Lewis Trondheim – Die neuen Abenteuer von Herrn Hase (6) Beim Teutates! (Les nouvelles aventures de Lapinot: Par Toutatis!) – Reprodukt 2022

Von Matthias Bosenick (02.10.2022)

„Dies ist kein Asterix-Album!“, steht extra auf dem Cover des neuen neuen Abenteuers von Herrn Hase, das nämlich in Asterix‘ Dorf spielt. In „Beim Teutates!“ deckt Lewis Trondheim so einige Untiefen der frankobelgischen Comicserie auf, kommentiert manche Eigenheiten und bettet sein Duo Herr Hase und Richard, der gelbe Kater, in ein komplexes Abenteuer ein, in dem der bretonische Gott Teutates hinter das Geheimnis des Zaubertranks kommen will und die Geschichten von Albert Uderzo und René Goscinny plötzlich mit der Realität konfrontiert werden. Das Buch funktioniert glücklicherweise auch, wenn man Trondheims Serie nicht kennt. Der grob und viel zeichnende Franzose nähert sich den Unbeugsamen gleichsam respektvoll und respektlos, die Lektüre macht Spaß. Und ist besser gelungen als vieles von dem, was Didier Conrad und Jean-Yves Ferri im Rahmen der Hauptreihe präsentieren – vielleicht sollte man analog zu Lucky Luke und vor allem Spirou & Fantasio (für die Trondheim auch schon aktiv war) über eine Parallel-Reihe mit wechselnden Gastautoren nachdenken, dieses wäre ein schöner Auftakt.

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Flix – Das Humboldt-Tier – Carlsen 2022

Von Matthias Bosenick (31.08.2022)

Flix alias Felix Görmann ist ja nun echt mal ein ausgezeichneter Zeichner. Was er indes nicht immer ist, ist ein ansprechender Erzähler. Das gilt für seine Adaption „Spirou in Berlin“ ebenso wie für sein neues Marsupilami-Abenteuer „Das Humboldt-Tier“. Das dicke und teure Buch ist umwerfend schön anzusehen, familiengerecht niedlich und auch mal zum Schmunzeln, aber inhaltlich eine Enttäuschung. Nur ein Jahr nach dem vergleichbar enttäuschenden, noch dickeren und noch teureren „Die Bestie“ von Pé und Zidrou ersinnt der Berliner eine weitere Mär rund um die Erst-Entdeckung des schwarzgelben Wundertiers aus dem Palumbianischen Dschungel, die André Franquin 1952 noch seinen Serienhelden Spirou und Fantasio andichtete. Die Grundideen bei Flix sind ja nicht schlecht, nur leider verliert sich diese Berlin-in-der-Weimarer-Republik-Geschichte vornehmlich in süßlich-braver Glückskindgerechtheit.

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Ines Korth/Christopher Tauber – Die drei ??? und das Gespensterschloss: Klassiker Graphic Novel – Kosmos 2022

Von Matthias Bosenick (25.04.2022)

Einfach ist es nicht, zu diesem Buch eine Haltung zu finden. Kosmos schlachtet die Marke „Die drei ???“ ohnehin erheblich aus, nun lässt der Verlag der Serie von Graphic Novels mit komplett eigenen Fällen die zum Comic gemachten Ur-Folgen folgen, ausgehend von Fall 1, „Das Gespensterschloss“, 1964 von Robert Arthur erstmals veröffentlicht als „The Secret Of Terror Castle“. Der Fall erfuhr 1980, zwölf Jahre nach der Buchveröffentlichung in Deutschland, einen ersten Medientransfer, als er als diskontinuierliche Folge 11 der Hörspielreihe erschien. 2009 verdrehte man die Geschichte zum Kinofilm „Das verfluchte Schloss“, 2005 und 2018 hievte das Vollplaybacktheater die Episode auf die Bühne und nun also liegt als neuerliche Visualisierung ein Comic vor. Der Inhalt ist natürlich komplett vertraut, zeichnerisch will man sich an den Sechzigern orientieren, doch weil man die Geschichte schon seit 40 Jahren im Kopf hat, braucht man dazu auch nicht wirklich noch die vagen Bilder, die andere Leute sich dazu ausdenken.

