Destruction – Diabolical – Napalm Records 2022

Von Guido Dörheide (29.04.2022)

Der deutsche Thrash-Metal ist – zum Glück – nicht totzukriegen. Sodom haben vor anderthalb Jahren mit „Genesis XIX“ mehr als nur solide abgeliefert, Kreators „Gods Of Violence“ liegt nun schon über fünf Jahre zurück, war aber auch grandios, ebenso wie das ebenso alte „One Foot In The Grave“ der legendären Tankard aus FFM. Jetzt also hier das neue Album der Nummer zwei der Big Teutonic Four of Thrash Metal: „Diabolical“ von Destruction (die erst zuletzt 2019 mit „Born To Perish“ was richtig Tolles veröffentlicht haben). Ohne Gründungsmitglied und einziges konstantes Bandmember Mike Sifringer an der Gitarre. Ihn ersetzt der bisherige Destruction-Tourmanager und Tontechniker Martin Furia. Dass es grundsätzlich nicht falsch ist, Bandmitglieder aus Südamerika zu rekrutieren, haben ja die Ärzte schon erfolgreich vorgemacht. Und Destruction?

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Mordsgeschichten auf der Oker – Es geht wieder los…

Text und Foto von Guido Dörheide (28.04.2022)

… mit Marc Halupczok (auch bekannt als Till Burgwächter), Hardy Crueger, Armin Rütters, Thomas Oswald und Tilman Thiemig (der heute fehlte). Im Vorfeld des ersten In-See-Stechens im laufenden Jahr wurde lautstark überlegt, ob das denn nun per Floß oder mit einem der in unmittelbarer Nähe ankernden Tretboote vonstatten gehen sollte – einem Schwan oder einem ähnlichen Vogel in rosa – und einer der anwesenden Dichter proklamierte „Wir nehmen den rosanen. Den Pelikan!“

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Nachruf: Willi Resetarits – Kurt Ostbahn und die Chefpartie – Liagn und Lochn – Amadeo 1989

Von Guido Dörheide (25.04.2022)

Ja wos an Scheeß – der Willi Resetarits ist tot. Da er schon vor wenigen Jahren die 70 überschritten hat, war eh klar, dass diese Nachricht irgendwann kommen müsste – aber ehrlich – gerade heute, mit gerade mal 73 Jahren, war das echt viel zu früh. Und dann noch aufgrund eines tragischen Unfalls im Haushalt – das Leben schreibt echt die traurigsten Drehbücher. Hatte auch einst Wolfgang Ambros meine Liebe zum Austro-Pop entfacht – erst Ostbahn-Kurti schaffte es, mich dermaßen für Rockmusik mit österreichischer Sprache zu begeistern, dass er inzwischen für mich das absolute Synonym des Austro-Pop, Austro-Rock und Austro-Blues darstellt.

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Ines Korth/Christopher Tauber – Die drei ??? und das Gespensterschloss: Klassiker Graphic Novel – Kosmos 2022

Von Matthias Bosenick (25.04.2022)

Einfach ist es nicht, zu diesem Buch eine Haltung zu finden. Kosmos schlachtet die Marke „Die drei ???“ ohnehin erheblich aus, nun lässt der Verlag der Serie von Graphic Novels mit komplett eigenen Fällen die zum Comic gemachten Ur-Folgen folgen, ausgehend von Fall 1, „Das Gespensterschloss“, 1964 von Robert Arthur erstmals veröffentlicht als „The Secret Of Terror Castle“. Der Fall erfuhr 1980, zwölf Jahre nach der Buchveröffentlichung in Deutschland, einen ersten Medientransfer, als er als diskontinuierliche Folge 11 der Hörspielreihe erschien. 2009 verdrehte man die Geschichte zum Kinofilm „Das verfluchte Schloss“, 2005 und 2018 hievte das Vollplaybacktheater die Episode auf die Bühne und nun also liegt als neuerliche Visualisierung ein Comic vor. Der Inhalt ist natürlich komplett vertraut, zeichnerisch will man sich an den Sechzigern orientieren, doch weil man die Geschichte schon seit 40 Jahren im Kopf hat, braucht man dazu auch nicht wirklich noch die vagen Bilder, die andere Leute sich dazu ausdenken.

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Udo Dirkschneider – May Way – Atomic Fire 2022

Von Guido Dörheide (23.04.2022)

Udo Dirkschneider – einer der Big Three unter den drei großen Udos der DACH-Region – hat jetzt auch seinen 70. Geburtstag feiern können. Genau einen Tag vor mir, nur dass ich noch nicht 70 Jahre alt geworden bin. Und er hat einen verdammt guten Lauf in den letzten Jahren. Nicht, dass er jemals irgend etwas Schlechtes veröffentlicht hätte, aber in den 90er- und Nullerjahren war zumindest einiges dabei, das den Brodweg Richtung Messeweg, dann links auf die Berliner Straße, über Hans-Sommer-Straße und Rebenring geradewegs in Richtung Mittelweg verlassen hat.

