Steamgenerator – Black As Coal – Steamgenerator 2019

Von Matthias Bosenick (28.04.2020)

Dat is en Dampfmaschin! Als Quasi-Extrakt der Bands Grief Of God und Inner Bleeding tritt das Wolfsburger Quintett Steamgenerator an, um den klassischen Doom der Siebziger mit neuem Leben zu füllen. Black Sabbath mit Ozzy Osborne klingen klar durch die sechs Tracks des Debüts, das sich mit Samples und atmosphärischen Keyboardeinsätzen dennoch in der Gegenwart zu verorten weiß und sogar vor einem Kraftwerk-Cover nicht zurückschreckt. „Black As Coal“ ist ein gelungenes Album, und nächstes Mal darf’s auch gern eine metalgroße Schippe mehr Dreck sein.

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Myrkur – Folkesange – Relapse Records 2020

Von Matthias Bosenick (22.04.2020)

Wie man Gewalt und Brutalität ausübt, indem man beides weglässt: Myrkur war schon immer gut darin, die Szene gegen sich aufzubringen, in der sie sich verortete. Ihre Sorte Black Metal war bei den eingefleischten Fans von der ersten EP an verhasst, und wenn sie sich dort nun dennoch mühsam etabliert hat, bringt sie sie mit diesem Album einmal mehr gegen sich auf. Denn es beinhaltet: Folk, ätherischen, mehrstimmigen, historischen bis eigenkomponierten skandinavischen Folk, kein brachiales Gebretter. So geht das.

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Nac/Hut Report – Transmisja Z Przesilenia – Crunchy Human Children 2020

Von Matthias Bosenick (16.04.2020)

Eines der wohl kuriosesten Musikprojekte der Erde setzt seinen Weg unbeirrt fort: Die Musik des Duos Nac/Hut Report aus Kraków ist eigentlich keine, denn es gibt keine Rhythmen, so gut wie keine Melodien, und die Stücke sind nicht einmal überhaupt durchgehend gespielt, sondern ständig unterbrochen, zerhackt. Das Merkwürdigste daran ist aber wohl, dass die Alben trotzdem hörbar und sogar schön sind. Wenn man sich daran gewöhnt hat. Das neueste Album gibt es dieses Mal physikalisch ausschließlich als Tape.

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Nautilus – The Mystery Of Waterfalls – Sireena 2020

Von Matthias Bosenick (14.04.2020)

Ein recht merkwürdiges Album: Musikalisch zunächst etwas uneigenständig zwischen Kitsch und Standardprog, entwickelt die Band Nautilus alsbald eigene Ideen – auf der Grundlage von technoiden Beats. „The Mystery Of Waterfalls“ wirkt als Ganzes wie ein Sampler, der von Berliner-Schule-Ambient über Pink-Floyd-Fingerübungen bis hin zum Trance-Techno eine überraschend breite Stilpalette bedient. Auf ihrem Weg „20.000 Meilen unter dem Meer“ hat die Nautilus jedoch so manche Untiefe zu umschippern.

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Slime – Wem gehört die Angst? – Arising Empire 2020

Von Marc Lücke (13.04.2020)

„Ich möcht‘ kein Lo-Fi-Spießer sein, ich höre Abwärts und auch Slime“, sangen Tocotronic schon 1995 in ihrem Song „Es ist einfach Rockmusik“. Und eben dieses Bekenntnis der Hamburger Schule zur 1979 gegründeten Punkband Slime gilt selbstverständlich auch für den Verfasser dieser Zeilen. Was allerdings dabei nicht gilt, ist die Feststellung, „Es ist einfach Rockmusik“, denn bekannterweise sind Slime, ebenfalls aus der Stadt an der Elbe, DIE Vorreiter und Veteranen im deutschen Politpunk schlechthin.

