Turk & Zidrou – Percy Pickwick 24: Just Married – Toonfish 2018

Von Matthias Bosenick (07.01.2018)

Was für ein Mist! Rassistisch, sexistisch, homophob, dazu die Abwesenheit einer Story und flache Gags, den eingangs genannten Eigenschaften zufolge meistens stereotyp und klischeehaft. Das ist trotz einiger vorangegangener Schwächen in den zurückliegenden 23 Büchern aus fast 60 Jahren der schlimme Tiefpunkt der ansonsten großartigen Serie. Man kann sich nur wundern, was den frisch hinzugezogenen Texter Zidrou da geritten hat, sich so einen Schwachsinn einfallen zu lassen. Dabei stammt eines der besten Spirou-Sonderabenteuer von ihm: „Das Licht von Borneo“, poetisch, kunstvoll, zeitkritisch, opulent. Dagegen der englische Detektiv: am anderen Ende der Skala.

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Dan Scary – Dunkelpunk aus Unterwelt – Dan Scary 2017

Von Matthias Bosenick (03.01.2018)

Als sein Debüt gilt Dan Scarys „Dunkelpunk aus Unterwelt“, nach drei „Als ich aufhörte zu schweigen“-CDrs und einigen EPs als Downloads. Auf den größtenteils neuen elf Stücken verfeinert der Wolfsburger Sologruftpunk seinen eingeschlagenen Stil: Von dunklen Goth-Synth-Bands beeinflusster Gesellschaftskritikpunk mit linker Haltung. Musikalisch also aus der Zeit gefallen, inhaltlich indes äußerst nah am Geschehen. Und: Keine Fröhlichkeit bedeutet nicht, dass hier das Gejammer dominiert; mitnichten, es geht zur Sache, aber mit geballter Faust und Wut nicht nur im Bauch. Und Ohrwürmern.

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a-ha – MTV Unplugged: Summer Solstice – We Love Music/Universal 2017

Von Matthias Bosenick (21.12.2017)

Nach der zweiten Reunion würdigt die alte Dame MTV, die ihren Status als Musikfernsehsender zurzeit zurückerobern will, Norwegens größte Popband a-ha mit einem Auftritt in der Markenreihe Unplugged. Fast zwei Stunden lang spielt sich das Trio mit Anhang durch 33 Jahre Existenz seit „Take On Me“, inklusive exklusiver neuer Songs. Morten Harkets Stimme sitzt bis in höchste Höhen, der unscheinbare Hauptsongschreiber Pål Waaktaar-Savoy klimpert unscheinbar auf der Akustischen und der Sidekick Magne Furuholmen gibt den Konferencier. Die Musik erhält akustisch bisweilen eine unerwartete Portion Würde, jedoch können die drei Streicherinnen nicht die opulenten Flächen mancher Originale rekonstruieren. Gediegene Interpretationen des qualitativ zwar wechselvollen, zumeist aber großartigen Oeuvres.

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Tauber/Wiegand/Menger/Beckmann – Die Drei Fragezeichen und das Dorf der Teufel – Franckh Kosmos 2017

Von Matthias Bosenick (20.12.2017)

Deutlich besser als der erste Versuch, aus der Geldmaschine Die Drei Fragezeichen noch das Medium Comic/Graphic Novel zu pressen: Die Zeichner und Autoren Christopher Tauber, Asja Wiegand, Ivar Leon Menger und John Beckmann verfeinern den Strich und nutzen das Medium effektiver aus. Bei allem Kommerz und Qualitätsabfall, den die Serie in den vergangenen Jahren zu erdulden hat, ist dies ein kleiner Lichtblick.

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Lutter: Die Gesamtedition – ZDF 2017

Von Matthias Bosenick (18.12.2017)

Ein Sozialromantiker sei Kommissar Lutter aus Essen, sagt ihm einer seiner Kontrahenten in der zweiten von sechs Episoden dieser Krimiserie, die das ZDF vor zehn Jahren startete. Anders gesagt: Hier schlägt Sozialdavid in allen Fällen den Geldgoliath. Das Ruhrgebiet mit seiner Hauptstadt Essen ist hier mehr als nur Kulisse, die Figuren sind sympathisch, die Fälle weitgehend komplex, Joachim Król als Pottcolumbo ist ein Vergnügen – da sieht man gern über manch deutsche TV-typische Untiefe hinweg.