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Heltekvad – Morgenrødens Helvedesherre – Eisenwald 2022

Von Matthias Bosenick (22.04.2022)

„Medieval Black Metal“ versprechen Heltekvad, „Heldenepos“, auf ihrem Debütalbum „Morgenrødens Helvedesherre“, und diese Selbstbezeichnung führt etwas in die Irre: Erwartet man die Verquickung von Strukturen aus Mittelaltermucke und Schwarzmetall, stellen Heltekvad diese Stile bestenfalls gegeneinander und behandeln ansonsten in den Texten mittelalterliche Themen. Aus diesem Blickwinkel darf man das Album als Enttäuschung auffassen, weil es den erwarteten Crossover nicht bietet. Dafür aber extrem knackigen Oldschool-Black-Metal, mit der genrespezifischen Kälte, hohem Gekeife und flirrenden Gitarren bei aberwitzigem Tempo. Dennoch: Bei Solbrud fehlt Sänger und Gitarrist Ole Luk, die er zugunsten dieser Band und seines anderen Projektes Afsky verließ.

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GGGOLDDD – This Shame Should Not Be Mine – Artoffact Records 2022

Von Guido Dörheide (20.04.2022)

Gold haben sich umbenannt in GGGOLDDD, und das könnte daran liegen, dass das neue Album „This Shame Should Not Be Mine“ einen stilistischen Bruch mit den bisherigen Veröffentlichungen der niederländischen Band markiert. Es handelt sich um ein Konzeptalbum, in dessen Songs die Sängerin Milena Eva thematisiert, dass sie im Alter von 19 Jahren vergewaltigt wurde. Entsprechend des Themas ist „This Shame Should Not Be Mine“ ein sehr intimes und naturgemäß verstörendes Album, denn es behandelt das schlimmste Verbrechen, das einem Menschen angetan werden kann.

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Edgar Winter – Brother Johnny – Quarto Valley Records 2022

Von Guido Dörheide (17.04.2022)

Diese Arbeit ist ein Fest für den Rezensenten: Außer eine Viertelstunde lang zu beteuern, wie grandios sich dieses Album anhört, und ein wenig Namedropping gehobenerer Klasse zu betreiben, habe ich nichts zu tun, und dazu läuft im Hintergrund härteste Bluesmusik der Extraklasse.

Neben Stevie Ray Vaughan ist Johnny Winter mein allerliebster weißer Bluesgitarrist (Ja. Ich weiß. Das hört sich an, als müsse man tot sein, um in meine persönliche Hall of Fame aufgenommen zu werden, aber ich beteuere – es ist nicht so, wie es aussieht! Zufall, das!). Schon bei Winters Originalalben fand ich immer: Der Typ klingt HART, es kreischt, quietscht, niemals gibt er Ruhe, bevor er nicht aus jeder Komposition – egal ob von den Großen seiner Berufsgruppe gecovert oder selbst geschrieben – das absolut allerletzte herausgequetscht und sich dabei komplett verausgabt hat.

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Wet Leg – Wet Leg – Domino 2022

Von Guido Dörheide (15.04.2022)

„… I‘ve got a chaise longue in my dressing room and a pack of warm beer that we can consume“ – ich glaube, mit diesen unsterblichen Worten ließe sich problemlos jede Person (m/w/d) aus der ersten Reihe nach dem Konzert von der diensthabenden Vokalistin in den Backstage-Bereich abschleppen. Mit dem Song Schäselong sind Wet Leg im vergangen Jahr direkt aus der Lamäng viral durch die Decke geschossen, heuer ist nun das lang ersehnte Debütalbum des Duos von der Isle Of Wight erschienen und – hier mache ich gleich mal den Windabweiser – es enttäuscht von der ersten bis zur letzten Sekunde überhaupt gar kein bisschen. Klar hat „Chaise Longue“ aufgrund seiner Bekanntheit und des kolossal nervigen Refrains („On the chaise longue, on the chaise longue, on the chaise longue all day long, on the chaise longue“ – Wo nochmal? Ah, Moment, sie wiederholen die Zeile gerade, vielleicht kriege ich es dann noch mit…), der sich im Übrigen keinesfalls nervig, sondern einfach nur toll anhört, einen gewissen Ausnahmestatus auf dem Album, aber wirklich alle anderen Songs können es mit ihm aufnehmen – vor allem textlich.

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Midnight Oil – Resist – Sony 2022

Von Matthias Bosenick (13.04.2022)

Was für eine Energie! Nach 20 Jahren im australischen Politzirkus hat sich bei Peter Garrett vermutlich noch mehr Frust und Wut angestaut, als es davor zu aktiven Zeiten als Sänger von Midnight Oil schon der Fall war. Jetzt sind Midnight Oil wieder da, „Resist“ ist das bereits zweite Album seit der erneuten Zusammenkunft und soll nach Angaben den Band altersbedingt auch das letzte sein (Garrett wird am Samstag 69 Jahre alt, Bassist Bones Hillman starb vor zwei Jahren, war an „Resist“ aber noch beteiligt). Ein bedauernswerter, aber ein Abgang mit Schmackes wäre das – und keiner mit einem neuen Radiohit à la „Beds Are Burning“, solche hatten Midnight Oil in den zwölf aktiven Jahren nach „Blue Sky Mine“ ohnehin nicht mehr im Repertoire, sondern viel störrischere, eigensinnigere, kraftvollere Rocksongs mit Botschaft und trotzdem auch Spaß am Rocken, durchsetzt mit kaum weniger intensiven Balladen. Wie auf „Resist“.

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