Aphex Twin – Computer Controlled Acoustic Instruments pt 2 EP – Warp 2015

Von Matthias Bosenick (17.02.2015)

Der Typ ist echt mal irre. Erst lässt Richard D. James jahrzehntelang gar nichts von sich hören, dann kommt wie aus dem Nichts das Aphex-Twin-Album „Syro“, gefolgt von gut neun Stunden Gratis-Material im Internet. Und aus dem nächsten Nichts liegt nun eine kleine EP vor. Deren Titel gibt grob vor, was man zu hören bekommt: „Computer Controlled Acoustic Instruments“ nämlich, was aber deutlich weniger abstrakt ausfällt, als man bei den bekannten Parametern annehmen könnte, und vielmehr den Abwechslungsreichtum des Komponisten belegt. Die halbe Stunde (oder 20 Minuten, je nachdem, ob man das Vinyl auf 33 1/3 oder 45 Umdrehungen hört) klingt unerwartet warm und angenehm.

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Thom Yorke – Tomorrow’s Modern Boxes – Landgrab 2014

Von Matthias Bosenick (05.01.2015)

Bei Thom Yorkes zweitem Soloalbum steht die Diskussion um den Vertriebsweg vor der um die Musik. BitTorrent, Bandcamp, Gratis-Downloads – und eine LP-Version für mindestens satte 40 Euro, das sind die Eckdaten zum Jahreswechsel. Damit sattelt Yorke auf den Coup um das Radiohead-Album „In Rainbows“ auf und macht sogar so ähnliche Musik, nur ohne Band dahinter, also rein elektronisch vertrackt mit seiner Stimme drin. Das Ergebnis ist jedoch eher Stimmung als Song – und damit latent enttäuschend, wenn auch auf hohem Niveau.

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Myrkur – Myrkur – Relapse Records 2014

Von Matthias Bosenick (24.10.2014)

Das ist auch eine Form von Sexismus, gewiss: Myrkur ist vordergründig deshalb interessant, weil es sich dabei um das Black-Metal-Projekt einer einzelnen Frau handelt. Da der Black Metal in den vergangenen Jahren eine künstlerische Aufwertung erfuhr, die ihn auch für Leute öffnete, die nicht auf angezündete Kirchen stehen, ist man hellhörig: Was macht Amalie Bruun anders als die Kerle? Nun: Ihre Stimme ist untypisch zart und elfisch – aber ihr Metal rumpelt etwas zu arg. Am schönsten ist das Mini-Album, wenn es 4AD-Dreampop und Shoegaze kreuzt; am dröhnenden Ambiente muss sie noch etwas arbeiten, sofern die hauptamtlich bei Ex Cops als Musikerin sowie als Model tätige Dänin das überhaupt will.

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U2 – Songs Of Innocence – Island Records 2014

Von Matthias Bosenick (21.10.2014)

Das neue Album von U2 ist – mal abgesehen von der Marketingmethode – streitbar. Das, was das Quartett abliefert, hat es im Grunde nicht nötig. Die beiden vorhergehenden Alben waren relativ frei davon, kundenorientiert zu sein. „Songs Of Innocence“ ist dies jedoch weitgehend. Gute Ideen haben die vier Herren weiterhin, das ist unbestritten und immer wieder zu hören, doch betten sie die in einen Kontext, der sie zu stark verdeckt. Stadionhymnen sind hier Programm, sie funktionieren live wohl am besten, aber auf Platte nerven sie. Und: Eine Band, die ihr Album bei Apple verschenkt, sollte ihrer LP doch einen Downloadcode beilegen, oder?

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Deine Lakaien – Crystal Palace – Chrom Records/Soulfood 2014

Von Matthias Bosenick (11.08.2014)

Och, nö! Da lassen sich Ernst Horn und Alexander Veljanov satte vier Jahre Zeit für ihr zehntes Album als Deine Lakaien, und dann langweilen sie damit doch nur. Wieder, wie man inzwischen meint. Oder ist es nur der Hörer, der musikalisch weitergewandert ist und den larmoyanten Mollton einfach mal satt hat? Es erstaunt auch, dass das musikalische Produkt zweier dergestalt Versierter so banal erscheint. Nach all der Kollegenschelte sollte das Duo jedenfalls keine Steine in seinen Crystal Palace mitnehmen.

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Numb – The Valence Of Noise – Minimal Maximal 2014

Von Matthias Bosenick (04.07.2014)

Dirk Ivens bemüht sich redlich, den Fans vergriffene Besonderheiten aus dem internationalen EBM-Geschehen auf seinem Label Minmal Maximal auf Vinyl zugänglich zu machen. Nicht nur eigene Arbeiten mit Absolute Body Control, sondern auch Werke von Kollegen wie A Split-Second, Parade Ground, Front 242 oder The Neon Judgement bringt er so unter die Leute. Jüngste Veröffentlichung ist „The Valence Of Noise“, eine Raritätensammlung von Numb. Die acht Stücke decken den Zeitraum von 1991 bis 2000 ab und spiegeln damit auch die atmosphärische und musikalische Bandbreite der leider aufgelösten kanadischen EBM-Krawallos um Don Gordon wider.

