Exquirla – Para quienes aún viven – Superball Music 2017

Von Matthias Bosenick (11.03.2017)

Wenn alles gesagt ist, mischt man das Gesagte neu: So funktioniert auch Exquirla, das gemeinsame Projekt der spanischen Postrockband Toundra und des Flamencosängers Niño De Elche. Das Ergebnis ist ein dunkler Fluss an progressiver Rockmusik zwischen heavy und mäandernd mit einer rauhen beschwörenden singsangenden Stimme drüber. Eine beeindruckende und großartige Kombination. Ebenbürtig mit etwa Jambinai aus Südkorea, die in ihren Metal traditionelle Instrumente einfließen lassen. Neu geht noch 2017!

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Das Vollplaybacktheater: Die drei ??? und der grüne Geist – Live im CongressPark Wolfsburg am 22. Februar 2017

Von Matthias Bosenick (22.02.2017)

Zum ersten Mal in Wolfsburg! Weil Braunschweig fürs Vollplaybacktheater seit dem Ende des FBZ einfach nicht mehr geht. Jaja, einmal mehr Salz in die Wunde. Im 20. Jahr ihres Bestehens entschleunigt die Wuppertaler Gruppe ihr Konzept: Zwar bleibt es dabei, dass eine Folge der drei Fragezeichen – hier „Der grüne Geist“, als Hörspiel die Nummer 8 – mit Artverwandtem und sonstwie Passendem gestreckt wird und die selbst stummen Schauspieler lediglich ihre Lippen dazu bewegen. An das reduzierte Tempo gewöhnt man sich schnell und findet die Vorteile: Die Gags dringen besser ins Bewusstsein und die bisweilen nervigen Animationssequenzen zum Mitschunkeln fallen deutlich kürzer aus. Ein Tischfeuerwerk der Retrokultur, des freakigen Sprachwitzes und der Samplekunst.

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T2 Trainspotting – Danny Boyle – UK 2017

Von Matthias Bosenick (21.02.2017)

Mega mega wildes Ding, diese überraschende Fortsetzung des Neunziger-Popkultur-Meilensteins (als solchen muss man den Film auffassen) „Trainspotting“. Regisseur Danny Boyle holte die verbliebene Clique zusammen und erzählt, was aus den perspektivlosen Edinburgher Junkies und Kriminellen nach 20 Jahren so geworden ist. Das brutale und melancholisch-humorige Ergebnis ist nicht nur inhaltlich stimmig, sondern auch formal, in Sound und Vision. Spannend ist außer dem Film sicherlich die Frage nach dessen Zielgruppe.

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Marc Domin – Schwarzer Hafen & Outtakes – R. Volksfeind Produktionen/epubli 2016

Von Matthias Bosenick (20.02.2017)

Der größte Provokateur Wolfsburgs und angrenzender Landkreise versucht sich am Thriller, und das auch noch mit respektablem Ergebnis: Schach ist das Grundthema, sowohl inhaltlich als auch formal. Und das soll ihm mal einer nachmachen. Die Form ist gewagt, die Sprache nicht minder. Als Bonus gibt es ein Büchlein mit „Outtakes“, also Geschichten von Bekannten Domins, die noch nie etwas veröffentlicht haben und denen er eine Plattform für ihre Gehversuche bietet. Ebenbürtig und interessant.

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Sepultura – Machine Messiah – Nuclear Blast 2017

Von Matthias Bosenick (17.02.2017)

Sepultura haben etwas ganz Entscheidendes verloren: ihren Bremsklotz nämlich, mit dem sie versuchten, in der selbstgewählten Metal-Nische zu verbleiben, die ihnen seinerzeit Alben wie „Chaos A.D.“ und „Roots“ eröffnete. Doch war ihnen das bei aller technischer Raffinesse und Thrashigkeit ohne die Cavalera-Brüder einfach nicht vergönnt. Davon befreien sie sich auf „Machine Messiah“, sind einfach mal sie selbst – und so gut wie seit 21 Jahren nicht mehr, also seit Maxe das Mikro für Derrick Green freigab.

