Megadeth – The Sick, The Dying… And The Dead! – T-Boy Records 2022

Von Guido Dörheide (05.09.2022)

Erinnert sich noch jemand an diesen rothaarigen Rauschgiftverbraucher, der in den frühen 80ern bei Metallica rausgeflogen ist und sich dann jahrzehntelang an dieser Schmach abgearbeitet hat? Rrrrröööchtöööch – die Rede ist von Dave Mustaine, der kurze Zeit nach Metallicas Debüt mit seiner eigenen Band Megadeth genügend heftig durchgestartet ist, dass er sich eigentlich nicht grämen müsste, kein Bestandteil von Metallica mehr zu sein – zum einen müsste er dort James Hetfield singen lassen, obwohl er selber das besser kann, und zum anderen sind Metallica, seit sie mit überragenden Massenerfolg den Mainstream erobert haben, lange nicht mehr das, wofür sie und Megadeth früher einmal standen.

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Anne Clark with Ulla van Daelen & Justin Ciuche – Borderland (Found Music For A Lost World) – Stockfish Records 2022

Von Matthias Bosenick (05.09.2022)

Gott, ist das schön! Was für ein bewegendes, entspannendes, herzerfrischendes, zerbrechliches, behutsames, befreiendes, warmes, luftiges, stilles Album! Die frühere Electro- und New-Wave-Poetin Anne Clark pfeift auf Erwartungen und lässt auf „Borderland“ die Harfenistin Ulla van Daelen und den Cellisten Justin Stefan Ciuche zu ihren Texten improvisieren. Unglaublich, was für ein harmonisches Ergebnis dabei herauskommt. Man hört allen drei Beteiligten herzensgern zu, Anne Clark beim Rezitieren und den Musikern beim Musizieren. Damit setzt die Dichterin den Weg fort, auf Alben eher auf klassische als auf Haudrauf-Begleitung zu setzen – wenngleich sie auf diese nicht grundsätzlich verzichten mag. Musik von Anne Clark ist immer ein Gewinn, auch jenseits von Metropolis und Dunkelheit.

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Sharon van Etten – We‘ve Been Going About This All Wrong – Jagjaguwar 2022

Von Guido Dörheide (03.09.2022)

So – bevor der Herausgeber dieses Blogs wieder fragt: „Was ist mit SVE?!“ – hier jetzt die Antwort: Der Artikel über das aktuelle Album von Sharon van Etten ist endlich fertig. Hier ein kleiner Vorgeschmack, der auch wieder nicht ohne geschichtlichen Exkurs auskommt: Sharon van Etten aus aus Clinton, New Jersey (upps – das klingt wie „Schröder, Ostwestfalen“) macht Alben seit 2008 und Musik schon viel länger. Ihr erstes Album „Sharon van Etten“, veröffentlicht 2008, enthält absoluten Depri-Singer-Songwriter-Folk, zu dem selbst Nick Drake die Tränen in den Augen gestanden hätten. Das zweite Album „Because I Was In Love“ aus dem Jahr 2009 wiederholt dasselbe Trauerspiel. Wunderschön, aber nur heulend zu ertragen. Liebe muss schlimm sein.

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Wilco – Cruel Country – dBpm Records 2022

Von Guido Dörheide (02.09.2022)

Wo soll ich anfangen, wenn es um das neue Monumental-Doppel-CD-Epos „Cruel Country“ von Wilco geht? Schwierige Aufgabe angesichts der Geschichte und des Oeuvres dieser wunderbaren Band aus Chicago, Illinois, aber wie immer ist es gut, wenn man Unterstützer und gute Kumpels hat, die einem in Zeiten der Not und der Verwirrung zur Seite stehen. An meiner Seite steht mein Nähkästchen, und anstelle einer guten Einleitung zu „Cruel Country“ lasse ich dieses einfach mal quasi aus sich selbst heraus plaudern:

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Acid UFO Death Cult – חשֶׁךְ – Acid UFO Death Cult 2022

Von Matthias Bosenick (01.09.2022)

Acid. UFO. Death. Cult. Diese Wortkombination muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Acid UFO Death Cult. Das dürfte der Anwärter auf das goldene Krönchen für den Bandnamen des Jahres sein. Musikalisch wird es für das Projekt indes schwieriger, schießt sich der Römer Ali alias Mountain Hermit, der dahintersteckt, mit seinem eher anonymen Compagnon, dem ominösen Ω, doch sehr auf ein Genre ein: die klassische Two-Men-Black-Metal-Sache nämlich, und die ist ja naturgemäß nicht ganz so breitenwirksam. Das Hebräisch betitelte „חשֶׁךְ“ ist bereits das zweite Mini-Album in zwei Monaten und es heißt nicht zufällig so: „Dunkelheit“ obsiegt hier sehr, „יאוש“ wäre sicherlich nicht weniger angebracht gewesen. Dabei scheint Ali eine gehörige Portion Humor zu haben.

