Von Matthias Bosenick (21.01.2026)
Wir mussten ja jetzt tatsächlich mal einige Momente ohne neue Musik des Antwerpener Gitarrenwunders Dirk Serries auskommen, dafür tritt er zum Jahreswechsel mit gleich zwei neuen Alben auf den Plan. Die Versuchsanordnung auf beiden Alben ist ähnlich: Der Mann allein mit einer nicht als solche erkennbaren E-Gitarre und Effektgeräten, Ambient und Drones aufgenommen in Echtzeit. „Infinite And Unbound“ ist ein exklusives Download-Album für Projekt Records, „Zonal Disturbances III“ ist das Filetstück der auf fünf Teile ausgelegten Reihe bei Zoharum Records und auch als CD erhältlich. Zum Abtauchen schön entspannend das erste, zusätzlich herausfordernd brummig das zweite Album.
Archiv der Kategorie: Download/Stream
Daniel.B. – Mandala 3/Mandala 4 – db2fluctuation 2025
Von Matthias Bosenick (02.01.2026)
Chillig ins neue Jahr: Mit zwei neuen Kapiteln setzt Daniel Bressanutti seine „Mandala“-Serie fort, mit der er Ambient-Tracks in die Welt setzt. Mutmaßlich generiert der Brüsseler sie alle mit analogen Synthies, zumindest haftet ihnen diese wärmende Zeitlosigkeit an. Das wären die besseren Kandidaten für den „Tron“-Soundtrack gewesen – und mit der Zugehörigkeit zu den EBM-Erfindern Front 242 hätte man mit Daniel.B. auch recht gut in Promotion gehen können.
Moon’s Mallow – Live @ Resilienza – Moon’s Mallow 2025
Von Matthias Bosenick (16.12.2025)
Mit dieser Veröffentlichung ehrt Gioia Coppola seinen Freund Claudio Colaianni – davon ist zumindest auszugehen, denn vermerkt ist dies nicht. „Live @ Resilienza“ dürfte einer der ersten Auftritte sein, die Coppola mit seiner Band Moon’s Mallow ohne Colaianni bestritt. Hier bekommt der folkige, psychedelische Anti-Britpop der Band aus Bari eine ergänzende Unmittelbarkeit und Rauheit, die Songs springen einem auch aus der Konserve ins Gesicht, es ist, als sei man mittendrin.
That’s All Folks! – Opus Postumum – TAF! 2025
Von Matthias Bosenick (25.11.2025)
Der Titel „Opus Postumum“, obschon bei Immanuel Kant geklaut, passt wie die Faust aufs Butterbrot: Die Heavy-Psych-Band (die Genrebezeichnung legt hier ihr Unterstützer Davide Pansolin von Label, Magazin und Ex-Plattenladen Vincebus Eruptum fest) That’s All Folks! aus Bari verlor ihren Kopf Claudio Colaianni vor wenigen Monaten an den Krebs. Eigentlich existierte diese Band ja seit fast 25 Jahren nicht mehr, doch reformierte sie sich im vergangenen Jahr – und bringt nun als posthumes Opus zwei neue Songs heraus. Da diese so etwas in der Art wie instrumental gehalten sind, lässt sich annehmen, dass der Rest der Band diese Stücke als Requiem einspielte – Infos gibt es dazu nämlich keine. Kurios ist dabei außerdem, dass auf dem Cover als Bandname Colt38 steht, das war vor über 20 Jahren ein One-Off-Projekt von Colaianni zwischen That’s All Folk! und Anuseye.
The Arms Of Someone New – Susan Sleepwalking (2025 Remaster)/Susan Dreaming – Projekt Records 2025
Von Matthias Bosenick (18.11.2025)
Man wird alt wie ‘ne Kuh und lernt immer wieder Altes neu kennen: Das Duo The Arms Of Someone New beispielsweise, dessen Quasi-Debüt-Album „Susan Sleepwalking“ ein Remaster und als „Susan Dreaming“ eine Neubearbeitung erfährt – und das nach satten 40 Jahren. Im Sound orientierten sich die beiden Bandmitglieder Mel Eberle und Steve Jones aus Illinois recht offenkundig an den Young Marble Giants, die diese karge Mischung aus minimalistischen Synthies und verhuschten Gitarren bereits fünf Jahre zuvor etabliert hatten. Umso sehr unterscheidet sich die Neubearbeitung davon – die ist in Drones, Soundscapes und Improvisationen gehalten. Eine tolle Entdeckung!
