Von Matthias Bosenick (28.11.2025)
Es ist eine Wohltat, Thom Yorke mal wieder nicht so exzessiv jammern und klagen zu hören wie zuletzt mit The Smile. Vor 20 Jahren waren Radiohead noch eher eine experimentelle Rockband, die den Fokus auf den Präfix Rock nicht ausblendete. Parallel zur jüngst überraschend angesetzten Tour bringen die Engländer nun anstelle eines begleitenden Studioalbums eine Sammlung von Live-Versionen ihres 2003er Albums „Hail To The Thief“ heraus, angesammelt rund um die Welt in den sechs Jahren nach der Veröffentlichung. Hier hat die Indierockband noch richtig Feuer unterm Arsch, auch in ruhigeren Momenten.
Archiv der Kategorie: Album
The Birch – Vicious Mind – Tonzonen Records 2025
Von Matthias Bosenick (26.11.2025)
Das ist schon Innovationsverweigerung, was die drei jungen Leute von der Band The Birch aus Quedlinburg auf „Vicious Mind“ betreiben: Sie bedienen sich beim psychedelischen und sonstwie harten Blues-Rock der Sechziger und Siebziger, vermengen ihn zu einer eigenen Melange und vermeiden es, musikalisch oder kompositorisch auch nur den Hauch von irgendwas darin unterzubringen, was jünger als 50 Jahre ist. Geschweige denn so jung wie sie selbst. Das machen sie zwar gut, aber den progressiven Musikhörenden fehlt etwas Eigenständiges.
Oslo Tapes – Låst Comet – Grazil Records 2025
Von Matthias Bosenick (24.11.2025)
Mit „Låst Comet“ setzt Marco Campitelli sein Projekt Oslo Tapes fort, wieder mit variierter Besetzung, wieder mit Krautrock als angenommener Basis, dieses Mal indes vornehmlich in Richtung Dreampop orientiert, der in der Mitte in der psychedelischen Disco landet. Dieser „eingesperrte Komet“ will unbedingt raus, man spürt, dass er sich nur schwer bändigen lässt. Loslassen hilft! Dieses Mal bekommt das italienische Projekt übrigens wahrhaftig norwegische Unterstützung, unter anderem von Motorpsycho-Schlagzeuger Håkon Gebhardt.
Autometer – Format – Four Leave Clover 2025
Von Matthias Bosenick (20.11.2025)
Da formiert sich eigens eine Supergroup aus drei dänischen Musikern, um dem alten Kumpel Krautrock neues Leben einzuhauchen: Autometer nennt sich die Band, die mit „Format“ acht titellose instrumentale Tracks auf Basis des genannten Genres erstellt. Lediglich auf Basis: Obschon man die Grundzüge von Krautrock wiederfindet, wäre diese Zusammenkunft ja überflüssig, öffneten die Musiker nicht noch viele weitere Fenster, durch die sie vielfältige Ideen ins Studio fließen ließen. Und wegen Supergroup: Die Bands Kashmir, Bisse, Svin und Wash Your Dirty Money With My Art sind hier unter anderem vertreten.
Mad Vantage – Minutiae. – Art As Catharsis 2025
Von Matthias Bosenick (19.11.2025)
Da hat jemand Bock zu frickeln. Jazz, Progrock, leichte Anleihen an Metal und Elektronik fusioniert das Projekt Mad Vantage auf dem Debüt „Minutiae.“. Dahinter steckt die Musikerin Selene Messinis aus Melbourne, die sich auch Solune nennt; ja, kompliziert. Die acht Tracks bieten exakt die Musik, die man sich bei der Beschreibung vorstellt, mehr für den Kopf als für die Beine, geschmackvoll angerichtet und mit einer kompletten Band live im Studio eingespielt.
The Arms Of Someone New – Susan Sleepwalking (2025 Remaster)/Susan Dreaming – Projekt Records 2025
Von Matthias Bosenick (18.11.2025)
Man wird alt wie ‘ne Kuh und lernt immer wieder Altes neu kennen: Das Duo The Arms Of Someone New beispielsweise, dessen Quasi-Debüt-Album „Susan Sleepwalking“ ein Remaster und als „Susan Dreaming“ eine Neubearbeitung erfährt – und das nach satten 40 Jahren. Im Sound orientierten sich die beiden Bandmitglieder Mel Eberle und Steve Jones aus Illinois recht offenkundig an den Young Marble Giants, die diese karge Mischung aus minimalistischen Synthies und verhuschten Gitarren bereits fünf Jahre zuvor etabliert hatten. Umso sehr unterscheidet sich die Neubearbeitung davon – die ist in Drones, Soundscapes und Improvisationen gehalten. Eine tolle Entdeckung!
Anna von Hausswolff – Iconoclasts – Year0001 2025
Von Guido Dörheide (16.11.2025)
Schlechtestes Albumcover-Artwork des Jahres? Mindestens. Aber eine gute Stunde neuer Musik von Anna von Hausswolff, die zuletzt 2022 mit „Live at Montreux Jazz Festival“ begeisterte, ist auch zugleich eine der vom Rezensenten mit allergrößter Spannung und Vorfreude erwartete Neuerscheinungen des aktuellen Jahres.
WeiterlesenHypostase – Anomalie-N – Ternär Records 2025
Von Matthias Bosenick (17.11.2025)
Kombiniert man Techno und Gitarre, kommt dabei heraus: die US-Idee von Industrial, möchte man annehmen. Doch Alexander Paul Dowerk aus Berlin geht unter seinem eigens ins Leben gerufenen Alias Hypostase anderen Ideen nach, indem er nämlich mit der Elektronik Atmosphären generiert, die nicht einem Four-to-the-Floor-Beat folgen, sondern gebrochen und dunkel daherkommen, und in dem er die Gitarre nicht via Riffs darin einbaut, sondern abermals auf die düstere Stimmung auslegt. „Anomalie-N“ empfiehlt sich Freunden von Mirrors For Psychic Warfare und Absent In Body.
Kreisky – Adieu Unsterblichkeit – Wohnzimmer 2025
Von Guido Dörheide (15.11.2025)
Die wirklich sehr gute Rock- und Pop-Formation Kreisky – benannt nach dem ikonischen österreichischen sozialdemokratischen von 1970 bis 1983 amtierenden Bundeskanzler Bruno Kreisky – aus Österreich hat ein neues Album veröffentlicht: Es heißt „Adieu Unsterblichkeit“ und folgt der 2021er Veröffentlichung „Atlantis“ nach, die nun auch schon wieder ca. vier Jahre zurückliegt.
WeiterlesenWillie Nelson – Workin’ Man: Willie Sings Merle – Legacy 2025
Von Guido Dörheide (12.11.2025)
Der wilde, wilde Westen, liebe Lesenden, fängt gleich hinter Hamburg an. Dachte ich zumindest vor gut 40 Jahren, als die zwar großartigen, aber die Countrymusik nun nicht wirklich repräsentierenden Truck Stop die einzige Band waren, die in meiner Welt die Countrymusik repräsentierten. Johnny Cash war damals ein abgehalfterter Tablettenjunkie, der in einer Columbo-Folge sich selbst spielte, neben dem Studio in Maschen waren 30-Tonner-Diesel die beherrschenden Figuren im deutschen Country und ich wusste, dass es sowas wie Nashville gab, wo der kommerzielle Country zuhause war. Und der letzte Nagel an meinem persönlichen Sarg dieses Genres waren die „Good Old Boys“ bei den Blues Brothers.
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