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Flix – Das Humboldt-Tier – Carlsen 2022

Von Matthias Bosenick (31.08.2022)

Flix alias Felix Görmann ist ja nun echt mal ein ausgezeichneter Zeichner. Was er indes nicht immer ist, ist ein ansprechender Erzähler. Das gilt für seine Adaption „Spirou in Berlin“ ebenso wie für sein neues Marsupilami-Abenteuer „Das Humboldt-Tier“. Das dicke und teure Buch ist umwerfend schön anzusehen, familiengerecht niedlich und auch mal zum Schmunzeln, aber inhaltlich eine Enttäuschung. Nur ein Jahr nach dem vergleichbar enttäuschenden, noch dickeren und noch teureren „Die Bestie“ von Pé und Zidrou ersinnt der Berliner eine weitere Mär rund um die Erst-Entdeckung des schwarzgelben Wundertiers aus dem Palumbianischen Dschungel, die André Franquin 1952 noch seinen Serienhelden Spirou und Fantasio andichtete. Die Grundideen bei Flix sind ja nicht schlecht, nur leider verliert sich diese Berlin-in-der-Weimarer-Republik-Geschichte vornehmlich in süßlich-braver Glückskindgerechtheit.

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Soulflfy – Totem – Nuclear Blast 2022

Von Matthias Bosenick (29.08.2022)

25 Jahre Soulfly, „Totem“ ist deren Album Nummer (kurz auf den Titel des obligatorischen Instrumentals gucken) XII. Die Band um Max Cavalera mostet mächtig munter, reißt ruppige Riffs runter, integriert die bei Sepultura ausprobierten Tribal-Drums und gönnt sich bis kurz vor Schluss keine Atempause. Maxe brüllt sich die im Bandnamen verankerte Seele aus dem Leib, wie man es sich wünscht. In Sachen Thrash, Death und Groove Metal ist „Totem“ nix essentiell Besonderes, aber das ausgesprochen solide und wirkmächtig. Wer schon elf Alben von Soulfly hat und seinerzeit den Wechsel vom NuMetal zurück zum brutalen Thrash begrüßte, hat keinen Nachteil davon, wen er auch zum zwölften Mal zugreift.

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Boris – Heavy Rocks – Relapse Records 2022

Von Guido Dörheide (19.08.2022)

Handelt es sich bei „Heavy Rocks (2022)“ wieder um so eine Rewiederneuveröffentlichung eines alten Albums? Gar bereits um die zweite? Immerhin haben Boris aus Tokio schon 2002 und 2011 ein Album mit diesem Titel veröffentlicht. Aber weit gefehlt: Das legendäre, unvergleichliche, gutaussehende und über alle Maßen wundervolle Trio scheint sich auf die Fahne mit der aufgehenden Sonne geschrieben zu haben, ungefähr alle zehn Jahre mit einer Fortsetzung des 2002er-Albums „Heavy Rocks“ um die Ecke zu kommen: So erschien 2011 das Album „Heavy Rocks“ und nunmehr, 20 Jahre nach „Heavy Rocks“, also „Heavy Rocks“.

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Nick Cave – Seven Psalms – Cave Things 2022

Von Matthias Bosenick (25.08.2022)

„Solche Dinge sollten nicht passieren, aber sie passieren“, sagt Nick Cave im sechsten seiner „Seven Psalms“, sieben zur Ambient-Musik von Warren Ellis gesprochene Kontemplationen über „Glauben, Wut, Liebe, Trauer, Barmherzigkeit, Sex und Lobpreis“, wie es Cave selbst bezeichnet. Für jeden Tag der Woche ein Psalm, alle zusammen ein Angebot zur Meditation. Angesichts des Umstandes, dass Cave jüngst auch seinen zweiten Sohn an den Tod verlor, kann man seine Haltung beinahe als stoisch auffassen, mindestens als gestärkt, gesund und zukunftsgewandt. Und der Geist Gottes schwebt über dieser 10“.

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Amon Amarth – The Great Heathen Army – Metal Blade Records 2022

Von Guido Dörheide (10.08.2022)

Vielen vielen schönen guten Abend, meine hochverehrte Krautnick-Metalgemeinde, es ist dies die Woche der Melodeath-Verrisse, und Hoffnung naht wieder einmal mehr nur aus Richtung Nippon, wenn auch nicht mit Melodeath, aber dazu erst später in einigen Tagen. Zunächst einmal ziehen wir uns „The Great Heathen Army“ der von mir ebenso hochverehrten Amon Amarth rein, und das wird leider wieder eher schmerzhaft denn lustvoll.

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