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Gus Gus – Mexico – Kompakt 2014

Von Matthias Bosenick (01.07.2014)

Sind die gut! In Sachen Elektro, Techno, Ambient, Downbeat, Deep House oder was auch immer gibt es kaum bessere Acts als Gus Gus (oder auch GusGus, gesprochen „güsgüs“). „Mexico“ ist das vierte überragend gute Album in Folge (also in sieben Jahren). Die Songs sind welche, also nicht einfach nur Tracks, und machen auch zu Hause viel Spaß, nicht nur im Club. Gute Laune mit Anspruch, Niveau, Lebensfreude und ganz viel Raum.

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The Mission – Different Colours – Oblivion/SPV 2014

Von Matthias Bosenick (30.06.2014)

Das ist ein interessantes Projekt: Als zweite Veröffentlichung in der zweiten Reunion bringen The Mission eine Doppel-Single heraus, auf der jedes Mitglied der aktuellen Besetzung je einen selbstkomponierten und -gesungenen Song präsentiert. Musikalisch ergibt das eine Bandbreite, die tatsächlich breiter ist als die des jüngsten Albums „The Brightest Light“. Ein Manko ist, dass die Single-Versionen überwiegend kürzer sind als die in der Download-Version der EP, dass der fünfte Song des Download-Bundles fehlt – und dass der Single kein Download-Code für die fünf Tracks beiliegt. Dafür sind die mehr als 15 Euro für eine Doppel-Single einfach viel zu viel.

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No Hay Banda – Deadly Songs – Pigslide Records 2014

Von Matthias Bosenick (21.04.2014)

Die beiden Kopenhagener von No Hay Banda fügen dem klassischen Konstrukt Synthie-Duo im Jahre 2014 tatsächlich eine neue Ebene hinzu. Als erstes haut einen die Stimme von Louise Tækker um: dunkel, kraftvoll, geradlinig, fordernd – und erfreulich frei von chartskompatiblem Tralala. Die Musik von Jonas Linnet bedient sich zwar bei den 80ern, kopiert sie aber nicht; weder ist der Synthie dominierend – Gitarre und andere Instrumente unterfüttern die Atmosphäre –, noch ist die Produktion dergestalt auf komprimierte Fettheit angelegt, dass es einem die Ohren zudrückt. Vielmehr weiß das Duo filigran zu arrangieren und die Musik nicht zu überfrachten: reduziert, aber nicht leer, und es gibt immer etwas zu entdecken. Das vorliegende zweite Album „Deadly Songs“ nun ist zudem deutlich weniger tanzorientiert als noch das Debüt „Wow & Flutter“ von 2011. Adé CD: Erhältlich ist das halbstündige Werk als LP, Download – und Kassette.

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Pixies – EP3 – Pixies 2014

Von Matthias Bosenick (29.03.2014)

Das ist mal so richtig frech. Mit der „EP3“ und der Ankündigung eines Albums mit dem albernen Namen „Indie Cindy“ verlieren die Pixies sämtliche Reputation: Ursprünglich hieß es, die Pixies bringen nie wieder ein neues Album heraus, auch nach der Wiedervereinigung 2003 nicht, die ja an sich schon niemals hätte stattgefunden haben sollen. Dann platzierten sie diverse neue Einzel-Tracks auf Sampler und im Internet, die ganz okay bis sehr gut waren. Dann gab es „EP1“ als 10“ mit vier neuen Stücken, da dachte man schon: Das, Kollehng Kollehng, geht ja gar nicht. Abgesehen davon, dass die Songs gerade mal mittelmäßig waren, widersprachen sich die Pixies sowas von selbst, und das auch noch in einer Besetzung, die nicht mehr original war, schließlich ist Kim Deal nicht mehr dabei. Im Zuge von „EP1“ kündigten sie an, vier solcher EPs zu veröffentlichen, aber kein Album, weil das unwirtschaftlich sei. Jetzt also kommt das Album, das alle drei bisherigen EPs bündelt. Hätte man das gewusst, hätte man sich das viele Geld für die drei 10“es gespart, denn die CD allein kostet weniger als nur eine der Vinyl-Scheiben, bietet aber auch nicht mehr als deren zwölf Songs. Darin steckt die nächste Frechheit: Die Band bekommt nicht nur keine vier EPs zusammen, sondern im Grunde nicht mal drei: Den Opener „Bagboy“ verschenkten die Pixies seinerzeit im Zuge der ersten EP als Gratisdownload. Das bedeutet: Wer sich „EP3“ als Download kauft, bezahlt damit als einen von vier Songs ein Stück, das er bereits als Geschenk auf der Festplatte hat. Einen Vorteil davon haben nur die 3000 Fans, die die rasch ausverkaufte Vinyl-Version ergattern konnten. Frech!

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