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Brösel – Werner Extrawurst 2: Haater Stoff! – Bröseline 2021

Von Matthias Bosenick (14.12.2021)

Wer in den Achtzigern mit „Werner“ aufwuchs, wandte sich ab den Neunzigern von dieser Comicreihe ab, als der Erfolg einzog und sich die Witze und die Zeichnungen veränderten. Solche Altfans spricht Brösel nun mit der zweiten Ausgabe seiner Reihe „Extrawurst“ an, in der der Kieler Zeichner alte Strips aus der Zeit vor und kurz nach der Erfindung von Werner sammelt. „Haater Stoff!“ bietet einen aufschlussreichen Einblick in Brösels Frühwerk, als er noch zwischen Anti-Establishment, Anti-Nazis und Anti-Berufstätigkeit gespickt mit Selbstironie agierte. In dieser Zeit verbesserte der als Rötger Feldmann geborene Autor seine Zeichenfertigkeiten und verfeinerte seinen Humor. Manko: Quellenangaben fehlen, die Überarbeitungen sind nicht gekennzeichnet. Ansonsten ein zum Teil erschreckend aktuelles Zeitdokument.

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Zidrou/Frank Pé – Marsupilami: Die Bestie (Teil 1) (La bête) – Carlsen 2021

Von Matthias Bosenick (15.11.2021)

Seit die Rechte an André Franquins fabelhaftem Comictier Marsupilami frei sind, taucht es auch wieder in seiner Heimserie auf, Spirou und Fantasio. Aber auch andere Aktivitäten sind nun offenbar möglich: Das Gespann Zidrou und Frank Pé ersinnt in offenbar mehreren dicken Wälzern die Geschichte davon, wie das schwarzgelbe Tier mit dem meterlangen Schwanz 1955 nach Belgien gelangte (also drei Jahre nach seinem ersten tatsächlichen Auftritt). Die Zeichnungen dazu sind wunderbar dunkel und bedrückend. Im Zentrum der Geschichte stehen jedoch das Trauma der Deutschen Besatzung Belgiens in der Nachkriegszeit und das Außenseitertum eines von einem Nazisoldaten gezeugten Antwerpener Jungen, das Tier selbst tritt erst später in Erscheinung und erregt natürlich die Aufmerksamkeit unterschiedlicher Interessengruppen. Damit verpassen Zidrou und Frank Pé die Chance, für diese Geschichte einen unerwarteten Rahmen zu wählen. Dafür indes sind die Bilder einfach formidabel.

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Matthieu Bonhomme – Lucky Luke Hommage 4: Wanted – Egmont 2021

Von Matthias Bosenick (10.05.2021)

Das Cover ist vielversprechend: Unter dem Titel „Wanted“ sieht man drei Frauen, die sich mit Lucky Luke bewaffnet in Positur werfen. Was könnte man daraus machen: Female Empowerment im Wilden Westen der frankobelgischen Funnys, ein zum Outlaw gewandelter, verbitterter, desillusionierter früherer Westernheld, möglicherweise eine falsche Verdächtigung, der sich der Schnellschütze mithilfe dreier Superfrauen zu erwehren hat? Nichts davon: In seiner zweiten Hommage an Lucky Luke, der vierten dieser Nebenserie, begleitet Luke drei zwar mutige, aber schutzbedürftige Frauen, die um seine Gunst als Liebhaber buhlen und ansonsten ganz gut aussehen. Wanted ist Luke nur, weil eine Serienfigur das behauptet, um alle Verbrecher wegen des vermeintlichen Kopfgeldes gegen ihn aufzubringen. Ernüchternd und enttäuschend, so ansehnlich die Zeichnungen auch sein mögen. Die einzige schwache Hommage bisher.

