Sâver & Frøkedal – Split EP – Pelagic Records 2022

Von Matthias Bosenick (12.01.2023)

So geht das: Da erwartet man aus der Erfahrung, die man mit den Norwegern Sâver bereits machte, ein amtliches Metal-Brett, und bekommt stattdessen auf dieser Split-10“ mit Anne Lise Frøkedal zwei melancholisch-chillige Songs, die eher in Richtung traurige Folklore gehen. Die Doom-Postmetaller Sâver und die Singer-Songwriterin Frøkedal covern hier gegenseitig einen ausgewählten Song, und man kann die Originale kaum wiedererkennen, so eigen sind die Resultate. Und schön, wunderschön! So geht Metal.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Die Weltmeister im Improvisieren

Von Onkel Rosebud

Wenn ich Menschen kennen würde, die John Medeski, Bill Martin und Chris Wood heißen, dann würde ich eine Band mit ihnen gründen. Es wäre egal, wer Keyboards spielt, Drummer oder Bassist ist; wer solche Namen trägt, ist am Start schon cool und wird so oder so berühmt und beliebt.

Leider suchen sie keinen Vierten, Medeski, Martin & Wood sind schon Superstars. Das bedeutendste Label des Jazz, Blue Note, hat sich neben 18 anderen Plattenfirmen darum gerissen, ihren neuesten Tonträger „The Dropper“ zu veröffentlichen.

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Iggy Pop – Every Loser – Gold Tooth/Atlantic 2023

Von Guido Dörheide (06.01.2023)

Kein Geringerer als James Newell Osterberg, bekannt und beliebt von Iggy und den Stooges, eröffnet am 6. Januar mit „Every Loser“ mein persönliches Musikjahr 2023. Unter fachkundiger Anleitung seines neuen Produzenten Andrew Watt schart der beliebte Jennifer-Aniston-Lookalike-Contest-Winner eine illustre Schar professioneller Berufsmusiker um sich und rockt – endlich einmal wieder – los, als gäbe es kein Morgen. Die Besetzung variiert von Stück zu Stück; neben Watt (Keyboards, Gitarre) sind unter anderem Chad Smith von RHCP (Drums), Travis Barker von Blink-182 (ebenfalls Drums), Duff McKagan von Gn’R (Bass), Stone Gossard von Pearl Jam (Gitarre) und der im letzten Jahr leider früh verstorbene Taylor Hawkins von den Foo Fighters (nochmal Drums) vertreten.

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Guido Dörheides Rest von 2022 oder „Alben, über die ich nicht geschrieben habe, aber gerne hätte“

Von Guido Dörheide (01.01.2023)

Herzlich willkommen im Jahr 2023, liebe Krautnick-Lesende. Nach Ende des vergangenen, von mir persönlich trotz zahlreicher von außen auf uns alle hereinprasselnder negativer Ereignisse als überaus großartig bewerteten Jahres 2022 (vielen, vielen lieben Dankeschön an alle, die dazu beigetragen haben, Ihr seid toll, umwerfend und seht großartig aus!!!) bin ich beigegangen und lasse nochmal Paroli laufen, über welche für mich bedeutenden Album-Neuerscheinungen ich nichts geschrieben habe. Ich habe bestimmt nicht alle erwischt, will aber hier noch alles würdigen, was im letzten Jahr aus Kapazitätsgründen unter den Tisch gefallen ist. Nicht in Form von fundierten, grundsolide recherchierten und 100% objektiven Rezensionen, sondern eher mit ein paar Gedankensplittern zu jedem der hier erwähnten Alben, die mir so spontan in den Sinn kamen. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen, bleibt uns auch in 2023 gewogen und, wie ich immer sage: Lest Krautnick! Hier kriegt Ihr was gelernt!

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Im Rhythmus bleiben“ – Front 242 und Nitzer Ebb Live in der Columbiahalle Berlin, 7. Januar 2023

Von Onkel Rosebud (08.01.20223)

Front 242 haben an einem gewissen Zeitpunkt sprichwörtlich mein Leben gerettet. Das ist schon über 35 Jahre her und die Geschichte dazu soll nicht Bestandteil dieses Konzertberichtes sein. Sie ist aber definitiv der Grund, warum sich an diesem trüben 7. Januar mit Einbruch der Dunkelheit eine kleine, aber feine Reisegruppe, bestehend aus drei Vätern und einem Sohn, in die Bundeshauptstadt aufmacht.

Die Erfinder der EBM, Electronic Body Music, haben sich zu einer „Join The Forces“-Tour angesagt. Der Anfang der 1980er-Jahre entstandene Musikstil, der durch repetitive Sequenzerläufe, tanzbetonte Rhythmen sowie zumeist klare, parolenähnliche Shouts gekennzeichnet ist, gilt als zufallsbedingte Verschmelzung britischer Industrial- (Nitzer Ebb) und kontinentaleuropäischer Minimal-Electro-Musik (Front 242) und nahm bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung von unter anderem Techno. Soweit zu meinem halbseidigen Wiki-Wissen. Ob die Welt ohne Techno vielleicht sogar besser dran gewesen wäre… wer weiß?

