Ben Aaronovitch – Der Oktobermann/Schwarzschimmel – dtv/Panini 2019

Von Matthias Bosenick (15.10.2019)

Seit acht Jahren gibt es nun die „Rivers Of London“-Serie von Ben Aaronovitch mit dem Londoner Zauberpolizisten Peter Grant als Hauptfigur. Auf Deutsch existieren davon sieben Romane und mit den neusten zwei Veröffentlichungen zudem zwei Kurzromane und drei Graphic Novels, auf Englisch liegen zusätzlich noch weitere drei Comics sowie diverse schriftliche und Hörbuch-Kurzgeschichten vor, der achte Roman der Hauptreihe und der siebte Comic sind für November vorgesehen und in der Schublade hat Aaronovitch noch diverse weitere unveröffentlichte Ideen. Und: Simon Pegg und Nick Frost wollen den Stoff verfilmen. Bei so viel Output bleibt Qualität bisweilen auf der Strecke, das gilt auch für die jüngsten in Deutschland erschienenen Geschichten: Liest sich „Der Oktobermann“ noch einigermaßen flott und flüssig weg, lässt einen „Schwarzschimmel“ doch eher kalt.

Weiterlesen

Tauber/Claus/Wiegand – Die Drei ??? Das Ritual der Schlangen – Kosmos 2019

Von Matthias Bosenick (01.10.2019)

Mit der dritten Ausgabe des zweitjüngsten Mediums im Die-Drei-Fragezeichen-Kosmos machen die Autoren einen Schritt zurück, verglichen mit der zweiten, was womöglich daran liegt, dass es im Kreise der Erschaffer einen Wechsel gab: Für den neuen Comic „Das Ritual der Schlangen“ stand Ivar Leon Menger nicht mehr zur Verfügung, und der ringt seiner Feder zumeist überaus gehaltvolle Geschichten ab. Sein Nachfolger, der gebürtige Braunschweiger  Calle Claus, macht seine Sache ganz gut, aber nicht besser: Das Medium Comic hat mehr zu bieten, als Claus mit Christopher Tauber und Asja Wiegand in „Das Ritual der Schlangen“ ausschöpft. Zudem lässt es die durchaus spannende Hexengeschichte viel zu sehr an Rocky-Beach-Atmosphäre vermissen.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Comic

Mawil – Hommage 3: Lucky Luke sattelt um – Egmont Comic Collection 2019

Von Matthias Bosenick (15.08.2019)

Bei Spirou gelernt: Parallel zur Hauptserie gibt es von Lucky Luke nun auch One-Shots, hier „Hommage“ genannt, in denen fremde Autoren-Zeichner-Gespanne sich an dem Westerncomichelden austoben dürfen. Den dritten Band gestaltet Mawil, mit Flix einer der besten zeitgenössischen Comiczeichner aus Deutschland, und wo jener bei seinem Spirou-Abenteuer eher enttäuschte, überzeugt Mawil mit seinem Abenteuer vom Cowboy auf dem Fahrrad auf ganzer Linie. Der Berliner behält den Geist der Serie bei und bringt ganz viel eigene Seele ein – perfekt!

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Comic

Ben Aaronovitch – Die Glocke von Whitechapel (Lies Sleeping)/Die Nachthexe (Body Work) – dtv/Panini 2019

Von Matthias Bosenick (21.06.2019)

Im zehnten auf Deutsch erschienenen Buch, und zwar dem siebten Band der Serie (verwirrend!) um den Londoner Zauberpolizist Peter Grant, macht Ben Aaronovitch einiges besser als zuvor: Er lässt den Leser besser an das komplexe bisherige Geschehen anknüpfen und ermöglicht es damit auch Neueinsteigern, so etwas in der Art wie Anschluss zu finden, schweift nicht so ausgiebig ab wie sonst und bleibt in seinen Beschreibungen anschaulich und nachvollziehbar. Eine schlechtere Story wie in manch vorherigem Buch ergibt das gottlob nicht, auch wenn aus dem Whodonit dieses Mal eine Actionjagd wird.

Weiterlesen

Filippi & Lebeault – Spirou & Fantasio Spezial: Stiftung Z – Carlsen 2019

Von Matthias Bosenick (06.05.2019)

Dafür rief Dupuis diesen Seitenarm ins Leben: Im neuesten One-Shot von Spirou & Fantasio verlegt das Team Filippi & Lebeault die Handlung in die Zukunft und variiert die Verwandtschaftsverhältnisse. Dafür vermengen die beiden, wie so viele andere vor ihnen auch schon, futuristische Technik und Jugendstildesign und wagen eine überraschende inhaltliche Schleife. Dem Inhalt ist derweil teilweise schwer zu folgen, wobei unklar ist, ob das an der Übersetzung liegt oder bereits im Original so veranlagt ist. So reimt man sich die fehlenden Zusammenhänge zusammen und genießt die rasanten Geschehnisse und die fantastischen Zeichnungen.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Comic

Hommage an das Marsupilami – Carlsen 2018

Von Matthias Bosenick (27.03.2019)

