Hydrahelia, Faun Fables & Sleepytime Gorilla Museum – Live im Hafenklang, Hamburg, am 7. August 2025

Von Matthias Bosenick (08.08.2025)

Was für ein Paket: Sleepytime Gorilla Museum und Faun Fables aus Oakland an einem Abend, mit einer personellen Überschneidung (auf dem Papier, auf der Bühne vollständig) quasi Hauptact und Vorgruppe aus einem Nest. Die einen – Faun Fables – folkig wie Fairport Convention mit Krängung, die anderen – Sleepytime Gorilla Museum – gar nicht erst kategorisierbar, mit ihrem experimentell-avantgardistischen verschachtelten Theater-Post-Irgendwas-Rock-Metal plus Geige. Und als Support mit Hydrahelia Impro-Drones mit Tanzperformance. Lauter sympathischem Menschen auf und vor der Bühne des Hafenklang und ein Abend für die Ewigkeit. Und das für nur 14 Euro.

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Tom Jones – Live in der Autostadt, Wolfsburg, am 15. Juli 2025

Von Matthias Bosenick (16.07.2025)

Man muss damit beginnen, dass der Walisische Tiger 85 Jahre alt ist, denn das erwähnt der sympathische Sänger Tom Jones selbst den ganzen Abend über. Für seinen Auftritt in der Autostadt in Wolfsburg stellt er ein umarrangiertes Greatest-Hits-Set zusammen, das er mit Coverversionen und jüngeren eigenen Songs kombiniert und das ein staunenswertes Programm zwischen Radiopop, Bluesrock und Experimentalmusik ergibt. Und verdammt, diese Stimme klingt noch exakt so ausdrucksstark und kraftvoll wie 1964!

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Clockwork Orange + Special Guests – Live in der Kuba-Halle Wolfenbüttel am 5. Juli 2025

Von Matthias Bosenick (06.07.2025)

Ein Live-Comeback nach 38 Jahren, das dürfte an Rekorden kratzen: 1987 gaben die Wave-Rocker Clockwork Orange aus irgendwo zwischen Gifhorn-Leiferde und der ganzen Welt ihr letztes Konzert, seit etwas über drei Jahren arbeiten sie an der Neubelebung – und nun war es so weit, endlich. Und was für eine furiose Rückkehr! Sofort wähnte man sich wieder in den Achtzigern, gleichzeitig weder im überkommenen Gestern noch unter Epigonen – die fünf spielten schließlich die Musik, die sie damals schon spielten, indes um Jahrzehnte gereift. Wann auf Schallplatte?

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The Hu live im Wolters Applausgarten – Sonntag, 15. Juni 2025 (Vorband: Eihwar)

Von Guido Dörheide (16.06.2025)

Ich war immer skeptisch, was die Hu anbetrifft, konnte ich mich doch noch gut an den Hype um eine mongolische Rock- bzw. Metalband vor einiger Zeit erinnern und auch, wie ich damals dachte, „Vertraue nie dem Hype“, und so immer einen Bogen darum gemacht habe, mir „The Gereg“ (2020) einmal anzuhören.

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Melancholie bis zur existentiellen Erschöpfung: The Hard Quartet live im Beatpol, Dresden, 15. Juni 2025

Von Onkel Rosebud (15.06.2025)

Sonntagabend in Dresden. Der bisher heißeste Tag des Jahres (32°C) geht mit einem reinigenden Gewitter dem Ende zu. Heerscharen von Touristen schauen auf die Carolabrücke, wie sie langsam zu Staub zerfällt. Die Stadt macht sich bereit für Freiluftgedöns und Erregung öffentlicher Langeweile bei den Filmnächten am Elbufer. Dieses Jahr haben sich die Veranstalter gedacht, Ski Aggu, Nina Chuba, Johannes Oerding, Provinz, Die Vier Komischen Fünf aus Stuttgart und Sido wären als Pentobarbital-Substitut für die Masse eine gute Idee. Deshalb freut es meine Konzertgruppe und mich umso mehr, dass der altgediente Indie-Schuppen mit dem Siegel für Geschmackssicherheit namens Beatpol, formerly known as Starclub, nach der Corona-Zeit wieder mit einem Programm in alter Stärke aufwartet. Dieser reine Konzertklub ist eine Instanz dieser Stadt, hat seit Anfang der Neunziger für uns quasi das Wohnzimmer verlängert und diverse Sternstunden der Daseinsbewältigung inklusive Melancholie bis zur existentiellen Erschöpfung bereitgehalten, wie zum Beispiel den Auftritt von NoMeansNo anno 2016.Wowee Zowee, war der schön.

