Julieta – Pedro Almodóvar – E 2016

Von Matthias Bosenick (10.08.2016)

Eine Wohltat, dieser Film: Er ist in mehr als nur einem oder zwei Aspekten gut. Er hat ein großartiges Ende, schöne Bilder, eine mitnehmende Geschichte, passende Musik, attraktive Figuren, eine überzeugende psychologische Basis und geschickt ausgelegte Selbstreferenzen. Jede Komponente für sich allein genommen hätte ohne die anderen keinen guten Film ergeben, aus allen zusammen kreiert Almodóvar, wie sich das frühere Entfant Terrible des europäischen Kinos inzwischen nur noch nennt, ein wahres Kunstwerk. Man verlässt das Kino mit einem „wow“ auf den Lippen.

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Van Damned – 4 Track Demo CD – Van Damned 2014

Von Matthias Bosenick (02.08.2016)

Yes, I want it, and I need it: Mit nur vier Songs empfehlen sich die musikhistorisch regional stark aktiven drei Jungs von Van Damned für eine Live-Performance mit erwartbar astreinem Partycharakter. Macht die behaarten Oberkörper frei, Männer, und holt die Luftgitarren raus: Hier rockt der Blues nach Art der Siebziger, er lässt dabei reichlich Platz für Verspieltheiten. Das Trio beherrscht eine ansteckende Dynamik, die sich nicht hinter vordergründigem Rockertum verstecken lässt. Wenn diese Vorgeschmacks-CD auch nur ansatzweise exemplarisch für den Livespirit stehen sollte, ist da sicher einiges rauszuholen. Auch ohne Clubatmo lässt die CD die Füße wippen und den Kopf nicken. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass diese CD live im Studio eingespielt wurde – das merkt man. Yes, I want it!

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Rosi – Grey City Life – In A Bad Mood 2016

Von Olaf Krautwurst (27.07.2016)

Als erstes muss ich mich bei Guido Wein aus Hameln bedanken, der mir in unserem Gespräch auf dem Owls’n‘Bats-Festival die Band Rosi empfohlen hat. Ohne Guido würde es entsprechend die Rezension nicht geben. Als ich nun sah, dass das Album „Grey City Life“ bestellbar war, wurde spontan mein Interesse geweckt und ich bestellte ein Exemplar der LP, welches auch zwei Tage später bei mir eintraf. Wie ich am Empfangstag erfuhr, bekam ich die LP durch meine Direktbestellung als einer der ersten und weit vor dem offiziellen VÖ im September 2016.

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Toni Erdmann – Maren Ade – D 2016

Von Matthias Bosenick (19.07.2016)

Fremdschäm – Der Film: Wären da nicht die unerschütterlich reagierenden anderen Figuren, man versänke andauernd im Erdreich vor lauter Schamgefühl den beiden Hauptcharakteren gegenüber. Die Unternehmensberaterin Ines und ihr Vater Winfried bringen in Bukarest Manager und Jetset durcheinander, und das alles nur, weil sie sich von einader und vom eigenen Leben entfremdet haben. Regisseurin Maren Ade schont niemanden und hält bis zum Exitus drauf. So kommen locker zweieinhalb Stunden Film zusammen, in denen man sich schon bisweilen fragt, ob eine Stunde weniger die Wucht aus dem Ablauf genommen hätte. Denn der Film ist so hyperrealistisch, dass der Kontrast zu den absurden Sequenzen dadurch erst so bewusst wird.

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Akte X: Die neuen Fälle – Chris Carter – Fox 2016

Von Matthias Bosenick (16.07.2016)

Das ist also das Reboot mit sechs Episoden, ein gutes Dutzend Jahre nach dem Aus der Serie und acht Jahre nach dem letzten Kinofilm. Man fragt sich: War „Akte X“ schon immer so öde und unstringent und man hat es nur deshalb nicht gemerkt, weil man die Serie kontinuierlich verfolgte und sich so schleichend an den Verfall gewöhnte? Oder ist die zehnte Staffel tatsächlich besonders mittelmäßig geraten? Hier halten sich Gut und Schlecht die Waage, was sich somit leider zuungunsten von Gut auswirkt. Immerhin: David Duchovny und Gillian Anderson sind die weitaus besseren Schauspieler als der Nachwuchs, der hier zu etablieren versucht wird. Ein Hoch auf die Alten!