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The Perc – Koto Funk – Tribal Stomp Records 2016

Von Matthias Bosenick (16.02.2017)

The Perc mistet seinen Keller aus, ohne den Hidden Gentleman dieses Mal: Auf „Koto Funk“ bringt er Skizzen zusammen, die er laut Begleitzettel 1995 für ein doch nicht verwirklichtes Theaterstück („Festung“ von Rainald Goetz) anfertigte. Das Ergebnis ist eine für Tom Redecker typische Mischung aus düster-schrägen Synthieexperimenten und verschlepptem Indierock. Also deutlich experimenteller und spannender als der meiste zeitgenössische alternative Kram. Und trotzdem zeitlos.

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The Lego Batman Movie – Chris McKay – USA/DK 2017

Von Matthias Bosenick (15.02.2017)

Wie schade: Nach dem überraschend zynischen „The Lego Movie“ war vom Spin-Off „The Lego Batman Movie“ sehr viel zu erwarten. Doch verliert der sich in Anspielungen an Superhelden- und Monsterfilme und in eine Hollywood-typische Dramahandlung um Egoismus und den Wert der Familie. Die Story ist so flach, dass es die spärlichen guten Gags auch nicht mehr reißen. Auch das Baumaterial Lego kommt reichlich kurz. So ist dies leider kaum mehr als ein weiterer überdrehter Animationsfilm.

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Dead Men Walking – Unofficially Official: Live In Bristol 2016 – Dead Men Walking 2016

Von Matthias Bosenick (30.01.2017)

Selbstironie, Akustikmusik und Punkrock in einem: Das ist das seit 2001 fließend aus diversen britischen Punk-, Postpunk-, Gothic- und Rockabilly-Bands besetzte Projekt Dead Men Walking, das sich 2016 einmal mehr zusammentat, um die alten Hits zur Lagerfeuerklampfe zu trällern. Vier tote Männer sind es dieses Mal: Kirk Brandon (Spear Of Destiny, Theatre Of Hate), Dave Ruffy (The Ruts/Ruts DC), Jake Burns (Stiff Little Fingers) und Segs Jennings (ebenfalls The Ruts/Ruts DC). Sie beweisen: Punkrock hat Tiefe und Spaß an Mucke kein Alter. Gibt nur 500 Exemplare dieser Live-CDr!

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Sibylle Schreiber – Ich wollte immer mal einen Liebesbrief schreiben… – Formidabel-Verlag 2016

Von Matthias Bosenick (28.01.2017)

Jetzt also doch noch: Das zweite Buch von Sibylle Schreiber, in dem sie wieder schwarze Kurzgeschichten sammelt. Man braucht einiges an Hartgesottenheit, um jeweils gegen Ende der Geschichten nicht durchzudrehen: Die meisten Texte beginnen nämlich in einem vertrauten Setting, kippen dann aber kurz vor Schluss in etwas teilweise Abscheuliches. Diese Abscheulichkeiten offenbaren dabei weniger die schwarze Seele der Autorin, sondern vielmehr die Abgründe der Gesellschaft, die Schreiber beschreibt. Sprachlich und inhaltlich wiegt Schreiber den Leser in Sicherheit und schlägt dann erbarmungslos in die Magengrube. Hier fließt – wie auf dem Cover – Blut aus dem Liebesbrief.

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Dwiki Dharmawan – Pasar Klewer – MoonJune Records 2016

Von Matthias Bosenick (21.01.2017)

Wenn auch im noch so freien Jazz alles seit 75 Jahren weitgehend auserzählt ist, gibt es wie in jedem Genre immer noch die Möglichkeit, dadurch etwas Neues zu kreieren, indem man ein Kreuzüber anzettelt. Im Jazz heißt das Fusion und beim Pianisten Dwiki Dharmawan heißt das, dass er musikalische Einflüsse aus seiner Heimat Indonesien integriert. In London scharte er für sein zweites Album haufenweise versierte junge Leute aus seiner alten und neuen Gegend um sich und ließ sie entspannt und gleichzeitig verfrickelt herumgrooven, indem sie Vertrautes und Fremdes progressiv durcheinandermixten. Klewer!

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