Die Rechteinhaberei an André Franquins fabulösen Comictier Marsupilami ist nach Jahrzehnten an den Verlag Dupuis zurückgekehrt, und nun darf es im Rahmen der Comicreihe „Spirou & Fantasio“ nicht mehr nur aus des verstorbenen Erfinders Hand gezeichnet sein. Flugs setzten sich die derzeitigen Hauptseriengestalter Vehlmann und Yoann zusammen und kritzelten das schwarzgelbe Amazonastier mit den herausragenden Fähigkeiten in das bislang letzte Album „Der Zorn des Marsupilamis“. Parallel läuft die von Batem nach Franquins Tod fortgeführte eigene Serie des Marsupilamis, in der es häufig gegen Urwaldabholzungen, Naturzerstörungen und Großwildjagd geht. Diesen Geist nahmen zumeist auch die Zeichner-Texter-Teams auf, die in diesem ersten Band eine „Hommage an das Marsupilami“ kreierten. Die Stilpalette ist weit, die Themenvielfalt hingegen orientiert sich eng an Franquins kritischem Geist.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic

Goscinny & Sempé – Der kleine Nick: Wie alles begann – Diogenes 2018

Von Matthias Bosenick (09.11.2018)

Erstaunlich, was vom kleinen Nick noch alles irgendwo auf Dachböden dümpelt, und noch erstaunlicher, wenn es sich dabei um bereits veröffentlichtes Material handelt, das selbst der noch lebende der beiden Erschaffer offenbar vergessen hat. Jedenfalls erinnerte sich Zeichner Jean-Jacques Sempé urplötzlich daran, dass die Prosafigur des kleinen Nicks eine Comicvorgeschichte hat, die er mit dem 1977 verstorbenen Texter René Goscinny Mitte der Fünfziger beinahe ein Jahr lang in einer Zeitung veröffentlichte, weit bevor das Duo daraus die bekannten Texte zauberte. Wie auch immer: Jetzt liegen diese Panels auch auf Deutsch vor und geben einen hübschen und humorvollen Einblick in die kreative Evolution des fidelen Kindes und in eine Gesellschaft, die sich seit einem halben Jahrhundert erschreckend wenig verändert hat.

Weiterlesen

Flix – Spirou Spezial: Spirou in Berlin – Carlsen 2018

Von Matthias Bosenick (30.08.2018)

Für den Verlag ist die Kombination eine Goldgrube: Ein neuer Flix und ein neuer Spirou in einem Buch, das kann man prima als Hardcover veröffentlichen und teurer verkaufen als die anderen Bände der Reihe. Wert ist „Spirou in Berlin“ dies jedoch nur bedingt: Flix setzt die inzwischen 80 Jahre alten Vorlagen zwar gekonnt um, erzählt aber eine recht unaufregende Geschichte. Der abenteuerlustige Spionage-Page darf seinen Freund, den Grafen von Rummelsdorf, aus den Klauen der Stasi befreien – das macht er ungefähr so, wie es sich ein Laie auch ausgedacht hätte.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic

Gaston: Die Galerie der Katastrophen – Carlsen Verlag 2018

Von Matthias Bosenick (12.07.2018)

Zum 60. Geburtstag des 1957 von André Franquin ersonnenen Büroboten Gaston Lagaffe erschien im vergangenen Jahr ein Best-Of, dem nun eine Hommage folgt. Nicht die erste. 60 Zeichner, hauptsächlich Frankobelgier, arbeiten sich an dieser wichtigen Figur des frankobelgischen Funny-Comics ab; die eingereichten Würdigungen sind von entsprechend unterschiedlicher Ausrichtung und Qualität. Einige Zeichner und Autoren versuchen, der längst abgeschlossenen Reihe eine Episode im Sinne der Sache hinzuzufügen, manche verdrehen Inhalte, andere transferieren Gaston in andere, zumeist eigene Universen, und die sind – auch bei geringerer Qualität – am interessantesten. Franquin kopieren kann nämlich niemand.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic

Gerhard Seyfried – Zwille: The Law returns to Kreuzberg – Westend/fifty-fifty 2018

Von Matthias Bosenick (06.06.2018)

Der Vorausdenker hinkt hinterher: So gestrig wie in seinem neuen Comicband „Zwille: The Law returns to Kreuzberg“ war Zeichner Gerhard Seyfried noch nie. Er war seinerzeit stets linker als die taz und nimmt heute teilweise Standpunkte ein, die sein früheres Ich sicherlich als spießig aufgefasst hätte. Angesichts dieses Buches sieht man keinerlei Grund für Seyfried, die zeichnerische Untätigkeit nach acht Jahren Comicpause unterbrechen zu müssen; in seinem jüngsten Buch „Schilderguerilla“ von vor zwei Jahren zeigte er, dass er seinen Humor auch mit neuen gestalterischen Medien transportieren kann (er manipulierte Fotos von Schildern und veränderte so deren Inhalt). Sein Uraltpunk Zwille hätte indes gern in der Versenkung bleiben können, da führte der bereits ein lustiges Leben.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic