-Album kombiniert er eben beides, indem er aus bereits existierenden Killing-Joke-Songs fabelhafte Klassikpartituren zaubert. Den mystischen Überbau kann man gepflegt ignorieren, die hohe Qualität dieser Musik nicht: Das ist nicht einfach nachgedudelt, in dieser „Gnostische Messe für Chor und Orchester“ steckt sowas von Musike drin.

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Pokémon: Mewtwo Strikes Back: Evolution (ミュウツーの逆襲 EVOLUTION) – Motonori Sakakibara & Tetsuo Yajima – J 2019/Netflix 2020

Von Matthias Bosenick (02.03.2020)

Allein der sperrige Titel! Lässt man sich vom Trailer dazu verführen, „Pokémon: Mewtwo Strikes Back: Evolution“ auf Netflix zu gucken, versucht man anfangs noch, die gelungene CGI-Animation der beliebten Taschenmonster zu genießen, die man nicht nur aus dem immer noch populären Handyspiel Pokémon Go kennt. Schnell gehen einem jedoch die Nichthandlung, das Gekreische und die sinnfreien Dialoge auf den Keks. Da kann Pikachu noch so süß gucken: Der Mischfilm „Pokémon Detective Pikachu“ war gelungen, dieses Remake eines 22 Jahre alten Animationsfilms ist Zeitverschwendung.

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Hardy Crueger – Schlachthaus – Hardy Crueger 2020

Von Matthias Bosenick (27.02.2020)

Wenn schon ein sympathischer Mensch auf solch menschenverachtende Ideen kommen kann, mag man sie sich gar nicht in den Köpfen solcher Leute vorstellen, wie Hardy Crueger sie in seinem neuen Thriller „Schlachthaus“ beschreibt. Um die größenwahnsinnige Motivation von Serienmördern geht es, und Crueger beweist sich als Fachmann sowohl in Täter- als auch in Opferpsychologie. Das Buch ist spannend und abstoßend zugleich, man mag es nicht lesen, aber auch nicht aus der Hand legen. Ein schmerzhafter Parforceritt für die empfindsame und empathische Seele.

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Machyyre – Wunschbrunnen – Wolfsrudel/Puppengott 2020

Von Matthias Bosenick (25.02.2020)

Was’n Paket! Jonas Kolb aus Schöningen bringt sein neues Album „Wunschbrunnen“ unter dem dem schwer aussprechbaren Alias Machyyre nicht einfach als CD heraus, sondern in ein dickes Buch mit Stickern, Extra-Booklet (seinem „Puppetier“-Comic), Mini-Buch und sonstigen Goodies eingebettet. Musikalisch lässt er sich noch am ehesten in der Neuen Deutschen Todeskunst verorten, und wenn man das weiß und sich dann aber vom ersten Track gleich in bester Black-Metal-Manier anbrüllen lässt, ist man umgehend geplättet. Dunkle Poesie mit minimalistischer Musik und vielen Überraschungen, nicht nur optischen. Verstörend gut.

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October Burns Black – Reflections – Outland Media/OBB 2019

Von Matthias Bosenick (21.02.2020)

Es ist nicht immer ratsam, sich sämtliche Projekte zuzulegen, an denen Musiker seiner früheren Helden beteiligt sind. Grundsätzlich birgt diese Art des Sammelns zwar eine potentielle Horizonterweiterung, aber es gibt eben auch Ausnahmen, und zu denen gehört das Projekt October Burns Black. Von früheren Helden beteiligt ist hier Simon Rippin, Schlagzeuger unter anderem der Fields Of The Nephilim. Diese international zusammengesuchte Supergroup nun spielt auf ihrer zweiten EP „Reflections“ bestens produzierten und komponierten Gothic Rock – jedoch nahezu ohne eigene Note. Tut nicht weh, tut aber leider auch sonst nicht viel.