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Der Weg einer Freiheit + The Devil’s Trade – Live im Jugendhaus Ost, Wolfsburg, am 26. April 2025

Von Matthias Bosenick (27.04.2025)

„Grüß Gott.“ Wenn man zu einem Black-Metal-Konzert mit diesen dunkel gegrollten Worten begrüßt wird und das auch noch von jemandem, der sich The Devil’s Trade nennt, ist die halbe Messe schon mal gesungen. Kann aber auch daran liegen, dass der ansonsten nicht Deutsch sprechende Ungar einfach eine Menge Zeit mit Würzburgern verbringt, denn er eröffnet für Der Weg einer Freiheit, die auf der Abschlussrunde ihrer finalen Tour zum Album „Noktvrn“ einmal mehr im Wolfsburger Jugendhaus Ost gastieren. Mit ihrer gewürfelten Mischung aus Double-Bass-Geballer und Ambient belegen sie, dass Black Metal durchaus glücklich machen kann. Und das ausverkaufte Ost ist glücklich.

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Wall-of-Sound in der Urnenhalle: Echo Collective – Live im silent green Kulturquartier, Berlin, 22. Januar 2025

Von Onkel Rosebud (23.01.2025)

Das wäre alles nicht passiert, wenn mein Berliner Konzertkumpel nicht eine Freundin aus Brüssel hätte. Clémence (Name von der der Redaktion geändert) versorgt uns regelmäßig mit Klangprodukten, deren Hersteller es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Thema Ruhe musikalisch einzufangen und auf die wir ohne sie nie gekommen wären. So bestand meine Motivation, mich mitten in der Woche abends in die Bundeshauptstadt zu begeben (und wieder zurück), aus Margaret Hermant. Sie ist eine Multiinstrumentalistin und Komponistin aus – genau – Brüssel. Letztes Jahr habe ich einige Stücke, wo sie mitgespielt hat, auf dem Sampler „Wind Layers“ (7K! Records) gehört und fand das interessant. Sie kommt aus dem Umfeld von Sylvain Chauveau aus – na klar – Brüssel, der bisher unter anderem durch ein kammermusikalisches Tributalbum zu Depeche Mode aufgefallen ist. Margaret Hermants Hauptband heißt Echo Collective.

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The Twang – Western Wonderland – Live am 14.12.2024, Brunsviga, Braunschweig

Von Guido Dörheide (15.12.2024)

Bereits zum 26. Mal laden The Twang heuer zu ihrer Country- und Western-Weihnachtsveranstaltung ein und wie zu erwarten müssen Hank Twang (voc), Marshall Twang (git), Randy Twang (b), Rusty Twang (dr), Beano Van Twang (git), „Der namenlose Karsten Twang“ (an der Pedal Steel und der Trompete – aber eigentlich ist Karsten doch ein Name, oder, Carsten?) und der Reverend (git, voc) nicht lange bitten – das Event ist bereits seit Oktober ausverkauft. Dank meines Kollegen Micha (ihn ihm sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt) komme ich noch wenige Tage vor dem Ereignis (Occurrence, gell, Micha?) in den Genuss, zwei der längst nicht mehr zu kriegenden Karten zu erstehen: Dem Kollegen, nennen wir ihn der Einfachheit Micha, und seiner Liebsten kam was dazwischen, meine Liebste musste arbeiten, und so übernehmen Freund&Kollege Carsten und ich die beiden Karten, und was soll ich sagen? Wir amisüren uns prächtig.

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Für immer Feuilleton-Punk: Die Goldenen Zitronen – Live im Conne Island, Leipzig, 07. Dezember 2024

Von Onkel Rosebud (08.12.2024)

Aus männlicher Sicht hat sich für mich die Wiedervereinigung schon wegen drei Personen gelohnt: Neben Matthias Bosenick und Guido Dörheide halten seit Jahren Max Goldt, Blixa Bargeld und Schorsch Kamerun die Stellung in meinen Top 5 der BRD-Schicksale, die ich auch gerngehabt hätte, wäre ich nicht auf der anderen Seite der Mauer geboren. Demzufolge habe ich den drei bekannteren Herren schon sehr oft auf Vorträgen, Lesungen und Konzerten beigewohnt. Insbesondere bei letzterem kann ich mich noch gut an die Weser-Label-Partys Anfang der Neunziger erinnern, wo seine Band von Rocko Schamoni wie folgt angekündigt wurde: „Und nun Schorsch Kamerun, das Arschloch von von den Goldenen Zitronen.“ Selbstredend war es für mich ein innerer Reichsparteitag, an der Veranstaltung „Vierzsch Jahre Goldies – Zauberhafte Ballnacht mit den Goldenen Zitronen und ihren Genoss:innen“ teilzunehmen – zumal auch noch im Conne Island in L.E., dem Epizentrum alternativer Popkultur im Osten der Republik.

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Intim und global – Sofi Tukker – Live in der Uber Eats Music Hall, Berlin, 24. November 2024

Von Onkel Rosebud

Totensonntag. Was man da eben so macht. Meine Freundin und ich sind in die Bundeshauptstadt gefahren, um das Duo aus New York City live on stage zu erleben. Wir hatten uns das schon mal Jahre vorher vorgenommen. Corona – da war doch was – machte uns einen Strich durch die Rechnung.

Sofi Tukker sind Sophie Hawley-Weld und Tucker Halpern und ihnen eilt der Ruf voraus, mit einer Mischung aus House, Weltmusik und ansteckender Energie eine bodenlose Tanzparty in eine Art von kollektiver Wesenserweiterung umwandeln zu können.

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