Spezial: Neue Singles
Von Matthias Bosenick (04.11.2025)
Einige neue Singles und EPs erreichten das Emailpostfach: Oldschool-Rock’n’Roll von Faz Waltz, Goth-Balladen von Dramatika, Goth Rock von Sorry We Weren’t Here Before, Psychedelic-Rock-Pop von Messiness, Post Punk von Factheory, EBM von Mi6, Schamanen-Rock von Transnadežnost‘, Cabaret-Musik von Absent Sunday feat. The Bluestocking, Smooth Jazz von Georgeanne Kalweit, Folk von The Owl Service und Psychedelic Rock vom Behind The Sun Collective.
Hades – Chaotic Days Chronicles/Fear – Cri du Chat Disques/Universal Brasil/Hades 2025
Von Matthias Bosenick (15.10.2025)
Mit einer Compilation und einer neuen Single erfreut das Duo Hades aus Wolfsburg bei Brasilien seine Fans, indem es beides frei zugänglich macht. Auf „Chaotic Days Chronicles“ sammeln Alan Draht (inzwischen Wolfsburg) und Sandro Couto (São Paulo) Raritäten aus den zurückliegenden fast zehn Jahren, „Fear“ ist die Neubearbeitung eines Stückes vom ersten Demo-Tape der Brasilianischen Underground-Electro-Band aus dem Jahr 1993. Dunkler Synthie-Pop und eine Andrew-Eldritch-Stimme gehen eine zeitlose Verbindung ein.
Club Director – Human Body Detected – Vova Sokolow 2025
Von Matthias Bosenick (17.09.2025)
Eigentlich eine geile Herangehensweise, jemanden aus dem Stoner-Space-Rock dazu zu motivieren, Electro-Musik zu machen: Vova Sokolow von den Black Hole Surfers aus Nischni Nowgorod debütiert mit „Human Body Detected“ als Club Director, weil er daheim im Tago Mago ein solcher ist. Zu hören gibt es fünf spacige, treibende Techno-Tracks, die die Grundzüge seiner Gitarrenmusik in Electro transferieren und so eine Musik zwischen Goa, Psytrance und krautigem House ergeben.
Steve Roach & Vidna Obmana – The Live Story – A New Wave Of Jazz 2025
Von Matthias Bosenick (18.08.2025)
Wenn jemand mal eben kurz siebeneinhalb Stunden Zeit hat und nicht so richtig weiß, was er damit anfangen soll, empfiehlt sich „The Live Story“, eine Sammlung von vier gemeinsamen Gig-Mitschnitten der Soundtüftler Steve Roach aus Kalifornien und Dirk Serries aus Antwerpen, jener unter seinem Alias Vidna Obmana. Aufgenommen zwischen 1996 und 2000, präsentiert das Duo diese Performances uneditiert und zum eskapistischen Mitchillen: Das ist Ambient, versetzt mit Experimenten, eine zeitlose Reise durch unermessliche Sphären, gelegentlich auch mit ansprechenden Schräglagen.
Spezial: db2fluctuation – Drei Veröffentlichungen 2025
Von Matthias Bosenick (04.08.2025)
Eine enorm bedauerliche Entwicklung dieser Tage ist es, dass es sich für mittelgroße Künstler nicht mehr rechnet, ihre Musik auf Tonträgern herauszubringen. Oswald Henke von Goethes Erben singt dieses Lied, die beiden Gründungsmitglieder von Front 242, Daniel Bressanutti und Dirk Bergen, mit ihrem Label db2fluctuation stimmen darin ein. Dabei würde man sich deren Musik so gern ins Regal stellen können. Zum Beispiel die jüngsten drei Bandcamp-Veröffentlichungen: „Mandala“ und „Mandala 2“ von Daniel.B. sowie Flux von NothingButNoise, allesamt im elektronischen Ambient mit unterschiedlichen Ausrichtungen angesiedelt.