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Törzs – Tükör – Golden Antenna Records 2019

Von Matthias Bosenick (14.02.2020)

Eine ungarische Band nimmt ein Post-Rock-Album des Halls wegen in einer Tropfsteinhöhle auf: Die Rahmenbedingungen sind spektakulär, die Musik auf „Tükör“ greift in höchste Höhen, jubiliert, tiriliert, alles auf bestem Niveau – und verpasst die einmalige Chance, dabei dem Genre etwas Eigenes hinzuzufügen. Keine Frage, „Tükör“ ist ein tolles Album und Törzs aus Budapest eine tolle Band, aber man hat auch so grandiose Musik wie diese bereits hinreichend vernommen.

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The Sandmen – Himmelstormer – 500% Records 2019

Von Matthias Bosenick (11.02.2020)

Helden der Hymne! Auf „Himmelstormer“ greifen The Sandmen zurück in die Vergangenheit, aber nicht in ihre eigene: Die Rockband aus Dänemark integriert Sounds und Strukturen aus den Achtzigern in ihre Songs, die sie selbst zu der Zeit gar nicht verwendeten. Nicht nur damit emanzipieren sie sich von ihrer eigenen Historie: „Himmelstormer“ ist das zweite Album auf Dänisch und das erste auf ihrem eigenen Label 500% Records, benannt indes nach einem Song auf ihrem Album „Western Blood“ von 1988. „Himmelstormer“ ist wie ein attraktives Radioprogramm: unterschiedliche Stile, mal rockend, mal tanzbar, mal balladesk, und immer mit Ideen im Sound, die andere an der Stelle nicht gesetzt hätten. Gelungen!

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What Did Jack Do? – David Lynch – Netflix 2020

Von Matthias Bosenick (06.02.2020)

Seit 2006 produzierte der verschrobene Regisseur David Lynch nichts mehr fürs Kino („Inland Empire“), seit 2017 nichts fürs Fernsehen („Twin Peaks“, Staffel 3), und dann stellt der Mann im Januar 2020 ganz plötzlich einen Kurzfilm bei Netflix ein, den er bereits 2016 fertigstellte. Mit ebenjenem „Hä?“ wie auf diese Umstände reagiert man auch auf den Film selbst: Der Regisseur befragt sein äffisches Alter Ego nach einem Mord, woraus sich eher unzusammenhängende Dialoge ergeben. Schönes Schwarzweiß, viel Zigarettenrauch, ein guter Witz – ansonsten nur Fragezeichen. Es ist, als sähe man ihm dabei zu, wie er gedankenverloren auf seiner Schreibtischunterlage herumkritzelte.

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Sorry We Missed You – Ken Loach – UK/B/F 2019

Von Matthias Bosenick (05.02.2020)

Da hat sich der linke Antikapitalist Ken Loach aber etwas vorgenommen: In seinem neuen Film „Sorry We Missed You“ versucht er den Rundumschlag gegen alles, was ihn an der Moderne im Prä-Brexit-England stört, von Ausbeuterjobs über wachsende Gewaltbereitschaft, Pflegenotstand und miese Zukunftsaussichten bis hin zum Gesundheitssystem. Eine zarte Lösung bietet er zwar an, aber letztlich absolut keine Hoffnung. Der vielzitierte kleine Mann hat in Loachs Augen keine Chance, in diesem System zu bestehen, weder mit Zynismus noch mit schierer Willenskraft. Schwere Kost, kein Kinovergnügen, aber genau deshalb sehr wichtig.

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Hoax – Shake Up The Monster – Hassköter Production 2019

Von Marc Lücke (02.02.2020)

Mit einer 10-Track-CD meldeten sich im Dezember die Punkrock-Veteranen Hoax zurück. Das Album trägt den Namen des Konzerts, das Ende Januar im Gifhorner Nordkreis zusammen mit den legendären UK Subs aus England statt fand. Ort des rockigen Ereignisses war Schweimke bei Hankensbüttel. Insgesamt acht Musiker sind an der CD beteiligt, drei davon gehörten schon der Hoax-Urbesetzung aus den 80er Jahren an: Sänger Vincent Banane, Ex-Drummer Hüni Banane (Vocals) und Gitarrist Münki Banane, der schon 1982 im Gründungsort Groß Oesingen in die Seiten griff und seinerzeit mit seiner selbst gebauten doppelhalsigen Klampfe in der BRAVO zu sehen war.

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