Stranger Things 3 – The Duffer Brothers – Netflix 2019

Von Matthias Bosenick (15.07.2019)

Was tut man, wenn eine Geschichte eigentlich längst auserzählt ist, aber überraschenderweise so viele Anhänger fand, dass man sich von Marktes Seite dazu getrieben sieht, sie fortzusetzen? Man baut äußere Umstände wie das Erwachsenwerden der Jungschauspieler in die Story ein, zitiert die rahmengebenden Achtziger wie nix, dreht an der Action- und Gewaltschraube und vergisst, worum es vor drei Jahren mal ging. In Staffel 3 der Netflix-Serie „Stranger Things“ findet man sich als Fan der ersten Stunde kaum noch zurecht. Zwar ist die Geschichte – nachdem man die unsäglichen ersten Episoden überstanden hat – spannend, aber nicht im Sinne der Serie, sondern lediglich aus sich selbst heraus. Ein, zwei Staffeln sollen noch folgen, heißt es. So geht das im Kapitalismus, der ist stärker als die Kunst. Zum Beispiel die Kunst, aufzuhören.

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Meat Beat Manifesto – Opaque Couché – Flexidisc 2019

Von Matthias Bosenick (26.06.2019)

„Opaque Couché“, oder auch „Drab Dark Brown“, oder auch „Pantone 448 C“, oder auch „Die hässlichste Farbe der Welt“: Was beabsichtigt Jack Dangers damit, wenn er sein neuestes Album unter dem Projektnamen Meat Beat Manifesto danach benennt, wie in diversen Ländern Zigaretten abschreckend verpackt werden? Und darauf dann Musik veröffentlicht, die es wie eine Kopie des Vorgängers „Impossible Star“ erscheinen lässt? Also abstrakte Komplexbeats, losgelöst von sowohl Popstrukturen als auch solchen, mit denen Dangers seit über 30 Jahren andere große Hitmacher beeinflusst, von Bigbeat über Dubstep bis IDM. Kann man zwar gut hören, aber eine Offenbarung ist es nicht.

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The Flaming Lips – King’s Mouth – Warner 2019

Von Matthias Bosenick (24.06.2019)

Gar nicht so freakig wie erwartet, oder hat man sich lediglich daran gewöhnt? Wayne Coyne, Chef der Flaming Lips, hatte jüngst eine Kunstausstellung namens „King’s Mouth“, und unter Mitwirkung von The Clashs Mick Jones legt er nun im Gewand seiner Band den Soundtrack dazu vor. Natürlich geistert Coynes Kunstpop über den Wassern, aber das Album hat zusätzlich diverse wunderschöne Ohrwürmer in petto. Gab’s beim Record Store Day auf goldenem Vinyl und soll demnächst dem Rest der Welt auf CD zugänglich gemacht werden.

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Ben Aaronovitch – Die Glocke von Whitechapel (Lies Sleeping)/Die Nachthexe (Body Work) – dtv/Panini 2019

Von Matthias Bosenick (21.06.2019)

Im zehnten auf Deutsch erschienenen Buch, und zwar dem siebten Band der Serie (verwirrend!) um den Londoner Zauberpolizist Peter Grant, macht Ben Aaronovitch einiges besser als zuvor: Er lässt den Leser besser an das komplexe bisherige Geschehen anknüpfen und ermöglicht es damit auch Neueinsteigern, so etwas in der Art wie Anschluss zu finden, schweift nicht so ausgiebig ab wie sonst und bleibt in seinen Beschreibungen anschaulich und nachvollziehbar. Eine schlechtere Story wie in manch vorherigem Buch ergibt das gottlob nicht, auch wenn aus dem Whodonit dieses Mal eine Actionjagd wird.

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The Dead Don’t Die – Jim Jarmusch – USA 2019

Von Matthias Bosenick (14.06.2019)

Der Schuss ging nach hinten los. Anders als bei „Dead Man“ und „Only Lovers Left Alive“ gelingt es Jim Jarmusch mit „The Dead Don’t Die“ nicht, ein Genre in seinem Sinne umzukrempeln. Western und Vampirfilm funktionierten bei ihm deshalb so gut, weil er etwas Eigenes daraus machte; den Zombiefilm übernimmt er mit eigenem Tempo und einigen eigenen Dialogideen, lässt ihn aber ansonsten zu sehr im Genre verhaftet und bleibt bei der Umsetzung seiner spärlichen Traditionsbrüche inkonsequent. Nach „The Limits Of Control“ ist dies sein zweiter mittelschlechter Film – was die erheblich gigantische Ausbeute an hochgradig guten Filmen zum Glück nicht allzusehr beeinträchtigt.