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The Perc Meets The Hidden Gentleman & The Lavender Orchestra – Praha – Tribal Stomp/Shack Media 2018

Von Matthias Bosenick (17.12.2017)

Der ansonsten den angenehm in Schieflage geratenen Indierock mit Wavewurzeln bevorzugende Perc mit seinem Hidden Gentleman untermauert den Ruf seiner Vielseitigkeit mit dieser Live-CD: Mitgeschnitten bereits vor 25 Jahren, dringt hier die Vorliebe der beiden Hauptmusiker für progressiven und krautigen Rock deutlich durch. Auf seinem eigenen Label bringt Perc Tom Redecker dieses ursprüngliche Bootleg jetzt mit einem Song mehr und digital überarbeitet neu unter die Leute. Zu Recht!

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U2 – Songs Of Experience – Island 2017

Von Matthias Bosenick (15.12.2017)

Das Radio ist das offenkundige Ziel, das U2 mit „Songs Of Experience“ anstreben, wie schon mit dem Vorgänger „Songs Of Innocence“ und seinerzeit mit dem inzwischen beinahe volljährigen „All That You Can‘t Leave Behind“. An sich haben es die Rock‘n‘Roll-Multimillionäre nicht nötig, sich musikalisch anzubiedern, weil längst mehr als ausgebbar Schäfchen im Trockenen (und moralisch Verwerflichen). Die Nummer Sicher steht ihnen einfach nicht, der Eigensinn fehlt hier nahezu vollkommen. Keine Linie auf dem Horizont.

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Nine Inch Nails – Not The Actual Events/Add Violence – The Null Corporation 2017

Von Matthias Bosenick (04.12.2017)

Zwei EPs zum Preis von und in der Spielzeit eines Albums: Trent Reznor macht die jüngsten Vinyl-Veröffentlichungen seines dem US-Industrial zugeordneten Hauptprojektes Nine Inch Nails jetzt auch für Europäer physisch zugänglich, wenn auch lediglich als CDs. Hier bekommt man alles, was man kennt. Und das ist genau das Problem. Ist ja alles recht nett und niveauvoll zusammengetackert, aber mit Blick auf das vor allem schon länger zurückliegende Werk ohne Innovationen. Und ohne den emotionalen und narrativen Zusammenhalt, den Alben wie „The Fragile“ und besonders „The Downward Spiral“ so exorbitant gut machten.

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Goethes Erben – Lazarus – Dryland Records 2017

Von Matthias Bosenick (14.11.2017)

Schön, dass Erwachsene zum Meinungswechsel in der Lage sind: Unter anderem als Reaktion auf illegale Downloads und entgangene Umsätze legte Oswald Henke vor zwölf Jahren seine Goethes Erben auf Eis und wies sämtliche künftige Tonträgerveröffentlichungen als utopisch von sich, inzwischen lässt er beides wieder zu. Die jüngste Veröffentlichung seiner neu besetzt reanimierten Neue-Deutsche-Todeskunst-Band ist eine 12“ mit zwei Stücken, ein sehr kraftvolles zur politischen Lage und eines ohne das Trademark, für das man die Band vor über 25 Jahren ins Herz schloss. Bonus: Die anschaulichen optischen Gimmicks kann man nicht downloaden.

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The Blow Monkeys – The Wild River – Monks Road Records 2017

Von Matthias Bosenick (10.11.2017)

Trotz einiger Hits in den Achtzigern erinnert sich fast niemand an die Blow Monkeys. „The Wild River“ ist dabei nicht einmal eine Comebackplatte, die erschien bereits vor fast zehn Jahren, seitdem sind sie kontinuierlich aktiv, unbeachtet von den Massen. Musikalisch schließt „The Wild River“ dabei nicht an die einstigen Erfolge an, nicht einmal an die jüngeren, etwas rockigeren Alben, sondern eher an das Solodebüt des Sängers Dr. Robert, „Realms Of Gold“ von vor 23 Jahren: an Erwachsene gerichtete soulige Midtempo-Popmusik mit Folkeinschlag und Saxophon. Ohne die Stimme von Dr. Robert wäre das sicherlich nicht halb so goutierbar.

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