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Monday Music Club – Descend/Shine On – Monday Music Club/Minga Records 2019

Von Matthias Bosenick (09.04.2020)

Von Braunschweig nach München, von der NDW-Band mit dem diskutablen Namen Clit zum Indie-Rock mit dem Monday Music Club: Als Vinyl-Single veröffentlicht das klassisch besetzte Quintett um Ulrich Lißner zwei frische Songs. Mit reichlicher Dringlichkeit untermalt der Club seine Anliegen: gegen Rechts und gegen Drogen, verkürzt benannt. Die Songs sind catchy, zielen aber nicht vordergründig auf Partytauglichkeit. Straight, schnörkellos, punktgenau gespielt – man hört, dass da Leute mit Erfahrung am Werk sind.

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Ethernet Orchestra – Oceans Between Sound – Pueblo Nuevo 2020

Von Matthias Bosenick (05.04.2020)

Mehr als zwei Stunden Entspannungsmusik mit kakophonischen, aber schönen Strukturen generierte das personell offene und wortwörtlich weltweit verstreute Ethernet Orchestra um den australischen Trompeter Roger Mills auf seinem neuen Album „Oceans Between Sound“. Alles fließt, kein Lärm unterbricht den Strom der Improvisationen, auch absurde Geräusche fügen sich in die Stimmung ein. „Oceans Between Sound“ ist eine Traumreise mehrmals um die Welt.

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Spezial: Avantgarde aus Moskau – Der Finger, Disen Gage, BOM

Von Matthias Bosenick (02.04.2020)

Sobald man über die eine Sache zu staunen beginnt, sollte man sich nicht zu lang damit aufhalten, sonst entgehen einem die nächsten mindestens drei staunenswerten Dinge. In der Post war kürzlich einmal mehr ein Paket mit Musik aus Moskau, und zwar mit Alben von Der Finger, Disen Gage und Волшебная Одноклеточная Музыка. Irres Zeug: Der Finger spielen mit dem puren improvisierten Experiment, Disen Gage kreieren experimentellen Indie-Rock mit unerhörten Zutaten und Волшебная Одноклеточная Музыка, auch Magical Unicellular Music, improvisieren sich hypnotisch in fernste Sphären. Alle Alben eint, dass sie mit dem Multiinstrumentalisten Anton Efimov verbunden sind. Eine psychedelische Schatzkiste!

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Jörg Hiecke/René Seim (Hg) – Ich liebe Musik Vol. 2 – Windlustverlag 2020

Von Matthias Bosenick (30.03.2020)

Ein überwältigend bewegendes Buch. Die Vorgabe von Ideen- und Herausgeber Jörg Hiecke war, etwas zum Titelthema „Ich liebe Musik“ zu verfassen und dabei ein spezielles Lied hervorzuheben. 69 Beiträge sammelte er mit Verleger René Seim, die sie nun in diesem Kompendium bündeln. Da die beiden Dresdener sind und sich die Vielzahl der Beitragenden aus dem näheren Umfeld fanden, bekommt man berührende Geschichten über Musikfansein in der DDR, zur Wendezeit, nach dem Mauerfall – und sowieso von ganz vielen Momenten erzählt, in denen Musik eine wegweisende Wirkung auf die Verfasser hatte. Wehmut ist ein beherrschendes Gefühl, und Liebe, auch ungenannt, sowieso. Eine grandiose Idee, 21 Jahre nach dem ersten Mal immer noch, mit einem grandiosen Ergebnis.

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Sqürl – Some Music For Robby Müller – Sacred Bones Records 2020

Von Matthias Bosenick (24.03.2020)

Wer überhaupt ist Robby Müller?! In jedem Fall verdient er einen chilligen Soundtrack: Das Drone-Noise-Duo Sqürl, eigentlich die Filmmusik-Hauskapelle von Regisseur Jim Jarmusch, webt transzendentale Teppiche aus den vertrauten Lärmzutaten, nur ohne die Dissonanzen. Also eher Ambient als Drone, eher Schwermut als Zorn. Was man mit herkömmlichem Rockmusikinstrumentarium alles so hinbekommt! Ein traumhaftes Traueralbum für – nicht nur – Jarmuschs früheren Kameramann Robby Müller, der 2018 verstarb.

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