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Brass Against – Live im MusikZentrum Hannover am 12. Juni 2019

Von Matthias Bosenick (13.06.2019)

Im Projektnamen ist das mittlerweile erweiterte Konzept hinterlegt: Brass Against begannen ihre Karriere damit, die Hits von Rage Against The Machine mit Blasinstrumenten nachzuspielen. Längst erweiterten die New Yorker ihr Repertoire um weitere Neunziger-US-Indie-Hits und holen so das Altstadtfest-Coverband-Feeling in die kleinen alternativen Clubs, sehr zur Freude der Übervierzigjährigen, die die Originalinterpreten nicht live erwischen können. Der Blechblassound pumpt ordentlich, die Sängerin erfüllt den Tatbestand der Rampensau, der Spaß ist abendfüllend und die Frage nach der grundsätzlichen Relevanz von Coverbands immanent.

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U2 – The Europa EP – Island 2019

Von Matthias Bosenick (11.06.2019)

Die große Rockband U2, vermutlich die derzeit größte der Welt, veröffentlicht seit 2010 ihre einst so begehrten Singles lediglich zu den amerikanischen Plattenladensonderterminen. Die neueste, kreativ „The Europa EP“ benannt, erschien zum jüngsten Record Store Day und beinhaltet exakt null neue Songs. Vielmehr bekommt man den Auftakt zur letzten Tour in eine ineinanderfließende Liveversion der beiden B-Seiten-Tracks gesampelt, nämlich die Rede von Charlie Chaplin aus „Der große Diktator“. Nett, in Summe sogar hörbarer als die beiden letzten Studioalben, und doch reichlich verzichtbar.

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Fixmer/McCarthy – Let It Begin – Planete Rouge Records 2019

Von Matthias Bosenick (07.06.2019)

Seit elf Jahren kein neues Album, aber die dritte 12” in drei Jahren: Zwei neue Songs plus jeweils einen Remix dazu veröffentlichen der französische Techno-DJ Terence Fixmer und der englische EBM-Mitgestalter Douglas McCarthy als „Let It Begin“-EP. Kurioserweise haben die Remixe mehr Feuer als die Originale, und es bestätigt sich, dass das Duo auf Albumlänge mehr zu sagen hat als in einzelnen Tracks. Wenn der Kontext fehlt, wirken die Stücke etwas unausgefeilt. Aber die beiden Jungs haben doch Spaß an der Sache und hören trotz Zeitnot nicht damit auf, miteinander Musik zu veröffentlichen. Und das ist gut so.

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Paul Weller – Other Aspects (Live At The Royal Festival Hall) – Parlophone 2019

Von Matthias Bosenick (04.06.2019)

Paul Weller rockt nicht. Zumindest nicht auf diesem, seinem 1312420. Live-Album: Da stellt er seine wilde hinter seine milde Seite, begleitet von Streich- und Bläserensemble sowie indischem Instrumentarium. Seine Begleiter wissen sich aber dem perfekten Sound des Wellerwerkes unterzuordnen, Paule steht definitiv im Mittelpunkt, zu keiner Zeit herrscht der Kleister; in dieser Fassung hört man diese Stücke sehr gern. Auf zwei CDs und einer DVD im Pappklappcover sind zwei Konzertabende in der Royal Albert Festival Hall zusammengefügt; keine Greatest-Hits-Ansammlung, übrigens.

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Roads – Sebastian Schipper – D/F 2019

Von Matthias Bosenick (31.05.2019)

Hier gewinnt der Inhalt über die Form: Verglichen insbesondere mit Sebastian Schippers vorherigem Film „Victoria“ besticht „Roads“ mit der Geschichte, die er erzählt, und dies in eher konventionellen Bildern. Aber die Handlung fesselt: Ausgehend von zwei Familiendramen, handelt „Roads“ Adoleszenz, Flüchtlingsschicksale, Europa und Antirassismus gekonnt miteinander verwoben ab. Zwei Teenager aus verschiedenen Kulturkreisen suchen Angehörige und überwinden dabei nicht nur geographische Grenzen. Und The Notwist besorgen den chilligen Soundtrack dazu.

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