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Sonic Wolves – Before The End Comes – Taxi Driver Records 2016

Von Matthias Bosenick (09.07.2016)

Verdammt: Indianer! Extrem tief verwurzelt in psychedelisch heavyrockenden Siebzigern, hieven die vier Musiker aus Alessandria bei Genua den Stoner Rock ins Classic-Rock-Regal, nur rotziger. Man hört diesem Debüt an, dass sie allesamt schon zum Teil langjährige Erfahrungen in anderen Bands haben; genannt seien hier unter anderem Pentagram und Ufomammut. Das gibt auch grob die Spannweite dieses gut halbstündigen Albums wieder.

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High-Rise – Ben Wheatley – GB 2015

Von Matthias Bosenick (08.07.2016)

Ach ja, da war ja noch was: An sich ist „High-Rise“ gar nicht so übel, aber kaum kommt man aus dem Kino, hat man den Film schon vergessen. Das liegt zum einen an den wenig Identifikation stiftenden Figuren und zum anderen an der Erzählweise, die nach der Einführung der Thematik den interessantesten Teil im Schnellverfahren durchhudelt und sich dann auf die plakativen Standards Sex und Gewalt konzentriert. „High-Rise“ ist eine Gesellschaftsanalyse, die recht treffend ist, aber ein immanentes Schulterzucken transportiert, das der unterstellten Intention entgegenwirkt. Man kann auch sagen: „High-Rise“ ist das längste Musikvideo, das Portishead je gemacht haben.

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Swans – The Glowing Man – Young God Records/Mute 2016

Von Matthias Bosenick (02.07.2016)

Überraschend unlärmig ist der – ja, auf das Wortspiel kommt jeder – Schwanengesang der jüngsten Swans-Inkarnation. Leichte Kost wird dieses zweistündige Album dennoch für die meisten Menschen kaum sein. „The Glowing Man“ klingt, als hätten Michael Gira und seine nicht mehr lange um ihn kreisenden Mannen das Vorgängeralbum „To Be Kind“ entkernt und hier die herausgearbeiteten Kerne neu verfugt. Repetetives Ausufern ist die Basis der meisten Stücke, mit flirrenden, nur latent dissonanten Semimelodien darüber. Selbst das Tempo bleibt reduziert, die musikalische Wucht dadurch aber kaum. Was man mit den herkömmlichen Bandinstrumenten nicht alles selbst im Jahre 2016 noch Unerhörtes kreieren kann. Respekt, ihr alten Männer!

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Lassigue Bendthaus – Matter – Dark Entries 2014 (Original 1991)

Von Olaf Krautwurst (30.06.2016)

Eigentlich wollte ich aus Zeitgründen keine Rezensionen mehr schreiben. Warum ich dies nun doch wieder mache, ist einfach erklärt. Ich habe angefangen, mir wieder Schallplatten, ja Vinyl, zu kaufen und da ich mich daran so erfreue, möchte ich euch hier ein paar Sahnestücke meiner Einkäufe vorstellen.

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The Neon Demon – Nicolas Winding Refn – USA/DK/F 2016

Von Matthias Bosenick (29.06.2016)

Das Modeldasein frisst Dich auf. Okay. Bekannte Erkenntnis. Und weiter? Nix weiter. Nicht in „The Neon Demon“ zumindest. Der Film ist so glatt wie die Gesellschaft, die er darstellt. Da gibt es keinen Bruch und keinen Tiefgang. Die Handlung ist so plump, dass der Film sogar komplett ohne sie deutlich attraktiver geworden wäre. Man sieht, wer oder was Nicolas Winding Refn gern gewesen wäre, aber geworden ist er es nicht. Nett zu betrachten, mehr nicht – und das ist sicherlich nicht der Effekt, den das vermeintliche Enfant Terrible sich hiermit erhofft hat.

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