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Man … Or Astro-Man? – Distant Pulsar – Chunklet Industries 2022

Von Matthias Bosenick (05.01.2023)

Es gibt sie noch – oder wieder und noch: Nach dem Jahr 2000 dauerte es zwar 13 Jahre bis zur obligatorischen Reunion einer Neunziger-Indie-Band, aber das Comeback-Album ist mittlerweile auch schon wieder gut zehn Jahre alt. Seitdem veröffentlichen die Surfrocker aus der Zukunft nur noch spärlich Singles, „Distant Pulsar“ ist sogar eine Doppel-7“ mit vier Tracks. Die belegen, weitgehend von dem Schabernack der Neunziger befreit, um was für grandiose Musiker es sich bei Man … Or Astro-Man? tatsächlich handelt. Natürlich fehlt das juvenile Ungestüm der Anfangszeit, aber dafür bekommt man eben gereiften Indierock, fett produziert, voller Einfälle und mit wissenschaftlicher Lehrstunde on top obendrauf.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Killing in the Name of Matze

Von Onkel Rosebud (Januar 2023)

Meine Freundin ist eine Verfechterin des Lebensentwurfes, dass man mindestens zwei Sachen im Leben überdurchschnittlich gut können sollte. Falls die eine Sache mal wegbricht, bleibt einem dann immerhin noch die andere, ohne dem Staat auf der Tasche zu liegen und das Dasein gepflegt zu bewältigen. Interessanterweise kann sie viel mehr als nur zwei Aktivitäten, wovon man leben könnte, richtig gut, aber für mich trifft es tatsächlich zu, genau in zwei Fällen „better than the rest“ zu sein.

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Jambinai (잠비나이) – Apparition – Bella Union 2022

Von Matthias Bosenick (02.01.2023)

Und noch eine Corona-Platte. Weil es aufgrund der bekannten Hindernisse (Kontaktbeschränkungen usw, usf) nicht zur geplanten Albumproduktion kommen konnte, schieben Jambinai nun eine EP ein, auf der sie einerseits das weltweite Lockdownelend behandeln und andererseits etwas verzögert das Zehnjährige ihrer Band feiern, als Dankeschön an die Gefolgschaft. Und die wächst, obwohl die Musik der Südkoreaner mitnichten leicht konsumierbar ist: im weitesten Sinne Post-Rock, kurz vor Metal, aber durchsetzt mit traditionellen Koreanischen Instrumenten und befreit von gewöhnlichen Pop- und Songstrukturen. Und trotzdem voller Schönheit, die lediglich keinen westlichen Hörgewohnheiten entspricht; dabei hatte man ja bereits zehn Jahre Zeit, sich an den Sound von Jambinai zu gewöhnen, und wer daran Gefallen fand, wird mit „Apparition“ belohnt.

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Big Thief – Dragon New Warm Mountain I Believe In You – 4AD 2022

Von Guido Dörheide (30.12.2022): Guido Dörheides Album des Jahres

Ja. Ich weiß. „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ ist bereits am 11. Februar 2022 erschienen. Warum habe ich darüber noch nichts geschrieben, und warum tue ich es jetzt doch noch?In der Tat hatte ich bereits am 15. Februar angefangen, einige Zeilen über dieses wundervolle Album zu tippen, und dann bin ich irgendwie abgebrochen, vermutlich, weil mir Band und Album sehr am Herzen liegen und mich sehr begeistern, und da fiel mir meine Deutschklausur weiland in den frühen 90ern über Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ wieder ein (meine Lieblingskurzgeschichte), die ich ob meiner Begeisterung über das Werk auf geradezu abenteuerliche Weise verkackt habe.

Aber, wie mein Chef sagt, man muss immer wieder über den Schmerz hinausgehen und somit würdige ich Big Thief hiermit im Rahmen der hier erstmalig erscheinenden Rubrik „Guido Dörheides ALBUM DES JAHRES“.

Oisdann – gemmas o:

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Durchströmungen II: Klangkräfte – Separated Beats 2022

Von Matthias Bosenick (29.12.2022)

Überraschend poppig gestaltet sich die Schein-Compilation „Durchströmungen II: Klangkräfte“ auf dem Klangwirkstoff-Sublabel Separated Beats, das bisher vorrangig (nicht ausschließlich!) mit Experimentellem oder etwas vom weiten Feld des Ambient in Erscheinung trat. Für seine zweite Sammlung rief Benjamin „Ben“ Bekeschus mit Tales Unfolding ein neues Alter Ego ins Leben, unter dem er die Tracks erstellte, unter Zuhilfenahme vieler Freunde Einsatz. Diese 15 Tracks und Remixe sind dicht, beatbetont, melodiös, partiell oldschool bis in die Siebziger bis Neunziger vom Proto-Ambient über Radiopop, Dub und Dancefloor bis Esoterik, stecken voller Details und hören sich gut weg. Und setzen Bekeschus‘ erste Durchströmungen „Glaswolken“ von vor einem Jahr angemessen fort.

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