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Christopher Tauber/Hanna Wenzel – Rocky Beach: Eine Interpretation – Kosmos 2020

Von Matthias Bosenick (24.09.2020)

Wie sähe es aus, wenn die Drei Fragezeichen so erwachsen wären, wie sie in den Hörspielen längst klingen? Machen sie unendlich so weiter und merken gar nicht, dass sie altern, oder finden sie sich beispielsweise nach einer verheerenden Erfahrung mit tödlichem Ausgang entzweit und auf die düstere Realität von Mittvierzigern in der Krise zurückgeworfen? So jedenfalls stellt es sich Christopher Tauber vor und lässt diese Vision, seine „Interpretation“ von „Rocky Beach“, von Hanna Wenzel atmosphärisch passend als schwarzweiße Graphic Novel umsetzen. In weiten Strecken gelungen, mit Abstrichen, und auch ohne Vorkenntnisse gut lesbar. Wie klänge wohl ein Hörspiel davon?

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Béja & Nataël – Fünf Freunde (1) erforschen die Schatzinsel – Carlsen 2019

Von Matthias Bosenick (23.01.2020)

Das fehlte gerade noch: Enid Blytons „Fünf Freunde“ als Comic sind tatsächlich eine Neuheit in der Darstellungsform dieser Jugendbuchreihe. Leider raubt das Zeichnergespann Béja & Nataël der Ausgangsgeschichte die Atmosphäre, verkürzt sie sinnlos, ändert auch noch Handlungsdetails und fügt einen plumpen, unlustigen Humor hinzu. Die Zeichnungen sind mehrheitlich akzeptabel, im klassischen frankobelgischen Funny-Stil und mit Blick auf den Veröffentlichungszeitraum der Urgeschichte auch recht zeitgemäß. Und doch, dieser Auftakt ist eine Enttäuschung – und hat trotzdem bereits zwei Fortsetzungen.

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Conrad & Ferri – Asterix (38): Die Tochter des Vercingetorix/Diverse Autoren – Asterix: Die Hommage – Egmont Comic Collection 2019

Von Matthias Bosenick (20.11.2019)

Ganz so schlimm wie von vielen bemeckert ist „Die Tochter des Vercingetorix“, der vierte Asterix-Band aus Nachfolgerfedern, nun doch nicht, ganz so toll wie von den anderen bejubelt aber auch nicht. Man wundert sich ohnehin, warum ausgerechnet diese Comicreihe europa- und weltweit einen so hohen Stellenwert hat; das ist, als würde man Metallica heute noch für jeden neuen Ton feiern, obwohl sie seit 30 Jahren keine guten Platten mehr aufnehmen, nur weil sie mal den Thrash-Metal erfunden haben. Asterix ist weitgehend durch, es gibt viel relevantere alte und neue Comic-Reihen. Man darf Helden auch vom Thron stoßen, wenn sie nix mehr bringen. Oder eine Hommage verfassen.

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Ben Aaronovitch – Der Oktobermann/Schwarzschimmel – dtv/Panini 2019

Von Matthias Bosenick (15.10.2019)

Seit acht Jahren gibt es nun die „Rivers Of London“-Serie von Ben Aaronovitch mit dem Londoner Zauberpolizisten Peter Grant als Hauptfigur. Auf Deutsch existieren davon sieben Romane und mit den neusten zwei Veröffentlichungen zudem zwei Kurzromane und drei Graphic Novels, auf Englisch liegen zusätzlich noch weitere drei Comics sowie diverse schriftliche und Hörbuch-Kurzgeschichten vor, der achte Roman der Hauptreihe und der siebte Comic sind für November vorgesehen und in der Schublade hat Aaronovitch noch diverse weitere unveröffentlichte Ideen. Und: Simon Pegg und Nick Frost wollen den Stoff verfilmen. Bei so viel Output bleibt Qualität bisweilen auf der Strecke, das gilt auch für die jüngsten in Deutschland erschienenen Geschichten: Liest sich „Der Oktobermann“ noch einigermaßen flott und flüssig weg, lässt einen „Schwarzschimmel“ doch eher kalt.

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